Bei allen schulpolitischen Problemen die es in Deutschland gibt, ich halte die Schulausbildung dort nach wie vor als sehr gut und ist nicht mal ansatzweise mit der brasilianischen zu vergleichen.
Die PISA-Studie zeigt zwar nur ein mittelmäßiges Abschneiden von Deutschland, aber dieses wird von den Analysten nur mit Einschränkungen bejaht. Fakt ist, dass Deutschland gegenüber den anderen Ländern eine extrem hohe Anzahl von ausländischen Schülern aufweist, die leider in keiner Weise aufgrund Sprachproblemen dem Unterricht folgen können.
Dass immer mehr Eltern ihre Kinder auf das Gymnasium schicken wollen ist eine logische Konsequenz unserer Leistungsgesellschaft. Früher war es noch möglich als Arbeiter eine Familie zu ernähren und sich sein eigenes Häuschen zu finanzieren. Welcher Fabrikarbeiter kann das heute überhaupt noch? Infolgedessen werden die Gymnasien "überschwemmt" und der ehemals elitäre Gymnasialabschluss ist in der Zwischenzeit schon fast Grundvoraussetzung für viele Berufsausbildungen, welche man früher mit dem Haupt- oder Realschulabschluss erlernte.
Dass eine Klassenstärke von 35 Schülern (wie Belinda schreibt) alles andere als optimal sein kann ist unbestritten, aber wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke war das Normalität und ich behaupte, dass ich die Schule deswegen nicht dümmer verlassen habe. Dass Problem ist doch, dass die Lehrer heute einen ganz anderen Schlag von Generation zu unterrichten hat. Es hört sich altmodisch an und ich mag es eigentlich gar nicht von den guten alten Zeiten zu schwärmen, aber zu meiner Schulzeit gab es zum Beispiel noch ein bisschen Respekt vor den Lehrern. Heute haben die Lehrer oftmals einen Haufen unerzogene, hyperaktive Rotzlöffel vor sich und sollten, wenn es nach den Eltern ginge, die erzieherischen Defizite die sie selbst verbockt haben, wieder ausgleichen. Das kann natürlich nicht sein.
Aber nochmals zu der Qualität der deutschen Schulen. Wenn man das vielgefächerte Angebot betrachtet, welches eigentlich von allen Schulen angeboten wird, muss man sagen, dass es da doch nichts zum aussetzten gibt. Zusätzlich zum Lehrplan gibt es AGs für Computer, Umweltschutz, zusätzliche Fremdsprachen, etc. Alles von hervorragend ausgebildeten Lehrern unterrichtet. Das sind für brasilianische staatliche Schulen Traumverhältnisse.
In diesem Zusammenhang fällt mir Gerade mein Neffe aus Deutschland ein. 13 Jahre alt und geht auf die Realschule. Hängt den ganzen Tag am Computer und am Fernsehen und zieht höchstenfalls hin und wieder mit seinen Freunden um die Häuser. Das war’s aber dann schon. Von der Schule hält er, wie die meisten in seinem Alter, eigentlich gar nicht. An seiner Schule wurde auf freiwilliger Basis Französisch- und Spanischunterricht angeboten. Aus Faulheit und Bequemheit der Schüler wurde das Programm dann wieder gestrichen, da niemand bereit war zusätzlich zwei Stunden in der Schule zu bleiben. (Zitat: "Ich bin doch nicht blöd…")
Wie Anfangs schon gesagt, halte ich die Schulbildung in Deutschland noch immer für eine sehr gute und solide Grundlage für den weiteren beruflichen Werdegang.
Betuchte Eltern mit falschem Ehrgeiz, die sehen dass ihr Sprössling doch nicht die Begabung für höhere Bildung hat (es aber nicht eingestehen wollen), schicken ihn dann auf eine private Schule. Dort wird dann mit sehr viel Druck und Disziplin, welche vorher nicht vorhanden waren und mit einem monatlichen Schulgeld der erwünschte Abschluss erreicht.
@Belinda:
Ja, auch in Brasilien gibt es Waldorfschulen (zumindest in São Paulo)
@patecuco: Ich habe gerade mal gegooglet und es sieht so aus: in Brasilien nahmen 229 Schulen aus fünf verschiedenen Regionen teil. Des Weiteren wurde zwischen städtischen und ländlichen Regionen unterschieden und natürlich auch zwischen privaten und staatlichen Schulen.
Die Resultate der Studie kannst Du eventuell hier erfahren:
http://www.inep.gov.br/internacional/pisa/