Krank in Brasilien - und dann?

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Re: Krank in Brasilien - und dann?

Beitragvon BrasilJaneiro » Fr 1. Mai 2009, 23:54

tinto hat geschrieben:Ab und wann sieht man: Keine Krankenkasse.

Das kann ich mir nur sehr schwer vorstellen. War selber 5 Jahre bei keinem Arzt. Aber ab und wann eine professionelle Zahnreinigung, und, auf was man immer gefasst sein muss: eine Zahnwurzelbehandlung usw.

Aber was macht ihr denn und wie sorgt ihr vor, wenn es wirklich mal was ernstes gibt?

Am Konsulat hatten wir mal zwei Fälle, zuerst den eines Paares, das einen Unfall hatte, der Verursacher, ein LKW-Fahrer, der das Auto nachts in den Straßengraben drängte, war flüchtig. Die lebensrettenden OP kosteten schon so um die 8.000 Euros...die, die zu einem erträglichen Leben führen könnten ein Vielfaches davon. Und dann den eines Mannes, der plötzlich herzkrank wurde. Alles in allem rund 50.000€.

Und dann kenn ich eine Brasilianerin, die plötzlich und für mich unvorstellbar psychisch krank wurde. Dem vorausgegangen war ein Überfall nebst sexueller Bedrängung. Die private Krankenkasse hat ihr nach zwei Suizidversuchen Psychatrie (in einer privaten, richtig luxeriösen Klinik), ambulante psychologische und psychotherapeutische Behandlung vom feinsten in bezahlt. Ich kann es nur schätzen, aber ich denke, die Versicherung bezahlte so rund 20.000€

Wie aber wollt ihr sowas beherrschen, so ganz ohne Versicherung?


Generell sind normale OPs in Brasilien bezahlbar. Wurde vor 21 Jahren mal fuer 1000 Dollar operiert. Danach zahlte ich 20 Jahre die hoechstmoegliche Summe in die deutsche KK und war nie krank. Wer Angst vor dem Tod hat, der soll sich versichern. Andernfalls hat jeder Deutscher die Moeglichkeit zurueckzukehren und Sozialhilfe bzw. Hartz IV zu beantragen. Dann kann er sich im Krankenhaus gut versorgen lassen und braucht sich keine Gedanken ueber die Kosten zu machen. Aber auch hier wird man gratis gut versorgt, wenn man weiss wie. Aber im Prinzip gilt auch heute noch, dass man aus dem Krankenhaus nur als Leiche entlassen wird. Da hilft dann auch keine KK. Ich sehe die KK eher als sinnvolle Einrichtung fuer die Behandlung der Zaehne, wenn sich die Kosten mit den Zuzahlungen decken. Ansonsten bekommt man hier aus der Apotheke fuer jedes Wehwehchen alles nebst Viagra. Auch E 605 ist leicht zu bekommen, wenn man die Schmerzen schneller beseitigen will.
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Re: Krank in Brasilien - und dann?

Beitragvon Cheesytom » Sa 2. Mai 2009, 00:37

BrasilJaneiro, dass sind wiedermal Aeusserungen
- und den thread gab´s von mir auch schon im Brasil-Web-Forum und davor bestimmt auch schon egal wo von Anderen -
, die als "Allgemeine Loesung" fuer das Problem PKV versus SUS nix taugen.
Zum wiederholten Mal: Wer behauptet, die SUS waehre eine ausreichende Krankenvorsorge in ganz Brasilien, handelt fast fahrlaessig.
Hier in Alagoas und was ich so mitbekommen habe nicht nur hier, vereckst su in der Warteschlange.
Ich zahle lieber fuer eine gute PKV, als E 605 zu kaufen.
Juut, wenn ich denn trotz aerztlicher Bestverpflegung in Maceió trotzdem uebelst verrecken mueste, wuerde ich ueber bestimmte Drogen schon nachdenken............
Gruss aus Maceió, Alagoas
Thomas
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Re: Krank in Brasilien - und dann?

Beitragvon Viva Floripa » Di 26. Mai 2009, 18:27

SUS – was ist das genau, eine allgemeine Grundversicherung für Arzt und Krankenhaus?
Die PKV, ist da eine Private Krankenversicherung in Brasilien gemeint?
Kann jeder in eine solche KV eintreten, auch mit gesundheitlichen Vorschäden oder werden dann Leistungen ausgeklammert, z.B. eine Herzbehandlung nach früherem Infarkt.

SUS wird dann wohl meine Schwägerin haben, die nach „einer Sonderzahlung“ die Warteschlange umgehen konnte um dann schnellstens ins Flugzeug zu steigen, solange sie noch transportfähig war. Allerdings wird auch in Deutschland in die AOK einbezahlt in Form einer Ruhe-Versicherung (ca. 45 Euro mtl), die sofort wieder in vollem Umfang auflebt, sobald man einreist und sich bei der Krankenkasse (Ticketvorlage) meldet.
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Re: Krank in Brasilien - und dann?

Beitragvon ana_klaus » Di 26. Mai 2009, 18:35

Ein Abkommen zwischen d. = br. KV existiert nicht.

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Re: Krank in Brasilien - und dann?

Beitragvon Cheesytom » Di 26. Mai 2009, 20:32

Die SUS (Sistema Única de Saúde) ist die staatliche Krankenversorgung. Es soll Bundeslaender geben, wo sie funktioniert. Hier in Maceió, Alagoas funktioniert sie definitiv nicht.
PKV hat fuer Vorkrankheiten 2 Jahre Wartezeiten auf bestimmte, meist kostspieligere Untersuchungen und Behandlungen (z.Bsp. wurde bei meiner Exfrau eine benoetigte Leberbiopsie innerhalb der 2 Jahre nicht uebernommen). Sie duerfen Dich aber wegen der Vorkrankheit nicht ablehnen.
Es wird allerdings nicht alles abgesichert. Aktuell ist eine Herz- und Nierentransplantation mitversichert, eine Lebertransplantation aber z.Bsp. nicht. Was uebernommen wird, wird von der bundesstaatlichen Aufsichtsbehoerde festgelegt, ebenso wie die Erhoehung der Beitraege, die in den letzten 6 Jahren immer so bei +/- 1 % der Inflationsrate lag.
Medikamente werden nicht uebernommen, es sei denn die, bei einem stationaeren Aufenthalt erforderlichen.
Eine Zahnversicherung muss extra abgeschlossen werden.
Gruss aus Maceió, Alagoas
Thomas
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Re: Krank in Brasilien - und dann?

Beitragvon cabof » Di 26. Mai 2009, 20:35

bei SUS (früher INPS) gehen die Meinungen auseinander, ich für meinen Part möchte diese Seite Brasiliens
nicht kennenlernen - für Touristen ist auf jeden Fall eine Reisekrankenversicherung anzuraten und wenn es
heikel wird und man noch transportfähig ist, ab nach Hause. Soweit ich weiß übernimmt in Brasilien keine
Krankenkasse die Medikamenten-Kosten, es soll aber eine SUS Stelle geben wo diese kostenlos abgegeben
werden (für Bedürftige), Zahnarzt ist auch nicht dabei, bei SUS sicherlich nur die Grundversorgung.... die
Residents haben da sicher mehr Infos.
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Re: Krank in Brasilien - und dann?

Beitragvon Männlein » Di 26. Mai 2009, 23:37

Cheesytom hat geschrieben:Die SUS (Sistema Única de Saúde) ist die staatliche Krankenversorgung. Es soll Bundeslaender geben, wo sie funktioniert. Hier in Maceió, Alagoas funktioniert sie definitiv nicht.
PKV hat fuer Vorkrankheiten 2 Jahre Wartezeiten auf bestimmte, meist kostspieligere Untersuchungen und Behandlungen (z.Bsp. wurde bei meiner Exfrau eine benoetigte Leberbiopsie innerhalb der 2 Jahre nicht uebernommen). Sie duerfen Dich aber wegen der Vorkrankheit nicht ablehnen.
Es wird allerdings nicht alles abgesichert. Aktuell ist eine Herz- und Nierentransplantation mitversichert, eine Lebertransplantation aber z.Bsp. nicht. Was uebernommen wird, wird von der bundesstaatlichen Aufsichtsbehoerde festgelegt, ebenso wie die Erhoehung der Beitraege, die in den letzten 6 Jahren immer so bei +/- 1 % der Inflationsrate lag.
Medikamente werden nicht uebernommen, es sei denn die, bei einem stationaeren Aufenthalt erforderlichen.
Eine Zahnversicherung muss extra abgeschlossen werden.


Hallo

Medikamente werden nicht übernommen ist nur zum Teil richtig .
Bei Dialysepatienten werden Medikamente vom SUS übernommen . Nein nicht alle aber das Medikament Hemax zur Senkung des Hemtogritwertes des Blutes , das Medikament Renagel zur Regelung des Phosphorgehaltes , das Medikament Noripurum zurVerbesserung der Anmie , und das Medikament Calcijex . Werden monatlich falls dort beim SUS vorhanden auf Rezept des verantwortlichen Arztes der Dialyseklinik ausgehändigt . Oftmals aber gibt es " Versorgungsenpässe " dort :mrgreen: :mrgreen:
Und ansonsten hier in Brasilien ohne KK ist fast ein Selbstmord . Aber das Thema hatten wir ja schon öfters . Gelle .

Bis denne und neulich
Männlein
.
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Re: Krank in Brasilien - und dann?

Beitragvon Viva Floripa » Mi 27. Mai 2009, 15:59

Als allererste Lösung kommt sicher die Auslands-KV in Frage, um anschließend evtl. eine langfristige PKV in Brasilien abzuschließen, wenn man vorhat, ausschließlich dort zu leben.
Auslands-Krankenschutz kann bis zu zwei Jahren abgeschlossen werden.
Für Brasilianer, die von D.nach Brasilien reisen, geht das nur, wenn sie ihren dauernden Wohnsitz in Deutschland haben. Beim ADAC kostet das für 6 Wochen = 13,90 oder 252,- Euro für ein halbes Jahr (Heimtransport inclusive).

Ich würde nach den "ermutigenden" Beiträgen jedoch bevorzugen, den Wohnsitz in D. beizubehalten und von Flug zu Flug jeweils eine neue Reise-KV abzuschließen, die mich dann in Verbindung mit der heimischen AOK recht gut gegen Risiken abdeckt. (AOK-treu, da die AOK diese Ruhe-Versicherung anbietet).
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Re: Krank in Brasilien - und dann?

Beitragvon BrasilJaneiro » Mi 27. Mai 2009, 18:12

Es sind viele Vorschlaege sehr gut. Nur wer sich das nicht leisten kann, sollte doch ueberlegen, besser in Deutschland zu bleiben. Auf alle Faelle nicht naturalisieren lassen, wenn Geld und Zukunft unsicher sind. Die Tuer zum Sozialstaat Deutschland immer offen lassen.
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Re: Krank in Brasilien - und dann?

Beitragvon Viva Floripa » Do 28. Mai 2009, 00:30

BrasilJaneiro hat geschrieben: Ich sehe die KK eher als sinnvolle Einrichtung fuer die Behandlung der Zaehne, wenn sich die Kosten mit den Zuzahlungen decken.

Ich verstehe das nicht ganz, wie meinst Du das mit der Deckung der Kosten durch Zuzahlungen?

Ich gehe mal grundsätzlich davon aus, dass alles, was nichts mit Basisversorgung zu tun hat, auch in BR selbst bezahlt werden muß und im Verhältnis zur deutschen Behandlung kostengünstig ist. Ist das so?

In D. ist eine ordentliche Gebißsanierung beinahe unerschwinglich, mein Sohn hat trotz zusätzlicher Zahnversicherung ein Schweinegeld bezahlt für den Austausch von Amalganfüllungen gegen Keramikfüllungen. Mittlerweile herrscht ein reger Zahntourismus nach Ungarn, die Implantate meines Schwagers mit Knochenaufbau lagen im Verhältnis 1:4 bei hervorragender Behandlung.


BrasilJaneiro hat geschrieben:Es sind viele Vorschlaege sehr gut. Nur wer sich das nicht leisten kann, sollte doch ueberlegen, besser in Deutschland zu bleiben. Auf alle Faelle nicht naturalisieren lassen, wenn Geld und Zukunft unsicher sind. Die Tuer zum Sozialstaat Deutschland immer offen lassen.


Die Tür zum Sozialstaat Deutschland steht automatisch für jeden Deutschen offen, der irgendwann wieder gescheitert, pleite oder krank zurückkommen will. Ich denke, dass das auch jedem „Auswanderer ohne nötiges Kleingeld“ bewusst ist, der durch diese Regelung bei seiner Auswandrerei keinerlei Risiko eingeht. Den Begriff "Auswandern nehme ich nicht allzu ernst.

Fest steht, dass man nicht mehr ausgeben kann als man hat und dass man auch mit kleinerem Budget recht zufrieden und gut leben kann, das ist eine Frage der Organisation. Auf jeden Fall ist es einfacher mit geringem Einkommen in Brasilien zu leben als in Deutschland, wo man sich kostentechnisch auf die wahnsinnigen Heizungskosten konzentriert.
Unter Organisation verstehe ich z.B, in D. spanische Fortuna zu rauchen und mit dieser Kosteneinsparung ein Ticket nach Brasilien zu finanzieren, aber auch, sich mit der Art der Krankenversicherung auseinanderzusetzen, die man haben will.

Beispielsweise kann ich mir denken, anstatt einer aufwendigen Zahnbehandlung in Deutschland mit demselben Geld einen längeren Urlaub in Brasilien zu machen inclusiv einer Gebisssanierung während dieses Urlaubs.
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