Wir lernen ja dazu.
Aufgrund der unschönen Erfahrung beim ersten Krankenhausbesuch haben wir uns bei Freunden und Bekannten umgehört und uns für ein Krankenhaus im Bairro Sant Agostinho. Wohlgemerkt, ein Krankenhaus für allgemeine Notfälle, wenn man mal nicht erst seinen Hausarzt (den haben wir auch in BH) oder eine Spezialisten befragen kann. Meine Frau hat das Hospital besichtigt und sich Operationssäle, Bettenbereich, Küche etc zeigen lassen. Wir haben unseren Plano Saude vorgezeigt und uns zeigen lassen, welche Leistungen dort aus unserem Plan eingeschlossen sind. Zusätzlich bekamen wir eine Telefon-Nummer der „Pronto Socoro“ (Notaufnahme) und der Krankenwagenabteilung. Dann hat man unsere allgemeinen Daten aufgenommen (Krankenvorgeschichte, Allergien und sonstige Besonderheiten), auch die Tatsache, das ich in Europa speziell privat versichert bin und bar bezahlen kann(CC Vorprüfung). Das ganze sah alles sehr professionell und organisiert aus.
Irgendwann entwickelte sich bei meiner Frau eine Pore in der Haut zu einem kleinen Geschwulst. Der Hausarzt empfahl und eine Untersuchung in einem Hospital und befürwortete auch unser Krankenhaus in Santo Agostinho.
Wir bekamen kurzfristig einen Termin und eine Untersuchung, vorzeigen unserer Kundenkarte des Plano Saude der Bradesco reichte aus. Die Diagnose der Ärztin aus der Ambulanz: „Was schnell wächst sollte auch schnell entfernt werden“ und gab meine Frau an einen anderen Spezialisten im Hause weiter. Der vereinbarte kurzfristig einen Termin, einziges Hindernis, wir brauchten die Kostenübernahme, bescheinigt und abgestempelt auf einem Kostenvoranschlag des Krankenhauses, den der Arzt uns übergab. Nach vier Tagen Prüfung erhielten wir die Kostenübernahmebescheinigung der Bradesco und es wurde operiert. Meine Frau fühlte sich immer gut beraten, umsorgt und betreut.
Beim Verlassen des Krankenhauses wurde ihr ein Formblatt des Krankenhauses und eine Quittung über 200 R$ in die Hand gedrückt, mit der Bitte um Weiterleitung and die Bradesco die 200 R$ bei der nächsten Kontrolluntersuchung zu bezahlen.
Wir haben die Unterlagen bei der Bradesco vorbeigebracht und gebeten, den Arzt zu bezahlen. Ging aber nicht, weil der Beleg nicht einer korrekten Nota Fiscal entsprach (fand ich auch) und selbst wenn der Beleg in Ordnung wäre, würde man irgendwann uns auch nur einen Teilbetrag, so um die R$ 150 erstatten. Oho dachte ich, Selbstbeteiligung wie in Deutschland.
Die anstehende Kontrolluntersuchung durch den behandelnden Arzt sollte in einem anderen Karnkenhaus stattfinden. Wir haben das verweigert, worauf hin ein Termin im ursprünglichen Krankenhaus vereinbart wurde. Wir wären auch nie damit einverstanden gewesen uns in ein anderes Krankenhaus zu begeben, weil wir ja genau das verhindern wollten, uns wieder in einer Bruchbude am Rande einer Favela wieder zu finden, nur weil es dem behandelnden Arzt da besser gefiele.
Bei diesemBesuch habe ich mich mal in die Verwaltung begeben und nach vielen Nachfragen trotz diverser Verschleierungsversuche und Rückfragen beim behandelnden Arzt folgen Sachstand in Erfahrung gebracht.
Nach der Diagnose in der Ambulanz wurde meine Frau an einen Chirurgen weitergereicht, der nicht zum Stammpersonal des Krankenhauses gehörte. Das Krankenhaus verfügt über ca. 20 Festangestellte Ärzte und über ca. 2.000 Vertragsärzte, die praktisch als Selbstständige (Freelancer) arbeiten, ein wenig auch vergleichbar mit Belegärzten. Der Kostenvoranschlag des Krankenhauses bezog sich nur auf die Unterbringung, Bett, allgemeine Dienstleistungen. Die Operation hatte irgendjemand einfach weggelassen.
Die Krankenhausverwaltung versuchte es so darzustellen, dass meine Frau nach der Ambulanz sicherlich einen ihr bekannten Spezialisten mit der Durchführung der Operation beauftragt hätte. Dem war natürlich nicht so, da meine Frau den operierenden Arzt vorher nie gesehen hatte. Auch die angedeuteten Verständigungsschwierigkeiten zogen nicht, da eine brasilianische Freundin bei der Einweisung anwesend war. Wir sahen durch diese Vorkommnisse das Vertrauensverhältnis zum Krankenhaus, dass wir ja extra vorher versucht hatten aufzubauen, schwer gestört.
Die Krankenhausverwaltung hat sich entschuldigt, war alles ein Missverständnis bla, bla, bla, der Arzt wird vom Krankenhaus bezahlt, alles erledigt.
Was war wirklich passiert. Diese 2000 Vertragsärzte brauchen Patienten. Man versucht also in der Ambulanz interessant Fälle an Land zu ziehen, vermögend erscheinende Ausländerinnen mit der Chance auf Nachbehandlung (Krebsverdacht) sind da wohl eine viel versprechende Geldquelle. Dafür gibt’s in der Ambulanz auch mal ein Trinkgeld oder Prämie. Die meisten Patienten machen das Spiel auch mit, schließlich geht es um die eigene Gesundheit. Das wurde uns von unseren brasilianischen Bekannten als gängig bestätigt. Ich muss dazu auch sagen, das der ganze Vorfall meiner Frau ehr peinlich war, der Arzt war doch so nett und freundlich und es ging doch nur um 50 Reais. Die Krankenkasse zahlt nämlich niedrigere Sätze an die bei ihr zugelassenen Arzte. Dazu hatte aus der ganzen Sache auch eine aufwendige Geschichte mit erheblichen Kosten werden können. Meine Frau ist dann allerdings nach Deutschland und hat alle Folgeuntersuchungen und -Operationen, Behandlungen etc. dort machen lassen. Heute ist alles wieder o.k.
Es hätte mich gewundert, wenn es im Gesundheitsbereich nicht diese Abzocke gegeben hätte, man muss halt überall aufpassen und auch den Mut haben, sich zu wehren. Ich würde auch wieder in dieses besagte Krankenhaus gehen, medizinisch war das ok, und dort weis ich jetzt wo ich aufpassen muss.
Es wäre gut, eine Liste von Krankenhäusern zu erstellen, mit denen man gute Erfahrung gemacht hat, vielleicht mit Angebe der Spezialisierung/Schwerpunkte.
Bleibt ja gesund
Manfred