Krankenversicherung

Allgemeine Fragen & Tipps über alles, was dem Gringo in Brasilien passieren kann

Krankenversicherung

Beitragvon wolfglobuli » Mo 6. Feb 2012, 14:11

Hallo,
kann mir jemand helfen? ich bin Rentner, wie und wo bekomme ich in Brasilien eine preiswerte Krankenversicherung,
die Preise von Unimed kann ich nicht bezahlen
Im Vorraus Danke
Wolfgang Adler
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Re: Krankenversicherung

Beitragvon frankieb66 » Mo 6. Feb 2012, 14:43

wolfglobuli hat geschrieben:Hallo,
kann mir jemand helfen? ich bin Rentner, wie und wo bekomme ich in Brasilien eine preiswerte Krankenversicherung,
die Preise von Unimed kann ich nicht bezahlen
Im Vorraus Danke
Wolfgang Adler

Also wenn Du bei 6000R$/Monat, die Du nachweisen musst um ein "Rentnervisum" zu bekommen ...

Dauervisum für Ruheständler

Das brasilianische Außenministerium kann im Ruhestand befindlichen Ausländern, gemeinsam mit bis zu zwei wirtschaftlich von ihnen abhängigen Familienangehörigen nach Brasilien einreisen wollen, ein Dauervisum erteilen, wenn sie den Nachweis darüber erbringen, dass sie imstande sind, monatlich mindestens R$ 6.000,00 (sechstausend Reais) nach Brasilien zu überweisen. (Zum Währungsrechner)

Sollten sich mehr als zwei finanziell vom Antragsteller abhängige Familienangehörige in seiner Begleitung befinden, so ist für jeden dieser zusätzlich Einreisenden nochmals ein Betrag von monatlich R$ 2.000,00 nach Brasilien zu überweisen.
...
Quelle: http://berlim.itamaraty.gov.br/de/ruhestandler.xml

... dir keine private KV für ab 620R$ leisten kannt, dann verstehe ICH die Welt nicht mehr.

Ambulatorial e Hospitalar
Categoria Exato Básico Clássico Especial Executivo Prestige
Acomodação Enf. Apto. Enf. Apto. Apto.
...
49 a 53 anos 285.78 322.23 344.98 387.80 424.03 585.11 933.15 1932.10
54 a 58 anos 354.08 399.24 427.43 480.49 525.37 648.77 1071.35 2218.25
59 anos ou + 613.19 691.39 740.21 832.09 909.83 1018.64 1837.87 3805.34


Das sind übrigens die Tarife von "Sul America" für "SP, ABC e Grande SP", die von Unimed sind ähnlich. Der Tarif für SP ist mit Sicherheit nicht der günstigste, aber die Größenordnung dürfte auch an anderen Orten ähnlich sein.

Wenn Du dir das nicht leisten kannst, dann ist Brasilien definitiv kein Land für dich um dort deinen Ruhestand zu verbringen, es sei denn Du vetraust auf die weitestgehend (Medikamente werden i.d.R. nicht bezahlt, und manche Behandlungen auch nicht) kostenlosen SUS, die regional sehr unterschiedlich ausgestattet ist.

Boa Sorte

Frankie
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Re: Krankenversicherung

Beitragvon zagaroma » Mo 6. Feb 2012, 15:10

Hallo Wolfgang,

dazu kann ich Dir nur unsere eigene Erfahrung schildern:

Meine Mutter war 72, als wir nach Recife zogen, jetzt ist sie fast 76. Rùstig, klar im Kopf, fàhrt Auto und lernt die Sprache. Alle Bemùhungen, einen plano de saude fùr sie zu bekommen, sind gescheitert. In dem Alter wird man hier einfach nicht mehr angenommen, auch nicht zu astronomischen Preisen.

Im Oktober war sie in DE bei ihrem Bruder, der ein Diagnosestudio in Stuttgart hat und sie immer durchcheckt, wenn sie mal da ist. Diagnose: Brustkrebs mit Metastasen in der Achselhòhle. Autsch.

In DE hat sie keine Krankenversicherung mehr, nach Italien (wo wir 30 Jahre gewohnt haben) wollte/konnte sie nicht, also mussten wir die Situation hier in BRA stemmen.

Also ab ins òffentliche System: einschreiben beim SUS, kein Problem in dem Alter (ab 60), und ins òffentliche Krebskrankenhaus von Pernambuco. Es graute uns, aber sie sagte: was muss das muss.

Erstmal ein paar Stunden gewartet, dann Visite beim diensthabenden Arzt im Ambulatorium. Das war am 8. November. Der warf einen Blick auf ihre Mammografie und fixierte den Operationstermin fùr den 1. Dezember. Eine Biopsie, ein paar Bluttests, und am 30. Nov. wurde sie eingewiesen. Zweibettzimmer mit Bad und Aircondition, das zweite Bett freigehalten fùr die Begleitperson, auf die sie in ihrem Alter ein Anrecht hat. Alles nicht ganz neu, aber tiptop sauber.

Die Operation (Amputation und Ausschaben der Achselhòhle) am nàchsten Tag verlief gut, nach 3 Stunden kam sie wieder aufs Zimmer, sass aufrecht im Bett, telefonierte mit ihren Freundinnen und hatte Hunger.

Nach zwei Tagen wurde sie entlassen, Nachversorgung im Amulatorium, wo man mit allen Problemen immer hinkann. Sie hatte aber keine Probleme. Keine Schmerzen, keine Infektion. Dann die feingewebliche Untersuchung, um den Typ der Chemotherapie festzulegen, wieder hin zu einer anderen Aerztin, die fragte ob sie gleich anfangen mòchte oder morgen wiederkommen. Also gleich weiter in die Abteilung fùr Chemo. Bequeme Launchsessel mit Tropf-Transfusion. Hinterher ging's ihr gut, alles normal. Das muss sie jetzt noch 5 x machen, im Abstand von 21 Tagen. Danach Strahlentherapie.

Fazit: es war schnell, total effizient (die Akte war immer schon in der zustàndigen Abteilung und die Untersuchungsergebnisse auch) freundliches, kompetentes Personal, Verpflegung OK, auch bei ambulanten Behandlungen werden Patient UND Begleitperson total verpflegt, also es gab nix, also garnix auszusetzen. Besser und schneller hàtte man auch privat nicht behandelt werden kònnen.

OK, sie bestellen hat alle immer um 7 Uhr hin und dann kommen die Leute um halb sechs und stehen an. Wir haben festgestellt, dass man um 10 Uhr hingehen soll, dann sind die alle schon abgearbeitet und man wartet nur 10 Minuten.

Kosten: 3 Reais jedes Mal fùr den Parkplatz und Ende.

Ein Ausnahmefall? Kann schon sein, ich glaube auch, wir hatten einfach Riesenglùck. Aber hey, sowas gibt's auch.
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Re: Krankenversicherung

Beitragvon karlnapp » Mo 6. Feb 2012, 17:56

zagaRoma hat geschrieben:Ein Ausnahmefall? Kann schon sein, ich glaube auch, wir hatten einfach Riesenglùck. Aber hey, sowas gibt's auch.
Die Qualität der Behandlung eines SUS posto de saude hängt sehr stark von der Wohngegend und den daraus resultierenden Patienten ab.
Somit ist das "Behandlungsglück" schon, bis zu einem gewissen Grad, vorausplanbar!

Während meiner vielen Jahre in Brasilien sah ich allerdings nur ein einziges Mal einen solchen posto von Innen. So gegen 6 Uhr abends riß ich einen Grasbüschel in meinem Garten aus und irgendein Viech biss oder stach mich dabei. Nach fünf Minuten verspürte ich den beinahe unwiderstehlichen Drang die zwei betroffenen Finger selbst zu amputieren. Meine Frau fuhr mich zum 24-Stunden-posto und ich wurde dort sofort mit einem Breitband-Antiallergikum behandelt, obwohl der Warteraum voll war. Natürlich war der diensthabende Arzt ein alter Kollege meiner Frau und ich vermag auch nicht zu sagen, ob ich diesem Umstand meine Bevorzugung zu verdanken hatte, denn auch die übrigen Wartenden erkannten meinen Schmerz und ließen mich gerne vor.

Ansonsten zahle ich bei UNIMED ungefähr den gleich hohen Beitrag, wie in Deutschland bei einer AOK. Dieses Privileg verdanke ich der Beamten-Versicherung meiner Frau, weil ich als sog. "dependente" mitversichert bin.
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Re: Krankenversicherung

Beitragvon cabof » Mo 6. Feb 2012, 19:05

Zangadoroma, meine Schwiegermutter hat vor 8 Tagen aehnliches durchgemacht, SUS in Rio aber es war auch etwas Vitamin B dabei, kein Geld
aber ein gutes Wort von einem Arzt zum Arzt im Krankenhaus... toll oder auch nicht: die kurze Aufenthaltsdauer im Spital, glaube es
waren keine 4 Tage, mit Extrabett fuer Begleitung - trotzdem moechte ich persoenlich das nicht durchmachen, ich haette selbst in DE
ein mulmiges Gefuehl - besser ist da der Service in Holland.
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Re: Krankenversicherung

Beitragvon zagaroma » Di 7. Feb 2012, 04:42

Klar, Cabof, das will keiner mitmachen mùssen. Aber wenn's einen dann doch trifft, muss man halt durch.
Und richtig, meine Mutter hat auch Vitamin B6 und ein Darm-Beruhigungsmittel verschieben bekommen, das man selbst bezahlen muss. Kleine Ausgabe gegenùber einer privaten Krankenversicherung in dem Alter.

Dann bekommt sie noch jeden Tag einen Saft aus der Noni-Frucht und schwarzen Weintrauben, das soll laut unserer empregada schon alleine ausreichen, um Krebs zu heilen, sie schwòrt und besteht darauf. Schon mal gehòrt?
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Re: Krankenversicherung

Beitragvon zagaroma » Di 7. Feb 2012, 05:36

Jetzt muss ich doch noch einen Eindruck loswerden, den ich in dieser Sache gewonnen habe:

Wenn man in Brasilien zur "weissen Oberschicht" gehòrt, wird man im òffentlichen Krankenhaus bevorzugt behandelt. Wir hatten keinerlei Empfehlung oder Kontakte, sind einfach hingegangen und haben uns in die Schlange gestellt. Aber jedesmal wurde meine Mutter vor allen anderen aufgerufen und versorgt. Das kann mit ihrem Alter zu tun haben, aber es waren auch Alte dort, die schwarz und arm waren, und die mussten warten. Und ich bezweifle, dass die in 20 Tagen (wie meine Mutter) einen Operationstermin bekommen. Die Aerzte waren ùbrigens auch ausnahmslos weiss, das Pflegepersonal hingegen gemischt.

Nun kommen die horrenden Berichte ùber das òffentliche Gesundheitswesen meistens von der "Unterschicht", der Mittelstand hat ja fast ausnahmslos private Versicherung.

Es ist zwar traurig, das sowas existiert, aber uns kommt der brasilianische Rassismus hier eindeutig zugute!

Oder mag es daran liegen, dass den Aerzten durchaus klar ist, dass wir mit unseren Steuern die Behandlung der anderen mitfinanzieren, und wir deshalb einen Vorzugs-Bonus geniessen?
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Re: Krankenversicherung

Beitragvon karlnapp » Di 7. Feb 2012, 07:18

zagaRoma hat geschrieben:Nun kommen die horrenden Berichte ùber das òffentliche Gesundheitswesen meistens von der "Unterschicht", der Mittelstand hat ja fast ausnahmslos private Versicherung.
Das sind halt die Eindrücke eines Immigranten, der erst über ein paar Jährchen Brasilien-Erfahrung verfügt.

Natürlich ist der Mittelstand fast durchweg privat versichert. Um hohe Eigenanteile zu vermeiden, begibt der sich, besonders bei langwiehrigen und teuren Behandlungen, trotzdem in die postos. Und da die bras. Mittelschicht üblicherweise nicht in unmittelbarer Nachbarschaft einer Favela lebt, fällt dadurch auch das nimmersatte, ständig auf ihre Rechte pochende "Publikum" weg. Dieser Umstand erhöht natürlich die Qualität der Behandlung.

Zudem ist der bras. Mittelklasse keine Hautfarbe zuzumessen. Abgesehen von den unvermischten europäischen Einwanderern im Süden, haben fast alle Brasilianer afrikanische Wurzeln.
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Re: Krankenversicherung

Beitragvon Elsass » Di 7. Feb 2012, 09:08

wolfglobuli hat geschrieben:Hallo,
kann mir jemand helfen? ich bin Rentner, wie und wo bekomme ich in Brasilien eine preiswerte Krankenversicherung,
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wenn du nicht zu alt bist, kommt fuer dich eventuell die Wuerzburger mit ihrem "expat retired" tarif in Frage
http://www.bdae.com/de/auslandsversicherung/expatretired.htm
http://www.auslandstreff.de/vergleichsrechner-1-jahr-bis-unbefristet.html
Habe allerdings keine Erfahrungen mit dieser Versicherung. Scheint aber zu funktionieren.
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Re: Krankenversicherung

Beitragvon frankieb66 » Di 7. Feb 2012, 14:24

karlnapp hat geschrieben:
zagaRoma hat geschrieben:Nun kommen die horrenden Berichte ùber das òffentliche Gesundheitswesen meistens von der "Unterschicht", der Mittelstand hat ja fast ausnahmslos private Versicherung.
Das sind halt die Eindrücke eines Immigranten, der erst über ein paar Jährchen Brasilien-Erfahrung verfügt.

lol .. rsrsrs ... und was bist Du? Mag ja sein, dass Du über deine angeheiratete Krankenschwester/Pflegekraft über besondere Beziehungen zum Gesundheitswesen verfügst, aber ansonsten weißt Du von Brasilien ziemlich wenig, insbesondere nicht vom Leben in Brasilien abseits der Elektrozäune (da wo ich lebe und wo man diese nicht braucht).
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