Kurzzeit-Freelancing in BRA

Fragen zur Gesetzeslage in Brasilien, Einwanderungs-, Einfuhr- und Zollbestimmungen sowie Steuerfragen

Kurzzeit-Freelancing in BRA

Beitragvon Paule123 » Fr 7. Nov 2014, 20:47

Hallo!

Ich habe mir einiges (auch hier im Forum) zusammen gelesen, auch Bekannte gefragt, fühle mich jedoch dennoch eher mit Halbwissen ausgestattet und hätte gern Eure Meinung gehört.

Ich werde demnächst zwei Monate in Brasilien verbringen und hätte Lust, es auszuprobieren, dort auch ein bisschen zu arbeiten in meinem Bereich, soll heißen selbstständig medienschaffend, was ich auch in Deutschland tue.

Ich habe einige professionelle Kontakte dort in dem Bereich, das heißt, es ist nicht komplett unrealistisch, nehmen wir also für meine folgenden Fragen an, eine Firma in SP möchte mich als Kameramann für einen Werbefilmdreh buchen zB.

- Mein Steuerberater sagt folgendes: Da ich den Lebensmittelpunkt in D habe und hier versteuere, spricht erstmal grundsätzlich nichts gegen eine Rechnungsausstellung aus D. Ich hätte ja auch zB Bildmaterial geliefert bekommen können und an meinem Schreibtisch in D einen Film für die Firma in BRA schneiden können. Normale Rechn. ohne MwSt (sofern Auftraggeber registr. Firma).

- Drehe ich in BRA, könnte ich rechnungstechnisch das aus seiner Sicht genauso handhaben.
Jedoch kommen spät. da sicher die bras. Gesetze ins Spiel.

- Einige sagen daher, man könnte also vielleicht Re. mit anderem Inhalt stellen.

- Andere sagen, einige Auftraggeber sind vielleicht bereit, gegen Cash zu engagieren.

- Anderes als ein Touristenvisum ist für mich auf grund der Kurzfristigkeit sicher nicht drin.
wie sähe es aus, wenn ich zB 1 Jahr Vorplanung hätte?
Gibt es überhaupt eine Chance auf Freelancing ohne Heirat etc etc, da man ja dafür wohl ein anderes Visum braucht?

Hier in D gibt es so viele Medien-Freelancer aus nicht-EU-Ländern (USA, Israel, Brasilien...), die einfach kommen und hier arbeiten, irgendwie sollte das doch auch umgekehrt gehen :-)

Ich habe keine Pläne, auszuwandern (im Moment ;-) aber könnte mir durchaus vorstellen, regelmäßig ein paar Monate pro Jahr dort zu verbringen zB.


Bin dankbar für Einschätzungen oder Tips, gerne auch per PM,
nur bitte nicht "Such Dir eine Brasilianerin und mach n Kind" ;-)

Paul
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Re: Kurzzeit-Freelancing in BRA

Beitragvon Trem Mineiro » So 9. Nov 2014, 23:49

Im Prinzip geht nix, weil die Leistung und Berechnung von ausländischen Dienstleistungen stark reglementiert ist. Hintergrund ist, dass man verhindern möchte, dass über Dienstleistungen Devisen unkontrolliert (also ungerechtfertigt, z.B. Gewinne) ausgeführt werden. Zuständig da ist die INPI - Behörde und für die Zahlungsabwicklung später die Banco Central und es fallen 15 % Quellensteuer und 10 % Steuer auf geistiges Eigentum an. Dazu ein Haufen Anmeldungen, Genehmigungen und Gebühren. Das verfahren dient allerdings grundsätzlich dazu, ausländische Dienstleistungen oder Engineerings-Leistungen zu kanalisieren. In deinem Fall ist das ganze natürlich in der Abwicklung absurd.

Wenn die Firma dir für deine Dienstleistung als "illegaler Freelancer" das Entgelt nicht in bar in die Hand drücken kann (natürlich aus einer "schwarzen Kasse") gibt es für sie keine Möglichkeit, eine Zahlung an dich in D zu verbuchen. Die können auch keine Auslands-Überweisung für Dienstleistungen ohne INPI Genehmigung durchführen. Man kann das Geld höchstens an einen Brasilianischen Kumpel oder Strohmann von dir zahlen, der dann das Entgelt versteuern müsste. Der kann dir dann das Geld geben oder nach D in kleinen Tranchen überweisen.

Und klar, deine Tätigkeit in Brasilien ist formal illegal, was aber mehr ein Risiko für den Auftraggeber ist. Und als Free-Lancer ist es praktisch unmöglich eine Arbeitsvisum zu bekommen, müsstest eine Firma aufmachen. Der Arbeitgeber könnte dir aber einen Vertrag samt Arbeitsvisum etc. besorgen. Ist aber für ihn enormer Aufwand und kostet, weil er im zweiten Schritt (wird wahrscheinlich erst mal abgelehnt)nachweisen muss, warum kein Brasilianer deinen Job machen kann.

Ist also kompliziert, aber auch einfach zu lösen :D

Gruß
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Re: Kurzzeit-Freelancing in BRA

Beitragvon Paule123 » Mo 10. Nov 2014, 09:38

Das sind sehr hilfreiche Informationen, Trem, vielen Dank!!
Ich wusste nicht, dass Brasilien da derart protektiv zu Werke geht...

Also, wenn, dann würde es wohl die "einfache Lösung" werden...

Eine andere Frage, die sich stellt ist, wie ich mein Equipment ins Land bekomme.

Ich versuche gerade Kontakte zu knüpfen um vor Ort in Brasilien kleine Film-Workshops für Jugendliche aus nicht-privilegierten Verhältnissen zu geben (unkommerziell... irgendetwas muss ich dort ja machen ;-)

Sollte das klappen und ich vorab eine schriftliche Bestätigung/ Email bekommen, wollte ich eine reguläre Zollanmeldung (temporäre Einfuhr) - wie bei meinen sonstigen Dokumentarfilmdrehs auch - machen.

Wie sind die Meinungen hierzu?

Verträgt sich das mit dem Touristenvisum?

Normalerweise läuft das bei mir mit ner Zollanmeldung und einem Schreiben vom Fernsehsender. Manchmal Journalistenvisum, manchmal Tourivisum. Den Sender habe ich diesmal jedoch nicht an Bord.

Was, wenn ich die Bestätigung der Workshops so schnell nicht ergattern kann?
Würde auch "Recherche für Dokumentarfilm" als Grund für das ganze Equipment reichen?

Wie gesagt, es geht die ganze Zeit um temporäre Einfuhr...


Vielen Dank vorab nochmals für Antworten!
paul
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Re: Kurzzeit-Freelancing in BRA

Beitragvon Trem Mineiro » Mo 10. Nov 2014, 12:56

Temporäre Einfuhr - Um Gottes Willen :D

Wir haben einen Haufen unangenehmer Erfahrung damit, da wir oft Werkverträge (das wäre vergleichbar mit dem Auftrag eines deutschen TV-Senders an dich, gegen Bezahlung einen Film zu drehen) über Studien mit Messungen in Brasilien hatten.
Temporäre Einfuhr wird vom Brasilianischen Zoll wohl generell als Versuch gewertet, teures Equipment illegal einzuführen und als Handelsware zu verkaufen. Entsprechend aufwendig ist der Papierkram und die Kontrollen. Ist manchmal zu Verzweifeln.
Wir hatten mal bei einer Deklaration ein Paket Druckerpapier, 500 Blatt angegeben. Bei der Ausfuhr fehlte naturgemäß dieses A4-Paket. Das hätte natürlich bei Ausfuhr auch wieder damit Beisein müssen, natürlich 500 Blatt, also auch die 100 in der Zwischenzeit bedruckten Blätter. Klingt absurd ist aber so und ihn ähnlicher Form passiert.

Das macht auch jede Termin-Planung schwierig. Es ist uns schon passiert, dass unsere Leute vor Ort waren und die Kiste mit der Messausrüstung bis zum Abreise nicht aus dem Zoll rauskam. Wir haben da gelernt, dass man jede Ausrüstung auch in Brasilien besorgen bzw. Mieten kann, Man muss nur suchen.

Temporäre Einfuhr, vergiss es. Versuch dein Equipment zu reduzieren und nimm es als Reisegepäck mit. Bist halt ein Super-Amateur. Erhöht natürlich dein Risiko, dass du als "Gastarbeiter" enttarnt wirst.

Was du da mit deinem Projekt machst, ist natürlich ein unkommerzieller Sonderfall. Auch wenn du für einen Deutschen Sender einen Firm drehen würdest, deine Kosten in D getragen/bezahlt werden und der Film ja nur in D verwertet wird könnte eine besondere Visa-Regelung existieren, ist aber nicht mein Fall, da ich immer nur mit kommerziellen Fällen zu tun hatte.

Ich hab z.B. die letzte Zeit als Perma-Besitzer (bras. Ehefrau) als Berater für die brasilianische Filiale meine Firma gearbeitet, deutscher Vertrag, Bezahlung in Deutschland. Nach Rückfrage hab ich dafür keine Arbeitserlaubnis gebraucht.

Gruß
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Zuletzt geändert von Trem Mineiro am Mo 10. Nov 2014, 13:06, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Kurzzeit-Freelancing in BRA

Beitragvon Colono » Mo 10. Nov 2014, 12:59

Paule123 hat geschrieben:Wie sind die Meinungen hierzu?

Verträgt sich das mit dem Touristenvisum?

Normalerweise läuft das bei mir mit ner Zollanmeldung und einem Schreiben vom Fernsehsender. Manchmal Journalistenvisum, manchmal Tourivisum. Den Sender habe ich diesmal jedoch nicht an Bord.

Temporäre Einfuhr von Waren nach Brasilien? Ohne Weiteres mit Touristenvisum möglich. Brasilien ist Unterzeichner internationaler Vereinbarungen. Guckst du hier:
http://ec.europa.eu/world/agreements/prepareCreateTreatiesWorkspace/treatiesGeneralData.do?redirect=true&treatyId=533

PS: Zum Vorschreiber, wenn es etwas negatives in Brasilien zu finden gibt dann ist er es. Dabei kann Brasilien ganz einfach sein. Ich spreche da aus eigener Erfahrung.
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Re: Kurzzeit-Freelancing in BRA

Beitragvon Trem Mineiro » Mo 10. Nov 2014, 13:17

Oi Colono
Danke für die Erinnerung .
Unsere Temporären Einfuhren basierten natürlich auch auf diesem Agreement, das auch für kommerzielle Temporäre Einfuhren gilt. Die Praxis sah dann aber immer anders auch, da halt stark mit Misstrauen behaftet. Irgendwie geklappt hat es ja bei uns auch, mit 3 mal revidierten Papieren und auch mal mit absurder Verzögerung.

Und als Tourist ist das eben so eine Sache, genaugenommen musst du ja schon deinen Laptop, der über 500 US$ als temporäre Einfuhr deklarieren. Macht aber keiner und der Zoll ist da auch großzügig. Kommst du mit einem Endoskop im Spezialkoffer, 3 Rohre a 1000 mm fragt man sofort nach deinem Arbeitsvisum. Viel Spaß bei den Diskussionen.

Hängt also von der Menge, Volumen, Wert deiner Ausrüstung ab, ob du als Tourist durchrutscht.

Gruß
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Re: Kurzzeit-Freelancing in BRA

Beitragvon Colono » Mo 10. Nov 2014, 13:27

ICh hatte mal meinen Flugdrachen dabei. Wert 5000 Euro. Wurde ganz unbūrokratisch durchgewunken. Oft ist es die persönliche Einstellung die man zu Brasilien hat.

/////// Eine Tortur mit dem handy in diesem Forum zu schteiben.
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Re: Kurzzeit-Freelancing in BRA

Beitragvon Paule123 » Mo 10. Nov 2014, 13:49

Danke Euch!

Dann will ich mich jetzt erstmal darauf konzentrieren,
diese Workshops anzuleiern.

Wenn das klappt, bin ich eigentlich ganz optimistisch,
dass ich schlüssige Argumente für den Zoll für meine Ausrüstung habe...
Und ja, ich nehme natürlich jedes Kabel wieder mit raus!

Merci
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Re: Kurzzeit-Freelancing in BRA

Beitragvon Trem Mineiro » Mo 10. Nov 2014, 16:19

Colono hat geschrieben: Oft ist es die persönliche Einstellung die man zu Brasilien hat..


Wie hat man deine (positive)Einstellung (zu Brasilien )erkannt. Gesinnungs-Scanner? :D

Gruß
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Re: Kurzzeit-Freelancing in BRA

Beitragvon Colono » Mo 10. Nov 2014, 16:36

Trem Mineiro hat geschrieben:
Colono hat geschrieben: Oft ist es die persönliche Einstellung die man zu Brasilien hat..


Wie hat man deine (positive)Einstellung (zu Brasilien )erkannt. Gesinnungs-Scanner? :D

Gruß
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An sockenlosen Turnschuhen. Allerdings könnte der weisse Puder welchen ich aus diesem Grund mit mir fūhre, Motiv fūr die ein oder andere Kontrolle liefern. :mrgreen:
Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich wurde in der Vergangenheit schon öfters kontrolliert. Aber nie von einem brasilianischen Zöllner blöd angemacht. Am FJS dagegen schon das ein oder andere mal. Heute kann ich darūber nur noch lachen.
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