Die Busfahrt nach Puno - der Stadt, die direkt am Titicaca-See liegt - hatte ich mir recht locker vorgestellt. Wir sollten irgendwann gegen 3 Uhr nachmittags dort ankommen. Nun hatte es aber gerade geregnet und die Piste war recht schlammig. Kein Grund für den Busfahrer, die Geschwindigkeit anzupassen ......... und wie es kommen musste, landeten wir im Strassengraben. Der Aufschlag war allerdings weich, so dass niemand zu Schaden kam. Der Busfahrer war auch recht behände und verknotete sofort ein Abschleppseil an der Stossstange seines Busses und begann, den vorbefahrenden Bussen und LKW´s zuzuwinken. Die aber wollten partout nicht anhalten. Nach 2 Stunden machte ich mir Gedanken über die sehr eingeschränkten Übernachtsmöglichkeiten in der sumpfigen Umgebung des Busses. Eine weitere Stunde verging und es passierte nichts. Erst als dann ein Bus der gleichen Busgesellschaft - es war der nächste fahrplanmässige Bus nach Puno - vorbeikam, blitzte ein Hoffnungsschimmer in mir auf. Und tatsächlich: er hielt an !
Die eigentliche Herauziehaktion war in 2 Minuten erledigt. Ich frag mich bis heute, wovor die anderen Busfahrer und LKW´s eigentlich Angst hatten !? Irgendwann abends kamen wir in Puno an. Ich fragte sofort am Busbahnhof, wo die nächstgelegene Pension sei, da ich nicht im Dunkeln durch die Gassen Punos irren wollte. Ich hatte schon genug schlechte Erfahrung mit dem Diebstahl meines Rucksacks am hellerlichten Tag in La Paz gemacht .........
Da war sie dann auch wieder ........ die 3 Dollar-Pension. Ein Zimmer, ein Bett und ein Waschbecken. Das musste reichen. Auf jeden Fall war es nicht einsam in der Pension, denn eine Fussballmanschaft hatte dort auch Quartier bezogen. Anscheinend hatte sie gerade die peruanische Meisterschaft gewonnen, denn sie lärmten und feierten die ganze Nacht hindurch ................
Ok. Genug des Klagens. Es gibt auch gutes zu berichten. Mal abgesehen vom Plaza del Armas, den wohl jedes mittelgrosse Dorf in Peru besitzt, gibt es den Titicaca-See, der höchste schiffbare See der Welt (ca. 3800m ü.M). Man geht ganz einfach früh beizeiten - so zwischen 7 und 8 Uhr - zum Bootsanleger und steigt auf eines der Boote. Alle Boote fahren über den Titicaca-See und man kann zwischen 2 Routen wählen. Entweder zu den schwimmenden Inseln der Uro-Indianer oder zu den strickenden Männern auf der Insel Taquile oder eine Kombi-Tour aus beiden Inseln.
Ich entschied mich für Letzteres, da bei Inseln dringend vom SA-Handbook empfohlen wurden. Das Phänomen der schwimmenden Inseln fand ich ja noch ganz interessant, da man tatsächlich problemlos mitten im See auf Schilfgeflecht herumlaufen konnte, ohne abzusaufen. Ein merkwürdiges Gefühl, dass nur durch den modrigen Gestank des Schilfs beeinträchtigt wurde. Ansonsten war die halbe Stunde Aufenthalt eher eine Belastung, da die eifrigen Verkäufer jeden Touristen auf Schritt und Tritt verfolgten. Ich verzog mich schnell in eine Ecke und beobachte das Treiben von weiten. Der absolut Hit war die "Rundtour" mit einem Schilfboot, was die Uro´s den Touris anboten. Dabei machte der Bootsführer eine Dreiecksfahrt: ca. 5m vom Ufer weg - 5m quer - und 5m wieder zurück. Das war es dann. Und als hätten wir nicht schon lange genug auf einem Boot gesessen, machten die Touris diesen Gag natürlich mit. Bezahlen mussten sie natürlich auch dafür. Zum Glück erinnere ich mich nicht mehr an den Preis, aber wahrscheinlich würde ich heute noch im Nachhinein einen Schreck bekommen.
Weiter gings zu den strickenden Männern. Diese lebten auf einer "richtigen" Insel, d.h. mit felsenartigem Gestein als Untergrund. Lustig war es dort allemal, denn alle paar Meter kam einem ein Mann mit Stricknadeln und einem Wollkneul entgegen. Und wenn gerade mal keiner kam, sassen sie in kleinen Grüppchen am Wegesrand und ............ strickten. Hauptprodukte waren Mützen, Handschuhe und Schals.
Besonders schön war der Ausblick von einem Berg im Mittelpunkt der Insel. Von dort aus sah man - ihr werdet es nicht glauben - die Copacabana !!!! So nämlich nennt sich ein Wallfahrtsort am Ufer der bolivianschen Seite des Sees. Die Stadt, so schien es aus der Ferne, besteht aus lauter weissgestrichenen Bauten. Irgendwie erinnerte mich der Stil an die maurischen Häuser in Marokko.
Vorläufig war ich aber noch irgendwo mitten in den Anden und so sollte das auch noch eine Weile bleiben ............
Fortsetzung folgt.