Literaturtipp: Agro-Gentechnik: Die Saat des Bösen

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Literaturtipp: Agro-Gentechnik: Die Saat des Bösen

Beitragvon Nasobem » Do 1. Nov 2007, 18:57

Mal ein Buchtipp zum Thema Fachliteratur mit Brasilien-Bezug:

Antônio Inácio Andrioli, Richard Fuchs (Hrsg): Agro-Gentechnik: Die Saat des Bösen, emu-Verlag, 2006

Das Buch schildert sehr anschaulich, mit welchen übelen Metoden Multinationale Konzerne wie Monsanto, Pioneer, etc. ihre Macht ausspielen/missbrauchen um ihre Gewinne auf Kosten von Kleinbauern, Artenvielfalt zu vergrößern. Und am Ende müssen dann sogar entgegen den Versprechungen noch mehr Pestizide gespritzt werden. Ein sehr detailiert und genau recherchiertes Buch.

Die Deutsche Ausgabe konnte 2006 mit Unterstützung der Gesellschaft für Gesundheitsberatung (GGB) finanziert werden, mittlerweile ist es auch durch weitere Spenden von Mitgliedern der GGB ermöglicht worden eine erste Auflage der portugiesischen Ausgabe zu finanzieren. Diese soll zum Großteil an Politiker, Lehrer und Professoren verschenkt werden. Ein Verlag ist mitlerweile wohl auch gefunden, sobald die portugiesische Ausgabe in Brasilien erhältlich ist, werde ich das hier noch nachreichen.

Zum Autor:
Antônio Inácio Andriolini, 1974 in Campina das Missões/Brasilien geboren, wurde zunächst Agrartechniker, dann Studium der Philosophie, Psychologie und Soziologie auf Lehramt an der Universität UNIJUÍ in Rio Grande do Sul. Master in Erziehungswissenschaften.
Im Fachbereich Soziologie promovierte er an der Universität in Osnabrück zum Thema »Bio-Soja versus Gen-Soja: Eine Studie über Technik und Familienlandwirdschaft im Nordwestlichen Grenzgebiet des Bundeslandes Rio Grande do Sul/Brasilien«. Die Beziehung zu Deutschland war Familiär bedingt – sein Urgroßvater wanderte um 1900 nach Brasilien aus. Andrioli bezeichnet sich selbst als Globalisierungskritiker, er setzt sich intensiv für die soziale Bewegung der Kleinbauern und Landlosen ein. Mit ATTAC war er in Brasilien aktiv. Aufgrund seiner herausragenden Studienleistungen und seines sozialpolitischen Engagements wurde ihm 2004 der DAAD-Preis für ausländische Studierende verliehen. Er arbeitet derzeit als Hochschullehrer an der UNIJUÍ.
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Re: Literaturtipp: Agro-Gentechnik: Die Saat des Bösen

Beitragvon Takeo » Fr 2. Nov 2007, 00:19

Monsanto spielt tatsächlich seine Macht aus, bzw. missbraucht sie!
Ich habe da genügend Beispiele.
Bei Pioneer wüsste ich nichts zu sagen - von Pioneer hört man eigentlich nie Negatives.
Soziologe versus Kleinbauern, okay!
Soziologe versus Artenvielfalt und Pestizide: Vorsicht, nicht vom Fach, einer der vor langer Zeit mal Agrartechniker war ist nicht mehr aktualisiert!!! Heutzutage kann kein einigermassen vernünftiger Mensch noch argumentieren, dass Gentechnik zu mehr Pestiziden führt - tut er's doch, disqualifizeirt er sich auf technischer Ebene sofort.

"Agro-Gentechnik: Die Saat des Bösen"

Solche Buchtitel muss man mit grösster Vorsicht geniessen - deren Argumentation scheinen für den Laien zwar oft stichhaltig, sind aber in der Regel in keinster Weise auch nur annähernd haltbar, und für jeden Experten sehr leicht zu widerlegen.

Ich bin nunmal Wähler von B90/die Grünen (oder SPD), aber auch Agraringenieur in Brasilien, arbeite tagtäglich mit dem ganzen Zeugs in der Praxis, und habe solche Verschwörungstheorien schon bis zum Überlaufen gehört... sie bestätigen sich einfach nicht...

... ausser vielleicht, dass Monsanto bspw. allen anderen Mitbewerbern den Markt zu patentiert - Gemeinheit sowas! Was man von den Bauern hört: RR-Saatgut produziert weniger... RR-Saatgut zu teuer... RR-Saatgut dieses, RR-Saatgut jenes... keine Sorge, das ganze ist jetzt auch wieder nicht sooooo der Renner! Und Bauern oder auch Kleinbauer müssen das Monsantosaatgut ja nicht kaufen... was sie ja tatsächlich auch oft nicht tun. Und die Zeiten, in denen die Bauern ihr 'eigenes' Saatgut wiederanbauen, sind sowieso schon seit 30 Jahren vorrüber... sowas würde sich heutzutage einfach nicht rentieren: Saatgut ist Saatgut, Erntegut ist Erntegut, das weiss heutzutage selbst jeder Kleinstbauer, da gibt's schon ewig nichts mehr dran zu rütteln.



Hmod: post zusammengefuegt



Nasobem hat geschrieben:Antônio Inácio Andrioli, Richard Fuchs (Hrsg): Agro-Gentechnik: Die Saat des Bösen, emu-Verlag, 2006

(...)

Ein sehr detailiert und genau recherchiertes Buch.

(...)

Zum Autor:
... Andrioli bezeichnet sich selbst als Globalisierungskritiker, er setzt sich intensiv für die soziale Bewegung der Kleinbauern und Landlosen ein.


Da weiss hoffentlich auch jeder, was man dann erwarten kann. Die sog. 'Landlosen' sind ja die MST (Movimento dos Sem Terra), von denen ja auch inzwischen jeder weiss, dass es sich dabei um nichts weiter als um militante Komunisten handelt, deren Program nichts weiter als Randale ist, und dass die ausser Korruption noch nie was zustande gebracht haben. Anständige Kleinbauern sind unter den MST sowieso kaum dabei!!!
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Re: Literaturtipp: Agro-Gentechnik: Die Saat des Bösen

Beitragvon Severino » Fr 2. Nov 2007, 08:59

Takeo hat geschrieben:.... Anständige Kleinbauern sind unter den MST sowieso kaum dabei!!!

Kenne eine kleine Siedlung der Landlosen im Norden von Goías. In ganz einfachen Hütten aus Baumstämmen, Karton und Wellblech haben sie sich ihre Unterkünfte erbaut. Land haben sie heute auch. Aber das liegt brach. Auch mit dem Baumaterial, das von der Gemeinde organisiert wurde wissen sie nichts anzufangen. Die Ziegelsteine liegen noch genauso auf dem Haufen, wie sie abgeladen wurden. Den Zement haben sie verkauft und sich vom Erlös ein paar schöne Tage gemacht. Wie es weiter gehen soll? Na wie vorher. Läuft doch.
Ein Beispiel, das die Aussage von Takeo voll und ganz bestätigt....
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Re: Literaturtipp: Agro-Gentechnik: Die Saat des Bösen

Beitragvon Nasobem » Fr 2. Nov 2007, 17:42

Es ist natürlich bequem und einfach, sich ein Urteil zu Bilden, wenn man den Inhalt noch nicht kennt. Aber das darf selbstverständlich jeder tun. Ich habe ja auch nicht gerade eine sehr fundierte Inhaltszusammenfassung geposted. Deshalb sollte ich zumindest noch ergänzen, das beide Autoren jeweils in etwa zur Hälfte die Inhalte zu dem Buche geschrieben haben, und dass Südamerika zwar ein Schwerpunkt bildet, aber auch Fälle in vielen anderen Ländern der Erde geschildert werden.

Den Buchtittel finde ich auch sehr unglücklich gewählt. So etwas gibt mir auch sofort zu denken. Aber es ändert nichts an den Inhalten. Ist wohl eher eine Marketing-Entscheidung des Verlags. Das Buch selbst ist ganz und gar nicht reißerisch geschrieben.

Takeo hat geschrieben:...
Bei Pioneer wüsste ich nichts zu sagen - von Pioneer hört man eigentlich nie Negatives.
...

Ok, lassen wir Pioneer mal außen vor, ich habe das Buch auch bereits vor einem halben Jahr gelesen. Es werden zwar auch andere Konzerne erwähnt, darunter auch DuPont (Pioneer) und Pioneer war einfach der nächste, der mir eingafallen ist, aber die wirklich übel aufstoßenden Vorgehensweisen leistet sich Monsanto.

Takeo hat geschrieben:...
Und Bauern oder auch Kleinbauer müssen das Monsantosaatgut ja nicht kaufen... was sie ja tatsächlich auch oft nicht tun.
...


Da stellt sich aber die Frage: Wie lange noch? Denn wenn bald außer Gen-Soja (Hauptsächlich RR) keine alternativen mehr zu kaufen sind, und genau dieses Ziel verfolgt Monsanto bislang sehr erfolgreich, bleibt ihnen dann eben keine Alternative mehr. Und dann wird die Daumenschraube warscheinlich erst richtig zugedreht.

Was den Herbizideinsatz betrifft: In den USA gibt es die Erfahrung, das zwar zu Beginn der Einführung der Gen-Soja der Einsatz noch niedriger ist, aber bereits nach wenigen Jahren ist von dem Effekt nichts mehr übrig und der Herbizideinsatz steigt sogar bei der Gen-Soja gegenüber der herkömlichen Soja-Bohne. Das sind Ergebnisse einer amerikanischen Agrar-Behörde (USDA). Andere Quellen geben einen durchschnittlichen Mehrverbrauch von 11% an. Es mag sicherlich auch andere Studien geben, und ich persönlich bin sowieso kein Fan von Studien und Zahlen, aber es sind Anhaltspunkte, die man nicht einfach in den Wind schlagen sollte. Schon gar nicht, wenn man weiß, das unabhängige Studien so gut wie nicht bezahlt werden, wärend große Konzerne einfach einen Haufen davon produzieren können und dann die schönsten veröffentlichen und die unschönen zu den Akten legen.

Und ob man anhand eines Klappentextes auf die Kenntnisse und das Fachwissen eines Autors schließen kann – ohne dessen Texte zu kennen?
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Re: Literaturtipp: Agro-Gentechnik: Die Saat des Bösen

Beitragvon Takeo » Fr 2. Nov 2007, 20:55

Deine Argumente scheinen für einen Laien relativ stichhaltig, und diejenigen mit der Monopolisierung für Saatgut und Daumenschraube sind sogar schon uralt und werden stets von den Verschwörungstheoretikern überbewertet: in der landw. Produktionskette kostet das Saatgut nur wenige % der Gesamtinvestition, und die RR-Technologie wiederum nur wenige % der gesamten Saatguttechnologie, die Preise müssten schon in astronomische Höhen ausschlagen um von 'Daumenschrauben' zu sprechen... und für so ein Szenario gibt es einfach keine realistische Grundlage, weder auf der Produktionsseite noch auf der Verbraucherseite.

Die anderen Argumente lassen sich immer alle leicht widerlegen, und oft (bspw, beim Pestizidverbrauch) ist der kausale Zusammenhang nicht richtig beschritten. Um dieses Thema zu besprechen, müsste man viel weiter ausholen, aber um auf technische Details einzugehen ist dieses Forum einfach nicht die richtige Plattform.

Lasst Euch einfach nicht verrückt machen, es ist alles längst nicht so dramatisch wie es so gerne von Verschwörungstheoretikern dargestellt wird. Heute sieht man Monsanto eigentlich eher mehr verzweifelt versuchend seine RR-Technologie gegenüber der sonst allgemeinen technischen Entwicklung in der Landwirtschaft noch erfolgreich ins Rennen zu schicken (RR ist heutzutage mitnichten das Non-Plus-Ultra!). Je mehr sie bedroht sind abgehängt zu werden, desto mehr verbunkern sie sich nur noch innerhalb ihrer Burg aus Patenten, und die Leidtragenden sind eher nicht die (Klein)bauern, sondern die übrigen Mitstreiter auf diesen Märkten, deren eigene technologische Entwicklung stets von Monsanto zu patentiert ist! Das ist die eigentliche Schweinerei!
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Re: Literaturtipp: Agro-Gentechnik: Die Saat des Bösen

Beitragvon tinto » Fr 2. Nov 2007, 21:24

Takeo, wo genau bist Du nochmal tätig?
_________________________________
Schöne Grüße,
tinto
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Re: Literaturtipp: Agro-Gentechnik: Die Saat des Bösen

Beitragvon Takeo » Fr 2. Nov 2007, 22:25

Wieso?
Ich bin Diplom Ingenieur der Agrarwissenschaften.
Und Du bist...?
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Re: Literaturtipp: Agro-Gentechnik: Die Saat des Bösen

Beitragvon Africa » Fr 2. Nov 2007, 22:44

Takeo hat geschrieben:Und Du bist...?


Ich glaube Tinto ist Wanderprediger: beitrag80998.html#p80998

P.S.

Nicht boese sein, Tinto.
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Re: Literaturtipp: Agro-Gentechnik: Die Saat des Bösen

Beitragvon tinto » Fr 2. Nov 2007, 22:45

Africa hat geschrieben:
Takeo hat geschrieben:Und Du bist...?


Ich glaube Tinto ist Wanderprediger: beitrag80998.html#p80998

P.S.

Nicht boese sein, Tinto.


Hab ja großen Erfolg damit......
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Schöne Grüße,
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Re: Literaturtipp: Agro-Gentechnik: Die Saat des Bösen

Beitragvon Africa » Fr 2. Nov 2007, 22:47

Trollst du jetzt? Ich sage nicht, was ich beruflich mache, aber Takeo hat dich aus gutem Grund gefragt.
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