Luiz Ruffato "Mama, es geht mir gut"

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Re: Luiz Ruffato "Mama, es geht mir gut" (trotz Kolonisati

Beitragvon Westig » Di 1. Okt 2013, 17:13

Berlincopa hat geschrieben:@Westig
Auch wenn Deine historisch-soziologischen Ausfuehrungen interessant sind, sollte man meiner Meinung nach für die Fehlentwicklungen in Brasilien weder die Portugiesen noch die US-Amerikaner verantwortlich machen, sondern in erster Linie eigene strukturelle und organisatorische Defizite anführen, welche man aber in einem ueberschaubaren Zeitrahmen abbauen koennte. Und es ist der von Dir verteufelten Globalisierung zu verdanken, dass es so vielen Menschen weltweit nun deutlich besser geht als früher (insbesondere China). Ein mehr an Globalisierung und Oeffnung würde auch in Brasilien quasi automatisch viele Verkrustungen und Ineffizienzen beseitigen helfen.


Das steht weiter oben zu eigenen strukturellen Defiziten geschrieben:

".....Zunächst jedoch mit der gnadenlosen persönlichen Haltung der Eliten, die sich aus einzelnen Personen zusammensetzen, denen Ethik und soziale Moral abhanden gekommen ist. Die Durchsetzung von Werten und von Führungskulturen verlangt erst einmal Liebe zum eigenen Land und soziale und ethische Mitverantwortung, statt hemmungslos kalten Egoismus. Brasilien kann sich also nicht zu einer prosperienden, humanen Gesellschaft entwickeln, weil seine Schätze vor hunderten Jahren ausgeraubt und weil die Lebensprinzipien der portugiesischen Raubritter (Kolonial-„Herren“ waren die ja nicht) bis heute sozialethische Alternativen sozusagen nicht zulassen?

Das Gleiche wollen einem Angehörige von wirtschaftlichen und politischen Eliten überall in Lateinamerika weismachen, und so hört man es auch insbesondere von konservativen Kirchenführern, mit gutem Grund".
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Re: Luiz Ruffato "Mama, es geht mir gut"

Beitragvon Brazil53 » Sa 5. Okt 2013, 16:47

Die "Neue Züricher Zeitung" hat gestern auch über den Schriftsteller Luiz Ruffato berichtet.

Ich meine dort ist ein bemerkenswerter Bericht erschienen.
Ich sehe die Situation genauso.

Brasilien und die Last der kolonialen Vergangenheit

Die Geburt der Freiheit aus der Gewalt


Wir sind es gewohnt, mit autoritären Regimen zu leben, selbst wenn diese auf diktatorische Abwege geraten, und haben uns im Sport perfektioniert, die Gesetze zu korrumpieren — einem «Sport», der auf allen Ebenen der Gesellschaft betrieben wird und nicht nur von den Politikern, wie wir es gerne behaupten. Wir fühlen uns als Bürger zweiter Klasse, die stets Pflichten, aber nie Rechte haben, und wir besitzen noch immer eine kolonialistische Mentalität: Wir verhalten uns, als wäre unser Aufenthalt hier nur provisorisch und empfinden keinerlei Verantwortungsgefühl — weder den Nachbarn noch der Gemeinde oder der Umwelt gegenüber. Dieses Gefühl der Nichtzugehörigkeit hat die Voraussetzungen für ein Zusammenleben untergraben: Was in Brasilien allen gehört, gehört niemandem



http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/literatur-und-kunst/die-geburt-der-freiheit-aus-der-gewalt-1.18161621
Ich glaube nur Tatsachen, die ich selbst verdreht habe
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Re: Luiz Ruffato "Mama, es geht mir gut" (trotz Kolonisati

Beitragvon Berlincopa » Sa 5. Okt 2013, 18:45

Westig hat geschrieben:Das steht weiter oben zu eigenen strukturellen Defiziten geschrieben:

".....Zunächst jedoch mit der gnadenlosen persönlichen Haltung der Eliten, die sich aus einzelnen Personen zusammensetzen, denen Ethik und soziale Moral abhanden gekommen ist. Die Durchsetzung von Werten und von Führungskulturen verlangt erst einmal Liebe zum eigenen Land und soziale und ethische Mitverantwortung, statt hemmungslos kalten Egoismus. Brasilien kann sich also nicht zu einer prosperienden, humanen Gesellschaft entwickeln, weil seine Schätze vor hunderten Jahren ausgeraubt und weil die Lebensprinzipien der portugiesischen Raubritter (Kolonial-„Herren“ waren die ja nicht) bis heute sozialethische Alternativen sozusagen nicht zulassen? Grund".



Klingt mir zu weinerlich und kulturpessimisch: Auch wenn die Vergangenheit natuerlich noch ihre Auswirkungen haben mag, haben es die Brasilianer selbst in der Hand, sich zu einer prosperierenden und humanen Gesellschaft zu entwickeln. In der Tat ist dieser Transformationsprozess ja bereits seit einiger Zeit im Gang und könnte sich nun (Brasil accorda) beschleunigen. Man braucht nicht immer in der Kolonialgeschichte nach Entschuldigungen fuer aktuelle Misstaende zu suchen.
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Re: Luiz Ruffato "Mama, es geht mir gut" (trotz Kolonisati

Beitragvon Cheesytom » Di 8. Okt 2013, 01:39

Westig hat geschrieben:... bis heute sozialethische Alternativen sozusagen nicht zulassen? Grund".


Fehlende Bildung und fehlendes funktionierendes Rechtssystem.
Gruss aus Maceió, Alagoas
Thomas
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Re: Luiz Ruffato "Mama, es geht mir gut"

Beitragvon zedorock » Mi 13. Nov 2013, 00:34

ich war schon ein brasilien-pessimist, aber heute bin ich (abgesehen von einigen unangenehmen sachen wie der verbotswelle, die yber das land rollt) ziemlich optimistisch. die statistiken sprechen dafyr und meine augen bestätigen es dauernd. auf dem blauen sofa des zdf auf der buchmesse hab ich mich dazu geäussert, ich schmeiss gleich ein ganzes kapitel von meinem buch 'per anhalter durch die brasilianische galaxis' hier rein... bin gespannt ob das programm das schluckt... das kapitel is etwas trocken, sicher das trockenste vom buch, aber wenn man schon daryber diskutiert...

DIE LEIDEN DER
MITTEL-CLASSE BRASILEIRA

Ich hab mal auf wikipedia die curtbiografie do autor de bestseller Paulo Coelho gelesen, da stand, das er im a familie der gehobenen classe geboren wurde. Ich schaute im die brasileira wikipedia und da stand, er var a son da mittelclasse. Engeniero. Im Alemanha mittelclasse, im Brasil mittelclasse. Aber im alemao var es jarzentelang undenkbar, die wörter 'Brasil' und 'mittelclasse' im einem atemzug zu nennen. Naja, nich nur im Alemanha.

Obwol Brasil aufgrund da ser geringen und ländlichen populacion nie zu den mächtigen ländern da welt gehörte, var es trotzdem nie ein armes land, weil der boden, mit ausname des Sertao, so fruchtbar is. In den 60er und 70er jaren wux das land ser rapide, es va das China da 70er jare. Brasil stieg zur potencia econômica nummer 8 da welt auf.

Es va die zeit des "milagre econômico", des wirtschaftswunders. Es gab drei wirtschaftswunder in da welt: das japanian, das alemao und das brasiliano wirtschaftswunder. Das japaniano wunder entstand dank des fleisses und da fähigkeit da japaneses, producte zu copiren und zu perfeccioniren. Das alemao wunder entstand dank der disciplin und des hohen bildungsniveaus da populacion alemã. Und das brasiliano wirtschaftswunder, naja, das va realment a wunder, das kann ma nich erklären.

Das einzige problem va, das die richtig armis arm bliben. Zu dem zeitpunct erfand ma den Gini-Coeficient, bei dem ma das einkommen da reichsten 10% mit dem einkommen der ärmsten 10% vergleicht, und da is Brasil als das land rausgekommen, das die gröszte diferenz aufwis. Daraus schloss ma, das es keine mittelclasse in Brasil gibt, vas naturalmente nich stimmte. Die brasiliano mittelclasse machte mer als ein drittel da populacion aus und weniger als die hälfte. Das is nich fil im vergleich zu Westeuropa zum exempel, aba fil im vergleich mit da ganzen welt. Jedenfalls ha das land seit da zeit die fama, das ungerechteste land auf Erden zu sein. Massen von tv-redactoren besuchten das land und die erste frage va, "Vou is die näxte favela?"

Anfang der 80er jare stolperte das land und tat sich ganz schön we. Es stand directamente vor dem abgrund, halb bancrott, mit inflacionsraten von bis zu 2000% im jar. 15 jare später wurde Fernando Henrique Cardoso president, besiegte die inflacion, und seitdem wäxt das land vida, nich in astronomicos sferen vie China oder India, dafür immer auf nummer sicher, sofern heutzutage irgendwas noch sicher sein kann. Für die governos seit FHC is die stabilidäd wichtiger als das waxtum. Vas noch besser is: seitdem schliszt sich die schere zwischen arm und reich allmälich, in a zeit, in der das selten in da welt der fall is.

FHC rif vile sociale programme ins leben und machte eine gute regir. Lula und Dilma machten eine änliche politik, so schafften dise regirus, das waxtum zu fördern und gleichzeitig die armut deutlich zu reduziren. Dutzende brasiliano multis machen sich in der welt breit, der ölmulti Petrobrás var unter den 5 firmen mit dem gröszten profit weltweit, Vale unter den 3 groszen bergbaumultis, Odebrecht und Camargo Correa baun autobanen und staudämme überall in der welt, Gerdau produzir stal in 14 ländern, H. Stern findet man auf jeder alemã fuszizone, der gröszte brauereikonzern der welt is der belga-brasilian Inbev. Lufthansa, vie so vile fluggesellschaften, fliegt brasilian embraer-flugzeuge, und den hamburger, den man am aeroporto verdrückt, ha der brasiliano Burger King gemacht. Der zweitgröszte TV-Concern der welt is die brasiliano TV Globo. Und Brasil leit der EU geld aus, damit sie die crise überwinden kann. Schon lustige zeiten!

Inzwischen is die merheit der populacion mittelclasse. Beschweren tut sich vor allem die mittel-mittelclasse und teile der oberen mittelclasse. Das sind die leuti, die gegen Lula und Dilma stimmen, um die 40% der populacion. Obwol sie zäneknirschend zugeben, das es inen besser get, hassen sie Lula, und ham ihn schon immer gehasst. Weil er "ein ignorant" is, weil er ein representant vom "povinho", vom völkchen is, und damit noch pralt.

Eine NRO, die für costenlose verkersmittel cämpft, organisierte ein protest gegen die preiserhöhung bei bussen, da sind nich nur leute gekommen, die sich für ein besseres transportsisteem einsetzen, sondern auch leuti, für die die governement nich links genug is, aber vor allem das grosze heer an antipetistis der mittel- und oberen mittelclasse. Vas ma so hört, sind die gewönlichen criticus, die die antipetistis der mittelmittelclasse schon seit 10 jaren machen. Oficiell lauten die criticu-puncte: 1) nie var Brasil so corupt vie heut, 2) das land hat einen der höxten steuersätze, ma bekommt aber nix für die bezalten steuern - die straden, hospitäler und scholen sind all in eim schlimmen zustand, und das weil ma das ganze geld für den schuldendienst und unnütze stadien ausgibt. 3) Das land is ungerecht, 4) das land wäxt zwar, aber weniger, als es könnte, 5) das verschenken von geld an die armen, statt inen arbeit zu geben.

Natürlich gibt es corupcion in Brasil, vie in jedem land, wobei die corupcion zunimmt, je ärmer das land is, und Brasil stet in der corrupcionstabelle da Transparency International sogar etwas besser da als in der einkommenstabell. Vas den zustand der straden betrifft: ich bin ja nu durchgereist, von einer spitze zur andren, und die straden sind in a fil besseren zustand als vor 20 jaren - da san die straden vie eine kraterlandschaft aus. Vie die öffentlichen hospitäler ausseen, weiss ich nich, aber sicher kennt sie dise mittelmittelclasse kaum - sie sind zimlich alle privat versichert. Vas die auslandsschulden betrifft, müssten die brasilis zweieinhalb monate umsonst arbeiten, um die auslandsschulden zu zalen, wärend die deutshis ein jar bräuchten und el islandis sogar 10.

Keine frage, seit der bekanntgabe der WM in Brasil wird geld verschwendet, nur, die ausgaben dafür werden je nach quelle auf 7 oder 11 miliarden geschätzt, wärend zur gleichen zeit 500 miliarden für gesundheit ausgegeben wurden. Also, selbst wenn die hälfte der WM-ausgaben unnütze waren, sind es ca. 5 miliarden, das heisst 1% der ausgaben mit gesundheit - damit kann man das gesundheitssisteem kaum verbessern, und wenn ma das täte, würd es keini merken.

Vile brasilis fragen mich, "Da draussen is alles vil besser, gell?" "Wo da draussen? "Da draussen" is grosz!" Tja, es is so wie mit der Pisa-Studie, wo Brasil fast schlusslicht war: ma nimmt sich 27 länder der ersten welt und dann noch 3 quoten-schwellenländer, und die schneiden - überrasch! - schlecht ab. Brasil is eben nich erste liga, sondern zweite. Aber es gibt mer ligen unter als über Brasil. Immerhin leben die brasilis besser als 4/5 der weltbevölker.

Ma beschwert sich über die öffentlichen verkeersmittel. Bus und ban faren voll zu den stoszzeiten, keine frage. Das is aber warlich keine brasiliano specialität, und wenn ma sich so gern mit reichen ländern vergleicht, um in ein tifen frust zu verfallen, sollte ma sich mal in disem fall mit der tokyoter u-ban vergleichen: da fült sich eine u-ban in Sao Paulo wie eine einöde an. Es gibt sogar leuti, die die regiru für die staus verantwortlich machen. Was wollen die, Brasil produziert inzwischen mer PKWs als die USA, erwarten die dann freie straden wie in Nordkorea?

Und wenn die brasiliano regiru so schlecht und corupt is, sollte ma vileicht die ganze WM-organisacion zu a swizi überlassen, zum beispil Herrn Sepp Blatter, der is sicher ser erlich, wenn er schon swizo is und kein brasilo.

Vil besser is die tatsache, das ich auf meiner 3-monatigen reisu keine straszekindis mer geseen hab, das ich durch merere favelas gelaufen bin one das mir was passiert wär, das ma fast an jeder ecke in der periferie der groszstädten eine bar findet, in der poetry slams stattfinden, das eine neue, eigene, von Europa unabhängige cultur entsteet. Das so vile jungis studiren, das busse kindis in den entlegensten einöden abholen und zur schule bringen. Insgesamt bin ich ser optimist, ich finde, das Brasil vil glück hatte mit den zwei letzten presidentis und hat es immer noch mit der jetzigen, Dilma Rousseff. Eigentlich hatte ganz América Latina mer oder weniger glück. Oder vileicht is es nich nur glück, vileicht lernen die leut.
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Re: Luiz Ruffato "Mama, es geht mir gut"

Beitragvon zedorock » Mi 13. Nov 2013, 00:39

damit auch was unterhaltendes dabei is, a text über die brasilianishe frau...

A BRASILEIRA

Wenn ma zu die deutsche mann was von brasilas erzält, kriegt er gleich ein ständer. Das bild der heissen und leichten frau haftet an den brasilas wie kleister. Nu, so viele frauen sind es ja auch nich. 100 milionen insgesamt, aber nur 1/4 is im gebärfähigen alter und in eim relativ presentablen zustand. Da haben wir nur noch 25 milionen. Aber 1/3 is übergewichtig, 1/3 untergewichtig, bleiben nur noch 8 milionen. Richtig gut ausseend - wenn schon denn schon! - sind sagen wir mal 10%. Also 800 000. Leider sind 90% von inen naturgemäsz besetzt, bleiben folglich 10%, 80.000. Und ma will auch keine dumme frau, dabei is es doch bekannt, das schöne frauen ire energie in ire schönheit investieren, und für das hirn bleibt nich viel übrig. Da sind ca. nur 10% schön und inteligent, und so sind wir schon bei 8000. Und dann sind 30% kronisch schlecht gelaunt, 30% krankhaft eifersüchtig, 30% beides, bleiben schon wider nur 10%, da sind wir bei 800. 200 von inen sind lesben, so ham wir nur noch 600. Und diese frauen ham schon gewisse ansprüche, sowol ästetische wie finanzielle, diese können nur ca. 10% vo die deutsche männ erfüllen. Wenn du zu diesen 10% gehörst, - nur zu. Ich könnt es e nich verhindern. Die sind aber dann dünner verteilt als menschen über Grönland. Wenn du nich zu den 10% gehörst, ham sich die möglichen hasen von 600 auf 0 reduziert. Dafür is die landschaft schön, und die caipirinha is fantastisch!

Interessant fand ich, wie mein alter freund von mir und ich die frauen anschauen: in den bars schaut er die bedienas an, wenn sie da vorne kommen, ich dreh mich, nachdem sie vorbeigingen. Für die mitteleuropos is der busen das A und O der frau. Während für die brasilo der po das zentrum des universums is. 'Po' heisst auf brasiliano 'bunda'. Die brasilis amüsiren sich zu tode in Deutschland, mit der Bundespost, Bundesbahn, usw. Und wenn es ein krieg zwischen Deutschland und Brasil gäbe, würden die deutschis sicher kampflos gewinnen, weil die brasilis sich totlachen, wenn sie erfahren, das die armee des feindes 'Bundeswehr' heisst, was ziemlich wie 'bundas ver' klingt, und das heisst nämlich 'ärsche schaun'.
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Re: Luiz Ruffato "Mama, es geht mir gut"

Beitragvon Colono » Mi 13. Nov 2013, 13:49

endli ma a jung de se auskennt inna brasiliens.

gefaellt mi !
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Re: Luiz Ruffato "Mama, es geht mir gut"

Beitragvon Brazil53 » Mi 13. Nov 2013, 18:18

Zé kennt sich nicht nur in Brasilien bestens aus, sondern auch im Rest der Welt. Es lohnt sich etwas von ihm zu lesen. Aber vorsichtig, wer mit Satire nichts anfangen kann....

Per Anhalter von Boa Vista an der brasilianisch-venezolanischen Grenze nach Porto Alegre im Süden Brasiliens der Deutsch-Brasilianer und Sprachspieler Zé do Rock hat sich auf eine ungewöhnliche Reise begeben, um den Besonderheiten, Klischees und Eigenheiten seiner brasilianischen Heimat nachzuspüren.
Er interviewt Fahrer, die ihn mitnehmen, redet mit Menschen, denen er auf seiner Reise begegnet, und spricht mit ihnen über "ire träume und wie weit sie sie realisieren konnten, ir siege und niederlagen in ihrem materialen, emotionalen und sexualen leben." Er erzählt vom Norden, dem Amazonas-Gebiet, dem Wilden Westen Brasiliens, "von indianern, goldgräbern, farmern aus dem süden mit namen wie Schmidt und Mayer, groszgrundbesitzern und multis, über den armen nordosten, den hochindustrialisierten südosten und den süden mit seinen fachwerkhäusern."
Aus den Begegnungen schafft er "ein caleidoscopio brasilianischer biografias" mit zahlreichen Eindrücken und überraschenden Informationen über die Geschichte des Landes und über die brasilianische Gesellschaft.
Natürlich ist das Buch in normaldeutsch à la Zé do Rock und in einer verportugiesierten versao im progressivo modo verfasst. Kein Problem also in Zé do Rocks Sprachwelten einzutauchen und seinem Witz, Humor und anarchischen Blick zu folgen. Ein unverzichtbares Standardwerk: das grosze brasilicum.


http://www.amazon.de/anhalter-Rock-durch-brasilianische-galaxis/dp/3940666505/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1384362596&sr=1-1&keywords=z%C3%A9+do+rock+per+anhalter+durch+die+brasilianische+galaxis


Oder auch sein Buch:

jede sekunde stirbt ein nichtraucher: a lexikon üba vorurteile un andre teile

"Jede Sekunde stirbt ein Nichtraucher" ist ein Buch über Länder, Menschen, Sitten, über Sicherheitswahn, Klischees und Vorurteile.
Zé do Rocks intelligentes Sprachspiel "üba vorurteile un andre teile" bringt Denk- und Wahrnehmungsmuster ins Wanken und ist gleichzeitig ein lustvoll erlebbares Sprechtheater.
Das auf- und anregende Plädoyer gegen Engstirnigkeit und mangelnde Toleranz richtet sich an "qualma", "raucha", "anti-paffa" und "anti-schmaucha".
"Wenn unsere hirne gewisse informationen als wahrheit aufgenommen haben, wird es schwer, diese wahrheiten zu erschütta, da kannen unsere ohren hören was sie wollen und unsere augen sehen was sie halt sehen."
Zé do Rock schreibt in progressivem Ultradoitsh und Wunschdeutsch und nutzt bei seinen literarischen Ausflügen und Reisen die sprachlichen Eigenheiten der verschiedenen Länder, sodass ein dem jeweiligen Erzählgegenstand angenähertes, internationalisiertes Kauderdeutsch entsteht.
Kurze Worterklärungen ergänzen den Themenkatalog von "Afrikaans" über "Cuba is libre", "Esperanto" und "Maroco blues" bis "Zwischenreport", wobei durchaus Profundes vermittelt wird, zum Beispiel über das Adjektiv "profan": "das is wenn die gage eina musikgruppe nach der menge der besucha berechnet wird, im gegensatz zu proband , bei der man die gage nach der menge der aufspielenden musikgruppen kalkuliert. Einige verdienen ihr geld je nachdem, in wievielen partys sie spielen, das sind dann die profeten. Am besten sind diejenigen dran, die proton verdienen."
Kurz: ein verdammt witziges literarisches Lexikon, voll von respektlosen Absichten und Einsichten.


http://www.amazon.de/jede-sekunde-stirbt-ein-nichtraucher/dp/3940666114/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1384362867&sr=1-2&keywords=z%C3%A9+do+rock

Und viele Bücher mehr...

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Re: Luiz Ruffato "Mama, es geht mir gut"

Beitragvon Elsass » Sa 16. Nov 2013, 06:56

zedorock hat geschrieben:. . . . In den 60er und 70er jaren wux das land ser rapide, es va das China da 70er jare. Brasil stieg zur potencia econômica nummer 8 da welt auf.
. . .
Anfang der 80er jare stolperte das land und tat sich ganz schön we. Es stand directamente vor dem abgrund, halb bancrott, mit inflacionsraten von bis zu 2000% im jar. . .

Ze
Recht elegant :twisted: , wie du die groesste Katastrophe in der brasilianischen Geschichte uebergehst. Nicht mit einem Wort wird die Militaerdiktatur erwaehnt. Fast alle Probleme, mit denen Brasilien heute zu kaempfen hat, lassen sich auf diese 21 Jahre zurueckfuehren. Die Macht der Militaers ist noch so gegenwaertig, dass es keine Regierung gewagt hat, juristisch die Verbrechen aufzuarbeiten. Es gibt lediglich eine Wahrheitkomission ohne Befugnisse. Auch in diesem Punkt ist Brasilien einzigartig in Suedamerika.
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Re: Luiz Ruffato "Mama, es geht mir gut"

Beitragvon zedorock » Sa 23. Nov 2013, 23:14

Elsass hat geschrieben:
zedorock hat geschrieben:. . . . In den 60er und 70er jaren wux das land ser rapide, es va das China da 70er jare. Brasil stieg zur potencia econômica nummer 8 da welt auf.
. . .
Anfang der 80er jare stolperte das land und tat sich ganz schön we. Es stand directamente vor dem abgrund, halb bancrott, mit inflacionsraten von bis zu 2000% im jar. . .

Ze
Recht elegant :twisted: , wie du die groesste Katastrophe in der brasilianischen Geschichte uebergehst. Nicht mit einem Wort wird die Militaerdiktatur erwaehnt. Fast alle Probleme, mit denen Brasilien heute zu kaempfen hat, lassen sich auf diese 21 Jahre zurueckfuehren. Die Macht der Militaers ist noch so gegenwaertig, dass es keine Regierung gewagt hat, juristisch die Verbrechen aufzuarbeiten. Es gibt lediglich eine Wahrheitkomission ohne Befugnisse. Auch in diesem Punkt ist Brasilien einzigartig in Suedamerika.


ich wollte nich die historia brasiliens erzählen (dás kommt im buch beim capitel 'historia' vor, nich im capitel 'die leiden der mittelclasse brasileira'), sondan nur mal curz erklären was öconomisch in den letzten 5 oder 6 decadas passiert is, damit má dás ganze bild im blick há. hätt ich tun müssen, wenn ich die rolle da dictatura militar (oder democratura, wie man es damals nannte) für so wichtig gehalten hätte wie du. ich glaube sogar, dás die militärs damals gut für die öconomia waren, einmal las ich immerhin in einem UNO-report, dás dás meiste ausgeliehene geld an die dritte welt selten dort verwendet wurde, wofür die gelder eigentlich bestimmt waren - mit ausnahme von brasilien.

ich glaub auch nich, dás má die militärs für so vieles verantwortlich machen kann. die sociale ungerechtigkeit fing an, als die ersten portugiesen kamen. dás brasilien nich das prokopf-einkommen da shweiza há, war ja zu erwarten, und há nix mit den militärs zu tun. dás heisst aba natüralich nich, dás ich je für die dictatura militar war, und ich war schon als 18jähriger zwei monate im knast wegen ihr. Ich glaub aba nich, dás die tatsache, dás má nich viele militars in den knast gesteckt há, mit da macht da militars zu tun há, eher mit da geerbten portugiesischen art, mit solchen problemas umzugehen: má macht arrangements. wie damals mit der unabhängigkeit, wo könig-vater nach portugal geht und könig-sohn da lässt, und so alles in familia bleibt. einserseits a faule unabhängigkeit, andererseits musste kein mensch daran glauben, wie dás normalerweise bei unabhängigkeitskämpfen der fall is.
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