Polizei stellt Teenager auf offener Strasse
Die Thurgauer Kantonspolizei hat am Mittwoch ein 13-jähriges Mädchen angehalten und an die Aargauer Polizei übergeben. Dies geschah im Rechtshilfeauftrag des Aargauer Obergerichts, sagte der Mediensprecher der Thurgauer Polizei.
Das Mädchen ist in der Schweiz geboren und hat einen Schweizer Vater und eine brasilianische Mutter. Mit dieser ist es nach der Scheidung der Eltern nach Brasilien ausgereist, teilten der Verein Tipiti und der Internationale Sozialdienst mit.
Mädchen will hier bleiben
Im Jahr 2007 besuchte die 13-Jährige ihren Vater und beschloss, bei ihm in Rheinfelden (AG) zu bleiben. Der Ostschweizer Verein Tipiti brachte das Kind bei einer Familie unter. Doch das Bezirksgericht Rheinfelden entschied, dass das Mädchen zurück nach Brasilien müsse.
Aufenthaltsort unbekannt
Am Mittwoch hat die Polizei das Mädchen auf dem Nachhauseweg von der Schule mitgenommen. Nach Auskunft von Tipiti ist zurzeit nicht bekannt, wo es sich aufhält. Tipiti und der Internationale Sozialdienst protestieren gegen das Vorgehen, das die internationalen Konventionen über die Rechte des Kindes verletze.
Widerstand regt sich
Der Zorn auf die Behörden ist gross. «Das Mädchen hat deutlich und differenziert den Willen geäussert, hier zu bleiben. Ich kann nicht verstehen, wieso die Behörden dies nicht ernst nehmen», sagt Lisa Zaugg, die Rechtsvertreterin des Mädchens. Auch mehrere Kinderrechts-Organisationen sind empört über das Vorgehen der Behörden.
Man habe das Mädchen gar nicht einvernehmen können, argumentiert hingegen Guido Marbet, Präsident der Vormundschaftskammer des Aargauer Obergerichts gegenüber «Schweiz aktuell». Er hat die Festnahme des Mädchens angeordnet.
http://tagesschau.sf.tv/nachrichten/arc ... _brasilien