Röcke als Resonanzräume
Daniela Mercury zu Gast bei Freunden im Mainzer "Kulturzentrum"
Brasilianisches Temperament aus Bahia - Daniela Mercury in Mainz.
Foto: hbz/Kristina Schäfer
Vom 13.07.2006
Von
Michael Jacobs
MAINZ Als man während der furios durchgefeierten Fußball-Weltmeisterschaft die schildkrötengleichen Schrittfolgen des Sele´cao-Stürmers Ronaldo studierte, konnte einen die schlimme Sorge beschleichen, ob etwa auch der Brasilianer an sich rhythmisch schwächele. Doch allein die Trikotage, mit der Daniela Mercury (knapper, blumenbestickter Rock ), ihre Tänzerinnen (silberne Klangreifen zum Draufhauen anstelle des Rocks) und ihre perkussionsgestählte Band (weiße Kriegsbemalung) die Bühne entern, lässt schweißtreibende Bewegungsarbeit und ausufernde Hüftwackler ahnen.
Zum 25. Geburtstag des Mainzer "Kulturzentrums" liefert die Königin des Samba-Pop wieder ein mitreißendes Konzert zu Gast bei Freunden ab, zumal auch die Betriebstemperatur der KUZ-Halle sich der von Bahia sehr schön annähert. Mercury feiert Brasilien und damit die ganze Welt der Lebensfreude. Die aus der Hüfte geschleuderten Kompositionen verschmelzen Samba, Reggae, Funk, Rock und die suggestiven Trommelkaskaden Afrikas zu einem pulsierenden Band aus Tempo und Timbre, das im Nu alle Fußfesseln sprengt.
Jeder Song eine Hymne auf die Körperlichkeit der Musik: "Levada Brasiliera", "Nobre vagabundo", "Balanco do mar", und auch wenn Daniela Mercury die eher ruhigere Ballade "Topo do mundo" ihres aktuellen Albums in die tropische Nacht weht, zerrt der Reggae-Beat mächtig am Rockzipfel. Der rockige Ethno-Pop gerät ins Fahrwasser augenzwinkernder Folklore, wenn sich ein Rhythmusmann eine Bütt über den Kopf zieht und die Tänzerinnen lachend mit Deckeln und Blecheimern eine Art "Stomp"-Topfschlagen zelebrieren, das natürlich im galoppierenden Sog des Carneval do Brasil mündet. Die Frontfrau hält Rap-Zwiesprache mit ihren Musikern, die Damen pauken auf ihre blechernen Beckenringe, dass es funkt, "super, super, super", ruft Mercury, dann nimmt der Gitarrist auch noch Beethoven mit in die Kurve.
Wie nur wenige Konzerthäuser in Deutschland hat das Mainzer "Kulturzentrum" in den vergangenen Jahren der Musik und Kultur Brasiliens ein dankbar angenommenes Forum geboten. Auch Daniela Mercury hat den efeuumrankten Backsteinbau am Rheinufer ins Herz geschlossen: "Ich wäre sehr traurig, wenn dieser ganz besondere Ort geschlossen werden müsste", sagt sie. Und man glaubt es ihr sofort.
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