Mal wieder: Auswandern

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Re: Mal wieder: Auswandern

Beitragvon dimaew » Di 12. Aug 2008, 14:41

Die "Melkanlage" bei 11 Kuehen ist im Zweifel eine "Balde ao Pé", heisst ein grosser Eimer mit einer Melkmaschine fuer eine Kuh. Da bleibt noch genug Arbeit. Melkroboter wie in Europa gibt es derzeit noch nicht hier. Parmalat plant eine Versuchsfazenda, da koennte der erste installiert werden.

Dass bei elf Kuehen kein grosser Gewinn rumkommt, sagt die Baeuerin ja selbst. Allerdings haben die Leute auf so einem Hof auch nicht alle Ausgaben wie eine Stadtfamilie. Zwar muss Wasser, Futter (Kraftfutter) usw. fuer das Vieh besorgt werden, andererseits duerfte der groesste Teil der Ernaehrung der Familie durch eigene Erzeugnisse erfolgen. So habe ich es jedenfalls bisher gesehen.

Tatsaechlich spielt die Region sowohl fuer die Fleischerzeugung als auch fuer die MIlchwirtschaft eine ueberragende Rolle. Waehrend im Sueden (Paraná, Santa Catarina, Rio Grande do Sul) teilweise europaeische Massstaebe angelegt werden koennen, sind die Regionen im Westen und NOrdwesten noch nicht ganz so weit. Dafuer entwickeln sich die Hoefe da wesentlich rascher. Hinzu kommen die Wanderbewegungen durch zum Beispiel den Vormarsch des Zuckerrohranbaus. Regionen, die frueher kaum genutzt wurden, erleben nun einen Boom, weil Viehzucht sich lohnt, waehrend Zuckerrohr nicht oder nur mit Aufwand angebaut werden kann. Hier im Staat São Paulo kann man das sehr gut beobachten: Wo vor 20 Jahren und mehr noch Kaffee stand oder grosse Rinderherden grasten, steht heute Zuckerrohr. Geht man nach Bahia, beispielsweise westlich von Feira de Santana, ist zwar alles trocken, aber es gibt jede Menge Vieh, hauptsaechlich die Mischrasse aus Gir und Holânda, die sehr robust ist und trotzdem gute Ertraege an Milsch gibt.

Brasilien hat nach wie vor grosse Flaechen und wer bereit ist, sich komplett einzulassen, das heisst mit Sprache, Buerokratie, eventuell etwas geringerem Lebensstandard und viel Arbeit (alles Dinge, die deutsche Bauern durchaus kennen!), kann hier noch etwas erreichen.

Aber wie bereits angesprochen: Rein ins Blaue hinein wuerde ich das auch nicht machen. Ein ausgiebiger Urlaub, vielleicht die ein oder andere grosse Landwirtschaftsausstellung besuchen und dann sieht man schon weiter. Fuer den Urlaub muesste sich doch ein Nachbar oder ein Knecht auf Zeit engagieren lassen, oder nicht?
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Re: Mal wieder: Auswandern

Beitragvon Takeo » Mi 13. Aug 2008, 15:02

Damit keine falschen Vorstellungen aufkommen:

Im Cerrado ist eine der weltweit modernsten Landwirtschaften anzutreffen was Körnerproduktion (bes. Soja und Mais) betrifft. Die Flächen schwanken zwischen Kleinbetrieben: 500 - 2.000. ha.; mittleren Betrieben: 2000 - 10.000 ha; und Grossbetrieben: 10.000 - 100.000 ha. letztere sind besonders im Mato Grosso zu finden.
Sojaproduktion beläuft sich zurzeit bei bis zu 80 sack/ha = 48 dt/ha
Maisproduktion (safra) bei 120 sack/ha = 72 dt, und 100 sack/ha (Safrinha) = 60 dt/ha.
Hier wird nichts mehr umgepflügt (das es sowas überhaupt anderswo noch gibt!!!???!!!) - Alles wird per Direktsaat produziert.

Landwirtschaft (Körnerproduktion) weitet sich aus besonders richtung Tocantins, Süd-Maranhão und auch Südwest Piauí, teilweise auch Westbahia.

Westbahia ist heute aber besonders Zentrum für Baumwollproduktion: besonders um 'Luis Eduardo Magalhães' und 'Barreiras', teilweise wird Baumwolle noch stark im Mato Grosso um Rondonópolis etc. produziert.

Zuckerrohr hat mal in Pernambuco angefangen, heute ist São Paulo aber absolut führend in Zuckerrohrproduktion und weltweites Technologiezentrum (Feldproduktion); bei der Verarbeitung von Zuckerrohr (aber besonders Mais) kann auch die USA mitreden. Zuckerrohr weitet sich aus richtung Paraná, Minas (Triângulo), Goiás, Mato Grosso do Sul. Wenig nur im Mato Grosso. Im Nordosten ist Zuckerrohrproduktion noch relativ rückständig, besonders wegen den hügeligen Flächen.

Zentrum für Produktion von Exportobst befindet sich im Westen von Pernambuco (um 'Petrolina').
Horti-Fruti auch Tomaten um alle grossen Städte; besonders viel aber um São Paulo (winzige Kleinbetriebe oft von Japanern geführt)... Kartoffelproduktion mehr im Süden, besonders 'Castro' Paraná.

Im Süden ist die Landwirtschaft zwar noch kleiner strukturiert, aber relativ hoch technisiert. in Rio Grande do Sul wird auch Weizen und Reis angebaut, leider aber nicht ausreichend um unsere internen Märkte zu bedienen. Im ganzen Süden, also von SP südwärts ist Alles zu finden was Landwirtschaft hergibt...

Brasilien wird Nr.1 für Export von Soja, Mais, Ethanol, Hähnchen (Fleisch) und Milch.

Also - keine falschen Vorstellungen:
Brasilien ist relativ führend in Landwirtschaft: Brasilien ist überall voller Spezialisten, die ihr Handwerk verstehen - in Sachen Landwirtschaft brauchen wir keine Unterstützung von Europäern, eher umgekehrt, wer aus Europa zu uns kommt kann sehr viel lernen, wenn er will!!!

Desweitern soll man erwähnen, dass es hier nicht nur um Technologie geht - auch im geschäftlichen Bereich ist man in Brasilien relativ schnell und schlau... Alles in allem ist Landwirtschaft in Brasilien auch nur "Big Business", oder man ist eben nur ein Kleinstbetrieb in Subsistenzwirtschaft...
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Re: Mal wieder: Auswandern

Beitragvon Jacare » Mi 20. Aug 2008, 11:38

Takeo hat geschrieben:Zuckerrohr hat mal in Pernambuco angefangen, heute ist São Paulo aber absolut führend in Zuckerrohrproduktion und weltweites Technologiezentrum (Feldproduktion); bei der Verarbeitung von Zuckerrohr (aber besonders Mais) kann auch die USA mitreden. Zuckerrohr weitet sich aus richtung Paraná, Minas (Triângulo), Goiás, Mato Grosso do Sul.


Und was diese exzessive Monokultur für die Böden heißt kann man sich ja denken. #-o

Gruss
Jacare
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Re: Mal wieder: Auswandern

Beitragvon Takeo » Mi 20. Aug 2008, 12:30

ach ja? Dann erklär' mal!
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