Mein erster Urlaub in Brasilien

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Mein erster Urlaub in Brasilien

Beitragvon daniel 78 » Fr 11. Jul 2008, 17:26

Um die drei Tage Wartezeit bis zur Fortsetzung von Pedros Geschichte etwas zu verkürzen, möchte ich von meinem ersten Urlaub in Brasilien erzählen.
Mein Freund Christian war im Januar 2003 erstmals in Brasilien und berichtete voller Begeisterung von seiner Reise. Wunderschöne Natur mit tollen Stränden, bestes Wetter, das Bier läuft gut und für geringes Geld gibt´s die leckersten Gerichte. Und natürlich die Frauen seien bildhübsch, mit den besten Ärschen der Welt und leicht zu haben.
Er verbrachte den Urlaub bei seinem Onkel, der auf der Insel Itaparica wohnte und vor etwa 22 Jahren dorthin ausgewandert war. 2004 wollte er unbedingt wieder nach Brasilien und fragte mich, ob ich Lust hätte, ihn zu begleiten.
Nach all seinen blumigen Erzählungen war es eine Selbstverständlichkeit, dass ich mir das nicht entgehen lassen durfte und so begannen unsere gemeinsamen Urlaubspläne.

Um wenigstens ein Bisschen mit den Menschen dort reden zu können, besorgte ich mir das Buch „Einstieg Brasilianisch“ vom Hueber Verlag und lernte fleißig.

Von Monat zu Monat wuchs die Vorfreude bis es endlich im März 2004 so weit war. Wir flogen über Lissabon nach Salvador und kamen am späten Abend dort an.

Christian´s Onkel Robbie wartete bereits am Flughafen auf uns. Nach der Begrüßung wechselte ich erst mal etwas Geld und dann machten wir uns auf den Weg. Ich werde nie vergessen, wie ich die Halle des Flughafens verließ und das erste Mal die heiße brasilianische Luft spürte, das hektische Treiben beobachtete und das Gewirr in der für mich noch so fremden portugiesischen Sprache vernahm. Alle Sinne waren auf Empfang um keinen Reiz dieser neuen Welt zu verpassen.

Mit dem Taxi ging´s zur Ferry-Boot Station und es begann extrem zu Regnen. Schnell waren die Straßen so unter Wasser, dass große Fontänen von den Rädern des Taxis zur Seite geschossen wurden. Auf halber Strecke holten wir noch ein Mädel in unserem Alter ab, welche, wie ich nun erfuhr, Christians Freundin Cleide aus seinem ersten Urlaub war.

Nach etwas über einer Stunde kamen wir auf Itaparica an und nahmen einen Microbus nach Barra do Gil, wo Robbie wohnte. Es regnete noch immer in Strömen, die Straßen waren schlammig und auf halbem Wege gab der Bus seinen Geist auf. Alle Passagiere stiegen aus, schoben ihn an und tatsächlich nach 2 Versuchen lief der Motor wieder und die Fahrt konnte weitergehen.

Die Stimmung im Bus war gut und es schien, für die Brasilianer war die Panne das Normalste der Welt.

Irgendwann kamen wir glücklich in Robbies Haus an. Wir aßen noch eine Kleinigkeit, tranken ein Skol und fielen dann erschöpft ins Bett. Es regnete rein, aber die Handwerker waren für den folgenden Tag bestellt, um das Dach wieder dicht zu bekommen.

Am nächsten Morgen war ich schon sehr früh wach und ging auf die Veranda. Der Regen war der Sonne gewichen und es herrschte bereits reges Treiben. Die komplette Familie war anwesend und ich wurde allen vorgestellt. Da war Robbies Frau Lú, eine wirklich sympathische, liebe Frau. Die älteste Tochter Ingridschi (15), die von Lú aus erster Ehe mitgebracht worden war, die 14jährige Tochter Heidi, aus Robbies erster Ehe, sowie die beiden gemeinsamen Filhios Ana-Caroline (6) und Christian-Calvan (knapp 2). Gerade die beiden Kleinen waren nett anzuschauen, da die Tochter absolut nach der Mutter kam, Kaffeebraune Haut hatte und der Sohn hellhäutig war, mit blauen Augen und blonden Haaren. Mit diesem Aussehen war er im ganzen Ort bekannt und der Liebling Vieler.

Nach dem Frühstück herrschte etwas dicke Luft, weil Heidi die vergangene Nacht nicht nach Hause gekommen war und Robbie ihr lautstark klar machte, was er davon hielt. So ging ich mit Christian und Cleide an den Strand und ich war überwältigt vom schönen Sand, der türkisen Farbe des Wassers, der Luft, den Palmen… Die Stadt Salvador war von hier aus auch zu sehen und gab am Horizont ein gutes Bild ab. Nach dem Baden und einigen Bierchen in einer Strandbaracke besuchten wir eine Capoeira Veranstaltung. Es war Prüfungstag und zu diesem Anlass ein reichhaltiges Buffet an Südfrüchten aufgebaut. Die Schüler tanzten Ihre Figuren, die Berimbaos und Trommeln gaben Ihren unverwechselbaren Rhythmus dazu und viele Zuschauer klatschten begeistert mit. Ich sah Capoeira das erste Mal und war fasziniert von der Akrobatik, der Athletik und der spielerischen Leichtigkeit, mit der die Figuren ausgeführt wurden. Außerdem war ich etwas neidisch über die Sixpacks der Capoeiristas, welches ich trotz jahrelangem Training nie zustande gebracht hatte. Zum Schluss erhielten die Schüler ihre neuen Gürtel und das Fest begann.

Einige Stunden später suchte ich mit Robbie die gleiche Strandbaracke wieder auf. Christian war nicht dabei, denn er hatte Acarajé gegessen und kam nun nicht mehr vom Klo runter.

Bei einigen kühlen Skol gab Robbie seine Perlen der Weisheit bezgl. brasilianischer Frauen an mich weiter.
- Der Mann ist der Chef und trifft alle Entscheidungen
- Die Frau kocht und macht den Abwasch. Männer die dabei helfen werden als Weicheier abgestempelt
- Wenn ein Mann gut im Bett ist, wird seine Partnerin es nie anderen Frauen erzählen, aus Angst, die könnten dann Interesse bekommen und den Mann ausspannen wollen. Also, wenn eine Frau nichts erzählt, ist sie sehr zufrieden

Und noch einige andere Punkte mehr. Ich ließ ihn reden und fragte mich, ob brasilianische Frauen wirklich so anders waren, als die Deutschen.
Während unseres Gesprächs entdeckte ich eine Frau auf einem Pferd den Strand entlang reitend. Sie ritt in unsere Richtung und als sie uns sah, kam sie auf uns zu. Es war Claudia, Robbies Nachbarin. Sie sah auf dem Pferd sehr ansprechend aus, mit langer dunkler Mähne, die im Wind wehte, bekleidet nur mit einem Bikini, die straffen Schenkel eng an den Rücken des Pferdes gepresst.
Nach einer kurzen Unterhaltung, von der ich nichts verstand ritt sie weiter. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnte, war , dass sie im Laufe meines Urlaubes noch eine Rolle spielen sollte....

Die nachfolgenden Tage verbrachten wir mit Schwimmen, Sonnenbaden, Essen und Trinken. Die Familie hatte mich sehr warm aufgenommen und war eifrig dabei, mir die kulinarischen Genüsse Ihres Landes zu zeigen, sowie schöne Orte auf der Insel. Ich probierte einige Früchte, die ich noch nie gesehen hatte. Heidi gab mir eine weißliche Frucht und meinte, die würde sehr gut schmecken. Ich nahm sie und biss hinein. Heidi rief:“Nao!!“ und lachte. Sie nahm mir die Frucht aus den Händen und zeigte mir, dass man doch zuerst die Schale entfernen sollte, bevor man sie isst. Die Schalenfetzen spuckte ich aus, nahm die geschälte Frucht und sie schmeckte wirklich gut. Leider habe ich den Namen vergessen. Heidi amüsierte sich noch etwas über mich und auch ich musste schmunzeln.
Auch meine erste Moqueca bekam ich serviert. Hierzu wurde kurzerhand eine Tonschale, welche gerade noch als Blumentopf fungierte geleert und gesäubert und zum kochen verwendet. Geschmacklich war die Moqueca hervorragend.

Im Gegenzug versuchte ich Einblicke in die Bayerische Kultur zu geben und machte für die Erwachsenen Abends Goißen und brachte Lú bei, „In München steht ein Hofbräuhaus“ zu singen, was sie tatsächlich halbwegs hinbekam.

Abends kamen immer wieder andere Leute zu Besuch, man saß zusammen auf der Veranda, unterhielt sich, lachte, spielte Karten und trank. Meine Goißen kamen dabei sehr gut an. Es war eine wirklich schöne Zeit und der Brasilienvirus hatte sich längst klammheimlich bei mir eingenistet.

Robbie arbeitete an seinen kleinen Kunstwerken, mit denen er versuchte, die Familie über Wasser zu halten. Er bestückte kleine Tonschildkröten mit Muscheln, ebenso Spiegel und Seesterne, um diese dann in Praia do Forte als Souvenir an Touristen zu verkaufen. Das Geschäft lief mal gut mal weniger und so lebte die Familie ständig von der Hand in den Mund und plötzliche finanzielle Überraschungen wären kaum zu überstehen gewesen. Trotzdem ließ sich niemand die gute Laune verderben und es wurde das Leben genossen.

So verging die erste Woche, bis für den nächsten Tag ein Besuch bei Robbies Vater in Aracajú anstand....
Dateianhänge
Robbies Souvenierstand.jpg
Vorbereitung Moqueca.jpg
Robbie Ana Christian.jpg
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Re: Mein erster Urlaub in Brasilien

Beitragvon supergringo » Fr 11. Jul 2008, 17:31

Sehr gut, Daniel. Bitte Weitermachen!

Diese Kinder ... L:-
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Re: Mein erster Urlaub in Brasilien

Beitragvon Zauberfee » Fr 11. Jul 2008, 17:43

Deifi,Deifi,a Bayer in Brasilien,

Klasse Daniel,..möönsch,noch ein Schreiberling,das wird ja immer besser hier,
sehr schöne,bildhafte Sprache,mann sitzt fast mit dabei so gut kann man sich das vorstellen,selbst ohne Deine angefügten Bilder =D>

....tja, dann möchen wir natürlich schon wissen wann Du diese Amazone wiedergetroffen hast..........

schau mer mal....... :thankyou: :thankyou:
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Re: Mein erster Urlaub in Brasilien

Beitragvon Schwobaseggl » Fr 11. Jul 2008, 18:00

Typisch Brasilien.

Lauter Novelas :lol:

Aber im Gegenteil zu den TV Nonelas gefallen mir diese Fortsetzungsgeschichten hier =D> =D>
Dieses Posting darf jeder auslegen wie er denkt.
Ich schreibe es ja auch wie ich denke.
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Re: Mein erster Urlaub in Brasilien

Beitragvon Smuji » Sa 10. Mär 2012, 11:27

und dann hat der TS kein bock mehr gehabt und somit hört man nix mehr von der story ...seit 4 jahren... hmm
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Re: Mein erster Urlaub in Brasilien

Beitragvon frankieb66 » Sa 10. Mär 2012, 11:48

Smuji hat geschrieben:und dann hat der TS kein bock mehr gehabt und somit hört man nix mehr von der story ...seit 4 jahren... hmm

Ich bin ja schon ganz gespannt auf DEINEN Reisebericht =D>
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