Meiner Ansicht nach sollte man das derzeitige Medieninteresse ein wenig hinterfragen. Die deutsche Presse stürzt sich "jetzt" darauf, dass dieses Buch "nun" in Brasilien erhältlich ist. Ist die Veröffentlichunf in einem Land, welches nachweislich im zweiten Weltkrieg gegen Deutschland gekämpft hat und Verluste erlitten hat, verwerflich? Die Gedenkstätte in Rio ist ja wohl nicht zu übersehen. Oder geht es gar in Wahrheit um eine erneute Initiative der Meinungsbildung für ein weltweites Verbot?
Ich persönlich finde die Neuauflage nicht verwerflich. Kritiker mögen darin ein "Handbuch zum Völkermord" sehen, ich sehe darin einfach ein Dokument der Zeitgeschichte. Manchmal habe ich das Gefühl, dass diejenigen, die dieses Buch verbieten und damit effektiv vernichten wollen, nicht besser sind als vielleicht der Autor selbst, der so etwas mit anderen geistigen Werken recht populistisch seinerzeit umgesetzt hat.
Persönlich fand ich dieses Buch langweilig und habe es nie zu Ende gelesen. Dies hat zum einen mit dem Inhalt und zudem mit dem Schreibstil zu tun (es wurde ja hier im Thread bereits erwähnt). Irgendwo dürfte es auf meiner Festplatte noch als PDF rumfliegen - vielleicht lag es auch daran, dass es Ebook weniger aufdringlich ist. In den 90er Jahren hatte meine damalige Frau eine Original-Ausgabe ihres Opas ausgeliehen. Da ich allerdings mit der altdeutschen Schrift meine argen Probleme habe, legte ich es nach 2 Seiten ebenfalls beiseite.
Wenn man heute nach diesem Buch sucht, so kann man feststellen, dass es durchweg frei und öffentlich in vielen Ländern erhältlich ist. Daher ist die portugiesische Ausgabe lediglich eine Sprache mehr in einem breiten Spektrum. Im Antiquariat ist "Mein Kampgf" als Originalausgabe übrigens in Deutschland auch frei erhältlich. Im Englischen - dies nur nebenbei erwähnt - heisst es "My Struggle".
Zu der Veröffentlichung in Deutschland habe ich folgenden Kenntnisstand und bitte um Korrektur: Neuauflagen des Werkes müssen in Deutschland meines Wissens mit einem ellenlangen Vorwort versehen werden und sind innerhalb des Textes kommentiert. Dies liegt jedoch weniger an der Gesetzgebung sondern mehr an den Urheberrechten und den dort integrierten Verlagsrechten. Der derzeitige Rechteinhaber, und der Freistaat Bayern hält aus irgendwelchen unersichtlichen Gründen die Verlagsrechte an der Originalfassung, hat jedoch nach derzeitiger Gesetzeslage "nur" 70 Jahre nach dem Tod des Autors (nicht nach Erstveröffentlichung, da der Autor bekannt ist) vollständige Handhabung über die Veröffentlichung. Die Frist begann - wie bislang nicht angezweifelt wird, im Jahr 1945, ausser der Freistaat Bayern könnte beweisen, dass Hitler länger gelebt hat. Damit endet nach derzeitiger Rechtslage das Verlagsrecht im Jahr 2015.
Interessant ist zudem, dass nach dem deutschen Urheber- und Verlagsrecht ein Urheberrecht nur zustande kommt, "wenn die geistige oder künstlerische Leistung eine angemessene Schöpfungshöhe aufweist". Ansonsten wäre es Gemeingut.
Ab 2015 kann also jeder "Krauterer" das Buch veröffentlichen. Da es sowieso schon in vielen Sprachen weitverbreitet ist, sollte man Glauben, dass diese neuerliche Nachricht nicht allzuviel Interesse wecken sollte. Nach Sichtung mehrerer deutsch- und englischsprachiger Medienberichte mag der unbedarfte Zeitungsleser jedoch das Gefühl bekommen, dass die brasilianische Ausgabe, die ja "reissenden Absatz" findet und "ein Renner" ist, vornehmlich von der Ideologie zugeneigten Lesern erworben wird und somit die brasilianische Bevölkerung damit durchsetzt zu sein scheint. Es wird zwar nicht explizit geschrieben, jedoch meines Erachtens eindeutig zwischen den Zeilen impliziert.
Zwischen 51 R$ und 66 R$ kostet die - so wird es zumindest in den Shops publiziert - Neuauflage in
1. Edition aus dem Jahr 2005 derzeit im Internet [
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Und auch im amerikanischen oder französischen Amazon findet sich das Buch in unterschiedlichen Sprachfassungen. Daher ist schwer nachzuvollziehen, warum nun ein solcher Wirbel darum gemacht wird. Wäre es nicht schon Oktober, würde ich das Sommerloch dafür verantwortlich machen.
Interessant ist auch ein Kommentar aus der FAZ im Jahr 2004, den ich hier zur Diskussionsanregung gerne verlinke: [
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