"Mein Kampf": ein Bestseller in Brasilien

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"Mein Kampf": ein Bestseller in Brasilien

Beitragvon mikelo » Di 2. Okt 2007, 02:28

wenn ich es nicht selber gelesen haette---wuerde ich es ja nicht glauben.
aber es ist tatsaechlich so:
in den buchläden brasiliens, der größten demokratie lateinamerikas , wird derzeit eine neue auflage von adolf hitlers "Mein Kampf" in portugiesischer uebersetzung angeboten und findet laut befragungen bei den buchändlern reißenden absatz.
"Minha Luta" heißt das buch und kostet umgerechnet rund dreißig euro. auf dem titel ist ein porträt hitlers sowie das foto eines reichsparteitags abgebildet, bei dem hitler zwischen grüßenden sa-leuten eine tribünentreppe hinaufsteigt.

nicht zu vergessen: hitler, himmler, eichmann oder goebbels sind in brasilien amtliche vornamen. selbst ein nachrichtensprecher auf dem nachrichtenportal hier in fortaleza hat den namen eichmann.

das original schrieb hitler 1924 während seiner Inhaftierung in der Festung Landsberg.
in deutschland ist das buch verboten--jedoch konnte ich es mir seinerzeit in der schweiz in einer bibliothek ausleihen.


http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/676160/
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Re: "Mein Kampf": ein Bestseller in Brasilien

Beitragvon brasilmen » Di 2. Okt 2007, 06:24

tja schon erstaunlich oder auch nicht...
aber ich will mal, aus aktuellem Anlass auch aufzeigen das es hier in Deutschland auch noch genug gibt.....
http://www.melle-sagt-nein.de
und da es in meinem Ort ist fühlt man sich schnell ganz anders be(ge)troffen....
Gruss brasilmen Thomas
http://www.brasilmen.de
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Re: "Mein Kampf": ein Bestseller in Brasilien

Beitragvon amarelina » Di 2. Okt 2007, 07:12

diese meldung macht schon nachdenklich und schockiert.
ich habe vor noch nicht langer zeit einen jungen Brasilianer kennen gelernt. sehr belesen, sehr intelligent, sehr talentiert, aufgeweckt und wir hatten viele gute gespräche. eines tages zeigte er mir verboten kopierte bücher von einem österreicher und einem deutschen die den holocaust verneinten. er selber meinte, er könne nicht glauben, dass das alles passiert sei, das sei alles eine lüge.
aber ich konnte ihn zum nachdenken bringen... ich bin selber die tochter eines ehemaligen strafgefangenenlager-insassen.
was in diesem buch steht, weiss ich nicht, ich habe für mich entschieden es nicht zu lesen, auch nicht aus geschichtlichem interesse. es gibt bessere und lesenswertere bücher!!

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Re: "Mein Kampf": ein Bestseller in Brasilien

Beitragvon tinto » Di 2. Okt 2007, 22:14

In Spanien kann man nicht nur dieses Buch erwerben, sondern noch dazu Hitlerfiguren mit Hakenkreuz auf Armbinde. Offenbar sind viele aus der Franco-Zeit übrig geblieben. Das war offtopic. Kommen wir zum thema. In Brasilien haben nicht nur viele Nazis nach dem Weltkrieg Unterschlupf gefunden. Es gab bekanntlich auch später noch Militärregierungen und eine Welle neonazistischer Bewegungen. Über Rassismus in Brasilien wird ja hier und da immer wieder diskutiert.
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Re: "Mein Kampf": ein Bestseller in Brasilien

Beitragvon Africa » Di 2. Okt 2007, 23:43

amarelina hat geschrieben: ich habe für mich entschieden es nicht zu lesen, auch nicht aus geschichtlichem interesse. es gibt bessere und lesenswertere bücher!!


Nicht boese gemeint: Woher willst du das denn wissen, wenn du es nicht gelesen hast?

Hats eigentlich schonmal jemand von Euch gelesen, auch auf deutsch meinetwegen?


(Ernstgemeinte Frage!!!!!!!)
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Re: "Mein Kampf": ein Bestseller in Brasilien

Beitragvon mikelo » Di 2. Okt 2007, 23:46

Africa hat geschrieben:
amarelina hat geschrieben: ich habe für mich entschieden es nicht zu lesen, auch nicht aus geschichtlichem interesse. es gibt bessere und lesenswertere bücher!!


Hats eigentlich schonmal jemand von Euch gelesen, auch auf deutsch meinetwegen?


(Ernstgemeinte Frage!!!!!!!)



mikelo hat geschrieben:in deutschland ist das buch verboten--jedoch konnte ich es mir seinerzeit in der schweiz in einer bibliothek ausleihen.

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Re: "Mein Kampf": ein Bestseller in Brasilien

Beitragvon MARCELO » Mi 3. Okt 2007, 00:20

Ich habe mal ein bißchen darin gelesen, in D. Das sind noch genügend Exemplare übrig, wenn es auch verboten ist.

Inhaltlich natürlich völlig indiskutabel und auch vom Schreibstil her eine Katastrophe.

Dass es in Brasilien erhältlich ist, finde ich jetzt an sich nicht verwerflich, so lange es nicht zu Mißbräuchen kommt. Ich kenne einge Brasilianer, die es interessiert, was im Kopf dieses Menschen wohl vorgegangen ist. Und es stimmt. Viele hier können sich es nicht vorstellen, dass sich die Geschichte damals wirklich so zugetragen hat. Das hat aber nichts mit Leugnen oder dergl. zu tun, sondern damit, dass der Holocaust bei vielen die Vorstellungskraft übersteigt.
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Re: "Mein Kampf": ein Bestseller in Brasilien

Beitragvon Africa » Mi 3. Okt 2007, 00:26

Sorry, habs ueberlesen, Mikelo!

Kann mir schon vorstellen, dass Brasilianer ein, nochnichtmal boese gemeintes, Bild von Hitlerdeutschland haben. Hier im Forum gabs ja auch schon Berichte, wo Deutsche freundlich mit dem Hitlergruss empfangen wurden. Bras ist wahrscheinlich einfach zu weit weg und die Infos wurden wohl auch in der Schule nicht vermittelt. Hier in Portugal wird der Diktator Antonio Oliveira Salazar noch immer verehrt. Die Guerras Ultramar werden gutgeheissen und bei mir in der Strasse wohnt ein Spacko, der Tito heisst und Puppenfiguren von Diktatoren wie Hitler, Mussolini und Stalin sammelt.
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Re: "Mein Kampf": ein Bestseller in Brasilien

Beitragvon Takeo » Mi 3. Okt 2007, 00:48

Ehrlich... in Brasilien gibt's wohl grössere Probleme zu lösen, als sich über ein paar Leute, die Hitlers Kanstlektüre lesen wollen, einen Kopf zu machen... ausserdem wird's mit dem Ariernachweis eh schwierig in Brasilien... wie wär's mal, die ultrakorrupten Regierung abzuräumen... ???

Hitler ist sowieso nur ein Problem der Deutschen, die ihn mal gewählt haben, der Österreicher, die ihn gestellt und freudig wiederempfangen haben... der Schweizer, die sich an ihm kräftig bereichert haben... ünd natürlich der Juden, die den 2. Weltkrieg und ihr eigenes Martyrium tüchtig mitfinanziert haben... hier in Brasilien ist das 'ne Eintagsfliege!!!
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Re: "Mein Kampf": ein Bestseller in Brasilien

Beitragvon dietmar » Mi 3. Okt 2007, 02:43

Meiner Ansicht nach sollte man das derzeitige Medieninteresse ein wenig hinterfragen. Die deutsche Presse stürzt sich "jetzt" darauf, dass dieses Buch "nun" in Brasilien erhältlich ist. Ist die Veröffentlichunf in einem Land, welches nachweislich im zweiten Weltkrieg gegen Deutschland gekämpft hat und Verluste erlitten hat, verwerflich? Die Gedenkstätte in Rio ist ja wohl nicht zu übersehen. Oder geht es gar in Wahrheit um eine erneute Initiative der Meinungsbildung für ein weltweites Verbot?

Ich persönlich finde die Neuauflage nicht verwerflich. Kritiker mögen darin ein "Handbuch zum Völkermord" sehen, ich sehe darin einfach ein Dokument der Zeitgeschichte. Manchmal habe ich das Gefühl, dass diejenigen, die dieses Buch verbieten und damit effektiv vernichten wollen, nicht besser sind als vielleicht der Autor selbst, der so etwas mit anderen geistigen Werken recht populistisch seinerzeit umgesetzt hat.

Persönlich fand ich dieses Buch langweilig und habe es nie zu Ende gelesen. Dies hat zum einen mit dem Inhalt und zudem mit dem Schreibstil zu tun (es wurde ja hier im Thread bereits erwähnt). Irgendwo dürfte es auf meiner Festplatte noch als PDF rumfliegen - vielleicht lag es auch daran, dass es Ebook weniger aufdringlich ist. In den 90er Jahren hatte meine damalige Frau eine Original-Ausgabe ihres Opas ausgeliehen. Da ich allerdings mit der altdeutschen Schrift meine argen Probleme habe, legte ich es nach 2 Seiten ebenfalls beiseite.

Wenn man heute nach diesem Buch sucht, so kann man feststellen, dass es durchweg frei und öffentlich in vielen Ländern erhältlich ist. Daher ist die portugiesische Ausgabe lediglich eine Sprache mehr in einem breiten Spektrum. Im Antiquariat ist "Mein Kampgf" als Originalausgabe übrigens in Deutschland auch frei erhältlich. Im Englischen - dies nur nebenbei erwähnt - heisst es "My Struggle".

Zu der Veröffentlichung in Deutschland habe ich folgenden Kenntnisstand und bitte um Korrektur: Neuauflagen des Werkes müssen in Deutschland meines Wissens mit einem ellenlangen Vorwort versehen werden und sind innerhalb des Textes kommentiert. Dies liegt jedoch weniger an der Gesetzgebung sondern mehr an den Urheberrechten und den dort integrierten Verlagsrechten. Der derzeitige Rechteinhaber, und der Freistaat Bayern hält aus irgendwelchen unersichtlichen Gründen die Verlagsrechte an der Originalfassung, hat jedoch nach derzeitiger Gesetzeslage "nur" 70 Jahre nach dem Tod des Autors (nicht nach Erstveröffentlichung, da der Autor bekannt ist) vollständige Handhabung über die Veröffentlichung. Die Frist begann - wie bislang nicht angezweifelt wird, im Jahr 1945, ausser der Freistaat Bayern könnte beweisen, dass Hitler länger gelebt hat. Damit endet nach derzeitiger Rechtslage das Verlagsrecht im Jahr 2015.

Interessant ist zudem, dass nach dem deutschen Urheber- und Verlagsrecht ein Urheberrecht nur zustande kommt, "wenn die geistige oder künstlerische Leistung eine angemessene Schöpfungshöhe aufweist". Ansonsten wäre es Gemeingut.

Ab 2015 kann also jeder "Krauterer" das Buch veröffentlichen. Da es sowieso schon in vielen Sprachen weitverbreitet ist, sollte man Glauben, dass diese neuerliche Nachricht nicht allzuviel Interesse wecken sollte. Nach Sichtung mehrerer deutsch- und englischsprachiger Medienberichte mag der unbedarfte Zeitungsleser jedoch das Gefühl bekommen, dass die brasilianische Ausgabe, die ja "reissenden Absatz" findet und "ein Renner" ist, vornehmlich von der Ideologie zugeneigten Lesern erworben wird und somit die brasilianische Bevölkerung damit durchsetzt zu sein scheint. Es wird zwar nicht explizit geschrieben, jedoch meines Erachtens eindeutig zwischen den Zeilen impliziert.

Zwischen 51 R$ und 66 R$ kostet die - so wird es zumindest in den Shops publiziert - Neuauflage in 1. Edition aus dem Jahr 2005 derzeit im Internet [LINK | LINK] und ist natürlich auch in mehreren Raten (teilweise sem juros) zu erwerben.

Und auch im amerikanischen oder französischen Amazon findet sich das Buch in unterschiedlichen Sprachfassungen. Daher ist schwer nachzuvollziehen, warum nun ein solcher Wirbel darum gemacht wird. Wäre es nicht schon Oktober, würde ich das Sommerloch dafür verantwortlich machen.

Interessant ist auch ein Kommentar aus der FAZ im Jahr 2004, den ich hier zur Diskussionsanregung gerne verlinke: [LINK]
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