Milchpreis

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Re: Milchpreis

Beitragvon dimaew » Mi 10. Jun 2009, 18:29

Vorigen Freitag für einen Liter Frimesa (semi desnatado) 2,39 R$, gestern für einen Liter Parmalat (semi desnatado) 1,98 R$.

Interessanter Artikel (in Portugiesisch) zur Situation in Paraná bzw. Curitiba http://www.milknet.com.br/?pg=noticia&id=9499&local=2. Danach ist die "entre-safra" nur ein Aspekt im Spiel der Märkte und Paraná der von den Preiserhöhungen am stärksten betroffene Bundesstaat.
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Re: Milchpreis

Beitragvon dietmar » Mi 10. Jun 2009, 19:35

Genau. Und vermutlich ist sie im Munizip mit der höchsten Produktion (Toledo) am Teuersten.

Mal zum Vergleich:

1 Liter Coca-Cola (Glasflasche) = 1.29 R$
1 Liter Alcool (zum Tanken) = 1.45 R$
1 Liter Wasser (in der Liter Plastikflasche) = 1.50 R$ (Gallone mit 20 Litern kostet 6 R$)
1 Liter Milch im Beutel = 1.80 R$
1 Liter Milch Tetrapack* = 2.67 R$
1 Liter Bier (Skol) = 2.69 R$
1 Liter Schnaps = 4 R$ - 5 R$


* Die Abfüllanlage ist Luftlinie 3 Kilometer vom Supermarkt weg!!!!
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Re: Milchpreis

Beitragvon Elsass » Do 11. Jun 2009, 15:43

1 liter Milch frisch morgens an die Tuer des Hauses (Interior Bahia) 1,20BRL
Die Milch kommt auf dem Fahrrad, das "leite" Gebruell kann man nicht ueberhoeren.
Oder:
1 liter Milch direkt beim Erzeuger mit Kuhblick und Fachgefasel 1 BRL, allerdings nur wenn ich zufaellig vorbei komme.

Beide Sorten werden gefiltert (cuedor) und abgekocht. Die Milch hat einen anstaendigen Fettgehalt.
Fuer den Kaffee haette ich lieber die homogenisierte.
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Re: Milchpreis

Beitragvon dimaew » Do 11. Jun 2009, 15:51

Wenn Du auf dem "Milk-Net-Link" oben auf "Home" klickst, siehst Du, dass der Erzeuger im März in BA rund 60 Centavos für den Liter von der Molkerei bekommen hat. Dein Bringdienst wird dem Bauern ungefähr 80 Centavos zahlen, "verdient" also etwa 40 Centavos am Liter, der Bauer selbst schlägt demnach auch etwa 40 Centavos auf den Preis, den er von der Molkerei bekommt, auf. Sind natürlich alles nur Durchschnittswerte.
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Re: Milchpreis

Beitragvon Elsass » Do 11. Jun 2009, 16:21

korrekt
Aber ich kann dem Bauern nicht die 500l Tagesproduktion abnehmen, um auf den Erzeugerpreis von BRL 0,55 zu kommen.
Ausserdem wird der Junge, der die Milch ausfaehrt, sicher nicht reich davon, hat aber pro Tag ein paar Real Bares, um ueber die Runden zu kommen
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Re: Milchpreis

Beitragvon dimaew » Do 11. Jun 2009, 17:25

Genau das hatte ich gemeint. Wenn man den einen Liter betrachtet ist ein Gewinn von 50% sicher ganz o.k., wenn man aber die absolute Zahl betrachtet, ist es nicht sonderlich viel. Angenommen der Junge fährt am Tag 50 Liter aus, dann hat er 20 Reais "verdient" (wenn der Bauer ihm die Milch tatsächlich für 80 Centavos den Liter überlässt). Er kommt im Monat also ungefähr auf ein Salário Mínimo, mit dem er seine Unkosten (Fahrradreparatur etc) und seinen Lebensunterhalt bestreitet.

Beim Bauern sieht es ähnlich aus (wobei 500 Liter Tagesproduktion für Bahia schon ganz ordentlich ist). Man kann derzeit von einem reinen "Kostenpreis" von etwa 35 bis 40 Centavos je Liter ausgehen, die Arbeitszeit des Bauern ist dabei allerdings nicht eingerechnet. Auch Investitionen wie Kühltank usw. sind da nicht eingerechnet. Wenn der Bauer bzw. seine Kühe 500 Liter Milch am Tag produzieren, gehen sicher 400 Liter an die Molkerei, der rest verteilt sich auf Verkauf ab Hof (auch an die "Ausfahrer") und Eigenbedarf. Im "Schnitt" verdient der Bauer also an den 500 Litern 120 Reias, im Monat also etwa 3.600 Reais (brutto). Davon muss er investieren, den Hof instand halten, seine Lebenshaltungskosten bestreiten, Rücklagen für den Ersatz von Kühen schaffen und und und.
Das heißt, der Bauer kann von der Milchproduktion ein bescheidenes Leben führen, mehr aber auch nicht.

Und es gibt viele Bauern, die nur die Hälfte der Menge produzieren.
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Re: Milchpreis

Beitragvon ptrludwig » Do 11. Jun 2009, 20:00

@ dimaew
Ein kleiner Einwand, seinen Kuhbestand reproduziert der Bauer normalerweise selbst. Er müßte ja sonst die anfallenden Kälber alle verkaufen um dann einen Teil als Kühe wider zu kaufen.
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Re: Milchpreis

Beitragvon dimaew » Do 11. Jun 2009, 20:50

ptrludwig hat geschrieben:@ dimaew
Ein kleiner Einwand, seinen Kuhbestand reproduziert der Bauer normalerweise selbst. Er müßte ja sonst die anfallenden Kälber alle verkaufen um dann einen Teil als Kühe wider zu kaufen.


Ja, das stimmt sicher für die allermeisten Bauern, deshalb war bei denen, mit denen ich bisher reden konnte eine "Rückstellung" für Kuhersatz auch nicht vorhanden. Allerdings war auch keine "Rückstellung" für die Besamung vorgesehen und die meisten Bauern halten heute keine eigenen Stiere mehr, oder ist das in Bahia noch anders (weiß ich wirklich nicht)
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Re: Milchpreis

Beitragvon Itacare » Do 11. Jun 2009, 23:00

dimaew hat geschrieben:
ptrludwig hat geschrieben:@ dimaew
Ein kleiner Einwand, seinen Kuhbestand reproduziert der Bauer normalerweise selbst. Er müßte ja sonst die anfallenden Kälber alle verkaufen um dann einen Teil als Kühe wider zu kaufen.


Ja, das stimmt sicher für die allermeisten Bauern, deshalb war bei denen, mit denen ich bisher reden konnte eine "Rückstellung" für Kuhersatz auch nicht vorhanden. Allerdings war auch keine "Rückstellung" für die Besamung vorgesehen und die meisten Bauern halten heute keine eigenen Stiere mehr, oder ist das in Bahia noch anders (weiß ich wirklich nicht)


Kann da jetzt nur von der Gegend um Itapetinga mitreden, ja die haben noch ihre Stiere. Der Onkel meiner Frau hat auf seiner Kakaoplantage n paar Kühe rumlaufen, mit der Milch setzt er ca. 3.000.- R$ monatlich um, bei Kosten von 2.000 R$. Die Milch verkauft bzw. verarbeitet er selbst in seiner Bäckerei.
Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.
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Re: Milchpreis

Beitragvon ptrludwig » Do 11. Jun 2009, 23:19

dimaew hat geschrieben:
ptrludwig hat geschrieben:@ dimaew
Ein kleiner Einwand, seinen Kuhbestand reproduziert der Bauer normalerweise selbst. Er müßte ja sonst die anfallenden Kälber alle verkaufen um dann einen Teil als Kühe wider zu kaufen.


Ja, das stimmt sicher für die allermeisten Bauern, deshalb war bei denen, mit denen ich bisher reden konnte eine "Rückstellung" für Kuhersatz auch nicht vorhanden. Allerdings war auch keine "Rückstellung" für die Besamung vorgesehen und die meisten Bauern halten heute keine eigenen Stiere mehr, oder ist das in Bahia noch anders (weiß ich wirklich nicht)

Bisher habe ich hier nicht mitdiskutiert, obwohl es ja mein Thema sein könnte, da ich einen Meisterbrief in der Rinderproduktion habe jedoch in Deutschland. Hier bin ich noch keiner Milchproduktion begegnet.
Nur kurz, eine Kuh gibt nur Milch wenn sie ein Kalb geboren hat. Das günstigste ist, wenn sie einmal im Jahr kalb. Dabei ist es egal ob die Befruchtung durch einen Bullen oder künstlich erfolgt. Also muss der Bauer für Nachwuchs sorgen, sonst hat er auch keine Milch.
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