Nicht der Wunsch nach Urlaub zog den 60-jährigen Landwirt Josef Fink aus Oberrettenbach nach Brasilien - es war der dringende Wunsch zu helfen.
FRANZ BRUGNER
Zuhause, am Hof der Familie Fink in Oberrettenbach, wird jede Hand gebraucht. Auch die des 60-jährigen Altbauern Josef Fink. Dennoch nahm sich der Landwirt im Vorjahr eine sechswöchige Auszeit und flog nach Brasilien. Ausgerüstet mit einem selbst konstruierten Bohrer schürfte er dort ehrenamtlich nach Wasser für die mittellose Landbevölkerung. Und das mit sprudelndem Erfolg.
Es war ein Vortrag der gebürtigen Rettenbacher Ordensschwester Elfriede Prem, der Fink zu diesem Aufbruch bewogen hat. Prem, die seit Jahrzehnten in einer Missionsstation im brasilianischen Hinterland wirkt, sprach über die bitteren Lebensverhältnisse dort, wie zum Beispiel die gänzlich fehlende Wasservorsorgung. Daraufhin versprach Fink seiner Spielkameradin aus Jugendtagen zu helfen.
Mit einer Reisegruppe flog er für eine 14-tägige Rundreise nach Brasilien - mit beträchtlichem Übergewicht im Reisegepäck, befand sich darin doch ein schwerer Bohrer zum Brunnengraben. Nach der Tour fuhr Fink allein weiter zur Missionsstation. Die letzte Etappe führte in einem übervollen Bus über eine 1500 Kilometer lange Rumpelpiste.
Kaum Wasser
Dort wurde Fink bereits sehnsüchtig von einer Gruppe Bauern erwartet. "Bei deren jämmerlichem Anblick habe ich sofort gewusst, dass ich helfen muss", sagt Fink. Es waren Neuansiedler, die von der Regierung ein eigenes Stück Land in der Einschicht bekommen hatten. Aber es fehlte an Geld für Werkzeug und - vor allem - an Wasser. Die nächste Wasserstelle war einen kilometerlangen Fußmarsch entfernt.
Nach einem Schnellsiedekurs für die Einheimischen im Rutengehen kam Finks Bohrer zum Einsatz. "Ich habe fünf Bohrungen gemacht, von denen alle erfolgreich waren, wobei die Tiefe zwischen knapp 10 und 17 Metern schwankte", sagt Fink. Da konnte ein einheimischer Brunnenbauer nur mehr ungläubig den Kopf schütteln, hat er bis dato in dieser Gegend doch immer erst ab 60 Metern Tiefe Wasser gefunden.
Zum Abschied gab es für den Wasserbringer aus Österreich ein ausgelassenes Fest. Der Pfarrer spendete fünf Liter Wein, die Leute selbst eine Ziege. "Ich habe eine unbeschreibliche Dankbarkeit gespürt", sagt Fink. Seine Mission ist damit aber noch nicht erfüllt. Noch heuer soll es ein weiteres Mal nach Brasilien gehen. Natürlich wieder mit viel Übergepäck.
http://www.kleinezeitung.at/regione...396195/index.do