MST und die Falschmeldung im fernen Europa

Alles über Brasilien aus der internationalen Presse (Beiträge bitte max. anreissen, unbedingt die Quelle verlinken sowie ein eigenes kurzes Statement abgeben).

MST und die Falschmeldung im fernen Europa

Beitragvon dietmar » Mo 9. Mär 2009, 21:53

Heute morgen hat die MST bzw. die Untergruppierung Via Campesina mit mehreren hundert vermummten Frauen das Landwirtschaftsministerium gestürmt und die Eingangshalle besetzt. Dabei gingen Scheiben zu Bruch, Türen wurden beschädigt. Schon zuvor hatte "der Verein" einen Hafen in Espirito Santo belagert und rund 2.000 Tonnen an Zellulose duch Kerosen und Tinte vernichtet. In Rio Grande do Sul wurde eine Eukalyptusplantage besetzt und eine grosse Anzahl der Bäume gefällt. Soweit der Sachstand, der auch ausführlich in Bild und Ton in den brasilianischen Medien dokumentiert ist.

Soeben hat die Nachrichtenagentur AP eine Meldung in deutscher Sprache veröffentlicht. Ich nenne es gezielt Medienmanipulation und Falschdarstellung, was man vermutlich in einer Vielzahl deutschsprachiger Medien am heutigen Abend nachlesen kann, da diese die Meldung der "seriösen Agentur" meist ungeprüft übernehmen. Hier ein kleiner Auszug, der mich gerade extrem sauer macht.

Landlose besetzen Ministerium in Brasilia

Rio de Janeiro (AP) Mehrere hundert landlose Bäuerinnen in Brasilien haben am Montag friedlich das Landwirtschaftsministerium, einen Hafen im Staat Espirito Santo sowie Grundbesitz mehrerer Firmen besetzt. Mit ihren Aktionen forderten sie schnellere Agrarreformen und eine Abkehr von unternehmerfreundlicher Politik. [...]


Einige von uns hier versuchen immer wieder, die verbrecherischen Methoden dieser kriminellen Organisation aufzuzeigen und werden dafür regelmässig gescholten. Wir können diesen Kampf jedoch gar nicht gewinnen, wenn die grossen Nachrichtenagenturen wie heute AP (und in der Vergangenheit andere) die tatsächlichen Zustände verdrehen, die Wahrheit verfälschen und in Europa die wahren Täter als die leidenden Opfer darstellen. Hier wird offen mit Terroristen sympathisiert - unglaublich aber wahr.

Sehen so friedliche Demonstranten aus???
Check und Flieg


Ansonsten kann man die Berichterstattung hier nachverfolgen:
http://news.google.de/news?pz=1&ned=de& ... &scoring=d
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Re: MST und die Falschmeldung im fernen Europa

Beitragvon Bastos » Mo 9. Mär 2009, 22:29

dietmar hat geschrieben:

Landlose besetzen Ministerium in Brasilia

Rio de Janeiro (AP) Mehrere hundert landlose Bäuerinnen in Brasilien haben am Montag friedlich das Landwirtschaftsministerium, einen Hafen im Staat Espirito Santo sowie Grundbesitz mehrerer Firmen besetzt. Mit ihren Aktionen forderten sie schnellere Agrarreformen und eine Abkehr von unternehmerfreundlicher Politik. [...]


Du hast doch alle Möglichkeiten mit Deinem Brasilblog sowie mit Deinen vielschichtigen Kontakten zu allen wichtigen Newsagenturen inkl. Schweizer Privatradiostationen, die Sachlage (aus Deiner Sicht) darzustellen.
Weiss gar nicht, was Dich so stört.
Ich kann mir nicht vorstellen, das eine Nachrichtenagentur wie AP nicht vorher prüft, was Sache ist.
Warum sollten ausgerechnet die Meldungen über die MST und nahestehende Organisationen ungeprüft veröffentlichen?
Gruss
Bastos
Diskutiere nicht mit dem Idioten,denn er zieht dich auf sein Niveau
und schlaegt dich dort mit seiner riesigen Erfahrung.
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Re: MST und die Falschmeldung im fernen Europa

Beitragvon Westig » Mo 9. Mär 2009, 22:51

Es ist gut, dass der Beitrag hier erscheint. Die Befassung mit dem MST hier im Forum war stellenweise recht kontrovers und pauschal. Und ohne Zweifel wird die Rolle der "Bewegung" oft in Europa verklärt, von einer friedlichen Bauernbewegung ist da häufig die Rede.

Man kann zum MST stehen wie man will, aber Voraussetzung der Befassung mit dem Thema ist gute Kenntnis über ihre Ursprünge, ihre Ideologie, ihre Inhalte und Perspektiven. Und womöglich auch persönlicher Augenschein über das, was in den "campamentos" geschieht oder nicht geschieht, im Blick auf landwirtschaftliche Produktion und Identifikation der umliegenden Bevölkerungen - oder nicht - mit den Besetzerinnen und Besetzern.

Und man kann auch zur Konrad-Adenauer-Stiftung stehen wie man will, aber hier sei ein link zu einer ausführlichen, nicht nur kritischen - Analyse des MST gestattet, die zumindest sehr informativ ist. Und wem das zu einseitig ist, der findet entsprechende Analysen auch bei der Friedrich-Ebert-Stiftung, bei der Friedrich-Naumann-Stiftung, bei MISEREOR und Brot für die Welt, bei OXFAM, und bei einer Anzahl von Hochschulen, an denen Diplomarbeiten zum Thema veröffentlicht wurden.

Hier das Fazit der KAS:
"Obwohl sich die Bewegung insbesondere in der internationalen Öffentlichkeit großer Beliebtheit erfreut, ist sie kritisch zu analysieren. Die Ideologie des MST, die sich gegen dasmoderne agribusiness und somit gegen einen der wichtigsten Wirtschaftszweige Brasiliens richtet, ist als rückschrittlich zu bewerten.

Auch die extremen Aktionsformen wie Landbesetzungen und Besetzungen öffentlicher Gebäude sind
fragwürdig.

Der latifundio improdutivo der Gegenwart ist oftmals aus rationellen Gründen unproduktiv, beispielsweise aufgrund schlechter Böden oder einer schlechten Lage. Das zur Zeit verfolgte Agrarreformkonzept stammt also aus den sechziger Jahren und wird noch angewendet, obwohl sich die Bedingungen grundlegend veränderten.

Seit Ende der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts konnte eine Radikalisierung des Aktionsrepertoires
beobachtet werden. So sind inzwischen auch Besetzungen von öffentlichenGebäuden, Banken und produktiven
Besitztümern an der Tagesordnung.

Aber eine kritische Analyse der Handlungsstrategien der Bewegung in deutscher Sprache ist wichtig, da die Fachliteratur in Deutschland oft das romantisch verklärte Bild einer edlen Bauernbewegung
zeichnet, die in der Realität so nicht existiert.

Der MST spielt mit der Hoffnung vieler armer Brasilianer".

http://www.kas.de/wf/doc/kas_11784-544-1-30.pdf
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Re: MST und die Falschmeldung im fernen Europa

Beitragvon Itacare » Mo 9. Mär 2009, 23:01

Absolut richtig Westig. Nur ist es leider so, dass sich ein Großteil der Sensationspresse und der aufgehetzten, ansonsten ahnungslosen Bevölkerung nicht an den Studien renommierter Stiftungen und Instituten orientiert.
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Re: MST und die Falschmeldung im fernen Europa

Beitragvon Hebinho » Mo 9. Mär 2009, 23:12

Ich hatte vor einiger Zeit mal im Parallelforum darueber geschrieben. Wir kennen fluechtig einen Kleinbauern, bei dem wir meistens frisches Gemuese und Petersilie, Coentro etc. kaufen, der war jahrelang aktiv beim MST dabei und hat sich dann losgeloest, klein angefangen und beliefert inzwischen etliche Supermaerkte mit Frischware.

Der sagt uns jedesmal, wenn das Thema MST hier im Sueden Bahias wieder mal akut ist, das waeren nur noch gesetzlose und "marginais", die von oben gesteuert wuerden und einfach so mitlaufen, weil man ihnen Versprechungen macht.

Die meisten von den Leuten beim MST waeren gar nicht in der Lage, sinnvolle Landwirtschaft zu machen, weil sie einfach zu wenig Ahnung davon haetten. Nur wenige wuerden sich auskennen, der Rest zoege wie Heuschrecken einfach weiter. Vor vielen Jahren haetten die mal wirklich ein Ziel in Richtung Landreform gehabt, aber inzwischen sei das nicht mehr der Fall.

Er hatte auch davon berichtet, dass die "assentamentos" von den etwas kluegeren MST-Leuten wie von "coroneis" beherrscht wuerden, die Leute dort muessten dafuer, dass sie in einem "assentameno" bleiben duerften, auch noch einen Teil des Wenigen abgeben, was sie bekommen.

Dass der Staat in der Beziehung wenig tut, kann man am Beispiel Pará ekennen, da berichtete Globo vor kurzem, dass entschiedene Prozesse zur "Besitzwiederherstellung" seit zum Teil 5 Jahren auf Durchfuehrung warteten.

Ich moechte mal sehen, was los waere, wenn sich 200 normale Buerger "zusammenrotten" wuerden und eine Fazenda besetzten!
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Re: MST und die Falschmeldung im fernen Europa

Beitragvon Westig » Mo 9. Mär 2009, 23:16

@ Itacare, Danke.
Schon richtig.
Aber vielleicht ein etwas differenzierter Umgang (bei so manchen Themen...) hier im Forum. Hinzulernen kann ja nie schaden.
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Re: MST und die Falschmeldung im fernen Europa

Beitragvon dietmar » Mo 9. Mär 2009, 23:25

@Bastos
Also den Sarkasmus sollten wir mal beiseite lassen.

Ich kann es nicht als friedlich bezeichnen, wenn 1.600 Bäume gefällt, Türen und Fenster demoliert, und Zellulose im Wert von 1.2 Millionen Dollar vernichtet werden. Vom Land- und Hausfriedensbruch mal ganz zu schweigen. Alleine die Stürmung eines Ministeriums als friedlich zu bezeichnen, grenzt schon an Hohn. Ich erinnere mich an den Fall hier ganz in der Nähe, als ein MSTler durch Sicherheitskräfte erschossen wurde (deutschsprachige Medien verwendeten den Terminus 'sprichwörtlich exekutiert' oder so). Grosse Empörung in Europa. Über die vier Sicherheitskräfte in Pará, die bei der Erstürmung eines Grundstücks von MSTlern in angeblicher Notwehr (also Verteidigung während des Angriffs) vor ein paar Tagen ermordet wurden, kann man auch so gut wie nix nachlesen. Hier wird eindeutig mit zweierlei Mass gemessen und gerade die deutsche Variante von AP unterscheidet sich dann doch von der spanischen und englischen Variante. Reuters hat auch inzwischen nachgelegt. Auch hier werden die Aussagen der MST als "geschehen" impliziert und die Aussagen der betroffenen Firmen mehr in Richtung "angeblich". Zwischen den Zeilen kann man dies durchaus herauslesen. Es geht mir in diesem Thread auch weniger um die Aktionen der MST als die Darstellung selbiger im Ausland. Da kann ich Westig nur für seine Ausführungen danken, doch wie Itacare geschrieben hat, kommen diese Darstellungen beim "gemeinen Leser" leider nicht an.
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Re: MST und die Falschmeldung im fernen Europa

Beitragvon Itacare » Mo 9. Mär 2009, 23:44

Wehe wenn takeo kommt!

Es ginge selbst bei friedlicher Demonstration nicht dass man nur einigen hunderttausend organisierten Schreihälsen (nebst einigen Millionen Mitläufern) Land gibt nur weil die das fordern – was macht man mit den restlichen 180 Millionen, bekommen die nichts, nur weil sie nichts fordern?

Also wenn das so ist verlange ich eine Milliarde vom deutschen Staat….tut dem doch nicht weh wenn man sieht was die Banken bekommen….nur wenn´s jeder fordert…Sch…

Geht also schon rein mathematisch nicht.
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Re: MST und die Falschmeldung im fernen Europa

Beitragvon dimaew » Di 10. Mär 2009, 00:15

Ich habe gerade mal bei Tagesschau.de reingeschaut. Da wird gar nichts gemeldet, obwohl die sonst einigermassen aktuell sind.
Vielleicht werden die aber auch von jemand anders als Associated Press bedient.
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Re: MST und die Falschmeldung im fernen Europa

Beitragvon Männlein » Di 10. Mär 2009, 08:24

dimaew hat geschrieben:Ich habe gerade mal bei Tagesschau.de reingeschaut. Da wird gar nichts gemeldet, obwohl die sonst einigermassen aktuell sind.
Vielleicht werden die aber auch von jemand anders als Associated Press bedient.


Hallo

Um ganz ehrlich zu sein ich verstehe hier die Aufregung einzelner nicht . Zum einen nicht die Wallungen über das Thema MST und zum anderen nicht wie das Thema in Europa in der Presse behandelt wird . Was glaubt ihr wie egal es mir ist was in Deutschland über die MST in der Zeitung geschrieben wird . Seht es doch mal so nicht mein Problem . Vieleicht könnt ihr dann ruhiger schlafen .

In diesem Sinne
Männlein
.
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