amarelina hat geschrieben:
@brasilblog, deinem nachbarn in allen ehren, ginge es nicht besser, wenn es zu einer gerechteren landverteilung käme. wie oft wird einfach nach unten getreten oder die leute werden bewusst falsch informiert und es wird polemisiert, bis sie einfach nachplappern, was sie irgendwann einmal im tivi gehört haben. solche propaganda funktioniert garantiert immer und überall auf der welt, besonders bei leuten, die nicht gelernt haben kritisch zu hinterfragen, was ihnen vorgesetzt wird.
Amarelina, du hast denn Sinn meines Postings nicht verstanden. Und das die Propaganda funktioniert, sieht man meines Erachtens auch ziemlich deutlich an einigen Nebensätzen in deinen Postings. Aber alles nach und nach.
Die MST sind eine Schande für all die armen Brasilianer, die durch harte, kontinuierliche Arbeit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Menschen, die den Willen haben, aus eigener Kraft ihr Leben zu verbessern. Vor solchen Menschen habe ich Respekt. Und nicht vor Nichtsnutzen unter ihren schwarzen Plastikplanen am Strassenrand.
Wo andere in den Städten Alphabetisierungskurse besuchen (wie meine Schwiegermutter bis vor 2 Jahren auch noch), ihre Kinder zur Schule schicken und versuchen klarzukommen, spielen die Herrschaften am Strassenrand Karten im Sonnenuntergang und klagen, wie ungerecht die Welt doch mit ihnen umgeht. Und wenn es zu langweilig wird, dann macht man halt mal wieder Randale. Und wenns dann was auf die Schnauze gibt, wird den Menschenrechtlern in Kamera gejammert und das verwahrloste Kind hochgehalten, was gerade noch im Müll gespielt hat, weil die Eltern es nicht für nötig befinden, es in die Schule zu schicken.
Apropos Propaganda: Ich erinnere mich noch gut an die Bilder der Polizeikameras bei einer Besetzung in Bahia (Aracruz) ... die Videos mit den "armen getriebenen und geschlagenen Indianern" gingen um die Welt. Die Steinewerfer waren nur in Brasilien zu sehen. Wenn diese Berichte in Deutschland auftauchen, sei es survival, brandeins, etc. dann suche ich immer nach den brasilianischen Quellen .... und siehe da, da schaut alles ganz anders aus. Und zwar in ALLEN Medien, von links bis rechts. Und wenn ich mir die Nachrichten ansehen, von TVBrasil oder NBR über Globo, RedeRecord bis hin zu RedeTV ... ausführlich, informativ und beide Seiten beleuchtend - mit der entsprechenden Gewichtung eben zu einer Seite hin. Aber nie so einseitig, wie man es dann in Europa erfährt. Die Medien in Brasilien werden gerade in Bezug auf Indianer- / Landlosenfrage weniger manipuliert als in Europa. Da sind die Grundbesitzer, die aufgrund von Klimawandel, Rindfleischexportverbot oder schlechten Weltmarktpreisen auch oft genug um die Existenz kämpfen müssen, immer nur die Bösen.
Diese ganze Armutsromantik geht mir nämlich auch langsam auf den Sack. Wenn die nämlich ihren Arsch hoch bekommen und mal zur SINE marschieren würden, bekämen sie auch einen Job. Aber sie wollen eben nicht arbeiten. Aber das kann man sich im fernen Europa nicht vorstellen. Das scheint utopisch. Utopisch für den, der eben keinen blassen Schimmer von Brasilien hat.
Und bevor mir jetzt wieder jemand kommt: Ich spreche nicht von Frauen mit einem dutzend Kindern in der Favela, denen der Mann abgehauen ist. Ich spreche von gesunden, kräftigen Männern, die auf anderen Wegen Möglichkeiten hätten, ihr Leben zu meistern. Ich habe sie gesehen, ich habe sogar schon einmal mit ihnen kurz gesprochen und daher erlaube ich mir auch mein bescheidenes Urteil. Glaubt mir, sie wollen es nicht. Vielleicht sind sie ideologisch verblendet und manipuliert worden, vielleicht träumen sie von einem "besseren Brasilien", wo man es bei gleicher Arbeitsunwilligkeit besser hat. Sie sind wie gesagt eine Schande für jeden anständigen Brasilianer.
P.S.: Mein Nachbar klagt nicht über seine Situation - er ändert sie. Wenn auch in kleinen Schritten, die für einen Aussenstehenden vermutlich wie Stillstand aussehen. Und wenn immer ich kann, werde ich solchen Menschen helfen.