In Brasilien gibts nicht nur Samba und Bossa. Aus dem Nordosten kommt der Forró, und Banda Calcinha Preta sind die Oberunterhalter dieses lüpfigen Genres.
Von Hans Keller
Am Anfang war es so: Ein paar Banditen mit trotzig aufgesetzten Napoleon-Hüten erklommen die Bühne. Der Oberlump grinste unter seinem Chapéu hervor, hängte sich die Sanfona, ein Akkordeon, um und legte los - Luiz Gonzaga (1912-1989) spielte zum Forró auf. Bis heute gilt Gonzaga als Legende des Forró, er machte diese nordöstliche Musikform in ganz Brasilien bekannt. Gonzagas Outfit sollte an den Banditen Lampião erinnern, einen sackbrutalen, hochmusikalischen Delinquenten, der mit seiner Bande jahrelang die Staaten Ceará und Sergipe unsicher machte und 1938 von der Polizei zur Strecke gebracht wurde. Der Killer war Kulturträger: Lampião half mit, den frühen Forró und seine diversen Formen zu verbreiten.
Forró ist eine ausgesprochen fröhliche Paartänzerei, bei der nächtelang durchgeschwoft wird. In seiner Urform wurde Forró von einer Sanfona, der Zabumba-Trommel und einem Triangel vorgetragen, später kamen Gitarren und mehr dazu. Forró swingt lüpfig, die Melodik trieft häufig vor Romantik, während im Akkordeonspiel oft ein kurzatmig-rhythmisches Hecheln dominiert.
Moderne Pop-Forró-Gruppen besitzen Bigband-Format, so auch die 1995 gegründete Banda Calcinha Preta, die mit ihren rund fünfzehn Musikern und Tänzerinnen heute zu den grossen Abräumern gehört. Obschon die Songs oft zu gleissendem Breitleinwandformat aufgebauscht werden, bleibt das Akkordeon zentral, was auch den bombastischsten Forró noch irgendwie erdet. Ansonsten: E-Gitarren-Geschmiere, klimpernde Wimpern, Bläser, Elektronik.
Bei Banda Calcinha Preta guckt stets einige Urbanität durch den poppigen Sound, und auch der lebhafte Gesang überzeugt. Es sind dies Qualitäten, die der Gruppe zahlreiche Lobeshymnen bescherten; Garantien für ein grandioses Fest sind sie allemal.
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