Nach mehr als zehn Jahren: Mutmaßlicher Großbetrüger wird ausgeliefert
Der mutmaßliche Steuer-Großbetrüger Werner R. wird nach mehr als zehn Jahren von Brasilien nach Österreich ausgeliefert. Das bestätigte das Justizministerium am Samstag. Er soll mehr als 116 Mio. Euro vom Staat erschlichen haben.
Überraschende Wende
Der Verdächtige wird "in Bälde" ausgeliefert, sagte Christoph Pöchinger, Sprecher von Justizminister Karin Gastinger (BZÖ). Mit dieser Aussage bestätigt er Berichte des ORF-Radios.
Diese Ankündigung ist eine überraschende Wende in der Causa, die sich seit mehr als zehn Jahren hinzieht. Noch im April hatte es geheißen, der nach Brasilien geflüchtete mutmaßliche Großbetrüger Werner R. werde nicht ausgeliefert.
Über Scheinfirmen 116 Mio. ergaunert
Dem Niederösterreicher wird vorgeworfen, sich Mitte der Neunziger ungerechtfertigterweise 116 Millionen Euro an Vorsteuerrückerstattung von der Republik erschlichen zu haben.
Der Mann soll das mit einem komplizierten Firmengeflecht erreicht haben. Laut Staatsanwaltschaft importierte er billige Ware nach Österreich, die er hier als teure Produkte deklarieren und wieder exportieren ließ.
Seine laut Anklagebehörde Scheinfirmen stellten ihm für die Ware Rechnungen aus. Mit diesen soll er vom Finanzamt 116 Millionen Euro an angeblich nie geleisteter Vorsteuer rückerstattet bekommen haben.
Brasilien galt jahrzehntelang als Zufluchtshafen für flüchtige Verdächtige und verurteilte Kriminelle. Heirateten sie eine Brasilianerin, wurden sie nicht ausgeliefert. Das entsprechende Gesetz wurde erst vor wenigen Jahren auf internationalen Druck geändert. Erst 2005 verhaftet
Der Verdächtige setzte sich, angeblich mit dem Geld, nach Brasilien ab. 1996 heiratete er eine Brasilianerin, was ihn zum brasilianischen Staatsbürger werden ließ.
Eine Auslieferung machte das jahrelang unmöglich. Die österreichischen Behörden bekamen erst 2002 einen internationalen Haftbefehl gegen den Verdächtigen ausgestellt, der im März 2005 zu seiner Verhaftung führte.
Bis zu einer Gesetzesänderung vor wenigen Jahren lieferte Brasilien keine flüchtigen Verdächtigen aus, die über Heirat die brasilianische Staatsbürgerschaft erhalten hatten.
Legendär ist etwa der Fall des heute 77-jährigen britischen Post- und Zugräubers Ronnie Biggs, der nach einem Gefängnisausbruch mehr als 30 Jahre lang offen in Rio de Janeiro lebte. Zu Beginn war er der meistgesuchte Kriminelle Großbritanniens. Biggs kehrte erst 2001 freiwillig nach Großbritannien zurück, wo er seitdem seine Haftstrafe verbüßt. Brasilien hatte seine Auslieferung immer verweigert
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