donesteban hat geschrieben:
Ich glaube, wir reden alle aneinander vorbei. Ich bin der Meinung, es ist mit 20K möglich eine bescheidene Existenz aufzubauen. Es ist jedoch schwer und auch riskant, jedoch nicht per se unmöglich. Diese Botschaft sollte so auch verbreitet werden. Sehr schwer, sehr riskant, sehr mühsam und sicherlich kein Zuckerlecken, ohne Sprachkenntnis und ohne Aufenthaltserlaubnis sogar nahezu unmöglich. Jedoch...
Das erinnert mich an meine 3.000 oder 4.000 US-Dollar + PC & Bücherkiste, mit denen ich 2001 nach Paraguay kam. Ohne grossen Plan, lediglich spanische Basis-Sprachkenntnisse und per One-Way-Ticket. Hatte aber vorher schon "Urlaub" dort gemacht und konnte die ersten Monate mit einem Bekannten dort arbeiten (und wohnen), bevor ich mich "abgenabelt" habe. Ein Job folgt dem Nächsten, der Umzug nach Brasilien, neue Geschäftsfelder, Ideen ... langsam aber sicher geht es voran. War sogar 2005 nochmal für über 1 Monat in Europa, der Flug hat dermassen genervt, "a gente" genauso, kann ich gerne drauf verzichten.
Allerdings ist eines klar. Das Risiko war in sofern geringer, dass ich vom Flughafen direkt in mein kostenloses Bett fallen konnte, Leute hatte, die die Papiere gemacht haben und ich so nicht im eiskalten Wasser landete. Die Cedula war auch nicht mit Mauscheleien verbunden, da stand nichts auf der Kippe, konnte auffliegen oder so. Ist halt PY und nicht BR. Ich hatte es ganz am Anfang schon erwähnt. In Brasilien musste ich dann auch erst wieder eine Durststrecke überwinden. Gekommen bin ich Mitte 2005 mit nunmehr etwas über 3.000 Euro und einem fetten Möbelwagen. Allerdings waren auch weitere Anschaffungen notwendig. Dagegen waren Papiere aufgrund meiner in Brasilien geborenen Tochter dann null Problem. Und seitdem pendele ich so bei 1.500 bis 2.000 R$ liquide Mittel vor mich hin.
Ein einfaches, bescheidenes Leben ohne grossen Urlaub, mit viel und regelmässiger Arbeit - Alltag eben. Das Meer über 600 Kilometer weg und ohne das "Brasilienfeeling" - besonders gerade im Augenblick bei 12 Grad. Es ist zwar ein anderer Alltag als in Deutschland, aber eben doch Alltag und mitunter auch ziemlich stressig. 8 Monate ist das Wetter erheblich besser, man ist etwas freier in dem, was man tun kann, die Leute sind lockerer und vor allem ist es immer grün, selbst im tiefsten Winter.
Im Endeffekt was (bin) ich ebenfalls dann ein Spinner und habe mir das alles sicherlich auch alles ganz anders vorgestellt. Da ich jedoch kein Geld zum verprassen hatte, hat mich der Alltag schnell eingeholt. Und heute glaube ich, das war gut so. Ich bin nicht reich geworden, aber ich bin auch nicht gescheitert. Ich habe mir eine "neue Existenz aufgebaut" und denke, ich lebe besser, als so mancher in Deutschland in seiner Sozialwohnung mit ALG oder einem Billiglohnjob.
Aber die Rahmenbedingungen - und vor allem die eigene Einstellung - müssen passen. Wichtige Parameter neben Strand, Sonne, Caipirinha (wann habe ich den letzten getrunken?) und Mulatas. Aber diese nicht ganz so offensichtlichen Parameter werden halt oft vernachlässigt und provozieren nicht selten das "Scheitern". Und ich könnte mir z.B. auch nicht vorstellen, mit einem Countdown im Nacken auszuwandern, der mir im Endeffekt die Partnersuche oder die Fortpflanzung innerhalb eines festgesetzten Zeitrahmens befiehlt. Aber da ist halt jeder anders.