Die internationalen Börsen boomen, allen voran die Märkte in den Schwellenländern. Sie erreichte auch die brasilianische Börsen gemessen am Bovespa in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten ein Rekordhoch nach dem anderen.
Einzelne Aktien sind inzwischen sehr teuer geworden
Blickt man auf die Bewertung der internationalen Börsen, scheint die brasilianische Börse zumindest im Durchschnitt noch weiteres Kurspotential nach oben zu bieten. Immerhin liegt das durchschnittliche Kurs-Gewinnverhältnis auf Basis der abgelieferten Gewinne bei 13,5 und auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr sogar nur bei etwas mehr als zehn. Damit scheint der brasilianische Aktienmarkt trotz der deutlichen Kursgewinne der vergangenen Jahre noch sehr günstig zu sein.
Gleichzeitig gibt es auch weitere positive Argumente. So konnten ausländische Anleger bisher nicht nur von den steigenden Aktienkursen profitieren, sondern gleichzeitig wertete auch die Währung auf. Das heißt, sie konnten bisher mit einem Investment in den brasilianischen Aktienmarkt gleich doppelt profitieren. Da auch bei der Währung die Trends eher auf eine weitere Aufwertung als auf eine Abwertung hinweisen, dürfte die Spekulation auf diese Entwicklung anhalten.
Der Börsenboom dürfte auch durch die Erwartung gestärkt werden, dass die Zentralbank den Leitzinz in den kommenden Monaten weiter senken wird. Davon profitieren auch die Anleihen des Landes, die im internationalen Vergleich immer noch sehr attraktive Kupons bieten. Auch sie ziehen internationales Kapital an und tragen auf diese Weise dazu bei, dass die Währung nach oben getrieben wird. Da scheinen alle Bemühungen der Zentralbank des Landes nichts zu nutzen, die Aufwertungsbewegung zu bremsen oder gar zum Halten zu bringen.
Denn das Land profitierte bisher in erster Linie von der in den vergangenen Monaten stark angezogenen Nachfrage nach Rohstoffen des Landes. Auch sie trug zur Aufwertung bei, sorgte für eine positive Leistungsbilanz und dafür, dass das Land nach der Finanzierungskrise noch in den Jahren 2001 bis 2002 seine Finanzsituation deutlich verbessern konnte. Immerhin erzielt auch das Budget Überschüsse. Solche Argumente dürften die internationalen Anleger weiterhin beflügeln und auf die Fortsetzung der Trends setzen. Die Mehrheit scheint Risiken sowieso längst nicht mehr wahrzunehmen.
Industrielles Wachstum alles andere als überzeugend
Dabei ist auch in Brasilien längst nicht alles Gold was glänzt. Denn ersten sind die strukturellen Probleme des Landes nicht gelöst worden, sondern von der positiven Stimmung in den Hintergrund gedrängt worden. So hat die Arbeitslosenquote in den vergangenen Jahren nur wenig abgenommen und liegt immer noch bei zehn Prozent. Und das Wachstum der Industrieproduktion lag im März auf Jahresbasis gerade einmal bei 3,9 Prozent. Das ist nicht nur wenig, im Vergleich zu dem, was in anderen Schwellenländern vor sich geht, sondern die Entwicklung stagniert. Mit Blick auf die starke Währung gehen teilweise schon Worte von der „Dutch Desease“ um, die die Deindustrialisierung eines Landes aufgrund einer Aufwertung charakterisieren.
Es stellt sich die Frage, was passieren würde, sollte der Rohstoffboom zum Beispiel im Rahmen einer amerikanischen Rezession abflauen und die Exportnachfrage in Brasilien dämpfen.
Auch der Blick auf die Bewertung einzelner Aktien im Bovespa kann zu einer gewissen Ernüchterung führen. Denn die beste Aktie im Index auf Sicht eines Jahres ist ein Papier namens Submarino. Und nomen omen est: Die Bewertung ist unterirdisch, da die Kurs-Gewinnverhältnisse auf Basis des abgelieferten Gewinns und der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr bei 51 und 47 liegen. Damit relativiert sich das pauschale Argument, brasilianische Aktien seien günstig. Ein genauerer Blick auf die weitere Entwicklung und vor allem auch die Selektion der Einzelwerte scheint hoch ratsam zu sein.

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