ohne Krankenversicherung und der Ernstfall

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Re: ohne Krankenversicherung und der Ernstfall

Beitragvon moni2510 » Di 6. Okt 2015, 16:21

[quote="sefant"]Kann er ja froh sein daß es Deutsche waren und nicht Brasilianer...sonst würde er jetzt nicht mehr leben oder seine Kniescheiben immer noch im Sand suchen...

Cliffs zum Betrag? Anzahlungsbeschiss? Grundbuch-Beschiss weil er gar nicht Eigentümer war?[/quote

Grundbuchbeschiss... Treffer
---
Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich es hier aufschreibe.
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Re: ohne Krankenversicherung und der Ernstfall

Beitragvon Itacare » Di 6. Okt 2015, 17:34

Provinzkrankenhaus hin oder her, die Ärzte müssen jedenfalls top sein. Wussten sie doch bereits am 03.09.15 - Tag des Unfalls und gleichzeitig Tag der Eröffnung des Spendenkontos, siehe hier,
https://www.google.de/#q=sebastian+nenzel&start=10
- dass es Komplikationen geben und 3-4 Monate dauern wird.
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Re: ohne Krankenversicherung und der Ernstfall

Beitragvon Karmapa » Di 6. Okt 2015, 19:51

Itacare hat geschrieben:Provinzkrankenhaus hin oder her, die Ärzte müssen jedenfalls top sein. Wussten sie doch bereits am 03.09.15 - Tag des Unfalls und gleichzeitig Tag der Eröffnung des Spendenkontos, siehe hier,
https://www.google.de/#q=sebastian+nenzel&start=10
- dass es Komplikationen geben und 3-4 Monate dauern wird.


sehr gut bemerkt, hätte ich eigentlich auch draufkommen müssen =D>

Schlimm ist vor allem dass es nicht gerade Vertrauen schafft, und sollte wirklich jemand in eine unverschuldete Notlage geraten wird es durch solche Manöver nicht einfacher Hilfe zu bekommen.
Fora Cunha !
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Re: ohne Krankenversicherung und der Ernstfall

Beitragvon frankieb66 » Mi 7. Okt 2015, 15:31

Ola Brazil,
Brazil53 hat geschrieben:
moni2510 hat geschrieben:wenn ich jetzt böse bin, dann frage ich... warum liegt er denn nicht im SUS Krankenhaus von Araruama?????


Eine gute Frage Monika. wie verhindert man, als Ausländer, dass man nicht in einem privaten Krankenhaus landet?

Was muss ich beachten, wenn ich nur die SUS nutzen möchte?


Bei Unfaellen z.B. liefert die SAMU bzw. die Bombeiros das Opfer zwingend in einem Krankenhaus/Klinik der SUS ab. Das gilt fuer "Alle", also sowohl fuer Brasis als auch fuer Auslaender. Danach kann man sich auf Wunsch in eine private Einrichtung verlegen lassen, aber ich bin mir sehr sicher dass die nicht "Jeden" aufnehmen, sondern nur bei nachgewiesener Solvenz bzw. Versicherungsschutz.

Brazil53 hat geschrieben:Einfach hingehen oder einliefern lassen, oder muss man sich vorher irgendwo anmelden, eintragen oder...?

Nein. S.o.

Brazil53 hat geschrieben:Wäre ja gut zu wissen, wenn man mal die geplante Reisezeit überschreitet und mehr als 6 oder waren es 8 Wochen einer "normalen" Auslandsreiseversicherung überschreitet.

Fuer solche Faelle gibt es Langzeitauslandskrankenversicherungen, z.B. bei der Hanse Merkur oder aber auch beim ADAC. Ich habe so eine uebrigens derzeit auch, Laufzeit 1,5 Jahre, ist aber bis zu 5 Jahre moeglich ...

Und warum ich auf diesem Gebiet leider "Experte" bin: Ich hatte innerhalb von gut einem Jahr 3 mittelschwere Unfaelle zu erleiden und kenne daher das Prozedere sehr genau. Natuerlich lebe ich in einer relativ gut versorgten Region (Brasilia), wo sogar das Unfallkrankenhaus der SUS als Referenz gilt. Medizinische/chirurgische Versorgung top, die stationaere Unterbringung im Massenschlafsaal prekaer, aber ertraeglich ...

Frankie
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Re: ohne Krankenversicherung und der Ernstfall

Beitragvon frankieb66 » Mi 7. Okt 2015, 16:51

Ola Foristi,

weil mich das Thema ernsthaft interessiert und ich leider persoenlich auch davon betroffen bin moechte ich noch ein bisschen was dazu beitragen ...

1) Fall: Unfall mit Fahrerflucht, 03/2015

Unfall. SAMU. Einlieferung ins KH der SUS (Hospital de Base / Brasilia). Not-OP (Lunge perforiert) innerhalb weniger als 1 Stunde. 4 Tage stationaer. Haette eigentlich schon 1 Tag frueher entlassen werden koennen, aber Chefarzt hat das vetiert, Argument: Jetzt ist Samstag abend/nacht und was machen wir wenn gleich ein paar Schussverletzte (Polizisten und/oder Bandidos) eingeliefert werden ... dann haben wir ein Problem ... also lassen wir den Frankie lieber erst mal noch 1 Tag liegen ...

Habe spaeter einen Prozess gegen Unbekannt (wg. Fahrerflucht) ueber die DPVAT eingeleitet (Anwalt kostet in diesem Fall uebrigens nix) und immerhien 3000 R$ Schmerzensgeld erhalten. Meine selbst bezahlten Behandlungskosten/Medikamente jenseits von SUS beliefen sich auf ca. 1200 R$, davon hat die DPVAT allerdings nur 850 R$ erstattet, denn die rechnen mit der offiziellen Tabelle der SUS ab ...

2) Fall: Omnibus hat mich angefahren, 08/2015

Unfall, SAMU. Einlieferung ins KH der SUS (Hospital de Base / Brasilia). Verarztet, genaeht, eingegipst. Geschaetzt 1000 Roentgenaufnahmen inkl. TC. Omnibusunternehmen versichert saemtliche Ausgaben fuer private aerztliche Untersuchungen und Medikamente zu uebernehen und bietet umfassende finanzielle und psychologische Unterstuetzung an. Kosten bislang 20000 R$ (inkl. 4 Zahnimplantaten). Werde noch ca. 2-3 Monate an den Unfallfolgen leiden ... das wird "teuer" ...

Fazit: selbst in Brasil ist nicht alles "bagunça", sondern geht seinen geregelten Weg, man muss sich halt selbst drum kuemmern und nicht nur "rumjammern" ...

Frankie
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Re: ohne Krankenversicherung und der Ernstfall

Beitragvon sefant » Mi 7. Okt 2015, 17:07

Puh, tief in die !&@*$#! gegriffen...erst eine Fahrerflucht und dann ein Bus...

Wobei halt leider auch der Standort in Brasilien wichtig ist und da ist Brasilia halt auch eine andere Welt. Ich will nicht wissen wie das gelaufen wäre wenn du irgendwo im Nordosten gewohnt hättest.

Interessanterweise sind die SUS-krankenhäuser in Sachen Notfallversorgung schon eine "Referenz", aufgrund des täglichen Trainings des Zusammenflickens von Verkehrs-/oder Gewaltopfern. Problematisch wird es halt nur wenn du selber gerade zu einer ungünstigen Zeit da angeliefert wirst oder aufgrund fehlender Versicherung auch nach der Erstversorgung dort bleiben mußt.

Ich kenn es nur von jemanden, wo meine Sogra hilft. Tochter mit unheilbarer Krankheit im Rollstuhl, die Geschichte hatte ich hier ja schonmal geschrieben. Aufgrund bestimmer Symptone Lebensgefahr am Sonntagabend, SAMU kam aber nicht weil da klipp und klar am Telefon gesagt wurde daß sie aufgrund der begrenzten Fahrzeuge am Sonntagabend nur ausrücken um Leute von der Straße zu kratzen. Habe ich sie dann hingefahren und die Nacht wurde im Flur auf einer Matraze verbracht...ohne weitere Untersuchungen.
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Re: ohne Krankenversicherung und der Ernstfall

Beitragvon frankieb66 » Mi 7. Okt 2015, 17:20

sefant hat geschrieben:Puh, tief in die !&@*$#! gegriffen...erst eine Fahrerflucht und dann ein Bus...

Wobei halt leider auch der Standort in Brasilien wichtig ist und da ist Brasilia halt auch eine andere Welt. Ich will nicht wissen wie das gelaufen wäre wenn du irgendwo im Nordosten gewohnt hättest.

naja, genau fuer diesen Fall habe ich ja eine Langzeitauslandskrankenversicherung ... ok, die hilft natuerlich auch nicht weiter wenn man "mitten in der Pampa" ein gesundheitliches Problem bzw. einen Unfall hat weil das naechste KH moeglicherweise ziemlich weit entfernt ist, und es gibt ja auch nicht alle paar 100 Meter ein Notruftelefon ... aber immerhin koennte ich im Falle des Falles auch private Gesundheitsversorgung in Anspruch nehmen ... das beruhigt ungemein ;)

:mrgreen:

Frankie

sefant hat geschrieben:Puh, tief in die !&@*$#! gegriffen...erst eine Fahrerflucht und dann ein Bus...

davor gabs noch einen Fall als eine Honda-Fit-Fahrerin ihr Auto auf meinem nur mit Havaianas geschuetzten Fuss geparkt hatte ... war uebrigens genau an dem Tag, als die Selecao bei der Copa 2014 hier in Brasilia spielte ... die Aerzte wollten mich internieren ... [-X ich habe das Spiel natuerlich geguckt ... live im Mane Garrincha ...
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Re: ohne Krankenversicherung und der Ernstfall

Beitragvon moni2510 » Mi 7. Okt 2015, 17:52

die Pampa fängt übrigens schneller an als man denkt. Schon ein bisschen außerhalb von Rio hilft einem nicht mal die beste private Krankenversicherung weiter, weil es einfach kein Krankenhaus und keine Ärzte gibt. Nach meinem Unfall wollten sie mich in die UPA nach Bacaxa fahren, ich hab mich aber lieber selbst zuhause versorgt. Im Nachhinein hätte man wohl einen Stich nähen können, aber in der UPA weiß man halt nie ob grad Arzt oder Nadel und Faden da sind.
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Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich es hier aufschreibe.
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Re: ohne Krankenversicherung und der Ernstfall

Beitragvon frankieb66 » Mi 7. Okt 2015, 20:36

moni2510 hat geschrieben:die Pampa fängt übrigens schneller an als man denkt. Schon ein bisschen außerhalb von Rio hilft einem nicht mal die beste private Krankenversicherung weiter, weil es einfach kein Krankenhaus und keine Ärzte gibt. ...

schrieb ich was anderes?

:mrgreen:
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Re: ohne Krankenversicherung und der Ernstfall

Beitragvon Fudêncio » Mi 7. Okt 2015, 22:03

frankieb66 hat geschrieben:
Habe spaeter einen Prozess gegen Unbekannt (wg. Fahrerflucht) ueber die DPVAT eingeleitet (Anwalt kostet in diesem Fall uebrigens nix) und immerhien 3000 R$ Schmerzensgeld erhalten. Meine selbst bezahlten Behandlungskosten/Medikamente jenseits von SUS beliefen sich auf ca. 1200 R$, davon hat die DPVAT allerdings nur 850 R$ erstattet, denn die rechnen mit der offiziellen Tabelle der SUS ab ...


Wie lange hat das eigentlich gedauert, vom Antrag bei DPVAT bis das Geld da war ?


frankieb66 hat geschrieben:.... Omnibusunternehmen versichert saemtliche Ausgaben fuer private aerztliche Untersuchungen und Medikamente zu uebernehen und bietet umfassende finanzielle und psychologische Unterstuetzung an. Kosten bislang 20000 R$ (inkl. 4 Zahnimplantaten). Werde noch ca. 2-3 Monate an den Unfallfolgen leiden ... das wird "teuer" ...


Hast Du hier keine Ansprüche bei DPVAT angemeldet ?

Was hat denn das Busunternehmen konkret bis jetzt bezahlt ?
Hoffe das Du hast was schiftl. vom Busunternehmen, das die die Kosten übernehmen. So oder so wirst Du bei denen sicherlich eine Anwalt brauchen um da Geld zu sehen.

Gute Besserung !

:cool:
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