Hallo adagio,
nur ein paar Punkte:
1. Schwule/Lesben: wir haben unser Café mit nächtlichem Barbetrieb verkauft bzw. die Bar geschlossen, da die Verwaltung der Galerie (an der Av. Paulista) unseren Laden aufgrund von Kerzenlicht, Büchern, Sofa(s) und Cocktails zu "schwul" fand. Wir hatten ein Publikum, das zu vielleicht 30% tatsächlich aus Homosexuellen bestand, diese Aussage brachte die Verwaltung dann dazu, dass sie uns mitteilte, dass wenn wir nicht innerhalb von 24 Stunden(!) den Barbetrieb einstellen, sie einen Weg finden würden uns zu kündigen.
Dieses spricht nicht für die Allgemeinheit, aber zeigt doch einige Vorurteile auf, die in einigen Gesellschaftsschichten noch immer vorhanden sind (wie aber auch in D, CH, ....).
2. Mieten: wir mussten beibringen: Kopien unserer Ausweise, CPF, Hochzeitsdukumente, bei mir zusätzlich die Aufenthaltsgenehmigung, 2 Bürgen mit (zwingend) Eigentum, deren Kopien von RG, CPF, Hochzeitsdokumenten(!), zusätzlich natürlich die obligatorischen Kopien von aktuellen Rechnungen zur Adressvalidierung, und noch ein paar Sachen. Natürlich alles beglaubigte Kopien. Unsere Unterschriften im Vertrag mussten dann anschliessend natürlich auch wieder beglaubigt werden.
3. Geduld: drei Wochen warteten wir auf den Handwerker, der die Arbeiten bei uns angefangen hat (tägliche Anrufe, ...) - heute haben wir uns einen neuen Handwerker genommen und es dem "alten HW" mitgeteilt. Innerhalb von 20 Minuten war er bei uns, um zu sagen, dass das nicht geht, er würde mit dem Geld rechnen. Ich habe ihn dann hochkant rausgeschmissen (ohne einen Centavo zu bezahlen).
4. Arbeitskräfte: der Vorteil, den Du vielleicht hast, ist Zuverlässigkeit. Die Wartung der Maschinen in den Photoläden meines Schwiegervaters nimmt ein Schweizer vor, der für seinen Job kreuz und quer durch Brasilien fährt und gutes Geld damit verdient - aber er ist auch besser und vor allen Dingen zuverlässiger als andere Personen.
Ich denke, dass es aber wirklich nicht schaden kann, wenn Du (mit ein paar Sprachkenntnissen) hier Urlaub machst, die Mentalität schnupperst und anschliessend entscheidest, ob Du Dir einen längeren Aufenthalt vorstellen kannst. Auswandern hört sich toll und gar nicht so schwer an, ich gehe nach knapp vier Monaten aber teilweise auf dem Zahnfleisch. Bereut habe ich es dennoch bisher noch nicht länger als ein paar Minuten. Du wirst Geduld brauchen - ohne bist Du schnell mit den Nerven am Ende...
Solltest Du "irgendwie" einen Partner hier finden, dann ist übrigens die Aufenthaltsgenehmigung auch darüber möglich, Brasilien hat die Gesetze insoweit für homosexuelle Partnerschaften liberalisiert (ich weiss da nix weiter drüber, aber bei Kippenhan haben mal ein paar Leute was gepostet).
So, ich lasse jetzt meinen neuen Sonnenbrand eincremen
Florian