Beide Seiten wollen auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet stärker zusammen arbeiten. Aus der WTO-Sackgasse sucht man einen Ausweg.
Die Europäische Union und Brasilien haben eine strategische Partnerschaft beschlossen. Auf ihrem ersten gemeinsamen Gipfeltreffen vereinbarten sie am späten Mittwochabend in Lissabon eine intensive Zusammenarbeit auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet. Eine ähnlich enge Kooperation gab es bisher nur zwischen der EU und den USA, Kanada, Russland, China, Indien und Südafrika.
Historische Vereinbarung
Der portugiesische Regierungschef und derzeitige EU-Ratspräsident José Sócrates und der brasilianische Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva bezeichneten die Vereinbarung als historisch. Beide Seiten wollen unter anderem im Kampf gegen die Auswirkungen des Klimawandels und bei der Reform der UN stärker kooperieren.
Die EU und Brasilien haben außerdem über Möglichkeiten beraten, um aus der Sackgasse der WTO-Verhandlungen herauszufinden. Beide Seiten hätten die Absicht, die Doha-Verhandlungsrunde zu retten, sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso zum Abschluss eintägiger Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inacio "Lula" da Silva. Die Positionen seien gar nicht so weit auseinander, wie es oft scheine.
Brasilien und andere Entwicklungsländer fordern von der EU und den USA einen drastischen Abbau von Agrarsubventionen und Zöllen, um einen besseren Marktzugang für ihre landwirtschaftlichen Produkte auf dem Weltmarkt zu erreichen. Die EU lehnt dies bisher ab, um die Bauern in den Mitgliedsländern zu schützen. Umgekehrt verlangten Washington und Brüssel von Brasilien, Indien und anderen Schwellenländern, ihre Märkte mehr als bisher für Industrieprodukte und Dienstleistungen zu öffnen.
Durchbruch in vier Wochen?
Die Welthandelsorganisation (WTO) hat zu Beginn dieser Woche erklärt, dass die nächsten vier Wochen einen Durchbruch bringen müssten. Andernfalls sei es kaum wahrscheinlich, dass in den nächsten drei Jahren ein neues Welthandelsabkommen erreicht werden könne. Die nach der Hauptstadt des Emirats Katar benannte Doha-Runde wurde 2001 gestartet und sollte ursprünglich Ende 2004 abgeschlossen werden.
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