Problem Kulturschock

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Beitragvon Vinhedense » Do 27. Apr 2006, 00:26

Hey brasilblog,

Deine Auflistung mit den 3 Punkten und dem Schlusstext erinnert mich irgendwie an die Regulierende Dynamik :lol: :lol: :lol:
"....dumm ist der, der dummes tut...." zitat Forrest Gump
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Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)

Beitragvon dietmar » Do 27. Apr 2006, 13:42

Jeder in der Gruppe macht, was für ihn UND die Gruppe am besten ist

Na wenn das mal keine Integration ist ... dann klappts auch mit dem Kulturschock!

oder anders betrachtet

Es geht nicht darum geht nicht darum immer allen (und sich selbst) alles Recht zu machen, sondern sich in seinen egoistischen Bestrebungen nicht selbst zu behindern.

Denn dann kommt der Frust, der hier so schön als Kulturschock beschrieben wird.
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Beitragvon Pimenta Bueno » Do 27. Apr 2006, 16:39

Ich habe gerade einen Witz gelesen, der prima zum Thema paßt:

Ein Mann kommt in dem Himmel. Nach einer Ewigkeit wird es ihm langweilig und er fragt Petrus, ob er für einige Tage in die Hölle reisen darf. Petrus sagt ja, und in der Hölle angekommen gibt der Teufel dem Mann eine wunderschöne Frau zur Seite. Leider muß der Mann nach einigen Tagen wieder zurück in den Himmel. Nach einer weiteren Ewigkeit spricht er Petrus nochmals auf eine Reise in die Hölle an, und auch dieses Mal stimmt Petrus zu. Die Frau, die er jetzt vom Teufel bekommt, ist noch schöner als die erste. Zurück im Himmel, beschließt der Mann mit Sack und Pack in die Hölle umzuziehen. Diesmal gibt ihm der Teufel allerdings eine ganz, ganz häßliche Frau. "Was soll denn das?", fragt der Mann. "Die beiden ersten Male habe ich doch solche schönen Frauen gekriegt." Antwortet der Teufel: "Siehst du, Tourismus ist eine Sache, Auswandern eine andere..." :mrgreen:
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Beitragvon Vinhedense » Do 27. Apr 2006, 21:46

Stimmt, nur als Tourist bekommt man die schönen Frauen... und auch nur dann wenn du das Geld ganz locker sitzten hast :wink:

Tja und genau deshalb ist meine Frau mit ausgewandert.
Die war im Himmel schon sehr hübsch und ist hier in dieser Höhle noch hübscher geworden.... :lol: :lol: :lol:

:mrgreen:

Zitat Brasilblog:
Jeder in der Gruppe macht, was für ihn UND die Gruppe am besten ist


vielleicht sollte man mal eine Mathematische Gleichung dazu erstellen..... :shock:
dann knacken wir den Brasilcode und werden schizophren und haben imaginäre Freunde :wink:
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Beitragvon dumpfbacke » Do 31. Aug 2006, 18:12

aus einem anderen Forum hat geschrieben:Portugiesen sagen oft, dass es das Wort "Saudade" nur im Portugiesischen gibt.
Dann denk ich immer... ich kann das auch auf Deutsch sagen! SEHNSUCHT!


Darauf kam eine nachvollziehbare Erklaerung:

eine Antwort kam von jemandem und hat geschrieben: selbstverstaendlich gibt es das Wort "saudade" nur im Portugiesischen.

Das Wort "Sehnsucht" (Heimweh, Weltschmerz, Herzeleid) in deutscher Sprache kann tatasaechlich nicht mit "saudade" uebersetzt werden.

Aus folgendem Grund:

Ein Portugiese (und alle katholisch gebliebenen Kulturen) sehen mit ihrem Herzen immer nur zurueck, nach dem Paradies, das in der Vergangenheit liegt, unwiederbringbar, aus und vorbei, die heutige Welt und das Diesseits ist seither ein Jammertal, Handeln absolut zwecklos.....nur traurig sein.

Ein Nordeuropaeer(und alle calvinistisch gepraegten Kulturen) sehen mit ihrem Herzen immer nach vorn, in die Zukunft, wollen das Elend wenden, die Arme der Goetter herbeirufen, die Welt retten (u.a. Ozonloch, Meteoriten etc.) und die Sehnsucht hat was damit zu tun, einen Glueckszustand "hoffentlich bald irgendwann mal wiederzusehen/zuerleben)


Bin zwar Mitteleuropaeer, aber alles andere als ein Calvinist, waere ja noch schoener, aber da ist schon 'was wahres dran (nur wird es den Portugiesen/Brasilianern) nicht viel bringen. Hoechsten denen, die daran verdienen.
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Beitragvon Anna82 » Di 17. Apr 2007, 02:09

Hi, ich find das Thema Kulturschock so hochinteressant, daß ich hoffe, diesen Thread wiederbeleben zu können.

Wo sind denn die ganzen Erfahrungen? Her damit, ich will sie alle lesen!

Denn ich steck grad mittendrin in dem Zirkel, der im ersten Artikel beschrieben wurde und die Sehnsucht nach dem Heimatland befriedige ich gerade mit Beiträgen zu diesem Forum.

Schon 1,5 Jahre hier bin ich immernoch irgendwie in der vorletzten Phase mit Wut und Depression usw und weigere mich standhaft, in die Anpassung überzugehen :D

Aber laßt mich erklären, bevor ihr mich mit aufrufen wie "Genieß dein Leben!", "Mach was aus der Zeit, die du hier bist!" zuschüttet.

Ich hab mich doch schon gut informiert, bevor ich hergekommen bin und kannte einiges aus mehreren längeren Aufenthalten.

Hab mich auch immer für einen toleranten, geduldigen und aufgeschlossenen Menschen gehalten, der gerne andere Kulturen bereist, kennenlernt und respektiert und sich in gewisser Weise auch anpassen kann.

Aber von Anfang an hatte ich das Gefühl, daß einem in Brasilien mehr als in Deutschland immer wieder Steine in den Weg geworfen werden, die einen so nach und nach richtig mürbe machen.

Kein Land ist perfekt, ich weiß, ich weiß...... und ein paar Steinchen machen mich noch nicht alle.

Aber wenn ich es in mehr als 18 Monaten z.B. trotz gutem Gehalt und simplem Lebensstandard nicht schaffe, auch nur einen Centavo für die Zukunft zu sparen, weil immer wieder unvorhersehbare Sachen auftauchen wie hirnrissige Steuern, Vertragskündigungsgebühren, die vorher niemand erwähnt hat, all die Gebühren für tausende Kopien und Übersetzungen, die man braucht, um seinen ganzen Papierkram zwecks Aufenthalt, Führerschein, Arbeitserlaubnis, usw zu regeln, Autoreparaturen und dann auch noch verklagt wird von ner geldgeilen Uni, bei der man sich eingeschrieben hat, aber wegen Umzug leider nicht mehr hingehen kann, aber das gesamte Semester bezahlen soll..... dann frag ich mich manchmal, was ich hier mache.


Und es gibt so einige brasilianische Eigenschaften und Eigenarten, an die ich mich nun einfach nicht anpassen WILL.... siehe oft Einstellung zur Arbeit - "Ach, das weiß ich nicht, also mach ich´s nicht" oder "kann ich nicht" oder "Müssen Sie den Kollegen fragen" usw.

Oder die Angewohnheit, nie die Verantortung zu übernehmen und immer die Schuld jemand anderem zuweisen.

Oder einfach die Gelassenheit, die andere Leute vielleicht grad so toll hier finden. Aber mich kotzt es einfach an, wenn ich an der Kasse am Supermarkt eh schon 20 minuten in der Schlange stehe und dann die Tante beim Einscannen meiner Produkte ihre Bewegungen verlangsamt, weil sie mit der Kollegin oder ihren anwesenden Kindern spricht und dann nach einer Ewigkeit auch noch die Frechheit hat, mich zu fragen, ob ich mein Handykonto noch aufladen will. NEIN, ich will nur bezahlen und hier raus, ehe die Hamburger auftauen und der Joghurt schlecht wird! Mensch!

Auch ganz banale Sachen regen mich - und komischerweise auch meinen brasilianischen Ehemann - oft auf: So sind wir von Sao Paulo nach Piracicaba, Interior umgezogen und mußten feststellen, daß hier die Leute im Schneckentempo und an den unmöglichsten Orten zu Fuß die Straße überqueren.... ES GIBT AMPELN UND FUSSGÄNGERÜBERWEGE!!!!
Der nächste Unfall ist schon abzusehen........

Naja, und mein Lieblingsthema: Bürokratie....
Da kann ich mich den ganzen Tag drüber auslassen und ich werde auf keine Fall und niemals akzeptieren, daß jemand, der mit Geld oder mit Despachante kommt, alles schneller und besser bekommt als ich, wo wir aber die gleiche Sache wollen.

Und, liebe Führerscheinstellenangestellte, wenn du nicht weißt, wie man den Führerschein von Ausländern verlängert, dann warte nicht wochenlang auf den einen Kollegen, um ihn danach zu fragen, sondern ziehe deine offiziellen Handbücher und Richtlinien zu Rate - sowas muß es doch hier geben, oder nicht?

Und könnte jemand bitte bitte diese blöden multas und juros auf Rechnungen abschaffen, damit ich nicht immer auch nur einen Tag nach vencimento persönlich zu einer überfüllten Bank rennen muß?

Und warum kann ich nicht öffentlich am Straßenrand parken, ohne von einem gammeligen Kerl um Geld angebettelt zu werden, das ich natürlich bezahlen muß, wenn ich mein Auto nicht geklaut oder zerkratzt wieder vorfinden möchte?

So, Schluß für heute, ich bin ja schon wieder ganz wütend...

Außerdem war das Thema ja Kulturschock - gut, ich bin geschockt und frage mich, was denn nötig ist, um sich hier an die Kultur anzupassen? Völlige Gleichgültigkeit, absolute Gelassenheit und mit weniger als nichts zufrieden sein?

Bin gespannt auf Kommentare! :)

Gute Nacht und Grpße aus Pira,

Anna
Viver é a coisa mais rara do mundo,
a maioria das pessoas apenas existe.

Provérbio de São Paulo
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Beitragvon Hartl » Di 17. Apr 2007, 02:45

Hallo Anna82 und willkommen im Forum

Es gibt nur zwei Möglichkeiten:Man liebt Brasilien oder man hasst es.

Zum Thema Steuern und Vertragskündigungsgebühren:Ich Unterschreibe auch nichts was ich nicht lesen kann. :pfeif:

Das mit der Arbeit kann ich auch bestätigen . Was bei mir noch schlimmer wahr ist das Mobbing . Leute so was habe ich noch nie erlebt. :axed:

Die banalen Dinge finde ich nicht so schlimm da sie mir sogar das leben erleichtern.Einkaufen geht immer schneller wie in Deutschland und mit den Behörden bin ich sehr zufrieden. :D

Was machst du eigentlich immer auf der Führerscheinstelle???? Da wahr ich mein ganzes Leben noch nicht in Brasilien.Gebe den ganzen Mist doch eine Fahrschule in deiner nähe und die machen das dann für dich. :idea:

Hartl
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geschockt

Beitragvon bruzundanga » Di 17. Apr 2007, 03:08

Also ich glaub Du würfelst hier einige Sachen durcheinander. Aber gehen wir systematisch vor:

Aber wenn ich es in mehr als 18 Monaten z.B. trotz gutem Gehalt und simplem Lebensstandard nicht schaffe, auch nur einen Centavo für die Zukunft zu sparen, weil immer wieder unvorhersehbare Sachen auftauchen wie hirnrissige Steuern, Vertragskündigungsgebühren, die vorher niemand erwähnt hat, all die Gebühren für tausende Kopien und Übersetzungen, die man braucht, um seinen ganzen Papierkram zwecks Aufenthalt, Führerschein, Arbeitserlaubnis, usw zu regeln, Autoreparaturen und dann auch noch verklagt wird von ner geldgeilen Uni, bei der man sich eingeschrieben hat, aber wegen Umzug leider nicht mehr hingehen kann, aber das gesamte Semester bezahlen soll..... dann frag ich mich manchmal, was ich hier mache.



Was ist schon gutes Gehalt wos teuer ist. Nein, spass beiseite: Entweder das gibt sich mit der Zeit oder Ihr (oder nur Dein Mann) seit selber schuld und die Gebühren sind nicht in allen Fällen teuerer als in Euroland (siehe Kfz. Steuer und L.-Versicherung und...).





Und es gibt so einige brasilianische Eigenschaften und Eigenarten, an die ich mich nun einfach nicht anpassen WILL.... siehe oft Einstellung zur Arbeit - "Ach, das weiß ich nicht, also mach ich´s nicht" oder "kann ich nicht" oder "Müssen Sie den Kollegen fragen" usw.


Wenn man mit den Brasilianern richtig umgeht spuren sie schon (zumindest in Ceará). Hab circa 8 Jahre gebraucht. Hast also noch etwas Zeit.


Oder die Angewohnheit, nie die Verantortung zu übernehmen und immer die Schuld jemand anderem zuweisen


Sich damit abfinden oder sehr gut port. sprechen (nur bedingt wirksam) verbunden mit einer verblüffenden Rethorik.


Gelassenheit


e daí


Auch ganz banale Sachen regen mich - und komischerweise auch meinen brasilianischen Ehemann - oft auf: So sind wir von Sao Paulo nach Piracicaba, Interior umgezogen und mußten feststellen, daß hier die Leute im Schneckentempo und an den unmöglichsten Orten zu Fuß die Straße überqueren.... ES GIBT AMPELN UND FUSSGÄNGERÜBERWEGE!!!!
Der nächste Unfall ist schon abzusehen........


Als ich gestern vom Strand nach Hause fuhr, 20 Kilometer) liefen Esel und Kühe zuhauf über die Strasse. Hier tut Anpassung not. Aber sie tuts.


Da kann ich mich den ganzen Tag drüber auslassen und ich werde auf keine Fall und niemals akzeptieren, daß jemand, der mit Geld oder mit Despachante kommt, alles schneller und besser bekommt als ich, wo wir aber die gleiche Sache wollen.


Ja das 5. Gebot (siehe meinen Thread "mit ironischem Seitenblick" bei den Brasilresidents) das gibts es! Heutzutage kann man eventuell mit Kompetenz kontern (sehr hoher Arbeitsaufwand). Wehr, nicht arrogant. zielsicher auf Gesetze verweist und unterschwellig den rechtlichen Lauf einer strittigen Frage erwähnt wird in der Regel besser behandelt.



Und könnte jemand bitte bitte diese blöden multas und juros auf Rechnungen abschaffen, damit ich nicht immer auch nur einen Tag nach vencimento persönlich zu einer überfüllten Bank rennen muß?


Planung und Vorsicht! Planung , klar, erleichtert das alles: Man kann sich die beste Tageszeit aussuchen wen mans nicht in letzter Minute macht. Vorsicht, weil, selbst bei Dauerauftrag (gefährlich aber wenns klappt fällts unter Planungt) ist man vor einer "multa moratoria" nicht geschützt. In der Regel genügt hier aber eine telefonische Reklamation.


Und warum kann ich nicht öffentlich am Straßenrand parken, ohne von einem gammeligen Kerl um Geld angebettelt zu werden, das ich natürlich bezahlen muß, wenn ich mein Auto nicht geklaut oder zerkratzt wieder vorfinden möchte


Dass fällt augenscheinlich unter die Rubrik: Só pra acrescentar.
Diese 0,001 Realiter machens dann auch nicht mehr schlimmer.


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Beitragvon Tudacudaduda » Di 17. Apr 2007, 04:44

Anna82 hat geschrieben:Und es gibt so einige brasilianische Eigenschaften und Eigenarten, an die ich mich nun einfach nicht anpassen WILL....


Leider gibt es zuviele, die genau das tun und es auch allen anderen predigen: anpassen, anpassen, anpassen... bis zur vollkommenen Rückgratlosigkeit. Immer schön im Meer der Schafe mitschwimmen. Fortschritt kann es aber nur geben, wenn man sich an gewisse Dinge, die dem gesunden Menschenverstand widersprechen, NICHT anpaßt, sondern sich dagegen auflehnt und versucht, sie zu ändern. Ansonsten zementiert man nämlich nur den Status quo. Das ist für den Einzelnen natürlich schwer bis fast unmöglich, aber wenn niemand den Anfang macht, dann läuft die !&@*$#! eben immer so weiter. Man kann hier immer wieder lesen, wie glücklich und fröhlich die Brasilianer seien und daß sie sich nie beklagen würden. Das deckt sich so gar nicht mit meinen Erfahrungen: Ich habe sie immer jammern hören. (Ich ernte immer wieder dumme Blicke, wenn ich auf die rein rhetorische Frage "Tudo bem?" nicht mit den gängigen und erwarteten Floskeln antworte, sondern euphorisch sage, wie GUT es mir WIRKLICH geht.) Aber da Brasilianer einen ausgeprägten Hang zu Nihilismus* und Fatalismus** haben, ändern sie nichts an den Zuständen.

* Der Begriff Nihilismus bezeichnet eine Weltanschauung, die eine vorfindbare Sinnhaftigkeit der Welt bestreitet. Objektive Erkenntnismöglichkeit und feststehende Wahrheiten werden verneint. Es werden keine absoluten Werte oder Normen und somit auch keine allgemeingültige Moral anerkannt. Eine Moral wird nur so weit vertreten, als man dem Minimum an Anstand entspricht, den die Gesellschaft verlangt. Im Grunde denkt man morallos.

** Unter Fatalismus versteht man eine Weltanschauung, der die Überzeugung zu Grunde liegt, alles Geschehen werde durch das Schicksal oder übergeordnete Kräfte bestimmt. Das gesamte Geschehen in Natur und Gesellschaft unterliege einer blinden Notwendigkeit, der der Mensch bedingungslos ausgeliefert ist. Fatalismus wird zum Voluntarismus abgegrenzt, der die freie Willensentscheidung des Menschen als zukunftsbestimmendes Element sieht. Da Zukunftsaussagen immer prognostischen Charakter haben, fließen beide Auffassungen ineinander über. Die Unterschiede liegen vor allem in der individuellen Gewichtung äußerer Umstände. Fatalismus als religiöse Haltung bedeutet die Hinnahme des Schicksals.
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Interessanter philosophischer Beitrag

Beitragvon bruzundanga » Di 17. Apr 2007, 06:27

So weit so gut. Und ist ja auch alles recht und schön, aber!?


Wie ich schon schrieb, man muss sie zu nehmen wissen die Bras..

Jogo de cintura ist hier angesagt. Philsosophische Konzepte helfen da nicht oder nur bedingt.

Der Begriff "Anpassen" ist nicht genau definiert. Anpassen kann man sich auch ohne Nihilismus oder Fatalismus. Intelligenz ist allemal erforderlich.
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