Was ist bloß mit Ronaldo los? Der Mannschaftsarzt steht vor einem Rätsel und Trainer Carlos Alberto Parreira hegt erste Zweifel an seinem Stürmerstar.
"Bei dieser WM sind alle fit, spielen schnell, decken unermüdlich und schalten rasch zwischen Abwehr und Angriff um. Wenn Ronaldo nicht besser wird, werden wir sehen, was wir im Laufe des Turniers machen", sagte Parreira. Ronaldo sei noch einmal gesetzt, aber Parreira forderte von seinem Stürmerstar unmissverständlich: "Er muss seine körperliche Verfassung verbessern."
Brasiliens Legende Pelé appellierte an den Gemeinschaftssinn beim Titelverteidiger. "Ronaldo braucht uns und wir brauchen Ronaldo", sagte er im ZDF. Beim Mannschaftstraining wirkte Ronaldo jedoch fast teilnahmslos, obwohl ihn vor allem seine Madrider Kollegen Roberto Carlos und Robinho versuchten aufzuheitern. Der 29-Jährige stand wie schon beim 1:0-Sieg gegen Kroatien viel herum.
Allerdings hatte er in der Nacht zuvor in einer Frankfurter Klinik fast das komplette Repertoire an medizinischen Untersuchungen über sich ergehen lassen, weil er unter Übelkeit und Schwindel litt: Bluttests, Röntgenaufnahmen, Magenspiegelung wegen des Verdachts einer Gastritis, Computertomographie der Neben- und Stirnhöhle und sogar des Schädels, um einen Tumor auszuschließen. Diese Details nannte José Luiz Runco, gefunden wurde nach Angaben des Mannschaftsarztes nichts. "Das Ganze kann auch psychische Ursachen haben", sagte er. "Zu viel Stress kann Übelkeit auslösen."
Trotzdem wurden Ronaldo entzündungshemmende Mittel und Antibiotika verabreicht. "Mit geht's gut", sagte er und erklärte, dass er sich mit den Untersuchungen einfach Gewissheit verschaffen wollte. "Die Mannschaft steht hinter mir, so wie ich hinter der Mannschaft stehe", sagte der dreimalige "Weltfußballer des Jahres". Sonderrechte beanspruche er nicht: "Es gibt keinen Grund für einen Solidaritätsakt. Ich erwarte, dass ich am Sonntag besser spiele."
Der WM-Torschützenkönig von 2002 hatte sich so viel vorgenommen für dieses Turnier: Wie Pelé will er zum dritten Mal Weltmeister werden. Außerdem hat er den Rekord von Gerd Müller (14 WM-Tore) im Visier. In der Auftaktpartie in Berlin verbuchte der Angreifer jedoch nur 14 Ballberührungen in 69 Minuten und schoss einmal (weit) übers Tor. Mit Robinho hat Parreira noch ein Ass im Ärmel, allerdings ist der 22-Jährige keine Tormaschine wie Ronaldo in seinen besten Tagen: In 24 Länderspielen erzielte der schussschwache, aber hochtalentierte Jungstar gerade mal 5 Tore, in 36 Erstliga-Spielen für Real 8 Treffer.
Auf die Frage, ob er bereits einen "Plan B" ohne Ronaldo habe, antwortete Parreira: "Ich will einfach daran glauben, dass sich Ronaldo verbessert, ich will optimistisch sein. Aber wir studieren alle Optionen. Die Mannschaft ist jetzt seit drei Jahren zusammen. Wenn es notwendig ist, werde ich personelle und taktische Veränderungen vornehmen." Die Australier haben den Angreifer (noch) auf der Rechnung. "Er war sichtlich nicht der Ronaldo, den wir alle kennen. Der links, rechts und in der Mitte seine Tore schießt. Es liegt an uns, dass er noch einen sehr ruhigen Abend haben wird", sagte Abwehrspieler Lucas Neill.
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