Brücken bauen zwischen Menschen und Kulturen – so lautete das Motto am Samstagabend bei einem Benefizkonzert, das musikalisch einmal rund um den Globus jettete. Zu Gunsten des Brunnenbaus in Brasilien packte Rainer Lemke, ein echter Weltenbummler, im Mahlower Gemeindezentrum seine Gitarre aus und gab Kostproben aus fast jedem erdenklichen Winkel unserer Erde zum Besten. Von französischen Chansons, Songs von Udo Jürgens oder James Last, japanischen Frühlingsliedern, russischer Kalinka, jiddischen Gesängen über chassidische Schunkellieder und englische Balladen bis hin zu Melodien aus dem Kulturkreis der Sinti und Roma war an diesem Abend alles dabei.
Und damit auch jeder wusste, wovon Lemke sang, erklärte er vor jedem Beitrag, um was es genau geht: mal um Liebe, mal um Tod, mal um Trauer, mal um Freude. Im Prinzip, teilten eben alle Menschen dieselben Ängste, Sorgen und Freuden, betonte Lemke und unterstrich damit nochmals das Brückenbauer-Motto des Abends. Wer ohne Scheuklappen und offenherzig durch die Welt laufe, begreife dies schnell.
Bei so viel scheinbar mühelos vorgetragenem Multi-Kulti-Liedgut drängt sich dem Publikum allerdings eher eine ganz andere Frage auf: Woher kann ein einziger Mensch derartig viele Sprachen, noch dazu so exotische wie Sanskrit oder Japanisch? Auf MAZ-Nachfrage offenbarte Lemke dann, sein Repertoire umfasse auch noch bulgarische und türkische Musik, wirklich sprechen könne er aber eigentlich "nur" Hebräisch, Jiddisch, Englisch, Französisch und Russisch. Für das Einstudieren von Songs in anderen Sprachen übe er dann dafür aber so lange mit den jeweiligen Landsleuten, bis die Aussprache sitzt.
Am meisten liegt dem Globetrotter jedoch Israel am Herzen. Lange Zeit arbeitete der heute hauptamtliche Sozialarbeiter im sozialistischen Kibbuz – ein Gemeinschaftserlebnis, das ihn entscheidend prägte. "Hier lernte ich, dass Sozialismus und religiöse Gefühle gut zusammenpassen", erinnert sich Lemke, der seit 20 Jahren als Musiker niemals für Geld, immer nur für gute Zwecke spielt. "Ich bin eben ein echter Idealist", bekennt er.
Dass es dieses Mal dem Brunnenbau in Brasilien zu Gute kam, freut Lemke. Denn dass die Menschen dort Hilfe gut gebrauchen können, weiß er aus eigener Erfahrung. Wo, außer in Portugal, hätte er sonst so toll gelernt, wie man Liebesschwüre auf Portugiesisch singt?
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