Real auf dem Weg nach oben

Alles über Brasilien aus der internationalen Presse (Beiträge bitte max. anreissen, unbedingt die Quelle verlinken sowie ein eigenes kurzes Statement abgeben).

Real auf dem Weg nach oben

Beitragvon brasilmen » Fr 15. Sep 2006, 06:58

HANDELSBLATT, Freitag, 15. September 2006, 07:00 Uhr
Rekordüberschuss in Handelsbilanz erwartet

Real auf dem Weg nach oben
Von Volker Zenk, Analyst FXdirekt Bank AG

Nachdem der Real im Mai angesichts des generellen Exodus aus Schwellenländer-Währungen zwischenzeitlich Verluste von fast 15% gegenüber dem US-Dollar zu verzeichnen hatte, konnte er seither wieder stetig zulegen und nimmt derzeit sein Fünf-Jahreshoch gegenüber dem Greenback ins Visier.

Positiv für Brasiliens Valuta wirkt sich unter anderem aus, dass für das laufende Jahr ein Rekordüberschuss in der einheimischen Handelsbilanz erwartet wird. So hat der brasilianische Handelsminister Luiz Fernando Furlan die Regierungsprognose für das Außenhandelsplus 2006 von 42 Milliarden US-Dollar auf 45 Milliarden US-Dollar angehoben. Damit zieht er die Konsequenz aus der zuletzt ausgezeichneten Entwicklung im Exportsektor. Auch die Stimmen der einheimischen Exporteure, die sich über eine zu hohe Bewertung des Real beklagten, sind zuletzt leiser geworden. Hinter vorgehaltener Hand wird sogar zugegeben, dass die Währung aktuell relativ günstig bewertet sei.

Ein weiteres Plus für das Land am Zuckerhut ist zudem, dass sich bei den für Oktober terminierten brasilianischen Präsidentschaftswahlen ein klarer Sieg des aktuellen Amtsinhabers Lula da Silva abzeichnet. In den jüngsten Meinungsumfragen besitzt dieser einen Vorsprung von satten 22 Prozentpunkten vor seinem Herausforderer Geraldo Alckmin. Eine Entwicklung wie in Mexiko, wo eine nur hauchdünne Differenz zwischen dem Stimmanteil beider Präsidentschaftskandidaten zu lang anhaltenden politischen Querelen führte, scheint in Brasilien daher nicht zu befürchten. Der Markt kann vielmehr mit einer Fortsetzung der erfolgreichen Wirtschaftspolitik Lulas und seines Finanzministers Antonio Filho rechnen, wovon der Real wiederum profitieren sollte.

Da fällt es gar nicht so ins Gewicht, dass die brasilianische Notenbank (Bacen) ihren Leitzins seit September 2005 kontinuierlich zurückgefahren hat - allerdings von einem sehr hohen Niveau bei 19,75%. Noch auf dem letzten Notenbanktreffen Ende August nahm sie eine überraschend deutliche Zinssenkung um 50 Basispunkte auf 14,25% vor. In ihrem Begleitstatement ließ die Bacen allerdings durchblicken, dass sich angesichts des weiter vorhandenen Inflationsdrucks das zukünftige Tempo der Zinssenkungen reduzieren werde - ein weiterer Pluspunkt für Brasiliens Valuta.

Auch aus charttechnischer Sicht ist ein Fortdauern der Real-Stärke zu erwarten. USD/BRL hat seit Anfang Juni einen klaren Abwärtstrend etabliert und notiert aktuell um die 2,15er-Marke. Nach dem Unterschreiten der Unterstützungszone von 2,1440-60 hat das Währungspaar Luft nach unten bis 2,0490. Erst ein klarer Anstieg über die 2,2500 würde das Szenario eintrüben. Geht die "Wirtschafts-Party" am Zuckerhut hingegen wie geplant weiter, dürfte USD/BRL noch in diesem Jahr sein Fünf-Jahrestief bei 2,0140 testen.
Gruss brasilmen Thomas
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Beitragvon Gunni » Fr 15. Sep 2006, 14:22

ohh jehh....wenn das stimmen sollte was da steht, verkommt Brasilien wirklich zum Rohstofflieferranten und die Importe steigen noch weiter.

Mit einem "starkem" Real kann Lula höchstens seinen Nationalstolz befriedigen und mehr Geld privat ins Ausland schaffen - aber für die Arbeitsplätze und den Export sieht es dann katastrophal aus.

Glaube Brasilien kapiert wohl nie, daß Sie nicht der Nabel der Welt sind :D
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Beitragvon Pedro I » Fr 15. Sep 2006, 16:35

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt...
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Beitragvon Takeo » Fr 15. Sep 2006, 16:52

Gunni hat geschrieben:ohh jehh....wenn das stimmen sollte was da steht, verkommt Brasilien wirklich zum Rohstofflieferranten und die Importe steigen noch weiter.

Mit einem "starkem" Real kann Lula höchstens seinen Nationalstolz befriedigen und mehr Geld privat ins Ausland schaffen - aber für die Arbeitsplätze und den Export sieht es dann katastrophal aus.

Glaube Brasilien kapiert wohl nie, daß Sie nicht der Nabel der Welt sind :D


Und Drittens ist's genau so wie Gunni es gesagt hat.
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Beitragvon Alemao » Di 24. Okt 2006, 06:55

Heute habe ich mir das TV Duell angesehen, in dem Lula haushoch verloren hat. Leider bin ich trotzdem der Meinung, dass er die Wahl gewinnt..

Alckmin hat etwas sehr wichtiges gesagt: Brasilien wird DEINDUSTRIALISIERT und es bleibt nur noch der Rohstoffsektor, waehrend Kleidung, Maschinen, Haushaltsgegenstaende alles aus China eingefuehrt wird.

In dem Zusammenhang wuerde mich interessieren, warum so viele asiatische Kaufleute Lula unterstuetzen.
Und: Lula kann mit einem starken Real den Konsum unterstuetzen, gleichzeitig den Mittelstand zerstoeren und somit seine Position staerken.

Im Uebrigen: Der Dollar ist nicht das Papier wert und der Euro ist die Waehrung von so sicheren Staaten wie Italien und Grieschenland...
Koennte mir vorstellen, dass es 2 zu 1 sein wird.
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Beitragvon Alemao » Di 24. Okt 2006, 06:56

Kleiner Nachschlag:

Die Brasilianische Auslandsverschuldung liegt meines Wissens bei so 180 Mrd. Die Waehrungsreserven sind in den letzten Jahre sprunghaft auf zuletzt fast 80 Mrd. angestiegen!
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Beitragvon Severino » Di 24. Okt 2006, 09:51

Brasilien wird DEINDUSTRIALISIERT und es bleibt nur noch der Rohstoffsektor, waehrend Kleidung, Maschinen, Haushaltsgegenstaende alles aus China eingefuehrt wird.
Und damit hat Alckmin zu 100% Recht. Ich bin sicher, dass sich viele ausländische Firmen eine Investition in Brasilien sehr gut überlegen werden, denn andere Staaten bieten da viel mehr an Möglickeiten. Bleibt halt nur noch Soja und Zuckerrohr....
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Beitragvon Jacare » Di 24. Okt 2006, 10:40

Gunni hat geschrieben:ohh jehh....wenn das stimmen sollte was da steht, verkommt Brasilien wirklich zum Rohstofflieferranten und die Importe steigen noch weiter.


Gente, so ist es doch immer schon gewesen. Die Frage ist wer soll´s denn richten ? Alckmin oder Lula ????? :bprust: Wer glaubt denn noch an den Weihnachtsmann.....
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Beitragvon Moranguinho » Di 24. Okt 2006, 11:34

Jacare hat geschrieben:
Gunni hat geschrieben:ohh jehh....wenn das stimmen sollte was da steht, verkommt Brasilien wirklich zum Rohstofflieferranten und die Importe steigen noch weiter.


Gente, so ist es doch immer schon gewesen. Die Frage ist wer soll´s denn richten ? Alckmin oder Lula ????? :bprust: Wer glaubt denn noch an den Weihnachtsmann.....


Die brasilianische Wirtschaftspolitik war in den letzten Jahren auf Industrialisierung des Landes ausgerichtet, sei es über Industrialisierung durch Importsubvention oder über die direkte Ansiedlung von ausländischen Firmen.
Gerade die Ansiedlung von ausländischen Firmen wurde dadurch ermöglicht, weil sich viele Investoren einen starken Aufschwung in der Binnennachfrage erhofften, und sich andererseits aufgrund der niedrigen Löhne und des Wechselkurses Vorteile beim Export versprachen.
Der Aufschwung in der Binnennachfrage ist nie wirklich gekommen (bestes Beispiel z.B. VW mit dem Golf), und Exporte von Industriegütern haben in den letzten Jahren stark an Attraktivität verloren (durch den überbewerteten Real, hohe Löhne, hohe Steuern- und Abgabenlast etc.; von der Qualität vieler Erzeugnisse nicht zu reden).
Aufgefallen ist dies in der allgemeinen Wahrnehmung allerdings nicht, weil in den letzten Jahren ein Boom auf Rohstoffe eingesetzt hat, mit den entsprechenden Gewinnen, die Brasilien dadurch im Moment zu verzeichnen hat. Diese Tendenzen führen jedoch zu einer schleichenden Deindustrialisierung des Landes, da sich die Produktion und der Verkauf von Industriegütern im Vergleich zum simplen Verkauf von Rohstoffen oder zum Import kaum noch lohnt.

Der augenscheinliche wirtschaftliche Erfolg von Lula ist aber, wie auch schonmal in einem anderen Thread erwähnt, auf Sand gebaut. Falls die Rohstoffpreise eines Tages schlagartig sinken (und der Ölpreis hat ja in den letzten Wochen ja schön verdeutlicht, wie schnell das gehen kann, und wie leicht Expertenanalysen ad absurdum geführt werden können, jedenfalls kurzfristig), kommen die Probleme der brasilianischen Wirtschaft wieder zu Tage. Und dann heisst es für die Regierung handeln.

Das ist jedenfalls meine Meinung.
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Beitragvon Severino » Di 24. Okt 2006, 12:13

Das ist nicht nur Deine Meinung, das ist Brasiliens wirtschaftliche Zukunft. Leider wird aber daran weder Lula, noch Alckmin oder gar der Weihnachtsmann etwas ändern, bzw. ändern können..... Auch wenn Alckmin das zumindest erkannt hat, er könnte es auch nicht ändern, Mal abgesehen davon, dass er ja gar nicht gewählt wird.
Somit bestätigt sich die Bildungspolitik in Brasilien ebenfalls. Zumindest kann so der Anteil der Dummen in der Bevölkerung bei weit über 50% gehalten werden. Im Norden und Nordosten sogar bei weit über 70%. :twisted:
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