…nachdem wir den ersten Tag nun hinter uns hatten, kam die Nacht. Viele gespenstische fremde Geräusche und Gerüche begleiteten uns durch die Nacht. Außerdem war da noch der Gedanke an die Kaimane und Co., denn den ersten hatten wir direkt in unmittelbarer Nähe unseres Towers gesehen, sozusagen direkt darunter im Gebüsch… Und Hitze!!! Es war so heiß, dass wir nur mit der Klimaanlage einschlafen konnten.
Am Abend vorher wurden wir informiert, dass der Tag schon früh beginnen sollte. Genauer gesagt, mussten wir zeitig beim Frühstück sein, weil das Programm schon ab 8 Uhr losgehen sollte. Also mussten wir eigentlich mit Wecker aufstehen… eigentlich!!! Ich war seit 4 Uhr wach und konnte nicht mehr einschlafen. Überhaupt nicht!!! Also bin ich auf den Balkon gegangen und habe es mir dort gemütlich gemacht – soweit das eben ging. Da waren dann wieder die Geräusche, die man nur aus dem Fernsehen kennt… und dann sah ich sie: die Fledermäuse! Sie kreisten überall herum und flogen dicht an mir vorbei, wobei ich immer nur ihren Flugwind bemerkte und sie mich nie berührten. Fledermäuse sind schon interessante Tiere. Gegen 5.30 wurde es dann auch schon etwas dämmriger und so zogen sich die Fledermäuse zurück. Es wurde endlich Tag und ich sprang unter die Dusche, weil ich nass geschwitzt war vom Nichtstun! Meine Beiden weckte ich somit auch auf, denn auch an diesem Morgen war das Duschwasser KALT!!!
Ein reichhaltiges Frühstück sollte uns stärken und wir waren nicht gerade begeistert von den weichen süßen Brötchen… 8 Uhr hieß es dann Start, aber unser Guide vom Vorabend war krank (sie hat zuviel Unbekanntes am Vortag gegessen), somit wurden wir einem anderen Guide zugeteilt, der dann auch noch Deutscher war. Das war schon von Vorteil…

, denn wir hatten dadurch den Vorteil, dass wir mehr und intensiver über die zu sehenden Besonderheiten erklärt bekamen. Also ab in den Busch. Nach einer recht langen Fahrt im Kanu, bogen wir in einen kleinen Seitenarm des Ariaú ab und stiegen aus. Wie gut, dass wir uns an den Reiseführer gehalten hatten… lange Hosen und Pulli und Strümpfe in festen Schuhen… nun ging’s los. Wir tranken aus Bäumen, sahen Riesenameisen, aßen Chininblätter, rieben unsere Haut mit Termiten ein, rochen an echtem Rosenholz und bestaunten allerlei Skurilles…. Und dann waren da noch die Chinesen in unserer Gruppe… die machten immer, was sie wollten und waren absolut rücksichtslos. Rannten alles über den Haufen, sogar die beiden Kinder und furzten!!! Ich hatte das große Los gezogen, dass so ein Exemplar vor mir ging und ich diesen unangenehmen Geräuschen und noch schlimmeren Gerüchen direkt ausgesetzt war. Aber ich möchte hier nicht näher ins Detail gehen…
Irgendwann waren wir wieder am Kanu und dümpelten zurück zur Lodge, denn nun kam ein weiteres Highlight für einige Besucher dazu. Die anderen Gäste wurden abgeladen und wir fuhren Richtung Badestelle. Jetzt sollten wir und umziehen und zu zweit ins Wasser steigen. Die Arme am Körper halten und nur den Anweisungen des Mannes im Wasser folgen. Ein Eimer mit Fischen stand bereit und wir bekamen einen kleinen Fisch in die Hand gedrückt. Nun sollten die rosa Delfine kommen… und sie kamen auch. Das Wasser wurde unruhig und … Schwupp weg! So schnell ging das, dass wir es nicht mal fassen konnten. Unsere Tochter bekam leuchtende Augen und dann gleich noch mal… Schwupp weg!!! Aber diesmal hat sie sich getraut und den Delfin gestreichelt. Ganz samtig weich fühlte er sich an. Und dann ich! Das war schon ergreifend, denn die Tiere waren wilde Delfine, die nur zum Fressen hier an diesen Anleger kamen. Nachdem wir alle im Wasser waren, bekamen wir Schwimmwesten (?) verpasst und sollten in den Fluss schwimmen. Das war herrlich! Wir badeten in einer riesigen Tasse Tee!!! Das Wasser sah zwar schwarz aus, war aber sauber. Und nun durften wir die Delfine im Wasser füttern. Auf unseren Schwimmwesten dümpelten wir so dahin und die Delfine stupsten uns immer wieder an und streiften unsere Beine unter Wasser. Einer wollte sogar mehr als den Fisch und biss ein bisschen Finger unserer Tochter an… sie wünschte sich sogar eine Narbe davon, damit sie immer ein persönliches Andenken an dieses tolle Erlebnis hatte und dann wollte sie nicht mal aus dem Wasser kommen…. Sie war die Letzte, die raus kam und wollte sich nicht trennen und das obwohl das andere Mädchen brüllte wie am Spieß. Sie hatte solche Angst vor den Delfinen, dass sich die Eltern darüber schon ärgerten…
Völlig erschöpft kamen wir wieder in der Lodge an und sind sofort zum Essen gegangen… danach nur kurz duschen und dann sofort weiter im Programm. Jetzt sollten wir (wieder mit den Chinesen im Boot) einen Ausflug zu einem typischen Haus des Amazonas fahren und dort einer Familie in die Kochtöpfe schauen. Es war eine recht beschwerliche Tour, da die Sonne unerbittlich knallte. Am faszinierendsten fand ich wie der der Hausherr die Paranüsse mit einer Machete geöffnet hat. In einer Schale neben ihm lagen sie dann zum Vernaschen. Ich habe immer nach seinen Fingerkuppen gesucht, aber er hatte tatsächlich noch alle. In dem kleinen Shop sollten wir dann noch was Kleines kaufen, damit sich auch für ihn der Besuch gelohnt hat. Wir sind mit günstigem Federschmuck für die Haar unserer Tochter wieder gefahren. Wir hatten eine Erinnerung an den Ausflug und er hatte Geld, welches er zur Ernährung seiner 15-köpfigen Familie einsetzen konnte. Die Gastgeber sind Anfang/Mitte 40, sahen aus wie 65 und älter und haben bisher 13 Kinder…
Zurück ging es durch andere Gewässer und wir wurden in eine kleine Bucht gefahren. Jetzt wurden die Angeln ausgepackt und das Rinderherz verteilt. Kleine Bröckchen lagen neben uns und wir hielten die Angeln damit bestückt ins Wasser. Jetzt wurden also Piranhas geangelt. Das war schon spannend und alle hatten ihren Spaß, wenn die Angel kurz zuckelte und man mit einem Ruck sofort die Angel rausziehen sollte. Nichts dran… zu lange gezögert! Die Piranhas waren eben schnelle Biester. Doch wir haben noch in den letzten Sonnenstrahlen unsere Piranhas am Haken gehabt. Sogar die Kinder konnten welche vorweisen und waren natürlich besonders stolz darauf.
Als nette Beigabe des Guides durften wir dann auch noch einen Sonnenuntergang erleben, weil das Angeln etwas länger gedauert hat als geplant. Sozusagen gratis. Denn ansonsten kostet das auch wieder extra, das man diesen herrlich Blick über den Baumspitzen des Rio Negro erleben darf… Danke Christopher!!!
Beijos... vom Rio Negro!!!