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@alleswirdgut Ich würde drei Dinge auseinanderhalten:
1. Eintragung der Religion/formelle Religionszugehörigkeit Wie schon oben erwähnt, muss die Religions- bzw. Konfessionszugehörigkeit in keinen offiziellen bras. Dokumenten eingetragen werden. Die Kirchen in Brasilien sind (es mag Ausnahmen geben) auch nicht so wie zB in der CH als Vereine mit klaren Mitgliedschaften (inkl. Rechten und Pflichten) organisiert. Ich halte darum die Frage der formellen Religionszugehörigkeit Deines Kindes für zweitrangig, und glaube auch nicht ob Deine Frau das wirklich gemeint hat.
2. Religiöse Erziehung Die religiöse Sozialisierung eines Kindes geschieht zu einem grossen Teil in der Familie, sofern die Eltern mit ihren Kids am religiösen Leben einer Kirche oder Gruppe teilnehmen auch dort. Wenn ein Kind die Religion/Lebensphilosophie seiner Eltern als engstirnig, oberflächlich oder irrelevant für sein eigenes Leben erlebt, wird es sich wohl früher oder später davon abwenden. Ist der Glauben der Eltern im Familienleben als positive Kraft präsent, tolerant, und lernt das Kind die Grundlagen und Geschichten seiner Religion, wird es sich in seiner Kindheit von Gott getragen wissen. Wenn es dann später als Jugendlicher und Erwachsener seinen eigenen religiösen Weg gehen muss und kann, hat es ein Fundament auf dem es aufbauen kann; eine Grundlage die es weiterentwickeln kann.
Problematisch scheint mir der religiöse Analphabetismus, der in Brasilien extrem verbreitet ist, und auch vor vielen Getauften nicht halt macht. Um sich als Jugendlicher/Erwachsener frei für eine Religion/einen Glauben zu entscheiden, braucht es zweierlei: Erstens die Erfahrung, dass die Religion eine positive Lebenskraft darstellt, und zweitens das Grundlagenwissen über diese Religion. Nach meiner Erfahrung ist bei Erwachsenen die als Kinder religiös gar nicht sozialisiert wurden die Gefahr auch viel grösser, dass sie sich problematischen und destruktiven Gruppierungen anschliessen.
3. Taufe Im Verständnis der traditionellen Protestantischen Kirchen (Reformierte, Lutheraner etc.) und der RK ist die Taufe das Zeichen, dass Gott dieses Kind liebt und akzeptiert so wie es ist. Dabei gehen die Eltern, die Paten und die Gemeinde die Verpflichtung ein, das Kind auch auf seinem religiösen Weg zu begleiten und zu zeigen, dass Gott und der Glaube etwas Positives im Leben ist. Falls das für Dich und Deine Frau seltsam klingt würde ich eine Taufe zum jetzigen Zeitpunkt nicht machen (lassen). Das schliesst nicht aus, das Kind zB in die Sonntagsschule oder ähnliche Kindergruppen einer Kirche/Kirchgemeinde zu schicken, die Euch sympathisch ist. In Fortaleza gibt es neben der RK m.W. auch eine Lutheranische Gemeinde. Wenn Du mit einem Pastor oder Priester einer Gemeinde diskutierst wirst Du sicher sehr schnell merken ob Dir der Geist behagt und Du Dein Kind dorthin schicken möchtest.
Viele Brasilianer verstehen die Taufe ziemlich abergläubisch, im Sinne der Gleichung: Getauft = Himmel, nicht getauft = Hölle. Falls Deine Frau Euer Kind das taufen lassen möchte versuche herauszufinden, ob die Motivation ev. in diese Richtung geht.
Zu guter Letzt: Ich finde man sollte das Thema der religiösen Erziehung der Kinder zwar sehr ernst nehmen, da es um fundamentale Lebensdinge geht. Andererseits sollte man aber auch den eigenen Einfluss nicht überschätzen. Schlussendlich machen die Kids ja doch was sie wollen, und das ist gut so.
hth, BB
Biergarten 27.9.2008 in Belo Horizonte
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