Rio von oben und aus privater Sicht

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Rio von oben und aus privater Sicht

Beitragvon helveticus » Mi 15. Mär 2006, 12:24

Artikel aus Tagesanzeiger (Zürich, 07.03.2006)

Wohnen im Künstleratelier: Ein Bed-and-Breakfast-Programm bietet die Möglichkeit, Rio de Janeiro von innen zu erleben - sogar mit Familienanschluss.


Alle zwanzig Minuten setzt sich das altersschwache Bähnchen in Bewegung. Bonde heisst es, was auf Portugiesisch Tram bedeutet. Nicht nur Touristen finden sich darin, sondern auch viele Einheimische. Die hölzerne Strassenbahn ruckelt über krumme Schienen, die ihre besten Zeiten lange hinter sich haben. Der Blick geht in den Abgrund: Die Bonde befährt gerade die Arcos da Lapa, einen 270 Meter langen und 64 Meter hohen Viadukt, der von 1750 bis 1896 als Aquädukt genutzt wurde. Kaum sind die Arcos überwunden, führt die Bahnstrecke auf einer engen Strasse weiter bergauf - Richtung Santa Teresa. Der altehrwürdige Stadtteil liegt nicht weit vom Zentrum Rio de Janeiros, ist aber doch ganz anders. Selbst wenn die Hitze in der Innenstadt kaum auszuhalten ist und die Badegäste an der Copacabana ohne Sonnenschirm kaum fünfzehn Minuten in der Sonne bleiben können, ist es hier immer noch angenehm, denn es weht meist ein frisches Lüftchen.

Jetzt können Touristen hier wohnen

Santa Teresa, das Künstlerviertel mit seinen pittoresken Fassaden, mondänen Gründerzeitvillen, gekachelten Mauern und versteckten Gärtchen, war für Rio-Besucher bis vor kurzem nur das Ziel eines kurzen Abstechers. Doch mittlerweile haben Gäste aus aller Welt das Viertel auch als interessantes Wohnquartier entdeckt. Der Hintergrund: Der 27-jährige Carlos Magno hat in Santa Teresa das erste Bed-and-Breakfast-Projekt Brasiliens gestartet. Er nennt es Cama e Café - Zimmer und Frühstück. «Wir haben wegen der Bohème-Atmosphäre hier in Santa Teresa angefangen. Und es gibt viele schöne Aussichtspunkte; man hat das sinnliche Gefühl, den Horizont zu sehen und Inspiration zu bekommen.»

Wohnen in Santa Teresa - das ist gewissermassen Urlaub über den Dächern von Rio. Der Moloch mit seinen sieben Millionen Einwohnern von hier aus überschaubarer. «Rio ist eine Art Dschungel, in dem es jeder eilig hat», meint Carlos Magno, «hier oben aber hält man an, atmet tief durch, und man hört den Wind. Man grüsst sich auf der Strasse, spricht mit den andern, schaut ihnen in die Augen.»

Biggs wusste, was schön ist

Santa Teresa, wo auch der legendäre englische Posträuber Ronald Biggs lange Zeit lebte, ist ein Treffpunkt für Alternative und Aussteiger. «In den 60er-Jahren wurden viele Häuser in Santa Teresa durch einen zwei Wochen andauernden Regen völlig zerstört. Deshalb waren die Grundstückspreise in den 70ern hier sehr niedrig. Somit hatten Hippies, Alternative und junge Künstler die Möglichkeit, sich hier Häuser zu kaufen. Das hat das Viertel verändert», erläutert Carlos.

Etwa die Hälfte der rund achtzig Vermieter, die sich am Cama-e-Café-Projekt beteiligen, sind Künstlerinnen und Künstler. Darunter Töpfer und Bildhauer, Musiker und Sänger, Fotografen und Maler. Wer bei ihnen unterkommt, lebt häufig fast im Atelier. Die 53-jährige Helena Souto gibt Töpferkurse und verkauft Keramikobjekte - und nebenbei empfängt sie in ihrem Haus gelegentlich Gäste. «Die Leute, die zu mir kommen, die unterschiedlichen Kulturen und Geschichten, das ist sehr interessant. Kürzlich war ein Paar aus Westdeutschland da, vorher hatte ich zwei Griechen zu Besuch, die in London leben. Das wird nie langweilig», sagt Helena Souto. Das grosse, helle Zimmer, das sie vermietet, benötigte sie ohnehin nicht mehr, seit die Kinder aus dem Haus sind. «Die Einnahmen helfen mir, mein Haus und meinen Garten zu unterhalten», freut sich Helena. Wie fast alle Beteiligten spricht sie neben Portugiesisch auch Englisch. «Den meisten Besuchern gefällt es sehr gut hier», beteuert Helena, «oft sagen siemir hinterher, falls sie nach Rio zögen, würden sie in Santa Teresa leben wollen.»

Tipps von Stadtkennern

Die Besucher lernen nicht nur auf unkomplizierte Art neue Freunde kennen, sie bekommen auch Rio-Tipps, die in keinem Reiseführer zu finden sind. Auch Helena hilft Rio-Neulingen gerne beim Planen ihres Besuchsprogramms. «Ich empfehle allen Besuchern, die Christusfigur auf dem Corcovado zu besuchen. Von dort oben sieht man die ganze Stadt, die Berge, den Strand, die Lagune, einfach alles.» Sie vermittelt auch Freude an den verschiedenen Kirchen, so etwa an der auf einem Hügel direkt am Meer gelegenen São-Bento-Kirche. Bei einer anderen hat sie an der Restaurierung mitgewirkt. Die Klosterkirche Santo Antônio gefällt ihr unter anderem wegen ihrer wunderschönen Kapelle.

Ausgehen ist von Santa Teresa aus leicht. Das authentische Nachtleben Rios findet sich ohnehin nicht an der Copacabana, sondern zum Beispiel im Stadtteil Lapa, direkt im Zentrum der Stadt, gleich unter dem Aquädukt. Im Taxi ist man in weniger als fünf Minuten da. Im Rio Scenarium in der Rua do Lavradio oder im Carioca da Gema in der Avenida Mem di Sá zum Beispiel gibts regelmässig Livemusik.

Mehr als 1000 Besucher - siebzig Prozent davon Europäer - sind über das Cama-e-Café-Projekt in den letzten zwei Jahren nach Santa Teresa gekommen. «Das sind mehr, als wir ursprünglich geplant hatten», erklärt Carlos Magno. Das Erfolgsgeheimnis: Carlos und sein Team achten darauf, dass Hausherr und Gast möglichst gut zusammenpassen. «Wir versuchen immer Gast und Gastgeber gut zu kombinieren. Ein Schweizer Maler, der gerne klettert, Vegetarier ist und Nichtraucher, wird zum Beispiel ein Haus finden, das zu ihm passt, sodass sein Aufenthalt für beide Seiten eine gute Erfahrung wird.»


Am Cama-e-Café-Projekt in Santa Teresa sind Anbieter mit etwa achtzig Häusern beteiligt. Einige vermieten Zimmer auch per sofort. Doch wer einen passgenauen Gastgeber will, sollte mind. 5 Tage vorher reservieren. Zimmer in Kat. Budget, Standard, Superior, Luxus (DZ für 2 Pers. 50-120 Fr. inkl. Frühst.). Res./Info: Cama e Café, Tel. 0055 21 22 24 56 89, booking@camaecafe.com.br, http://www.camaecafe.com.br


Gruss,
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Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)

Supergut

Beitragvon Gast » Fr 17. Mär 2006, 11:49

danke fuer die Info, auf so etwas habe ich gewartet, da uns das Nachtleben von Lapa, insbesondere das Scenarium sehr zusagt und wir so dicht dran sein werden - in Zunkunft.
Besten Gruss aus Natal von Fafa und Thiess
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Beitragvon HeisseSambaNacht » Di 21. Mär 2006, 08:59

bin eher nicht der lapa und santa teresa fan.war erst letztens wieder da.

alles zu altstaedtisch.....die bunten treppchen haben mir schon she rgefallen in santa teresa.......

die habe ich mir angetan....weil oben dann auch ne combo mit livemusik spielte..... war mir jedoch alles zu studentisch und zu alternativ.....

bevorzuge dann doch besser die strandgegenden

interesant fand ich, dass der biggs da mal gelebt hat.

ich wusste zwar, dass er in rio lebte, wusste jedoch nicht, dass er santa teresa aussuchte. der schlingel!!!!

der waere bestimmt oefters im helpi anzutreffen gewesen,w enne s das zu seiner zeit schon gegeben haette... :wink:
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im Westen nichts neues

Beitragvon Macumba » Di 21. Mär 2006, 13:15

"Cama é cafe" wurde schon am 7.3.2005 von einem wenig bekannten Autor namens Macumba angepriesen....aber was predige ich im eigenen Land... :roll:
http://www.brasilienfreunde.net/viewtop ... c&start=15
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Beitragvon Stefanooo » Mi 3. Mai 2006, 15:07

Ich stelle mir den Stadtteil auch krass vor.

So ein wenig Klischee-des-Rio-der-alten-Schule im Style des Anfangs des 20. Jahrhunderts.

Allein die Villen!!
Man bekommt dort bestimmt einen Eindruck vom "alten" Rio de Janeiro, das sonst bestimmt nicht mehr soviel zufinden ist...
oder wie sieht das aus????

Wer war da, wer kann berichten???
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