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Ronaldo in seiner größten Krise
Brasilien: Rätselraten um den Top-Stürmer
KÖNIGSTEIN -
Gegen Kroatien verhöhnt und verspottet, nun mit Gleichgewichsstörungen im Krankenhaus behandelt - Superstar Ronaldo bleibt das große "Sorgenkind" bei Brasilien. Als der Ruhetag der Selecao weit nach Mitternacht endete, da machte die Nachricht über Ronaldos Klinikaufenthalt wegen Schwindelanfällen im Königsteiner WM-Hotel längst die Runde.
Am Donnerstag erklärte Ronaldo selbst: "Es wurde eine Serie von Untersuchungen durchgeführt, um alles auszuschließen. Es wurde aber nichts gefunden. Ich brauchte die Gewissheit, jetzt bin ich beruhigter." Nach Angaben des Mannschaftsarztes José Luiz Runco wurden im Frankfurter Krankenhaus Zum Heiligen Geist die Blutwerte kontrolliert sowie eine Röntgenuntersuchung und Magenspiegelung durchgeführt. "Er hat schon einmal in der vergangenen Woche über Unwohlsein geklagt, deshalb mußten wir der Sache intensiv nachgehen", erklärte Runco. Nach Meinung des Mediziners könnten Ronaldos Beschwerden stressbedingt sein.
In einer fast zweistündigen "Krisensitzung" hinter geschlossenen Türen wurde noch in der Nacht zum Donnerstag die Mannschaft informiert. Die Teamleitung sprach das weitere Vorgehen ab. Ronaldo geht allerdings fest davon aus, daß er am Sonntag gegen Australien in München spielen wird: "Ich bin total auf das Spiel fokussiert."
Und was passiert, wenn der Real-Star auf die Ersatzbank muß? Ronaldo: "Ich akzeptiere alles, ich bin kein Rebell." Auch zu seiner kläglichen Darbietung im ersten WM-Match gegen Kroatien nahm der Ausnahmestürmer Stellung: "In meiner Gebrauchsanleitung steht nicht, daß ich immer gut spielen muß."
Rückendeckung erhielt der frühere Weltfußballer von Brasiliens Idol Pelé. "Er braucht noch eine zweite Chance und unsere moralische Unterstützung. Wir müssen ihm alle helfen", so der dreimalige Weltmeister im ZDF.
Der Druck auf den WM-Torschützenkönig 2002 wächst nach seinem apathischen Auftritt beim 1:0 gegen Kroatien, als er in der 69. Minute nach desolater Vorstellung ausgewechselt wurde. Auch wenn Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira verspricht: "Er wird in Form kommen. Das erwarten wir, das wollen wir, und das wird auch geschehen." Zumindest für das kommende Gruppenspiel am Sonntag in München gegen Australien ist Ronaldos Stammplatz garantiert.
Doch die Geduld des Coaches ist nicht unbegrenzt. Und daß er handelt, hat Parreira schon bei der WM 1994 bewiesen, als er den eigentlich als Spielmacher vorgesehenen Rai nach einer schwachen Vorrunde auf die Bank setzte.
Am Donnerstag vormittag marschierte Ronaldo demonstrativ in den Kraftraum der Seleção. An seiner Seite Cafu, der dem dreimaligen Weltfußballer moralisch Beistand gibt. "Ich habe ihm gesagt, daß er ein Sieger ist, ein Champion, und daß er wieder zurückkommt", berichtete der Seleção-Kapitän.
Die breite Unterstützung im Team bröckelt aber. "Ronaldo ist noch nicht in der Verfassung, in der wir ihn kennen. Dafür muß er sich mehr bewegen", forderte Kaka, der mit seinem Tor das Duell gegen die Kroaten im Berliner Olympiastadion entschieden hatte.
Der 24jährige hatte als einziger aus dem "magischen Quartett" Glanz versprüht. Ronaldo war bei 14 Ballkontakten, nur einem Torschuß und ohne ein einziges Dribbling ein Totalausfall. Adriano blieb ebenfalls wirkungslos. Und Ronaldinho zeigte nur in Ansätzen, warum er zuletzt zweimal in Folge als weltbester Fußballer geehrt wurde.
Brasiliens Medien sorgen sich derweil um Ronaldo und fühlen sich an das WM-Finale 1998 erinnert. Damals suchte der Seleção-Star wenige Stunden vor dem Finale gegen die Franzosen (0:3) wegen eines Kreislauf-Zusammenbruchs eine Pariser Klinik auf und wurde von Trainer Mario Zagallo zum Einsatz förmlich gezwungen.
Entsprechend vorsichtig ging der CBF in der Nacht mit der Pressemitteilung um, die erst um 1.02 Uhr am Donnerstag morgen mit der harmlosen Überschrift "Ronaldo trainiert heute" auf der eigenen Internet-Homepage erschien. "Da nichts nach außen gedrungen war, wollten wir die Nachricht eigentlich bis zum nächsten Morgen zurückhalten", gab CBF-Pressesprecher Rodrigo Paiva zu.
sid
erschienen am 16. Juni 2006
Gruss brasilmen Thomas
http://www.brasilmen.de
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