Ronaldo sucht Sturmpartner - Emerson, Kaka bereit
WM-Rekord hin, vier Siege und Viertelfinal-Einzug her: Brasiliens Torjäger Ronaldo ist noch auf der Suche nach einem kongenialen Sturmpartner wie es bei der Weltmeisterschaft vor vier Jahren Rivaldo war.
Trotz der bisher zehn Turniertore und den drei Volltreffern von Ronaldo knirscht es im Angriff der "Selecao" wie lange nicht mehr. Adrianos schlechte Laune und Formschwäche, Robinhos Verletzungssorgen und Ronaldinhos Torflaute haben dazu beigetragen. Das "Magische Viereck" Ronaldinho, Kaka, Ronaldo und Adriano strahlte bisher wenig Zauber aus.
"Wir schießen die Tore, wenn wir sie machen müssen. Wir kontrollieren den Gegner, wenn es nötig ist - und wir können uns den Luxus leisten, Chancen zu vergeben, weil wir die herausgespielt haben. Das ist wichtig", sagte Ronaldinho der argentinischen Zeitung "Clarin" vor dem Viertelfinal-Hit in Frankfurt/Main gegen Frankreich in Frankfurt/Main, wo die Mannschaft am Abend vor dem Spiel ihr Hotel bezog. Der "Weltfußballer" vom FC Barcelona hat vor genau einem Jahr zuletzt für die "Selecao" getroffen: Beim 4:1 über Argentinien im Confed-Cup-Finale am 29. Juni 2005. Bei der WM hatte Ronaldinho zwar die meisten Ballkontakte der Brasilianer, bereitete aber nur ein Tor vor.
Immerhin befinden sich Ronaldinhos verletzte Mittelfeldkollegen Kaka und Emerson auf dem Weg der Besserung. "Sie haben noch ein wenig Schmerzen, haben aber heute Fitness-Training gemacht, damit sie morgen wieder mit dem Ball trainieren können", sagte Mannschaftsarzt Jose Luiz Runco in Bergisch Gladbach. Die beiden Spieler vom AC Mailand und von Juventus Turin hatten beim 3:0 im Achtelfinale gegen Ghana einen Schlag auf den Knöchel bekommen. "Sie sind zu 70 Prozent wieder fit", sagte Runco. Ob Kaka und Emerson gegen Frankreich auflaufen werden, entscheide der Trainer. Bei der letzten Trainingseinheit in Bergisch Gladbach fehlten Kaka und Emerson, jedoch noch.
Adriano, der Torschützenkönig des damaligen Turniers, hat zwar zwei Treffer auf seinem Konter, muss aber um seinen Stammplatz fürchten. Während sich Ronaldo aus seiner Formkrise schoss, wirkt der 24-Jährige von Inter Mailand immer noch wie ein Fremdkörper in der Mannschaft. Ehemalige brasilianische Fußball-Größen gehen hart mit ihm ins Gericht. "Ronaldo und Adriano - das passt nicht zusammen", sagte der frühere Bundesliga-Profi Jorginho.
Jairzinho, Torjäger der WM-Mannschaft von 1970, hatte schon zu WM- Beginn gefordert: "Robinho müsste als Stürmer gesetzt sein. Ich würde von Adriano oder Ronaldo den bringen, der fitter ist." Nachdem der Nebenmann von Ronaldo auch in den Medien sein Fett abbekommen hat, läuft er seit einer Woche stur und stumm an allen Mikrofonen und Kameras vorbei.
Adrianos Konkurrent Robinho, ohnehin der Spaßvogel im Team, hat sich nach seiner Oberschenkelverletzung wieder zurückgemeldet. Beim Training mischte er wieder eifrig mit, verzichtete als Vorsichtsmaßnahme lediglich darauf, wie seine Kollegen Elfmeter zu schießen. "Ich fühle mich gut, Gott sei Dank, und spüre überhaupt keine Schmerzen mehr", sagte der 22-Jährige von Real Madrid. Artig bedankte er sich für die Unterstützung der Mannschaft in den letzten Tagen uns sagte: "Auch Adriano fragte mich immer, wie es mir geht und ob ich mich von der Verletzung erhole." Ronaldo selbst ist klug genug zu sagen, dass "es mir egal ist, wer neben mir spielt".
Robinho war am bisher stärksten Auftritt des fünfmaligen Weltmeisters beteiligt: Beim 4:1 gegen Japan stürmte er an der Seite seines Vereinskollegen Ronaldo, zuvor war er bereits zwei Mal eingewechselt worden. Das Manko des Wirbelwindes ist jedoch seine Abschlussschwäche: In 26 Länderspielen erzielte er nur fünf Tore. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm jedoch nicht. Stolz berichtete Robinho bei einer Pressekonferenz, dass Zinedine Zidane bei Real sein Freund geworden sei. Gleichzeitig will ausgerechnet der Jungspund Frankreichs Superstar endgültig in die Rente schicken: "Ich hoffe, dass er seine Laufbahn im Spiel gegen Brasilien beenden muss."
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