Rucksack-Touristen-Pousada in Favela Rios

Infos und Tipps zu Hotels, Pousadas, Städten und Regionen in den Bundesstaaten Rio de Janeiro, São Paulo, Minas Gerais, Espirito Santo. Paraná, Santa Catarina und Rio Grande do Sul

Beitragvon Giulie » Sa 9. Sep 2006, 07:07

supergringo hat geschrieben:
Takeo hat geschrieben:Dein Publikum ist widerlich und spiegelt nur die globale Heuchelei wider!
Du bist ja laut eigener Aussage auch ein regelmäßiger Favela-Gänger, obwohl ich das nicht glaube, denn dazu sind Deine Berichte/Aussagen/Angaben viel zu unkonkret. Eine Favela ist nicht gleich eine Favela und die Hüttensiedlungen im Interior sicher erst recht anders, als die meisten in den Metropolen. Gingen wir davon aus, dass Du doch regelmäßig Favelas frequentierst, was wären dann Deine Motive für Deine Besuche? Läuft das etwa auf "Frischfleisch" akquierieren und Drogen klar machen hinaus??? Stellst Dich ja gerne als alter Drugs & Rock´n Rock-Sexist dar. Während Du in jüngster Vergangenheit ein paar Pluspunkte gesammelt hattest, sind es genau solche Aussagen, die Dich disqualifizieren!!! :evil:

Die "Favelinha" ist eine preiswerte Alternative zu teuren Hotels, Flat-Hotels oder Apartments und eine sehenswerte Abwechslung im Vergleich zu den meist miefigen Billighotels der Rucksacktouristen.

Ich finde das voll daneben, die Aussage von Takeo. Meine Beweggründe, warum ich in die Favelinha Pension gehen möchte waren folgende:

Man lernt viel mehr Freundschaften schliessen in so einer Pension als wenn man in einem Othon Palace nächtigen würde. Sowohl Einheimische als auch Besucher aus aller Welt, daraus können sich wirklich tolle Erlebnisse und Freundschaften entwickeln. Zweitens wollte ich seit Jahren an diesen Karneval, und die "normalen" Hotels kann man zu diesem Zeitpunkt fast nicht mehr bezahlen. Wozu hunderte Dollar ausgeben wenn man doch nur ein Bett zum Pennen braucht? Drittens hat mich die Aussicht von der Pension auf den Fotos umgehauen, ich liebe nichts mehr als die Aussicht auf die Guanabara Bucht und die bekomme ich nur wenn ich mit dem Treno auf den Cristo fahre wo ich tausend Touris treffe oder mit dem Taxi auf den Morante Dona Marta, wo der Taxifahrer mal wieder abhaut und die Touri-Polizei einem dann anschliessend wieder runter fahren muss.

Urlaub in so kleinen familiären Pensionen sind meist viel erlebnisreicher, es sind meist diese die unvergesslichen Ferien, weil man viele lustige Abende erlebt, welches Schicki-Micki-Hotel kann mir so etwas bieten?

Deiner Ansicht nach dürfte man dann auch nicht nach Afrika in den Urlaub fahren, oder die Hotelanlagen in der Karibik nicht verlassen, weil es ja primitiv ist so wie wenn man in den Zoo geht, oder? Diese Ansicht ist doch voll daneben.
Benutzeravatar
Giulie
 
Beiträge: 93
Registriert: Do 20. Okt 2005, 16:15
Wohnort: St. Gallen, Schweiz
Bedankt: 0 mal
Danke erhalten: 0 mal in 0 Post

Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)

Beitragvon Brummelbärchen » Sa 9. Sep 2006, 15:35

Was Takeo wohl im Kern sagen wollte (über den Tonfall etc. wollen wir jetzt mal hinwegsehen):

Favela-Tourismus ist eine Gratwanderung zwischen echtem Interesse an einem anderen Land, billigem Nervenkitzel für fette Gringos und noch billigeren Betroffenheits- und Sozialromantik-Wallfahrten für junge Pseudo-Intellektuelle aus Europa.

(Irgendwo im Forum hat glaube ich Lemi mal geschrieben, dass er auch schon Interessenten für GAC hatte, die in erster Linie mal in eine Favela reinwollten.)

Klar gibt es auch ruhige, friedliche Favelas. Und aufgrund von dem, was man hier im Forum und auf der Website der Favelinha lesen kann, fischt diese Pousada offensichtlich nicht in diesen trüben Gewässern. Eine gewisse Ambivalenz bleibt natürlich trotzdem.

BB

Ich hoffe auf jeden Fall dass ich auch mal dort zu Gast sein kann. Nicht wegen der Favela, sondern wegen der Aussicht :D
Benutzeravatar
Brummelbärchen
 
Beiträge: 966
Registriert: Mo 24. Apr 2006, 17:31
Wohnort: Belo Horizonte
Bedankt: 1 mal
Danke erhalten: 3 mal in 2 Posts

Beitragvon Takeo » Mo 11. Sep 2006, 22:24

Brummelbärchen hat geschrieben:Favela-Tourismus ist eine Gratwanderung zwischen echtem Interesse an einem anderen Land, billigem Nervenkitzel für fette Gringos und noch billigeren Betroffenheits- und Sozialromantik-Wallfahrten für junge Pseudo-Intellektuelle aus Europa.


So oder so ähnlich kann man das ausdrücken... trotzdem... was heisst denn eigentlich echtes Interesse??? Wieso soll überhaupt ein Aufenthalt in einer Favela mein Horizont über Brasilien und sein Leben öffnen??? Auch hier im Forum kursiert doch gerne die Meinung: nur wer die Favela kennt, kennt Brasilien... Mal ehrlich: was würde ein Tourist denn wirklich mitnehmen aus der Favela??? Dass es letztendlich doch nicht so gefährlich ist, wie man hinlänglich glauben würde? Dass es in der Favela eine nette Nachbarschaft gibt??? Das sind doch olle Kamellen!!! Ein Plausch mit den Drogenbossen oder den bestochenen Polizeicrews findet da nicht statt! Oder darf ich mir etwa bei einem Aufenthalt in der Pousada eine kalte Waffe besorgen und was zum koksen und dann anschliessend auf der Dachterasse mit den netten Jungs aus der Nachbarschaft strässchen ziehen??? Doch wahrscheinlich kaum, oder??? Also, das Geschäftsleben der Favela bliebe mir als Tourist sowieso verschlossen... Und was lerne ich dann wirklich? Wie die Armut funktioniert??? Auch die Webseite der Pousada lockt mit "das Leben in einer Favela richtig kennenlernen"... und wir sehen da sehr reizvolle Fotos vom Sonnenuntergang, freundliche Zimmer mit schönem Blick, eine Webseite auf Deutsch und Englisch, und 75,- R$ die Übernachtung... Das ist nicht das Leben in der Favela, das ist die Sonnenseite des Lebens... und Globo erkennt ja auch ganz richtig:"a doce vida dos turistas na favelinha..."

Favela, Armut und Brasilien ist PUNK - Nichts für Turisten und Sonnenuntergang, das muss man sich einfach klarmachen. Alles Andere ist pure Schönwäscherei. Die Idee von Holger und Andreia ist pfiffig - die Aussicht ist toll, nur der "apelo" ist falsch! Besser: Ihr könnt gut und malerisch, relativ billig bei uns in der Favela wohnen, sogar am nachbarschaftlichen Leben teilnehmen, sogar einen Beitrag zur "Normalität" in der Favela leisten, aber das echte Leben in einer Favela oder gar die Armut wird Euch trotzdem immer verschlossen bleiben...

Wollt oder müsst Ihr unbedingt diese Brasilien kennenlernen? Dann macht Euch doch Nichts vor: Dann müsst Ihr morgens um halb vier aufstehen, Euren Reis zum Xten mal aufwärmen, wässrige Bohnen aufkochen, Farofa dazugeben und Eure Mittags-Marmita fertigmachen, um anschliessend mehrer Stunden überfüllte Busse zu irgendeiner schlechtbezahlten Arbeit zu nehmen, um dann spät abends von der zweiten schlechtbezahlten Arbeit mit überfüllten Bussen von irgendeinem Winkel der Stadt im Dunkeln müde, hungrig und missmutig wieder heimzukehren... Hotel? "Dormitório Jacaré" für 4,50 R$ im Schlafsaal mit stinkenden Zuckerrohrschneidern aus dem Norden aufpassen, dass man nicht im Schlaf beklaut wird, das ganze auf der staubigen Hauptstrasse eines gähnlangweiligen Nestes irgendwo im Inland... oder (in diesem Falle Mittelklasse) mit einem Bi-trem irgendein Massengut von Paranaguá PR nach Cuibá MT zu ziehen... staubige heisse Landstrassen grottenlangsam KM fressen, überlange Staus bei den Postos de Fiscalização, ölige heisse Tankstellen und Alles unter Zeitdruck... DAS wäre so ungefähr wie man sich Brasilien vorstellen könnte... aber da hätten die Wenigsten Bock drauf, oder?
Benutzeravatar
Takeo
 
Beiträge: 3956
Registriert: Mo 27. Jun 2005, 23:00
Bedankt: 236 mal
Danke erhalten: 578 mal in 361 Posts

Beitragvon morammarom » Mo 11. Sep 2006, 23:16

Oi Takeo

Es ist doch immer wieder interessant: So lange die Trennlinie eindeutig dem globalen Wegschauen, Ausblenden und Heucheln entspricht, sagt man nichts, weil es sowieso beschissen ist, aber wir machen ja alle mit.

Wir hätten ja alle gerne ein wenig mehr, oder?
Wir geben ja alle nicht alles her, oder?

Wenn dann aber einmal jemand die Grauzobe betritt, in der die Widersprüche zwangsweise aufeinanderprallen, und das mit der Idee beides zu machen:
Sich einen Traum zu verwirklichen, und das "Zuhause", und mit der Idee den Erfolg zu nutzen um auch und vor allem BESSER helfen zu können - dann ist das bei weitem mehr, als die meisten von uns jemals tun.

Jeder Tourist, der nicht in den Magic-Life-Club-AI-Tür-Tür *Ausflüge extra im klimatisierten Bus* reist, sieht an den meisten Orten der Welt Armut, und meistens nur einen Bruchteil, und trotzdem muss er zwangsweise wegschauen, heucheln, sich in die Tasche lügen, um es geniessen zu können. Sogar wenn er nur die "Schöne Seite" sieht.
Und er kann es besser, je mehr er hat!
Dabei geht es ihm garnicht immer gut, schau nur genau hin - auch er muss kämpfen im Leben, gegen Übergewicht, Depressionen und vieles mehr.
Manchmal muss er sogar gegen die Langeweile kämpfen, deshalb ist er ja möglicherweise hier, der Arme!
Aber den Bettlern, denen gibt er - mal ja, mal nein, aber eigentlich hätte er gerne, daß sie nicht da wären -wie? egal, sie tun seiner Stimmung nicht gut..............Er tut ja, ohnehin viel, das Charity-Dinner letzte Weihnachten, kannst Du dich erinnern? Und er kauft Firmen im Osten - ein unglaubliches Geschäft......bringt denen ja auch langfristig was.....
Soviel zu den Anderen.
Die, die zu Holger und Andreia kommen sind zu 100% eher bereit hinzuschauen als die meisten anderen.
Sie können sich deren Hotels nicht leisten;
Und das macht sie erreichbarer.
Ja, du HAST RECHT, Armut ist so schrecklich und hässlich wie Du Sie beschreibst, ja der Hass ist da, ja der Krieg auch.
Und?
Was kann besser sein, als zu versuchen, ein paar zu erreichen?
Sei es um zu helfen, oder sie zum Helfen zu aninmieren.
Aber was passiert?
Atackeeeeeee
o.

sorry, aber ich bin auch sauer!
Der Ton hier im Forum steckt auf Dauer an.

Man sieht sich in der Unterschicht - das sollte eine Brücke bedeuten, keine Kampfansage - sorry Lemi, das gilt nicht Dir.
Benutzeravatar
morammarom
 
Beiträge: 28
Registriert: Mi 30. Aug 2006, 23:58
Wohnort: Std.Wechselnd
Bedankt: 0 mal
Danke erhalten: 0 mal in 0 Post

Beitragvon Holger » Mo 11. Sep 2006, 23:19

was würde ein Tourist denn wirklich mitnehmen aus der Favela??? Dass es letztendlich doch nicht so gefährlich ist, wie man hinlänglich glauben würde? Dass es in der Favela eine nette Nachbarschaft gibt??? Das sind doch olle Kamellen!!!


Was würde ein Tourist denn mitnehmen aus einem Urlaub an der Copacabana? Dass es ein schöner Strand ist an dem leicht bekleidete Mädels rumrennen und an dem man schön eine Caipi trinken kann? Das sind ja wohl auch "olle Kamellen"...

Wenn es nur um Sonne, Strand und Saufen geht, kann man in jedes x-beliebige Land in eine All-Inclusive-Anlage fahren. Und das tun ja auch viele, die sich eben nicht für das Land, sondern nur für das schöne Wetter, oder was auch immer, interessieren.

Es sagt doch keiner, dass man Favelas gesehen haben MUSS, oder dass man Brasilien erst kennt, wenn man in einer Favela war. Man beginnt das Land aber eben doch erst zu kennen, wenn man möglichst viele Aspekte kennenlernt. Und du solltest es begrüssen statt zu verurteilen, dass es Leute gibt, die eben nicht nur auf Sonne und Strand aus sind, sondern zum Beispiel die nachbarschaftlichen Aspekte einer Favela kennenlernen möchte. Olle Kamellen? Ja und? Wenn man alles nicht kennenlernen muss, von dem man schon mal im Fernsehen oder Internet gehört hat, dann kann man ohnehin gleich zu Hause bleiben.

Mit deinen Kommentaren hier schürst du ja auch nur weiter die Stereotype dass in Favelas ohnehin nur Drogenkriminalität herrscht, und es sonst nichts Sehenswertes gibt. Du würdest anscheinend nur in eine Favela gehen wollen, weil du Drogen und Waffen sehen willst? DAS ist dann echter "Sensationstourismus". Die Leute bei uns wissen aber, dass sie das nicht zu sehen bekommen. Und kommen trotzdem. Denn darum geht es auch überhaupt nicht! Warum sollte es auch?

Es ist trotzdem eine "echte" Favela? Definiert sich denn der Begriff Favela darüber, dass es da Drogendealer, Waffen und Razzien geben muss? Wohl kaum.

Und wie "pffifig" unsere Idee nun war? Das grosse Geld machen wir damit nicht, wir werden es auch in Zukunft nicht. Und es wäre unendlich billiger gewesen, irgendwo am Strand zu bauen, statt alles den Berg raufzuschleppen. Auch würden sicher irgendwo am Strand viel mehr Toruisten kommen. Dann aber vermutlich auch viel mehr solche Personen wie du... Und das ist eben das Schöne: Die Touristen die zu uns kommen sind in der Regel aufgeschlossene nette Menschen, mit denen man sich gut unterhalten kann, und die eben deswegen auch gut von der Communidade aufgenommen werden.

Naja, wie auch immer, auf solche Beiträge von dir hätte ich ohnehin besser nicht antworten sollen. Komm doch erstmal selber hin, um dir ein Urteil zu urlauben, als aus der Ferne etwas zu verurteilen, dass du gar nicht kennst. Was meinst du, wieviel Mühe und Arbeit in unserem Projekt steckt, dass du so heruntermachst...und was es auch FÜR die Favela leistet!

Ich werd mal aufhören, bevor ich mich zu sehr aufrege....
Benutzeravatar
Holger
 
Beiträge: 30
Registriert: Fr 10. Dez 2004, 15:59
Wohnort: Berlin
Bedankt: 0 mal
Danke erhalten: 0 mal in 0 Post

Beitragvon Holger » Mo 11. Sep 2006, 23:23

@morammarom: danke für deine schnelle Antwort, hatte sich gerade mit meiner eigenen überschnitten. Schön zu sehen, dass es hier auch Unterstützer gibt...

Liebe Grüsse

Holger
http://www.favelinha.com
[/quote]
Benutzeravatar
Holger
 
Beiträge: 30
Registriert: Fr 10. Dez 2004, 15:59
Wohnort: Berlin
Bedankt: 0 mal
Danke erhalten: 0 mal in 0 Post

Beitragvon Takeo » Mo 11. Sep 2006, 23:56

Dann freute ich mich über eine angeregte Diskussion, wollte Dir auch eben noch ein gutes Geschäft wünschen, und dann kommt sowas:

Holger hat geschrieben:Dann aber vermutlich auch viel mehr solche Personen wie du... Und das ist eben das Schöne: Die Touristen die zu uns kommen sind in der Regel aufgeschlossene nette Menschen, mit denen man sich gut unterhalten kann, ....


Ich finde, wer so ein Projekt wie Du in Angriff nimmt, muss sich nicht wundern, wenn nicht nur 'Aplaus', sondern auch mal eine Diskussion entfacht wird... besonders weil Euer Projekt ja auch etwas kontrovers ist... kannst Du keine Kritik einstecken???

...abgesehn davon geht's mir mal wieder darum, leere Schlagworte zu identifizieren: "das echte Leben in der Favela" ist eine vollkommen inhaltslose Floskel, die genauso bei TUI oder wie 'se nicht alle heissen zu finden wäre...

Noch so ein leeres Schlagwort:
moramarom hat geschrieben:Die, die zu Holger und Andreia kommen sind zu 100% eher bereit hinzuschauen als die meisten anderen. Sie können sich deren Hotels nicht leisten; ....


Ach was? Aber einen Flug nach Brasilien??? Und Hingucken? Wer hingucken - wo hingucken??? Das meine ich ja, wenn Hingucken, dann richtig und nicht nur so halb... bei 'ner Caipirinha und einem Sonnenuntergang... alles Andere ist genauso Heuchelei wie sich an den Strand zu flätzen und im Luxushotel zu hausen... und "richtig" hingucken, kann bspw. auch ein Kriegsfotograph der im Luxushotel bucht... nur mal so als Beispiel, dass das Luxushotel absolut nichts mit "den Einen" oder "den Anderen" zu tun hat...
Benutzeravatar
Takeo
 
Beiträge: 3956
Registriert: Mo 27. Jun 2005, 23:00
Bedankt: 236 mal
Danke erhalten: 578 mal in 361 Posts

Beitragvon Takeo » Di 12. Sep 2006, 00:00

Holger hat geschrieben: Schön zu sehen, dass es hier auch Unterstützer gibt...


Wieso? Unterstützer sind doch bis jetzt die Meisten bzw. Alle... der Einzige, der es wagte mal Kritik zu äussern, war doch bis jetzt nur ich?
Benutzeravatar
Takeo
 
Beiträge: 3956
Registriert: Mo 27. Jun 2005, 23:00
Bedankt: 236 mal
Danke erhalten: 578 mal in 361 Posts

Beitragvon morammarom » Di 12. Sep 2006, 02:29

Ok Takeo.

Lass uns streiten.
Ich bin aber nicht sicher, ob das geht, da ich fürchte, daß Du in irgendeiner Parallelwahrnehmung zu meiner lebst.

Die Formulierung „Leben in der Favela erleben“ ist unglücklich gewählt.
Sollte das alles sein, woran Du Dich aufhängst, wäre es ja geklärt.
Denn ja, es ist eine Grauzone, aber dann lass uns auch dementsprechend sensibel damit umgehen
- nocheinmal: hier wird nur deutlicher, was "normal" getrennt noch viel perverser ist!!!!!
Die Realität. Schwarz-weiss, also reich-arm.
Aber doch auch alle Graustufen dazwischen.
Die Favela ist relativ sicher
Die Gäste sind keine Gaffer.
Den Favelinha-Besuchern die Caipi zum Sonnenuntergang als abartig zu verbieten, ist einfach nicht logisch.
Es ist nur eine Frage des zoom-outs:
Hotelburgen liegen neben Elendsvierteln, ein paar Meter mehr Abstand machen den Unterschied?
Dann dürfte ich neben dem Zimmermädchen nicht frühstücken, vor dem Bettler kein Eis essen.
(Tue ich übrigens auch ungern/nicht!)
Aber dabei ist mir klar, daß genau das Heuchelei ist.
Fünf Minuten später tu ich es ja dann doch.
--- Um auf Deine Art das Hinschauen zu definieren einzugehen.
Der Sonnenuntergang, um den es ja eigentlich geht, ist gratis - und für die glücklichsten am schönsten.

Mein "leeres Schlagwort"
....ist ein Fragment-Ziitat einer Reihe von Sätzen, die Dir signalisieren sollten, daß ich Dich sehr wohl verstehe, auch die Wut, aber mich ärgere, daß Du die Falschen angiftest.
Nämlich indirekt eben doch Holger und Andreia (was Du ja sogar zugibst - Kritik statt Applaus), und direkt deren Besucher, schau Dir doch die website genauer an, Mann!
Was man versucht Dir zu sagen ist, das es HIER nicht um fette Elendgaffer geht, abgesehen davon, daß ich jede Art von Tourismus in jedem armen Land ähnlich grenzwertig finde, und je perverser - umso gefährlicher ist es auch, das ist die ausgleichende Gerechtigkeit des Hasses.
Sollte ich hören, daß fette Touristen im Papamobil durch die Gassen der Ärmsten fahren, DANN GEBE ICH DIR RECHT, ABER ES IST NUR DEUTLICHER - NICHT ETWAS ANDERES!!! - das gilt in die eine wie in die andere Richtung)

Diese ganze Diskussion - sich über Favelinha aufzuregen - ist ein Beweis für die Gesamtheuchelei!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Entweder Tourismus als Ganzes angrefen - und jetzt kommen wir wieder zur Wirtschaft.....siehe da, die Katze hat eine Schwanz, und wir dikutieren dort, wo sie sich hineinbeisst.
Das ist aber eigentlich für das Faktum, daß wir eine Katze beobachten, die sich in den Schwanz beisst nicht wichtig.

Was ist die persönliche Botschaft eines Moralapostels?
Wie lebst Du die Widersprüche?

Ad „ach aber den Flug nach Brasilien schon“
Ich kenne eine Menge Leute, die mit 7Euro/h Jobs (das ist bei uns wenig, ja so ist die Welt) Ihren Flug „mühsam nährt sich das Eichhörnchen“ erarbeiten.
Die fliegen übrigens auch nach Australien oder New York - und wohnen auch dort in einer Jugendherberge.
Wieder nicht schwarzweiss.
Das war so eine Meldung, mit der Du Dich aus meiner Sicht genauso ins off schiesst.
Passiert uns eben allen, daß man im Eifer der Emotion leicht danebengreift.

Der Photograph.
JA, ganz ehrlich, Takeo, das wäre mir auch der liebste Weg die Widersprüche zu verbinden.
Total betroffen, mitten im Geschehen, Arbeit und Abenteuer, und dazu berichte ich der Welt, setze mich realer Gefahr aus, kann aber im Pool schwimmen, am Buffet frühstücken, Business Class fliegen, im Gym das fette Essen abtrainieren, im Landrover cool durch die Gegend düsen und - bringe das Elend in die Wohnzimmer der Menschen, damit sie -Achtung- zuschauen können.
Die sollten dann aufstehen, und was tun, aber egal was ich ihnen zeige, sie schaun ja nur weg.
Ein Traum! Ich liebe Luxus, und kann nicht wegschauen, das ist die Lösung!
Das war kein Scherz, das IST mein Dilemma, ich will wirklich Reporter werden, aber ich weiss ganz genau, daß ich mir dann auch in die Tasche lügen würde, nur hätt' ich eine gute Ausrede.
Es muss also mehr sein.
Das gilt für mich.

Was für ein Beispiel.
Im Vergleich WOZU?
Nocheinmal: Du greifst die Falschen an, und vergleichst dann in einem Wisch ist alles weg den Kriegsberichterstatter mit - einem die Fakten verzerrenden Zitat.

Ich hoffe, daß Du merkst, daß ich mich bewusst angreifbar mache, wie wäre es, wenn du das im positiven Sinne annimmst?
Im Moment stellst Du Dich dar, als würdest du den Reis um 5h früh zum xten mal aufwärmen,
also?

Ich stelle mich dem Widerspruch.
Wo stehst Du?

morammarom
Benutzeravatar
morammarom
 
Beiträge: 28
Registriert: Mi 30. Aug 2006, 23:58
Wohnort: Std.Wechselnd
Bedankt: 0 mal
Danke erhalten: 0 mal in 0 Post

.....

Beitragvon Pedro I » Di 12. Sep 2006, 02:39

Sieht ja nach ´ner relativen chiquen Favela aus. Bei uns im Interior sehen "normale" Siedlungen auch so aus. In Rio ist es dann wohl nur noch ´ne Favela. Wie auch immer. Der Neid der Anwohner ist euch bestimmt sicher. Die grossen Augen werden wohl die Touristen begleiten, sehr schön alles. Die kleinen Mädchen stehen wahrscheinlich auch schon parat. Also ich weiss nicht - ist das jetzt Abenteuerurlaub? Da wüsste ich was besseres. - Ja, muss man mal gesehen haben - Favela live. Eigentlich kann man sie gar nicht übersehen, findet man nicht nur in Brasilien.
Benutzeravatar
Pedro I
 
Beiträge: 55
Registriert: Mo 21. Aug 2006, 00:43
Bedankt: 0 mal
Danke erhalten: 0 mal in 0 Post

VorherigeNächste

Zurück zu Reiseziel: Südosten & Süden

 



Berechtigungen in diesem Forum

Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

Persönlicher Bereich

Anmelden

Empfehlung

Wortübersetzer

Deutsch/Portugiesisch - Übersetzer in Kooperation mit Transdept

Neu im IAP PortalNetwork

Please enable / Bitte aktiviere JavaScript!
Veuillez activer / Por favor activa el Javascript![ ? ]