Rucksack-Touristen-Pousada in Favela Rios

Infos und Tipps zu Hotels, Pousadas, Städten und Regionen in den Bundesstaaten Rio de Janeiro, São Paulo, Minas Gerais, Espirito Santo. Paraná, Santa Catarina und Rio Grande do Sul

Beitragvon Giulie » Di 12. Sep 2006, 10:29

supergringo hat geschrieben:1. Diese Favela ist lt. Aussagen von Anwohnern (mittlerweile) "mais como uma Fazenda". Trotzdem ist sie eine Favela.

2. Ich "durfte" Andreia mal bei einer Shopping-Tour begleiten. Sie sagte zu einer Verkäuferin: "Ele e minha seguranca". Ich grinste und meinte, es wäre genau umgekehrt. Das veranlasste Andreia, folgende Geschichte zu erzählen: "Ich war mal mit einer blonden, weißen Freundin unterwegs. Plötzlich wurden wir überfallen. Meine Freundin musste ihr Celular und etwa 200 R$ abgeben. Mich hatten die Räuber gar nicht im Visier. Ich bin schwarz, wie sie es waren, bei mir ist eh nichts zu holen, glaubten sie. Dabei hatte ich gerade 1.000 R$ vom Bankomaten gezogen und das neuere Mobilfunktelefon."

3. Ich selbst sehe mich als Beobachter. Als Fotograf. Ohne Wertung. Meinetwegen mit einer gesunden Neugier und vielleicht auch Sensationslust ausgestattet. Ich will wissen, wo der Taxista, Porteiro, Seguranca, die Faxineira, Domestica und die Nutte eigentlich zu Hause sind. Was ist daran schlecht? Du, "Takeo von ..." sagst immer, Favela kann ein Gringo nicht begreifen. Absoluter Quatsch, man muss sich nur darauf einlassen. In den Dutzenden Favelas, in denen ich mich bewegt habe, hatte ich mit allen Einwohner-Schichten zu tun, auch das "Pläuschchen" mit den Traficantes, mit dem Presidente, mit Policia, Dieben, Mödern, minderjährigen Schwangeren, Arbeitern, Arbeitslosen, Jugendlichen, Kindern, Säufern, Schlägern, Bettelarmen, Prostituierten, Schülern. Und ich sage Dir, ich habe Respekt entgegen gebracht und das wurde durch Herzlichkeit, Offenheit und Vertrauen belohnt. Die kleinen Mädchen stehen übrigens gerade nicht in der Favelinha parat. Die kleinen Mädchen stehen auf dem Straßenstrich in Ircacema oder am Strand von Boa Viagem, der Copa oder in den Vorstadt-Puffs. Oder im Interior, wo es angeblich so viel besser ist, Ihr Moralapostel ("Takeo von ..." und PI)

4. Ja, die Weitgereisten, Weltenkenner. Favela? Ist doch nichts besonderes. Auf den Philippinen ist es viel schlimmer. Ich und andere reisen aber nicht nach Manila, sondern nach Brasilien.

5. Vielleicht provozierst Du mal wieder nur - wie so oft -, um eine Diskussion anzuregen. Aber ich weiss gar nicht, was es hier zu diskutieren gibt. Findest Du es besser, keine Favela zu "besichtigen" und mal wieder nur die rosarote Brille aufzusetzen? Oder, wie Du, nur vom Hörensagen über das Leben in einer Favela zu "berichten"?

6. Der Hochmut derer, oft unbegründet, die seit Jahren in Brasilien leben gegenüber den Touristen ist manchmal schwer erträglich. Vor allem, wenn sich herausstellt, dass sie weniger Ahnung und Fingerspitzengefühl haben, als manche Touristen!


Genau so kommts mir vor...mit Provokationen zur Diskussion anregen. Ich nehme die Kritik gar nicht ernst, denn würde ich das tun, dann müsste man ja ein schlechtes Gewissen haben wenn ich nur schon nach Süditalien fahren würde, wo die Leute mit wesentlich weniger auskommen müssen als hier in Mitteleuropa. Wenn ich so eine Einstellung hätte wie Takeo, dann guten Morgen...dann wäre es ja nur noch gerechtfertigt, zu Hause zu sitzen. Dann dürfte man sich ja überhaupt nirgends wo mehr hingetrauen, weil man ja gleich als "Gaffer" etc. abgestempelt wird sobald man in eine Region fährt wo der Wohlstand nicht so selbstverständlich ist wie hier.
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Beitragvon Pedro I » Di 12. Sep 2006, 22:02

Nun, dann sollte man vielleicht auch gemeinsames Zelten mit den Anwohnern unter der BR116 in Fortaleza anbieten. Nur 5 min von Flughafen und Busbahnhof. Der kick schlechthin und eine weitere Erfahrung fürs Leben. Transfer, Zelt und Streichhölzer inklusive.
Möchte aber eine Kaution fürs Zelt. Die Streichhözer könnt ihr behalten.
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Beitragvon Takeo » Mi 13. Sep 2006, 02:59

Naja... Favela und Favela... mein Vorschreiber hat schon teilweise recht, wenn er sagt, dass die Hüttensiedlungen im Interior nichts mit der besagten Favela in Rio zu tun haben? In São Paulo unter der Brücke (und bei kaltem Nieselregen...) oder hier im Cerrado sind die "Favelas" aus Stöcken und Müllsäcken zusammengebastelt... dass sich da keine Touristen hintrauen kann ich fast verstehen... was ich dort zu suchen habe??? Nunja... in den letzgenannten Hüttensiedlungen eher weniger... ja ich habe da mal einen verloren gegangenen Hund wieder abgeliefert, oder mein Wasserkanister aufgefüllt (in diesem Falle spricht man dann übrigens nicht von Água sondern von "Águinha").. ach ja, und dann habe ich auch schonmal einen Bewohner über die Nachteile aufgeklärt, seine Schweine aus einem Kübel zu füttern in dem vorher ein Herbizid Namens "Gamit" abgefüllt war (und dass Abkochen in diesem Falle zwecklos ist)... tja, da drängen sich einem Begriffe wie "Elend" und "Ignoranz" auf... aber das zählt tatsächlich noch nicht als Favelagängertum, oder (ehrlich nicht ironisch gemeint)?... und was macht man so in den normalen Stadtfavelas, wo Häuser aus schon aus Tijolos und Wellblech sind??? Naja... bspw. versuchen Grass zu kaufen (d.h. Furlano suchen, der hinter Ciclano her ist...), oder (leider schon öfters) um halbsechs morgens irgendeinen Chapa aus dem Bett holen und unter Wiederbelebungsversuchen mit Asphaltkaffee und Witzen aufs Campo mitzuschleppen, oder irgendwelche Gerätschaften abladen und einlagern, oder bei einem Umzug helfen (bspw. den Transport stellen...), oder auch schonmal 'ne Nutte nach Hause gebracht (lassen wir das lieber...!), oder oder oder... letzendlich alles Banalitäten des täglichen Lebens... soll man sowas tatsächlich als Story im Forum verkaufen? Wohl kaum, oder???

Was mich aber stört... aus der Favela und seinen Bewohnern einen Favela- oder Unterschichtskult zu schaffen! Wenn man meinen Vorschreiber so hört sollte man fast glauben, dass deren verschiedene Bewohnerschichten wirkliche Botschaften übermitteln... welche denn? Nutten haben immer nur den gleichen Text drauf: der gewalttätige Ex, die ungerechte Welt, die schwere Vergangenheit, die Schulden (habe aber bis heute noch keine Nutte getroffen die nicht Taxi, sondern auch mal Bus fährt...). Und die besoffenen Schläger? Verbrüdern sich gern mit Einem und lallen "Nada com Nada"... und die schwangeren Minderjährigen? Auch keine wesentlichen Botschaften ausser Farra, und die Traficantes... wie ehrenwert sie doch letztendlich sind, aber dass die böse Welt es ja nicht zulässt... 10x 100x 1000x gehört... letztlich immer das Gleiche... und die ehrenwerten Arbeiter? "Deus é fiel" oder Bier und Kartenspiel... tut doch nicht so als ob Euch die Unterschicht das wirkliche Brasilien, das verborgene Brasilien zeigen würde... es kommen in der Regel letztendlich doch nur Banalitäten des täglichen Lebens zum Vorschein...

... und was mich an diesem "Unterschichtskult gepaart mit europäischen grenzenlosen Sozialvertändnis" so stört ist, dass dadurch die Welt so gerne in Gut und Schlecht, in Ausgebeutet und Macht, in Arm und Reich, in "wir hier unten und die da oben gespalten" wird... und man läuft gefahr seinen Blick für "die da oben" zu versperren, obwohl "die da oben" oft mindestens eine gleich legitime Botschaft zu vermitteln haben, und oft "die da oben" sogar eine echte Botschaft vermitteln können... Übrigens: nicht Jeder, dem es halbwegs gut geht, ist ein Ausbeuterschwein... letztendlich wird durch diesen Unterschichtskult doch auch nur polarisiert... ... tja, und deutsche Rucksacktouristen mit dem 'Apelo' das echte Leben in der Favela von Rio kennenzulernen... da stört mich dann doch irgendwas ... eine Pousada in einer einfachen Nachbarschaft? Vollkommen okay... aber immer diese "Favelagequatsche"... ich glaube das ist eher kontraproduktiv... (kontraproduktiv für die Besucher, dass die Pousada produktiv für die Nachbarschaft ist, kann ich mir schon eher vorstellen).
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Beitragvon Brummelbärchen » Mi 13. Sep 2006, 05:58

Takeo hat geschrieben:...es kommen in der Regel letztendlich doch nur Banalitäten des täglichen Lebens zum Vorschein...

Wahrscheinlich ist gerade das die brutale Wahrheit der Favelas (und nicht nur dort): Das Leben ist meistens fürchterlich banal.

BB
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Beitragvon Severino » Mi 13. Sep 2006, 09:02

supergringo hat geschrieben:
Brummelbärchen hat geschrieben:Das Leben ist meistens fürchterlich banal.
So ist es. Trotzdem endlich mal ein schlüssiger Beitrag von "Takeo von ...". Und seine Aussagen über Säufer, Schläger, Nutten, Arbeiter und Traficantes enthalten ja durchaus einen (sehr sehr) wahren Kern. Aber den muss man erst einmal kennen lernen (können)! Und wo, meint Ihr, kann man das am besten? -> Dentro da favela, né?!

Botschaften "von denen da oben" kenne ich keine oder die waren noch langweiliger. Die selben Floskeln kenne ich von hier (Deutschland).

PS: Bis auf einige Luxus-GPs fahren sie auch mit dem Bus. Alles eine Frage der Erziehung.

Ich denke, dass der Grund für Eure "Differenzen" in der Definition des Begriffes Favela liegt. Richtig ist sicherlich, was Takeo sagt, dass viele Europäer sich darunter was Falsches vorstellen. Sozialromantik pur.
Daher stimme ich ihm auch zu, dass zumindest ein fader Beigeschmack besteht die favelinhos wie Tiere im Zoo auszustellen. Hängt aber eben von der favela ab.
Sicherlich wird das bei den meisten Gästen auch nicht so wahrgenommen und auch die Bewohner haben sicher nicht das Gefühl "ausgestellt" zu sein.
Und da auch die favelinhos vom Tourismus profitieren können, ist im konkreten Fall ja nichts daran auszusetzen. Von den Brötchen über die Souvenirs usw. bis hin zu einem Kindergarten sind da Möglichkeiten für die favelinhos von der pousada zu profitieren.
Für mich ist eben zwischen einer favela und einer Hüttensiedlung ein gewaltiger Unterschied. Eine Favela, wo die "Häuser" vermietet werden ist eben gar kein richtiges "Armenviertel" mehr. Also, was ist für Euch eine Favela?
paz e amor
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Beitragvon Holger » Mi 13. Sep 2006, 11:07

eine Pousada in einer einfachen Nachbarschaft? Vollkommen okay... aber immer diese "Favelagequatsche"... ich glaube das ist eher kontraproduktiv...


Tja, nur steht unsere Pousada nun mal in einer Favela. Warum sollen wir dann von "einfacher Nachbarschaft" reden? Andreias Familie ist in dieser favela aufgewachsen, als es dort noch viel schlimmer zuging als jetzt. Es ist dort jetzt ruhig, trotzdem bleibt es eine Favela...und das kann man doch ruhig sagen, oder?

Trotzdem endlich mal ein schlüssiger Beitrag von "Takeo von ...".


Ja, fand ich auch... Es ist eben doch immer gut, die eigene Meinung auch ein bisschen hintergründiger zu erklären, statt nur draufloszuwettern ;)

Daher stimme ich ihm auch zu, dass zumindest ein fader Beigeschmack besteht die favelinhos wie Tiere im Zoo auszustellen. Hängt aber eben von der favela ab.
Sicherlich wird das bei den meisten Gästen auch nicht so wahrgenommen und auch die Bewohner haben sicher nicht das Gefühl "ausgestellt" zu sein.


Eben, bei uns wird niemand "ausgestellt", das ist ja gerade der Unterschied zu den "Favela-Touren", die auch ich überhaupt nicht gut finde, weil es dort eben wirklich nur ums Gegaffe geht.... Die Leute die gaffen wollen, buchen eben so eine Tour (und darüber könnte man wirklich streiten), wer mehr sehen und eben die Leute nicht "von oben herab" betrachten will, der kommt zu uns. Und wenn dann manche unserer Touristen drei oder vier Wochen bei uns bleiben (viele bleiben länger als zunächst geplant), dann bekommen sie tatsächlich ein gewisses Gefühl, wie man dort lebt. Und sie knüpfen Kontakte, die manchmal sogar langfristig Bestand haben.

Also, was ist für Euch eine Favela?


Ja, das ist es wohl wirklich, worauf es ankommt. Und vermutlich drehen sich darum auch die meisten Beiträge hier. Eine Favela ist NICHT nur eine Siedlung, die aus Holz und Zeltplanen bestehen muss, und aus der dann auf einmal, wenn die ersten Bewohner Ziegelsteine verwenden, eine "einfache Nachbarschaft" wird! So ähnlich wurde das doch hier schon angedeutet?

Gerade in der Stadt Rio de Janeiro sind eigentlich fast alle Häuser in allen Favelas aus roten Ziegelsteinen gebaut (bis vor kurzem gab es zumindest in unserer Favela auch noch einige Lehmhütten aus grauer Vorzeit, die aber leider nun abgerissen wurden). Trotzdem bleiben es Favelas.

Meine (ausbaufähige) Basisdefinition einer Favela, zumindest in Rio:

- Die Häuser sind nicht im Grundbuch eingetragen, können nicht wie andere verkauft werden (allerdings werden sie natürlich verkauft oder vermietet, aber entweder nur unter privat, oder über die Assosiacao dos Moradores).
- Die meisten neuen Häuser werden illegal gebaut, oder wurden zumindest früher einmal illegal errichtet, bevor sie (halb-) legalisiert wurden.
- Die Bewohner zahlen keine Grundsteuern und ähnliche Abgaben
- Strom wird meist illegal abgezweigt, Wasser ist ohnehin kostenlos (zumindest in unserem "Viertel")
- Müllabfuhr und ähnliches gibt es nicht, bzw. wird von den Bewohnern oder der Associacao in Eigenregie übernommen.
- Die Strassen bzw. Wege in den Favelas sind normalerweise in keinem Stadtplan erfasst, sie "existieren" somit offiziell gar nicht. Wenn man sich einen Stadtplan von Rio anschaut gibt es dort viele tolle grüne Flächen, die man für Parks halten könnte. Fast überall dort liegen aber Favelas (auch unsere Favela ist nirgendwo eingezeichnet, auf unseren Plänen müssen wir sie immer selbst einzeichnen ;))
- Wie also soll man von einer "einfachen Nachbarschaft" reden, wenn die bloße Existenz dieser Nachbarschaft auf diese Weise geleugnet wird?
- Drogen und Kriminalität gibt es überall, das ist gerade KEIN Unterscheidungsmerkmal für eine Favela ;)

Liebe Grüsse und allzeit "Herzlich Willkommen" in der Pousada Favelinha ;)

Holger
http://www.favelinha.com
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Beitragvon Holger » Mi 13. Sep 2006, 14:09

supergringo hat geschrieben:Naja. Im Norden oder in der Cidade de Deus und auch in der nach Angaben einiger Abenteurer angeblichen Kindergarten-Favela gibt es noch ziemlich viele üble Ecken. Aus Holz und Pappkarton zusammengebastelte Hundehütten, unbefestigt am Hang oder entlang stinkenden Rinnsälen (CDD). Ganz zu schweigen von den (z.T.) ärmlichen Behausungen in der Peripherie.

Die einzigen "vernünftigen" Karten habe ich übrigens hier gefunden:
http://www.rio.rj.gov.br/habitat/mapas.htm#

Und noch was:
Takeo hat geschrieben:... oder auch schonmal 'ne Nutte nach Hause gebracht (lassen wir das lieber...!) ...
Wieso lassen? Was war denn der Zweck dieses eigentlich vollkommen unnötigen Begleitservices? Liebe war es wohl kaum. Vielleicht etwa doch Neugier??? Deine "Besuchsmotive" sind doch durchaus vergleichbar mit anderen auf die Du mit Deinem (Mittel-?) Finger zeigst!

Danke supergringo, für den Link!

Wir sind ja auch drauf, Ziffer 40 in der Karte unter "Programma Bairrinho", welches anscheinend der Name für das Projekt FavelaBairro in den kleinen Favelas ist (siehe http://www.rio.rj.gov.br/habitat/bairrinho.htm)

Bei uns standen aber nur die Schilder von FavelaBairro, und viel bewirkt hat das Programm leider auch nicht.. (ausser einem viel zu kleinen Fussballplatz und einer Verbesserung der Abwasserkanäle). Eine "Creche" gibt es zum Beispiel immer noch nicht, obwohl für den Bau einer solchen schon vor Jahren das "Casarao", eines der schönen alten Lehmhäuser -angeblich noch aus Sklavenzeiten - zerstört wurde.
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Beitragvon Holger » Mi 13. Sep 2006, 14:45

supergringo hat geschrieben:Ja, es ist bis auf das strahlende Lachen (wenn sie nicht wieder mal sauer ist) von Andreia und dem wunderschönen Ausblick "eventtechnisch" ziemlich trist in der Pereira da Silva. Bis auf das Kiosk oben, in dem man manchmal nette Plauschs halten kann, wird nicht viel geboten. Die Kids hängen auch den ganzen Tag nur rum und wissen/haben nichts zu tun. Muss mal Euer Projekt genauer unter die Lupe nehmen ... vielleicht kann man auch ein Austauschprogramm RJ-BH entwickeln ... naja, nur so ne (ungelegte) Idee ...


Lieber supergringo,

na du scheinst ja Andreia und die Pereira ganz gut zu kennen ;)

Da du es schon ansprichst, werde ich auch mal aus diesem anscheinend ganz gut besuchten Thread auf unseren Thread zum ja gerade erst im Entstehen begriffenen Hilfsprojekt verlinken:

4277/casa-cultura-favela-hilfsprojekt-der-pousada-favelinha-rio/#39763

Liebe Grüsse

Holger
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Elendsviertel, oder elendige Diskussion darum?

Beitragvon kay66 » Sa 16. Sep 2006, 01:07

Bei Holgers Definition einer Favela fällt mir auf, dass es in dieser Nachbarschaft offenbar etwas sehr wertvolles gibt, nämlich das Gefühl, in einer Gemeinschaft zu leben, und diese auch zu organisieren und zu entwickeln.
Wenn ich mir im Vergleich dazu die Anonymität und Isolation der Bewohner eines norddeutschen Villenviertels anschaue, bin ich mir nicht ganz sicher, ob das landläufige Synonym "Elendsviertel" wie gelernt besser zur Favela, oder nicht doch besser zum Villenviertel passt ... :wink:

So oder so befindet sich Favelinha fraglos an einem ungewöhnlichen Ort, der bei Besuchern aus wirtschaftlich besser gestellten Umgebungen in jedem Fall nachhaltige Eindrücke hinterlassen kann. Eine wirklich gute Möglichkeit, ein kleines bisschen mehr von dem zu bekommen, was nach meiner Überzeugung das wichtigste Mitbringsel von jedem Ausflug in fremde Umgebungen ist: Respekt, Toleranz und Verständnis.
Lasst den einen oder anderen ruhig dabei "gaffen", denn letztlich zeigt das doch nur, dass es in der Favela trotz der angeblich "eventtechnischen Tristesse" reichlich Anregungen und Hirnfutter für die Besucher gibt.

Ich finde es großartig, dass mitten in Rio de Janeiro eine Kultur mit so bemerkenswert positiven Entwicklungen besteht. Vielleicht sollte Favelinha schon mal über ein Seminarangebot für Kommunalpolitiker nachdenken, die sich von der Associaçao dos Moradores zeigen lassen, wie sich das Zusammenleben mit hochgekrempelten Ärmeln auch ohne Amtsschimmel organisieren lässt!?!

Ich bin sehr gespannt auf die weiteren Entwicklungen in der Pereira da Silva, denn die gibt es dort ganz bestimmt. Mitte des 19. Jahrhunderts hätte sich wohl auch keiner der Anwohner der aus dem Film "Gangs aus New York" bekannten Slums der "Five Points" träumen lassen, dass dort 150 Jahre später das Nachtleben von Chinatown blüht, und im Courthouse Justiz gesprochen wird ...

Holger, macht weiter so mit Favelinha und den Aktivitäten in der Pereira. Jeder gute Gedanke ist immer der Beginn einer neuen Realität, also erwartet nur das Beste! :D

Schöne Grüsse,
Kay
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ich war da....

Beitragvon Benstress » Mo 25. Dez 2006, 16:52

Anbei noch einige subjektive Eindrücke und Fakten die man als Gast in der Pousada Pereira da Silva wissen sollte:

* Die Beschilderung, wie im Internet ausgeschrieben, zur Pousada lag vom 12.11.2006-04.12.2006 auf der Terasse...und ich kann mir vorstellen wo sie jetzt noch liegt. Also, viel Spaß beim suchen der Pousada :x

* Mann soll oder muß auf dem Hügel ein Visitenkarte der Pousada sichtbar tragen.

* Also, so harmonisch ist der Morro nicht. Die Leute beneiden die Andreia natürlich um Ihren Besitz und als Ausländer bist Du auf dem Hügel nicht willkommen, sondern wenn überhaupt geduldet. Die Duldung trifft leider auch auf die vom Gast bezahlte Unterkunft zu. Andreia hat sogar drei deutsche Mädels aus Ihrer Pousada geworfen. :evil: Und der Grund dafür ist so lächerlich!!!! Eines der Mädels beim Abendessen die Musik ohne zu fragen leiser gemacht. So dass man sich wenigsten am Tisch unterhalten / hören konnte. Daraufhin hat die Andreia ca. 1-2 Std. in der übelsten Gossensprache geflucht. Es wäre ihr Hügel und ihr zuhause. ( Ich werde nicht von weiteren ausrutschern berichten...aber das war der Hammer).

* Was mich am meisten gestört hat ist die Tatsache das es auf dem Hügel seit ca. 3 Monaten wieder eine Verkaufsstelle gibt die auch bewaffnet ist. Es wäre schön wenn man(n) ( Holger ) seine Gäste darauf hingewiesen hätte. Während meines Rio Urlaubs wurden die Verkäufer von den Bullen rausgeholt und waren nie wieder gesehen, doch innerhalb von eins - zwei Wochen waren neu traficantes zur Stelle die die Geschäfte weiterführen. Ganz ehrlich ich fühle mich unter den traficantes sicherer als an der Copa...was mich stört ist das verschweigen von Fakten nur des Geschäftes wegen!!!


* Essen kostet wieder der Angabe im Internet nicht 10 Real sondern 15. Da legt man lieber noch mal 5 Real drauf und geht fein ins Restaurant. dort sich dann auch die Getränke preiswerter als in der Pousada.

* Bier ist mit drei Real in der Pousada zu teuer. Ein Strandverkäufer will nur 2-2,50€ und der hat wirklich hart dafür gearbeitet. Kauft euch euer Bier z.B. Antartica (1,50 Real ) super gelado beim Kiosk der ca. 150 m. von der Pousada entfernt ist.

* Einen Wachdienst für die Nacht habe ich in den drei Wochen nicht gesehen.

* Wenn man sich, wie die meisten Touris, in der Zona Sul aufhält ist der Weg einfach mit ca. 30 Minuten zu kalkulieren und ca. 4 Real für eine einfache Fahrt. Z.B. mit dem Bus an den "Largo do Machado" ~1,80 Real und dann noch einmal ~2,30 Real für die Metro. Und als kleines Schmankerl gibt es auf dem Rückweg noch ein Fitnesstraining vom feinsten ---- Hügel ersteigen. Man sollte diese täglichen kosten nicht ausser acht lassen. Es geht natürlich auch mit dem Bonde dann dauert die Fahrt aber länger und man erspart sich bei der einfachen Strecke 1 Real.

* Mann sollte freilaufende Pitbulls mögen ( sein Name ist Yong ) und es gibt noch einen kleine stinkenden Mobs. Also, den Yong habe ich ins herz geschlossen :herz2: Und der Mobs stinkt einfach nur und bettelt beim Frühstücken.

* Internetanschluss war bis zu meiner Abreise am 4.12.2006 nicht verfügbar.

* Die Pousada ist wieder der Beschreibung im Internet nicht wirklich fertig! Da gibt es noch viel zu tun bis das Ding fertiggestellt ist.

* Reinigung des 6 Bettzimmmers in drei Wochen nur drei mal. Das ist einfach zu wenig für ein Mehrbettzimmer! Der Gemeinschafts-/ Frühstückraum wurde häufiger gereinigt.

* Was man der Andreia zu gute halten muß! Sie ist auf Ihre Art ein sozialer Mensch. Sie baut am unteren Eingang ein Haus welches als Sozialeeinrichtung fungieren soll.

* Der Ausblick von der Pousada ist in keiner Ausführung übertrieben er ist unschlagbar!!!!!

* Ein ganz angenehmer Hausgeist ist der Patrick ( Russen )! Er war stets Hilfsbereit und ich werde die vielen gemeinsamen Unternehmung nicht vergessen.

Macht ruhig einmal die Erfahrung bei der Andreia und hoffentlich erlebt Ihr die aus dem Gästebuch von http://www.favelinha.com und nicht die die ich kennengelernt habe.

Die ALTERNATIVE **** http://WWW.CHILLANDSURF.COM ****

* super freundliches Personal
* man kann mit dem Taxi bis vor die Türe fahren / Mototaxi ab Eingang 1,50 Real
* Geniale Lage 5 Minuten zu Fuß, wenn überhaupt, bis zum Strand Leme / Copacabana
* Ein richtiges Haus das vom Star-Architekten Oscar Niemeyer entworfen wurde ( er war Hauptverantwortlich für den Bau der Haupstadt Brasilia )
* Abendunterhaltung gemeinsames weggehen wird hier nicht als gebührenpflichtiger Ausflug angeboten, sondern das gehört einfach zum normalen Tagesablauf.
* Auf der linken Seite des Hügels, dort ist auch die Pousada, hat es wirklich keine Verkaufsstelle ( Stand 19.Dez. 2006 ). Auf der anderen Seite gibt es dafür eine mit allem was man so aus Hollywood kennt. Wer das nicht will geht einfach nicht auf die rechte Seite. In den zwei Wochen dort hat sich keiner vom CV auf die andere Seite bewegt.
* Und das beste ist der Preis! Ein Bett im Mehrbettzimmer liegt bei rund 20 Real pro Tag und das Frühstück ist fakultativ mit 5 Real. Und pro Bett im DZ sind wir bei 25 Real. Des weiteren, gibt es auch eine Rabattstaffelung von 10-20% je nach Aufenthaltsdauer. Bei der Favelinha hatte ich 10% bekommen und die für angefragte 5 Wochen. Und bitte vergesst nicht die Lage und die ersparten Bus und U-Bahn kosten!!!

Also, meine nächste Unterkunft steht jetzt schon fest!!! Und ich kann diese nur jedem ans Herz legen.

PS: Ich werde gleich lautenden Eintrag auch ins Gästebuch der Andreia einstellen. Natürlich ohne Werbung für die andere Pousada. Mal schauen ob der drinnen bleibt. Ist doch voll merkwürdig das es nur positive Einträge gibt, gäh?
Nichts ist so einfach das man es nicht falsch machen könnte!
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