Rucksackreisenden droht Express-Entführung

Allgemeine Fragen & Tipps über alles, was dem Gringo in Brasilien passieren kann

Rucksackreisenden droht Express-Entführung

Beitragvon Theo » Fr 21. Apr 2006, 16:06

Quelle: Der Spiegel

GEFAHR IN LATEINAMERIKA

Rucksackreisenden droht Express-Entführung

In Lateinamerika müssen Reisende zunehmend mit Gewaltdrohungen und "Express-Entführungen" rechnen. Die Kidnapper haben dabei die Bankkarte im Visier: Wo es krasse soziale Unterschiede gibt, stellt das Abhebelimit eine unvorstellbar hohe Geldsumme dar.

Hamburg/Berlin - Die Weltreise endete tödlich: Anfang April wurden in Bolivien die Leichen von Katharina Koller und Peter Rabitsch gefunden. Die beiden Österreicher waren in der Millionenstadt La Paz entführt worden. Die Kidnapper erpressten ihre Bankkarten samt Pin-Codes und räumten über Tage hinweg die Konten der Rucksackreisenden leer. Dann brachten sie das Pärchen um. Dieser Mord ist nach Angaben von Experten zwar ein Extremfall - aber das Vorgehen ist nicht unbekannt.

"Dass man sich einen schnappt und ihn zum Geldautomaten schleppt, ist in Lateinamerika nicht ungewöhnlich", sagt Detlef Nolte vom Institut für Iberoamerika-Kunde in Hamburg. Es gebe zwar keinen Grund zur Panik, und viele Urlauber kommen mit Kriminalität gar nicht in Berührung. Vor allem in Großstädten müssten Touristen sich jedoch vorsehen. Gefährlich seien zudem alle Orte, an denen es krasse soziale Unterschiede gibt. Dies gelte zum Beispiel für Brasilien, aber auch in Zentralamerika sei Vorsicht geboten.

Eltern fordern Senkung des Abhebelimits

Die Bankkarten sind dabei grundsätzlich ein Problem: Die Geldinstitute werben gerne damit, wie "besonders bequem" das Abheben auch im Ausland ist. Dieser Verlockung können aber auch viele Kriminelle nicht widerstehen - zumal die Summen für örtliche Verhältnisse oft unvorstellbar hoch sind. "Das tägliche Abhebelimit für Geldautomaten beträgt 450 US-Dollar (365 Euro) - ein halbes durchschnittliches Jahreseinkommen in Bolivien", kritisieren die Eltern der ermordeten Österreicher in einem Aufruf, in dem sie zum Schutz der Rucksacktouristen eine Senkung dieses Limits fordern.

Zwar bieten Geldkarten im Prinzip "eine relativ hohe Sicherheit", heißt es beim Bundesverband deutscher Banken (BdB) in Berlin. Am sichersten seien jedoch Reiseschecks. "Sie müssen vor dem Einlösen unterschrieben werden", erläutert BdB-Sprecher Oliver Wolfrum. Die Unterschrift müsse dabei unter Vorlage des Ausweises direkt vor dem Bankangestellten am Schalter geleistet werden. Zwar kosten die Traveller-Schecks Gebühren - diese könnten sich jedoch angesichts des Risikos auszahlen.

Eine weitere Gefahrenquelle sind nicht registrierte Taxis: Sie chauffieren Touristen bisweilen direkt zum Überfallort. Auch die beiden Österreicher wurden Opfer eines Taxi-Tricks, wie ihre Angehörigen unter http://www.katharinaandpeter.info im Internet berichten.

Die Masche geht den Angaben zufolge so: Während der Fahrt steigt ein weiterer Passagier zu, der zur Bande gehört. "Kurz darauf wird das Taxi von einem angeblichen Polizisten aufgehalten, der vorgibt, eine Drogenkontrolle durchzuführen." Meist würden dann beim "Scheintouristen" Drogen gefunden und die Opfer auf eine angebliche Polizeiwache mitgenommen. Dort würden sie gezwungen, die Bankkarten und die Pin-Codes herauszugeben.

Experte: Taxi im Hotel bestellen

Dieses Vorgehen ist kein Einzelfall: "Ähnliche Fälle sind auch aus anderen bolivianischen Großstädten bekannt geworden", heißt es in den Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes in Berlin. Auch in Venezuelas Hauptstadt Caracas häuften sich "Überfälle unter Beteiligung von Uniformträgern und Taxifahrern". Und in Mexiko-Stadt habe die Zahl der "Express-Entführungen" in letzter Zeit stark zugenommen, beobachtet das Ministerium.

"Man sollte sich das Taxi im Hotel bestellen", rät Nolte, der seit 25 Jahren regelmäßig nach Lateinamerika reist. Grundsätzlich sei es auch ratsam, sich mit dem Hotelpersonal über die Sicherheitslage zu unterhalten. "Die wissen meist, wo es gefährlich ist." Die Sicherheitslage wandle sich relativ rasch: "Vor einigen Jahren gab es viele Probleme mit falschen Taxis in Argentinien auf dem Weg zum Flughafen in Buenos Aires", erinnert sich der Experte. "Dann hat die Polizei die Bande ausgehoben, seitdem ist Ruhe."

Von Thomas Kärst, gms


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Beitragvon Severino » Fr 21. Apr 2006, 16:44

Oi gente
Das ist ja wieder Mal eine traurige Sache. Warum haben die sich nicht vorher informiert?
Das Kreditlimit bei den Bankkarten kann man in Absprache mit der Bank auch während der Urlaubszeit herabsetzen lassen. Ein Anruf genügt. Und Reisechecks bringt auch nichts, wenn man die in grossen Beträgen auf der Bank abholt und das dem Monatslohn eines Schalterbeamten entspricht. Ganz schnell hat der per Handy einen Kollegen angerufen.
Das einzige was hilft: Sich wie die Einheimischen verhalten und sich deren Möglichkeiten anpassen. Wo es nicht viel zu holen gibt, da wird auch nicht überfallen. Ausserdem wer läuft schon mit ner Tausendernote über die Reeperbahn? Das wäre ja genauso dumm wie 365 Euro pro Tag. Das ist weit über dem Monatslohn vieler Brasilianer, Kolumbianer usw.
Schade, dass diese "Dummheit" zwei Menschenleben gekostet hat. Wann begreifen die Leute endlich, dass für Leute die nichts zu verlieren haben ein Menschenleben auch nichts Wert ist?
paz e amor
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Gefärlich ist es auch hier

Beitragvon angradosreis » Sa 22. Apr 2006, 08:47

Das ist wirklich tragisch. Eine Sicherheit gibt es nirgendwo. Als ich zum ersten Mal nach Rio flog, warnten mich viele Leute. Jeder kannte jemanden, der jemanden kennt, der beraubt wurde. Passiert ist mir damals nix.

Und hier?

In Brandenburg kann es einem passieren, dass man halbtot geprügelt wird, nur weil man nicht deutsch aussieht.

Die Welt zu Gast bei Freunden, sag ich nur dazu.

Liebe ausländische Gäste, passt auf, wo ihr Euch hinbegebt. Bleibt lieber in Euren Hotels und unternehmt nur geführte Touren. Verlasst die Gruppe nicht. Versucht keinesfalls das Land und die Leute auf eigene Faust zu erkunden.
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Beitragvon Comandante H » Sa 22. Apr 2006, 14:11

Das ist ja wieder Mal eine traurige Sache. Warum haben die sich nicht vorher informiert?
Das Kreditlimit bei den Bankkarten kann man in Absprache mit der Bank auch während der Urlaubszeit herabsetzen lassen...


Und das tut man am besten erst im Ankunftsland in Anwesenheit seines Entführers über Lautsprechfunktion, nach dem Motto, ich hab doch noch einen letzten Wunsch?, damit der Entführer dann auch hört dass er jetzt statt RS$ 400 am Tag nur noch RS$100 am Tag über die nächsten Wochen bekommen kann. Das schreckt Ihn dann bestimmt so fürchterlich, dass er dich sofort nach Hause (oder eben auch auf den Friedhof) schickt.
Und Traveller Checks? Hab´s natürlich nie selbst getan, aber man kann die Dinger auch als Verlust melden, die neuen abholen und die alten zu einem durchaus attraktiven Kurs an geeigneter Stelle zeitnah weiterverkaufen. Will sagen, wer die Hände hebt und sagt, ich nix EC-Karte oder Visa, nur Traveller Checks, der ist auch nicht besser dran. Dann geht´s ggf. nur schneller, nämlich nach Hause oder zum Friedhof.

Es hilft alles nichts, solange man etwas besitzt oder lebt, ist beides gefährdet. Wobei ich aber mal eines ganz deutlich sagen möchte: die Vorfälle mit Schaden an Leib und Leben gibt es natürlich, aber bei aller Aufmerksamkeit die der vorliegende Fall verdienen mag, ist das bei weitem nicht die Tagesordnung und vor allem nicht auf Touristen oder Ausländer beschränkt. Ein wohlhabender Brasilianer ist nicht weniger gefährdet als ein Tourist. Der Unterschied: der Brasilianer weiss, wo er hingehen kann und wie er sich dort zu geben hat. Trotzdem erwischt es ihn immer mal wieder dann und wann.

Der Tourist geht hin wo er will und gibt sich wie er gesehen werden will. Schliesst aus anerzogener Multi-Kulti-Toleranz und aus sozialem Engagement morgens mit Strassenkindern Freundschaft, zahlt mittags einer übernächtigten und frustrierten GP ein Essen im für lokale Verhältnisse teuren Restaurant und fährt abends mit dem Taxi in einen Vorortschuppen um mit Bekannten des armen, aber sympatischen Besoffenen von gestern Nacht in dessen Barrio ein Bier zu trinken. Er fühlt sich gut, akzeptiert und bestätigt und ist am nächsten Tag ausgeraubt und als Idealist blossgestellt. Dabei hat er es doch nur gut gemeint mit den armen Strassenkindern, der traurigen Nutte und dem Alkoholiker und dessen Freunden.

Wer länger wo auch immer bleiben will, sollte sich dort nackt ausziehen, sich vor Ort nach lokaler Mode neu einkleiden und versuchen, sich den lokalen Verhältnissen so gut wie möglich anzupassen. Vor allem aber: die Sprache sprechen. Hat auch den absolut unbezahlbaren Vorteil, dass man echte Menschen in ihrem wirklichen Umfeld kennenlernen kann. Wer sich natürlich wie ein Expeditions-Corps mit, wenn auch legerer, aber doch teurer funktionaler High-Tech-Faser einkleidet, einen € 200 Marken-Rucksack trägt, und jedem die Hand schüttelt, der ihn mit pststststst.. zu sich ruft oder ihn amigo nennt...

Der sollte besser erst mal 2 Wochen all-inclusive mit gelegentlichen Ausflügen in die nähere Umgebung buchen, oder eben damit rechnen dass der 6-Monate-grosse-Freiheit-und-viel-soziales-Engagement-und Mitgefühl-mit-den-Armen-dabei-Urlaub nach 2 Wochen durch die weniger engagierten und sozial eher familien- denn multi-kulti-orientierten Armen beendet wird.

Damit will ich den beiden Österreichern nicht unterstellen, dass sie zu dieser Spezies Touristen gehört haben oder implizieren, sie seien selbst schuld an ihrem tragischen Schicksal.
Der Horizont mancher Menschen ist ein Kreis mit dem Radius null, und das nennen sie dann ihren Standpunkt. (Albert Einstein)
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Beitragvon Bequimao » Di 25. Apr 2006, 16:21

Ich erinnere mich an einen Mörder, der von ca. 2 Jahren in Minas und Umgebung 21 Taxifahrer umgebracht hat, darunter auch den jüngeren Bruder meines Fahrers. Die Opfer waren alles illegale Taxistas, viele Familienväter und ehrliche Menschen. Wenn man so einem mörderischen Psychopaten über den Weg läuft, helfen keine Verhaltensregeln und keine Sprachkenntnisse.
Ich verstehe den Schmerz der Angehörigen.
Eine Beschränkung des Limits ist wohl gefährlich, da man dann allein aus Wut über die entgangene Beute umgebracht werden könnte. Bei allen Ratschlägen läßt es sich oft nicht vermeiden, mit Maestro-Card oder größeren Geldbeträgen unterwegs zu sein. Ich selbst habe auch schon das Limit gebraucht, oder sonst hätten wir z.B. außerplanmäßig in Guanambí, BA, übernachten müssen, nur weil der Automat nicht genug Geld ausspuckt und der nächste 150 km weit weg ist. Gerade ohne Geld gehen Touristen größte Risiken ein. Oder was ist, wenn man zum Arzt oder ins Krankenhaus muß, und die Kosten vorschießen muß?
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