S&P droht Brasilien mit Abstufung auf Ramsch-Status

Alles über Brasilien aus der internationalen Presse (Beiträge bitte max. anreissen, unbedingt die Quelle verlinken sowie ein eigenes kurzes Statement abgeben).

S&P droht Brasilien mit Abstufung auf Ramsch-Status

Beitragvon Brazil53 » Mi 29. Jul 2015, 13:29

Wenn sich die Lage in Brasilien im nächsten Jahr nicht ändern, dann droht Brasilien eine weitere Abstufung auf Ramsch-Status.

Meine Meinung:
Nicht nur die Korruptionsskandale belasten die Wirtschaft des Landes, sondern auch die Blockade von Reformen durch den Noch-Regierungspartner PMDB und dem Präsidenten der Abgeordnetenkammer Cunha. Da wird mit allen Mitteln gekämpft um 2018 den Präsidenten stellen zu können. Dabei geht den machbesessenen Politikern ihr Land völlig am Hintern vorbei.
Die Sparziele für dieses und nächstes Jahr sind von der Regierung auch wieder kassiert worden.
So wird nicht in diesem Jahr die Talsohle erreicht werden sondern erst 1016/17.

S&P bestätigte zwar die aktuelle Bewertung "BBB-", senkte den Ausblick aber auf negativ. Damit droht eine Herabstufung im kommenden Jahr. Dann wären höhere Zinsen für Regierung und Unternehmen wahrscheinlich, wenn sie sich Geld von Investoren leihen wollen. Auch würde weniger Geld ins Land fließen, weil viele Investoren keine Ramsch-Papiere kaufen dürfen.


http://de.reuters.com/article/economicsNews/idDEKCN0Q30DE20150729
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Re: S&P droht Brasilien mit Abstufung auf Ramsch-Status

Beitragvon Itacare » Mi 29. Jul 2015, 14:35

Als ob wir es nicht vorhergesagt hätten. Nur der Zeitpunkt war unklar.
Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.
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Re: S&P droht Brasilien mit Abstufung auf Ramsch-Status

Beitragvon amazonasklaus » Mi 29. Jul 2015, 17:20

Eigenartigerweise sieht man die Lage in Brasilien, zumindest in den regierenden Parteien, deutlich positiver. Gut, ein paar kleine Anpassungen muss man jetzt machen, aber eigentlich läuft doch alles prima, und wenn die "internationale Krise" vorbei ist, dann kommt das Wachstum automatisch zurück, so ist die generelle Botschaft. Nur: Wenn einem Abgeordneten andauernd dieses Bild vermittelt wird, aus welchen Gründen sollte er dann für schmerzhafte Reformen und Einsparungen stimmen, die der Finanzminister einbringt? Für einen eventuellen Downgrade hat Dilma auch schon ein geeignetes Vorgehen parat: Die Leute der Rating Agentur als gemeine Gringos, die von der wahren Situation keine Ahnung haben, beschimpfen. Problem gelöst.

Neben einem Kompetenzproblem haben wir in der Dilma-Amtsperiode auch ein Kommunikationsproblem. Die Zeit bis zur nächsten Wahl kann man weitgehend abhaken. Da wird wohl nur weiter herumgewurstelt werden, wenngleich nicht mehr auf so niedrigem Niveau wie zu Zeiten von Mantega.

Der neueste Dilma-Brüller ist übrigens die Aussage, dass die Operation Lava Jato für viele Probleme verantwortlich ist. Jeder, mit dem ich geredet habe, findet eher, dass Lava Jato nur die Probleme aufdeckt und ein wichtiger Teil der Lösung ist. Aber klar, wer in einer korrupten Partei Verantwortung trägt, hat naturgemäß eine andere Perspektive.
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Re: S&P droht Brasilien mit Abstufung auf Ramsch-Status

Beitragvon Brazil53 » Do 30. Jul 2015, 09:38

Kann mir jemand erklären welchen Sinn die Erhöhung des Leitzinssatzes um weitere 0,50% auf jetzt 14,25% macht.
Die zu schnell wachsende Wirtschaft muss ja wohl nicht gebremst werden. Soll der Konsum noch weiter zurückgehen?
Möchte man den angeschlagenen Produktionssektor die Investitionen noch mehr verteuern?
Will man das Land mit aller Gewalt in die Vergangenheit zurück-beamen?
Möchte man noch mehr Arbeiter aus einem Beschäftigungsverhältnis drängen, um auch die Menschen im Süden an den Wohltaten der Bolsa Familia teilnehmen zu lassen?
Oder möchte man nur verhindern, dass es 2016 wieder zu Wirtschaftswachstum kommt?

Lest mal die Meinungen im dem Artikel

taxa-juros-em-junho-14-25.jpg


http://g1.globo.com/economia/noticia/2015/07/bc-sobe-juro-para-1425-ao-ano-veja-repercussao.html
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Re: S&P droht Brasilien mit Abstufung auf Ramsch-Status

Beitragvon GatoBahia » Do 30. Jul 2015, 10:35

Brazil53 hat geschrieben:Kann mir jemand erklären welchen Sinn die Erhöhung des Leitzinssatzes um weitere 0,50% auf jetzt 14,25% macht.
Die zu schnell wachsende Wirtschaft muss ja wohl nicht gebremst werden. Soll der Konsum noch weiter zurückgehen?
Möchte man den angeschlagenen Produktionssektor die Investitionen noch mehr verteuern?
Will man das Land mit aller Gewalt in die Vergangenheit zurück-beamen?
Möchte man noch mehr Arbeiter aus einem Beschäftigungsverhältnis drängen, um auch die Menschen im Süden an den Wohltaten der Bolsa Familia teilnehmen zu lassen?
Oder möchte man nur verhindern, dass es 2016 wieder zu Wirtschaftswachstum kommt?

Lest mal die Meinungen im dem Artikel

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http://g1.globo.com/economia/noticia/2015/07/bc-sobe-juro-para-1425-ao-ano-veja-repercussao.html


Das klassische Mittel gegen Inflation! Und die galoppiert hier grade #-o

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Re: S&P droht Brasilien mit Abstufung auf Ramsch-Status

Beitragvon Brazil53 » Do 30. Jul 2015, 10:54

Inflation bekämpfen heißt aber auch immer das Wachstum im Auge behalten. Und das wird in Brasilien gerade bekämpft. Darum hat man es auch in den USA nicht gewagt die Zinsen etwas anzuheben, weil das Wirtschaftswachstum noch nicht stabil genug ist.
Bei Leitzinssätzen von 14% hat man die Möglichkeit der Einflussnahme auf die Inflation bereits verspielt.
Dann wollen wir mal hoffen, dass die Binnenkonjunktur keine großen Einbrüche erleidet, denn der Rohstoffsektor wird sich nicht so schnell erholen.

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Re: S&P droht Brasilien mit Abstufung auf Ramsch-Status

Beitragvon amazonasklaus » Do 30. Jul 2015, 11:08

Wenn man jahrelang eine dämliche Politik verfolgt, wie zum Beispiel bei einem offiziellen Inflationsziel von 4,5% und einer tatsächlichen Inflationsrate von 6,5% ständig zu predigen, "die Inflation sei unter Kontrolle" und gleichzeitig den Konsum (staatlich und privat) weiter anheizt, dann verspielt man das Vertrauen der Investoren und häuft einen Berg von Problemen auf. Das Gemeine ist, und das haben die Sozialisten nie begriffen, dass die angehäuften Probleme eines Tages gelöst werden müssen - und je später, desto schmerzhafter die Therapie.
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Re: S&P droht Brasilien mit Abstufung auf Ramsch-Status

Beitragvon GatoBahia » Do 30. Jul 2015, 11:59

Brazil53 hat geschrieben:Inflation bekämpfen heißt aber auch immer das Wachstum im Auge behalten. Und das wird in Brasilien gerade bekämpft. Darum hat man es auch in den USA nicht gewagt die Zinsen etwas anzuheben, weil das Wirtschaftswachstum noch nicht stabil genug ist.
Bei Leitzinssätzen von 14% hat man die Möglichkeit der Einflussnahme auf die Inflation bereits verspielt.
Dann wollen wir mal hoffen, dass die Binnenkonjunktur keine großen Einbrüche erleidet, denn der Rohstoffsektor wird sich nicht so schnell erholen.

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Was ich als Gringo im Vergleich zu Februar bemerkt hab sind die Preise in Gaststätten und für Transport. Die große Politik interessiert mich aber eh nicht mehr, ob nun Euro mit null Zins oder Real mit 14,5 % hat mit dem Einkommen von Leuten und Unternehmen nichts mehr zu tun. Die zahlen am Ende nur wieder mal die Zeche. Ich seh zu das ich mit dem !&@*$#! an der Wand bleibe wenn jemand mal wieder ein Stück Seife fallen lässt [-X

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Re: S&P droht Brasilien mit Abstufung auf Ramsch-Status

Beitragvon Brazil53 » Do 30. Jul 2015, 12:23

amazonasklaus hat geschrieben:und gleichzeitig den Konsum (staatlich und privat) weiter anheizt, dann verspielt man das Vertrauen der Investoren und häuft einen Berg von Problemen auf.


Die Lösung von diesem Berg an Problemen würde ja bedeuten, dass man jetzt die Preiserhöhungen, welche auch durch die Leitzinsen beeinflusst wurden, dazu genutzt wird, um das Konsumverhalten drastisch zurück zu fahren.
Das hätte aber zur Folge, dass Insolvenzen und Arbeitslosigkeit weiter steigen und das Wirtschaftswachstum in eine Rezession abgleiten könnte.

Sollte man 2016 oder 2017 die Inflation tatsächlich zwischen 4% und 6% gedrückt haben, wird man angesichts der Wahlen 2018 auch die Wirtschaft wieder auf Wachstum gebracht haben müssen.
Wie wird man den Konsum dann wieder steigern??? Oder hinterlässt man einer konservativen Folgeregierung verbrannte Erde?

Ich hoffe dass ich völlig falsch liege und alles gut geht.

Die Inflation jetzt schnell gedrückt wird durch die Zinsmaßnahmen und die Wirtschaft im nächsten Jahr zumindest eine kleine Steigerung vorweisen kann. Das der Staat seine Finanzen in den Griff bekommt.
Zumal ja auch die Infrastrukturmaßnahmen viel günstiger erstellt werden können, wenn die Ausschreibungen nicht mehr zu Lasten des Staates manipuliert werden.

Das die Weltwirtschaft und besonders China genügend Wachstum hat um die Rohstoffpreise wieder steigen zu lassen.
Das es viel Regen gibt, damit die Energiepreise wieder fallen.

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Re: S&P droht Brasilien mit Abstufung auf Ramsch-Status

Beitragvon amazonasklaus » Do 30. Jul 2015, 13:23

Brazil53 hat geschrieben:Die Lösung von diesem Berg an Problemen würde ja bedeuten, dass man jetzt die Preiserhöhungen, welche auch durch die Leitzinsen beeinflusst wurden, dazu genutzt wird, um das Konsumverhalten drastisch zurück zu fahren.
Das hätte aber zur Folge, dass Insolvenzen und Arbeitslosigkeit weiter steigen und das Wirtschaftswachstum in eine Rezession abgleiten könnte.

Die Rezession ist bei einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 1% längst da. Ja, so ist das eben, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Dann kann man nicht mehr zuschauen, sondern muss eingreifen, auch wenn man sich dabei Hautabschürfungen holt.

Am besten wäre es gewesen, wenn man die zahlreichen Warnungen in der Vergangenheit beachtet und einfach vernünftig gewirtschaftet hätte. Aber man muss akzeptieren, dass die Leute demokratisch gewählt wurden und nichts wesentlich anders gemacht haben als versprochen wurde.
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