Sao Jaoa in Itacaré

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Sao Jaoa in Itacaré

Beitragvon Neto » So 24. Jun 2007, 19:12

es wird so viel hick-hack über Brasilien geschrieben,
ich versuche mal, ein bisschen von ´meinem´ Brasilien
rüberzubringen, bzw. Sao Joao
Einsam und verlassen sitze ich an der Rezeption, ich habe Zeit und Lust dazu.

Die Feuerchen stehen schon seit Tagen zum abfackeln an allen Ecken bereit.
Das Städtchen ist hübsch geschmückt, mit tausenden bunten Fähnchen über den Strassen.
Die Supermärkte wurden gut besucht, Likör
und Billigschnaps standen und stehen auf der Favoritenliste.

Gestern abend ging´s los, vorsichtshalber zu Fuss, denn an jeder Ecke bekommt man einen Likör
in die Hand gedrückt und ich bin auch nur aus Fleisch und Blut.
Die bunten Kostüme der Mädchen, Caipira, sind ähnlich wie in Oberbayern die Dirndl, jedoch viel farbiger.
Die Buben im Anzug, Krawatte, angemalter Bart, Hut, teilweise grimmiger Blick.

Aufstellung, Musik, Be de Serra ( Forro ), und los geht´s, links das Bein, rechts das Bein, Drehung, Armumschlingung usw.
Bei den Zuschauern, viele aus dem Landesinneren mit den Jahresersparnissen angereist, bleibt kein Glied ruhig, sie wippen mit.
Lediglich bei den Männern bleibt eine Hand ruhig, das mit dem Likörbecher.
Nach der Kindergruppe kommt die Jugendgruppe.
Die Mädchen geschminkt mit roten Pünktchen auf den Backen,
die Jungs wie bei den Kid´s mit angemaltem Bart, Hut tiief iin der Stirn,
Mann ist Mann.
Ein Bild für Götter, Freude pur unter allen Anwesenden und das waren nicht wenige.
Der Tanz beginnt, dieselbe Quadrila, der Takt stimmt, die Armumschlingung ist schon etwas ausgeprägter.
Der Alltag ist restlos und endgültig vergessen, der Likör hilft mit.
Das Volk wippt noch eifriger mit als bei den Kid´s.
Dann kommt die Erwachsenengruppe.
Perfekte Kostüme, bunt und kunterbunt, feinste schwarze Anzüge und Hüte.
Musik und zack, jeder Schritt passt, ein nicht verzerrtes Lächeln in den Gesichtern der Tänzer und den traumhaften Lippen der Tänzerinnen.
Der Likörbecher bleibt nicht leer, wie beim Bier, irgendwer schenkt immer nach.
Die Forroband scheint mehr zu tanzen als die Tänzer.
Ähnlich wie bei Olodum, hält der Akkordeonspieler ( Safona ) sein Instrument über den Kopf, dreht sich, drückt auf die Tasten und hüpft wie Rumpelstilzchen im Kreis, sagenhaft.
Der Trianglspieler macht den Eindruck, in einer anderen Welt verschwunden zu sein.Der Takt passt, und wie.
Der Dritte im Bunde, der Schepperlmusikant ( Zabumba ) vergewaltigt
förmlich das gespannte Fell.
Man könnte meinen, das Handgelenk würde aufgeben, so wackelt er mit
der Zabumba und die 2. Hand bzw. deren Finger klopfen zum Takt, gekonnt mit Gefühl, obwohl ich den Eindruck hatte, er würde es entjungfern wollen.

Ich hatte mich dem Triangler angeschlossen und verschwand in einer anderen Welt, das ist Leben, das ist feiern, das ist ein Fest, für´s ganze Städtchen und ich Glücklicher mittendrinn.
Ich glaube, selbst die Babys im Kinderwagen zappelten mit,
geschweige denn, deren Uromas, teilweise den Likör fest in der Hand.
Es zog sich gut in die Länge, aber alles hat mal ein Ende.

Dann kommt das Volk zum Tanz.
Da Elefanten im Tanz schwerfällig sind, verschwinde ich bei diesem Abschnitt in die hinteren Ränge.
Mir ist es immmer wieder ein Rätsel, wie die Pärchen zusammenkleben und jeder Schritt passt.
Links rechts, vor zurück, drehen alles lächelnd.
Jeder Wirbel ist in Bewegung, 99,7% der Glieder, die Fussohlen berühren nur kurzfristigst den Boden.

Aufgrund der tänzerischen und musikalischen Ausdauer konnte ich nicht bis zum Schluss bleiben.
Beeindruckt ging ich nach hause und sah Feuerchen, die einen Stadtbrand vermuten liessen

Ich kam soeben vom Einkaufen, u.a. Likör.
Die Leute sitzen am Strassenrand im Schatten, grillen und trinken, na was wohl???
Ich konnte erfolgreich Angebote ablehnen, denn heute Abend, mit Erlaub
von Frauchen, will ich mich wieder der Quadrila widmen.

Neto
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Beitragvon dietmar » So 24. Jun 2007, 20:27

Hallo Neto,

dass hört sich ja toll an. Bei uns ist leider in dieser Beziehung tote Hose. Kein Fähnchen, kein Wimpel, kein Getanze, keine Musik.

Da beneide ich dich schon ein bisschen ....

Liebe Grüsse aus Paraná,
Dietmar
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Beitragvon amarelina » So 24. Jun 2007, 21:38

ist das dieser schaurige genipapo-licore?
wäre gern dabei gewesen, an Itacarè hab ich ganz besondere erinnerungen...

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Beitragvon mikelo » So 24. Jun 2007, 22:21

brasilblog hat geschrieben:Hallo Neto,

dass hört sich ja toll an. Bei uns ist leider in dieser Beziehung tote Hose. Kein Fähnchen, kein Wimpel, kein Getanze, keine Musik.

Da beneide ich dich schon ein bisschen ....

Liebe Grüsse aus Paraná,
Dietmar


bei uns ist gestern das gleiche abgegangen; einfach wunderschoen.
hatte heute morgen um 04.oouhr etwas muehe, die haustuere aufzuschliessen. :twisted:
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Nur für Bewohner des Kantons Zürich/auch auf dumpfe Trolle anwendbar
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Beitragvon Neto » Di 26. Jun 2007, 17:00

und an diesem Wochenende geht´s nochmal los, Sao Pedro.
Die Strasse am Kai ist schon gesperrt, es wird gefegt und geschmückt.
Eine Liveband kommt, feiern ist angesagt, ich denke, ohne Likör.

Brasilblog, komm rum, oder wecke deine Stadt auf,
wir sind hier nicht zum Spass, es gibt genug zu tun o--o
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Beitragvon dietmar » Di 26. Jun 2007, 18:11

sorry, aber diese Woche darf ich kein Kunde sein .... ich muss was für die Kundschaft tun *heul*
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Beitragvon jensonline » Di 26. Jun 2007, 18:34

...
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Beitragvon Neto » Mi 27. Jun 2007, 12:13

@ Jens,

guten Flug und ich hoffe, dass du den Flieger nicht zum wackeln bringst,
nach dem Takt von Olodum.

Die Knallerei hatte ich gar nicht erwähnt.
Die kommerziellen Knaller sind verträglich, aber die mittlerweile streng verbotenen, selbsgebastelten Sprengkörper lassen die Erde erzittern.
Scheinbar von der Ex RAF Truppe ausgebildete Bombenbastler lassen Dinger zerplatzen, die bei richtiger Platzierung jedem Gebäude den garaus machen würden.
Geschweige denn, man steht in der Nähe.

Scheinbar ist nichts schlimmes geschehen, das Städtchen wurde nicht abgefackelt, obwohl ich den Anschein hatte, die Explosionen
blieben opferfrei, am Freitag geht´s auf ein Neues, Sao Pedro :band:
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Beitragvon Neto » Sa 30. Jun 2007, 17:26

die gestrige Nacht war nicht den Erwartungen entsprechend.
Um 23 Uhr machte mich mit meiner Frau auf die Socken.
Die Strasse am Kai, bildhübsch geschmückt, Riesenpodest, es fehlte lediglich die Liveband.
Scheinbar hat der Bürgermeister mal wieder Geld kassiert und das Volk vergessen.
Der süsse Duft war aufdringlich, ähnlich wie in Arembepe, der Schnaps floss zügiger als Bier.
Das Gedränge war enorm, aber ich war da und weg, das ist mir zu heiss.

Mal sehen, ob heute die Liveband kommt.
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Beitragvon Neto » Mo 2. Jul 2007, 17:44

die Liveband war da, gestern.
Zuerst zwischerte aus den 3 Meter hohen Boxen calcinha preta, aus der Büchse.
Um 23 Uhr kamen die Herren der Nacht, Fantasmao.
Es flogen immer wieder leere Bierbüchsen über den zugezogenen Vorhang, als ich die Gruppe sah, hatte ich verstanden.

In weissen Kutten zappelten sie sich einen ab, wie Gurus, ein Schauspiel, ich war begeistert, eine andere Welt.
Nachts, der Dunkelheit trotzend, benutzten die Artisten natürlich Sonnenbrillen, in der Grösse von Taucherbrillen.
Der Schlagzeuger war der Hit.Stehenden Fusses trommelte er auf die Felle und Bleche, alles im Takt, wippend, lächelnd, weggetreten, die Haare nach oben, wie frisch von der Starkstromdose.
Dann war da noch ein Tänzer, direkt an der Front auf der Bühne, ebenfalls in Guruklamotten.
Das Getänzle liess eine dringenden Stuhlgang mit Vertopfung vermuten, aber das war es nicht.
Er hüpfte, schwebte, verschwand in seiner Welt.
Gewisse Genussmittel dürften diesem Zustand helfen, ohne Unterstellung.
Der Sänger, mit der grössten Taucherbrille, die Gläser pechschwarz,
forderte das Volk auf, sich vom Boden zu erheben ( levanta do chao )
Er vergewaltigte quasi das Mikrofon, meine Bierbüchse, mitten im Gedränge zitterte, vibrierte.

Mitternachts verliess ich das Geschehen, meine Kleine überwältigte der Schlaf.
Frauchen kam gegen 4 Uhr morgens, sie singt heute noch die Lieder der
Taucherbrillenträger.

Um 16 Uhr beginnt der Ausklang, ich bin dabei.
Es lebe das Leben, es lebe die Liebe, es leben die Kinder, es lebe die Leber, es lebe die Wurzel.
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