Schule in Brasilien: privat oder staatlich

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Re: Schule in Brasilien: privat oder staatlich

Beitragvon BrasilJaneiro » Do 26. Mär 2009, 13:24

Lemi hat geschrieben:
Unser Maurer verdient 40 R$ am Tag, sein Helfer will 20 R$, der Gärtner auch nur 30 R$. Alles sind handwerkliche Berufe. Ein Schmelzer am Ofen bekommt ca. 1000 R$/Monat, arbeitet in 4 Schichten. Ich wünsche das niemanden, habs selber schon monatelang gemacht. Mechaniker oder Fliessbandarbeiter bei VW in SP dürften auch nicht viel mehr verdienen.



Mein Maurer hier um die Ecke baut eben mal sein viertes Haus. Natuerlich nicht zu vergleichen mit deutscher DIN-Norm. Aber dann hat er drei zu vermieten zu je 500 R$ und alle Haeuser sind bezahlt. Wenn der noch 10 Jahre so weiter macht, dann hat er 15 Haeuser und hat als Rentner mehr Geld in der Tasche, als jemand, der 50 Jahre in die deutsche Rentenkasse Hoechstbeitraege geleistet hat.
Nicht wissen, aber Wissen vortäuschen, ist eine Untugend. Wissen, aber sich dem Unwissenden gegenüber ebenbürtig verhalten, ist Weisheit.
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Re: Schule in Brasilien: privat oder staatlich

Beitragvon Tuxaua » Do 26. Mär 2009, 13:31

rwschuster hat geschrieben:mit 12 habe ich schon geschuftet in der Firma meines Onkels. Heute wend ich das Rezept auf alle meine Kinder an.
Also ich möchte nicht, dass meine Kinder mit 12 schon "schuften".
Ganz ehrlich, ich habe gelegentlich Zweifel, ob meine Ausgaben für die Privatschule des Großen gerechtfertigt sind. Er ist in der Schule nicht unbedingt der Klassenbeste und ich habe den Eindruck, das er mehr mitgeschleift als ausgebildet wird. Eine "Ehrenrunde" hat er schon hinter sich. Ich habe darüber mal mit meiner Mutter gesprochen (komme aus einer Lehrerfamilie, Mutter, leiblicher und Stiefvater - alles Lehrer - ein Graus für alle Kinder) und sie meinte, dass es heute auch in Deutschland immer schwieriger wird, engagierte Lehrkräfte zu finden. Ganz klar, das da Deutschland auf hohem Niveau jammert.
Andererseits will ich den Kids auch für die Zukunft alle Wege offenhalten und eine (wenn nicht die) Voraussetzung ist die Bildung. Was die Kinder später damit mal anfangen sei ihnen weitgehend überlassen, wobei ich zugeben muss, dass ich gerne auch ein wenig stolz sein möchte. Und der Straßenkehrer mit Diplom kann nicht das Ziel sein.
Das Thema wird sich bei mir in 2 Jahren erneut stellen, wenn die Kurze mit der Alfa anfängt. Bis dahin halte ich es mit Lemi und spreche nur und ganz konsequent (auch wenns manchmal schwerfällt) deutsch mit ihr und dem Großen.
Klappt bei der Kleinen schon ganz gut:
Ich: "Räum mal deine Sachen auf"
Sie: "Não papaaaiii, não quero"
Ah ja, alles klar.

Was Brasilien meines Erachtens verstärkt ausbilden muss ist die "Mittelschicht", z.B. auf vergleichbarer Ebene des Facharbeiters oder Meisters. Auch Lehrberufe mit anschließender weiterer Qualifizierung (in Deutschland wohl "der 2. Bildungsweg" genannt) machen Sinn.
Wie schaut es denn heute in den Fabriken aus? Es werden Leute eingestellt, die für die zu besetzende Stelle die Grundvoraussetzungen mitbringen. Dann erfolgt eine innerbetriebliche Weiterbildung/Spezialisierung und der entsprechende Erfahrungsaufbau. Bis dahin ist ja noch alles ok.
Nur kommt dann irgendwann mal der Zeitpunkt, wo der Mitarbeiter sein Wissen und Können auch versilbert haben möchte, eine absolut berechtigte Forderung. Wenn die Firma dann nicht auf die Vorstellungen eingeht sucht sich der Kollege einfach einen neuen Job (im Moment schwierig) und lässt sich die Ausbildung unserer Firma dort bezahlen.
Wenn wir so einen Spezialisten irgendwo abwerben löhnen wir natürlich auch und die Einkommensschere klafft weiter auseinander.
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Re: Schule in Brasilien: privat oder staatlich

Beitragvon Itacare » Do 26. Mär 2009, 15:18

Was, mit 12 erst, RWS? Als ich 8 war, ging es in der Erntezeit zusammen mit meinen Geschwistern nach der Schule ab zum Bauern.

Nicht für Geld, die Familie bekam dafür Milch, Butter, einige Zentner Kartoffeln und eine Sau, die für den Winter eingesurt wurde, Gefrierschränke gab es ja noch nicht.

Geschadet hat es mir auch nicht, im Blaumann fühle ich mich heute genauso wohl wie in Nadelstreifen. Verschafft mir übrigens unheimlichen Respekt bei den gewerblichen Mitarbeitern.
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Re: Schule in Brasilien: privat oder staatlich

Beitragvon rwschuster » Do 26. Mär 2009, 16:11

Itacare hat geschrieben:Was, mit 12 erst, RWS? Als ich 8 war, ging es in der Erntezeit zusammen mit meinen Geschwistern nach der Schule ab zum Bauern.

Nicht für Geld, die Familie bekam dafür Milch, Butter, einige Zentner Kartoffeln und eine Sau, die für den Winter eingesurt wurde, Gefrierschränke gab es ja noch nicht.

Geschadet hat es mir auch nicht, im Blaumann fühle ich mich heute genauso wohl wie in Nadelstreifen. Verschafft mir übrigens unheimlichen Respekt bei den gewerblichen Mitarbeitern.

Yepp hab ich ja ganz vergessen, jetzt kommt mir Fast da Heulen, als ich 8 war gings nach Waidhofen an der Thaya im Waldviertel in den Ferien und Hand an die Harke und den Traktor.
Ich vergesse nie das Mittagessen. Weisswein mit Zucker und Wasser, luftgetrocknetes hauchdünn geschnitten, 6 kg Schwarzbrot, Landbutter und wenns hochging einen Käse. Mensch jetzt heul ich wirklich
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Re: Schule in Brasilien: privat oder staatlich

Beitragvon Teckpac » Fr 27. Mär 2009, 05:50

Bin zwar etwas jünger als die Kollegen welche hier vorher gepostet haben, aber in meiner Familie gab es relativ viel Grundbesitz und ein bisschen Viehhaltung. Kann mich gut dran erinnern, dass wir (meinereiner und die restlichen 11 Cousins und Cousinen) zur Zwetschgen - o. Erdbeerernte immer voll dabei waren. Mir hat's sogar Spass gemacht mit Opa seinen kleinen Kartoffelacker, seine Stangenbohnen, Zwiebeln und Karotten abzuernten. Am Wochenende mit Opa in den Kuhstall ausmisten oder mal ein Huhn schlachten hat mir sicherlich nix geschadet! Gott hab Ihn selig diesen feinen Menschen!!!! Ich befürworte Kindern die Arbeit schon früh beizubringen, halt alles in Rahmen damit der Spass daran erhalten bleibt! Malochen müssen sie früh genug! Kind sein und das auch geniessen können finde ich sehr wichtig!! In früheren Zeiten mag es ja notwendig gewesen sein mit 9 o.11 Jahren schon zu malochen, Gott sei Dank ist dies in unserer Gesellschaft nicht mehr unbedingt notwendig! Aber andere Länder andere Sitten und Zustände! Verantwortung zu lernen und zu tragen hat sicherlich noch niemandem geschadet, deshalb gefällt mir Robert's Einstellung wie er seine Zwerge erzieht recht gut!!
Und zum Handwerk kann ich nur sagen, dass ein guter Handwerker der was drauf hat und auch noch ein bisschen Grips besitzt wohl nie ohne Arbeit sein sollte. Wer natürlich NUR das Nötigste tut oder sein Leben lang in einer Firma schuftet und nach Feierabend dem Pingarausch verfällt kann's auch mit Handwerk zu nichts bringen!!! Z.Bsp: Der eine Maurer zieht am WE seine Rente in Form von Häusern auf, der Andere hängt in der Bar und schert sich einen Dreck um seine Zukunft!

Sind wir jetzt wieder im Off-Topic angekommen???? Das geht soooo schnell!! :wink:
Ich hätte lieber Alzheimer als Parkinsson...lieber ein paar Biere vergessen zu bezahlen, als sie zu verschütten! Salmei, Dalmei, Adomei....
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Re: Schule in Brasilien: privat oder staatlich

Beitragvon rwschuster » Fr 27. Mär 2009, 14:07

Teckpac hat geschrieben:Sind wir jetzt wieder im Off-Topic angekommen???? Das geht soooo schnell!! :wink:

Im Gegenteil. jetzt kommen wir erst hin. Die Schule in Brasilien ist ja nur ein Teil der Ausbildung eines Kindes. sagen wir mal 20%
Die restlichen 80 % macht : das Elternhaus, die Umwelt, die Gesellschaft, die Regierungsform der Region. ...
Lemi: mach mal eine regression de vidas. Was weisst du heute noch was du in der Schule gelernt hast und was davon nützt dir?
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Re: Schule in Brasilien: privat oder staatlich

Beitragvon rwschuster » Fr 27. Mär 2009, 14:26

BrasilJaneiro hat geschrieben:Mein Maurer hier um die Ecke baut eben mal sein viertes Haus. Natuerlich nicht zu vergleichen mit deutscher DIN-Norm. Aber dann hat er drei zu vermieten zu je 500 R$ und alle Haeuser sind bezahlt. Wenn der noch 10 Jahre so weiter macht, dann hat er 15 Haeuser und hat als Rentner mehr Geld in der Tasche, als jemand, der 50 Jahre in die deutsche Rentenkasse Hoechstbeitraege geleistet hat.

ALLE NEUNE Du hast soeben erklärt wie sich ein Arbeiter bis vor genau Hundert Jahren seine Rente sicherte. Die Hausherrenrente. UND DIE WAR SICHER
Beim heutigen System ist nur eines sicher: Heute, Morgen Übermorgen, aber es ist schon absehbar dass die Seifenblase platzt, (wenn sie nicht schon geplatzt ist.)
Und wenn da jetzt jemand kommt und sagt dass er sich um seinen Ruhestand keine Sorgen macht : :muahaha: :bprust: :bprust: :bprust:
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Re: Schule in Brasilien: privat oder staatlich

Beitragvon Tuxaua » Fr 27. Mär 2009, 14:52

Zur Rente hat Robert einen neuen Thread eröffnet, bitte darin weiter über das Thema diskutieren!
bras-hausherrenrente-vers-deut-generationenvertrag-t12253.html
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Re: Schule in Brasilien: privat oder staatlich

Beitragvon Lemi » Fr 27. Mär 2009, 17:43

rwschuster hat geschrieben:Lemi: mach mal eine regression de vidas. Was weisst du heute noch was du in der Schule gelernt hast und was davon nützt dir?


Ja ich weiss noch alles (ausser russisch). Ich wende es auch tagtäglich an:

- Allgemeinwissen, wenn ich meinen Kindern bei den Hausaufgaben helfe oder sie kontrolliere.
- Mathe: im Supermark beim Bezahlen
- Chemie: auf Arbeit
- Physik: auf Arbeit
- Deutsch: in diversen Internetforen oder beim Bücher schreiben
- Englisch: in Telefonkonferenzen (die ich nicht mag, aber zum Job gehören)
- Geschichte: um nach und nach zu entdecken, dass die Geschichte nur erlogen ist
- Musik: da habe ich leider nichts gelernt, sondern mich nur blamiert
- Biologie: im Bett und im Garten

Viele Dinge habe ich vergessen, z.B. Integral, Differential- und Vektorrechnung, Fotosyntese und wer den 30-jährigen Krieg gewonnen hat.

Insgesamt denke ich, die Schule wichtig ist und vor allem auch schön war. Noch wichtiger ist die Armee. Da wird aus einem pflegeligen Jugendlichen ein brauchbarer Mann. Zumindest zu meinen Zeiten war das noch so ...

Die Ausbildung an der Uni war im Prinzip nutzlos. Das Grundstudium ist extrem schwierig und dient nur zur Aussiebung der Spreu. Inhaltlich kann man später kaum was gebrauchen. Man kann nur sagen: "ich habs geschafft". Wichtig ist beim Studium vor allem, dass man lernt eigenständig komplizierte Probleme zu analysieren und zu lösen. Dieser Algorithmus wird einem bei Literaturarbeit, Studienarbeit, diversen Praktika und Diplom beigebracht. Wer das schnallt, hat gute Chancen im Beruf erfolgreich zu sein.
Man sieht sich,
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Re: Schule in Brasilien: privat oder staatlich

Beitragvon donesteban » Fr 27. Mär 2009, 23:25

Lemi hat geschrieben:...Noch wichtiger ist die Armee. Da wird aus einem pflegeligen Jugendlichen ein brauchbarer Mann. Zumindest zu meinen Zeiten war das noch so ...
...und es wird der Grundstein zum späteren Alkoholmissbrauch gelegt. #-o Sorry Lemi, Du hast ja einen an der Klatsche, oder war das nur ein Scherz?
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