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Statussymbol, Macho-Selbstbestätigung, Beweis sozialen Aufstiegs
Der schwarze Pelè machte Fußballkarriere und wurde fortan nur noch in Begleitung weißer blonder Frauen gesehen – die wichtigste Eroberung war die Sängerin Xuxa, bis heute ganz Südamerikas einziger, bestverdienender Superstar. Kicker Ronaldo zog es anfangs zum Top-Modell Suzana Werner, ebenfalls eine „Loira“. Der schwerreiche, trotz seines immensen Erfolgs bislang in Deutschland noch wenig bekannte schwarze Samba-Newcomer Alexandre Pires ist mit der wasserstoffblonden Band-Tänzerin Carla Perez zusammen – in Brasilien ähnlich famos wie einst Marylin Monroe in den USA. Man könnte die Liste mit bekannten, weniger bekannten Namen beliebig fortsetzen. Oberflächlich betrachtet, zeigt sie, daß die vierzehnte Wirtschaftsnation Brasilien tatsächlich, wie immer offiziell behauptet, eine Rassendemokratie ist. Schwarze Anthropologen, Sozialwissenschaftler und Anthropologen sehen es anders, scheuen sich nicht, unbequeme, „politisch unkorrekte“ Wahrheiten auszusprechen, das brisante Thema sogar in Schwarzen-Publikationen wie Raca Negra (Schwarze Rasse), Brasiliens „Ebony“, zu diskutieren. Gerne wird dabei der nordamerikanische Farbigen-Führer Eldridge Cleaver aus den Siebzigern zitiert:“Liebe zwischen einem schwarzen Mann und einer schwarzen Frau gibt es nicht. Ich zum Beispiel liebe die weißen Frauen, hasse die schwarzen. Immer, wenn ich eine schwarze Frau umarme, drücke ich damit auch die Sklaverei an mich – habe ich dagegen eine weiße im Arm, schmiege ich mich an die Freiheit. Solange ich keine weiße Frau im Bett habe, bin ich nicht frei...“ Zahlreiche schwarze Brasilianer stimmen mit Cleaver ganz oder teilweise überein, assoziieren mit der Schwarzen stets Rückschritt, Rückständigkeit. Ein schwarzer Manager reflektiert:“Träfe ich an der Hochschule eine Dunkelhäutige – würde ich die heiraten? Nein. Meine Frau hat keine höhere Bildung, ist klein, dick, hat einen Bauch. Aber sie ist weiß.“ Mit ihr sei kein intelligentes Gespräch möglich. Ein schwarzer Trainer nennt unumwunden weiße Frauen schöner, verführerischer, kultivierter als schwarze. Man kann es an der Copacabana oder im afrobrasilianischen Salvador da Bahia beobachten – schwarze Männer schauen wie verrückt hinter Blondinen her, ziehen diese selbst dann als Partnerinnen vor, wenn sie auf der sozialen Stufenleiter viel weiter untenstehen als schwarze Frauen des eigenen Umfelds. Eine Dunkelhäutige sagt bitter:“Mit einer weißen Freundin an der Seite läßt sich die Herkunft vergessen, verleugnen – die Weiße gibt Status. Ich war mit weißen und schwarzen Männern zusammen – unsere haben mich schlechter behandelt, der mittelalterliche Machismus ging mir auf die Nerven. Als ob der Schwarze seinen Frust an uns ausläßt, weder aus dem Slum, der ganzen schlimmen Peripherie jemals herauszukommen, bessere Jobs immer wieder wegen weißer Konkurrenten nicht zu kriegen.“
Gemäß dem UNO-Index über menschliche Entwicklung steht das Tropenland auf dem 72. Platz(Cuba weiter vorne auf dem 52.) – die Dunkelhäutigen rangieren laut UNO-Kriterien jedoch nur an 120. Stelle. Der Schwarze wird durchschnittlich schlechter bezahlt als d i e Weiße. Als möglicher Weg sozialen Aufstiegs gilt, sich ein „Wertobjekt“ des weißen Mannes, nämlich vorzugsweise eine Blondine zu erobern. Das sei ähnlich wie beim Kauf eines besseren Autos, meint der schwarze Historiker Joel Rufino dos Santos:“Die Weiße ist schöner als die Schwarze – und wer vorankommt, wechselt automatisch den Wagen.“ Seine Kollegin Maria Aparecida da Silva hält den Vergleich, obwohl eigentlich grauenhaft und inhuman, keineswegs für falsch:“In der machistischen Gesellschaft werden Frauen als Konsumobjekte gesehen – und solche Dinge geben dem Status und Macht, der sie besitzt.“
Eine Weiße zu besitzen, bestätigt zudem hervorragend Macho-Maskulinität, beeindruckt Freunde und Freundinnen.“Der muß unheimlich gut im Bett sein“, lauten dann übliche Kommentare. Nicht zu übersehen, daß auch der Begriff der „Rasse-Verbesserung“ immer wieder auftaucht. Schwarze Männer bringen aus der Kindheit oft einen tiefsitzenden Minderwertigkeitskomplex mit, wachsen mit verletzenden Erniedrigungen auf. Denke ein Schwarzer , so der Psychologe Sergio Ferreira da Silva, nach solchen Erfahrungen ans Heiraten, suche er eine Weiße als „Objekt zwecks Negation der eigenen Hautfarbe“. Und ist, wie es heißt, dabei kaum wählerisch. Die Weiße könne ruhig arm, häßlich, körperlich verschlissen sein, meint die Zeitschrift „Raca Negra“ und zitiert den Fall eines Schwarzen, der dazu noch hinnahm, von seiner weißen Frau geschlagen zu werden. Vor unzulässigen Verallgemeinerungen ist indessen zu warnen. Sueli Carneiro, Expertin des „Instituto da Mulher Negra“, weist auf jene politisch engagierten Schwarzen – ob männlich oder weiblich – deren weiße Partner weder Konsumobjekte noch Statussymbol sind, sondern Lebensgefährten, „die für die Möglichkeit des Zusammentreffens, der Solidarität und Liebe zwischen enthnisch und rassisch unterschiedlichen Gruppen stehen“.
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