15.06.2006
Die Sache erinnert stark an das Weltmeisterschafts-Finale 1998 in Frankreich: Brasiliens Ronaldo wurde wegen Schwindelgefühlen in der Nacht zum Donnerstag in einem Krankenhaus in Frankfurt/Main untersucht.
Allerdings stellten die Ärzte beim 29-Jährigen keine auffälligen Befunde fest. Ronaldo kann wieder am Training teilnehmen. Nach seinem verheerenden Auftritt beim 1:0-Sieg des Titelverteidigers gegen Kroatien war der Profi von Real Madrid wortlos aus dem Berliner Olympiastadion verschwunden.
Trainer Carlos Alberto Parreira hatte seiner Mannschaft nach der Rückkehr ins WM-Quartier im Taunus am Mittwoch freigegeben. "Ronaldo hat praktisch nicht existiert", urteilte die spanische Zeitung Marca über Ronaldo nach dem mühsamen Aufgalopp der favorisierten Brasilianer.
Der WM-Torschützenkönig von 2002 hatte sich wie ein tapsiger Tanzbär bewegt - wenn er sich bewegte. Nach 69 Minuten musste er seinem Clubkollegen Robinho Platz machen und wurde von den 72.000 Zuschauern gnadenlos ausgepfiffen. Doch Parreira kündigte an, dass Ronaldo im zweiten Gruppenspiel in München gegen Australien wieder auflaufen werde: "Er muss erst noch ins Turnier finden, seinen Rhythmus finden. Und das kann er am besten, wenn er spielt."
Der dreimalige "Weltfußballer des Jahres" hatte sich schon durch die Vorbereitung in Weggis/Schweiz und Königstein geschleppt: Konditions- und Gewichtsprobleme nach zweimonatiger Verletzungspause in Spanien, Blasen an den Füßen, leichtes Fieber und Schnupfen. "Il fenomeno" (Das Phänomen), wie Ronaldo einst in Italien getauft wurde, reagierte jedoch äußerst gereizt auf den Vorwurf, er schleppe zu viele Kilos mit sich herum. Als sogar Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva ("Ist er nun zu dick oder nicht?") sich danach erkundigte, kritisierte der Angreifer heftig die angebliche Meinungsmache der Medien.
Ronaldo hatte schon einmal mit mysteriösen gesundheitlichen Problemen für Aufregung gesorgt. Vor dem WM-Endspiel 1998 erlitt er einen Schwächeanfall, dessen Ursache nie geklärt wurde. In der Partie blieb der Angreifer dann blass und musste miterleben, wie die Franzosen sein Team mit 3:0 vom Platz fegten. Lange hieß es, Brasiliens amerikanischer Sponsor Nike habe seinen Einfluss geltend gemacht, sodass Ronaldo vor den Augen der Welt doch noch auflief. Der Fall Ronaldo beschäftigte später sogar das brasilianische Parlament.
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