selbstständig in brasilien?

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Re: selbstständig in brasilien?

Beitragvon BrasilJaneiro » Di 16. Okt 2007, 19:11

michimaus hat geschrieben:Hmod: verschoben ins auswanderungsforum


Hallo!
Mein Freund und ich überlegen, ob es irgendwie zu bewerkstelligen ist, nach brasilien einzuwandern und dort dann etwas aufziehen und davon zu leben?
Wir dachten daran, ein Grundstück mit Haus und gästehaus zu kaufen. Würden gerne für den Eigenbedarf Obst und Gemüse anpflanzen und eventuell auch ein paar Tiere halten. Kann man den dort Tiere zum schlachter bringen und schlachten lassen, so wie in D, oder muss man so etwas dann selber machen?
Die Frage die sich uns stellt ist, ob das mit dem vermieten so einfach ist, und mit welchen Kosten wir für Lebensunterhalt rechnen müssen, wenn wir ein Haus haben und eben auch obst und gemüse zum gröstenteil selbst anpflanzen?
Wir haben außerdem noch zwei kleine Kinder. Wie sieht es mit Schulen aus?
Was kostet eine gute Schule, eventuell deutschsprachig?
Was mus man für Hausangestellte an Kosten berechnen und ist die Kriminalität wirklich so drastisch hoch??
Außerdem würde ich gerne wissen, wieviel Zinsen man auf der Bank für angelegtes Geld bekommt.
Ich habe in einer immobilienanzeige etwas von 5% im Monat gelesen und das scheint mir doch sehr übertrieben.

Ich weiß, das sind viele Fragen, aber ich hoffe, Ihr könnt sie mir beantworten.



Hallo erst einmal!

Zuerst mal die Kosten, die ihr einrechnen müßt. Das sind Schule (Privat!), Steuer oder Miete fürs Haus (die Steuer berechnet sich nach den lfd. Metern zur Straße), Essen und Trinken, Auto, Versicherungen (wichtig Einbruch! und Krankenkasse) etc. etc.
Geht mal davon aus, daß ihr genauso viel Geld braucht, wie in Deutschland. Zwar sind die Lebenshaltungskosten niedriger aber aus Erfahrung kann ich euch sagen, daß Neulinge in den ersten Jahren immer mehr Geld ausgeben, als sie eigentlich geplant hatten. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Das ist auch eigentlich egal, weil eine Auswanderung auch eine Verbesserung bringen soll und man am Ende nicht von Mangos auf den Bäumen und Spinat auf den Boden leben will. Dafür müßt ihr vorher in Deutschland euch gründlich Gedanken machen, mit was ihr Geld verdienen möchtet. Aber bitte gute Geschäftsideen und nicht versuchen den Eskimos Kühlschränke zu verkaufen. Zusätzlich kann das alles nur funktionieren, wenn ihr vom brasilianischen Konsulat auch ordnungsgemäß alle Papiere erhalten habt. Auf gut Glück auf Nachwuchs setzen oder denken, daß in 5 Jahren alles anders aussieht, kann böse enden. Die brasilianischen Behörden kennen kein Pardon. Da wird auch nicht lang gefakelt, wenn etwas nicht stimmt. Es sei denn, ihr wollt illegal in Brasilien leben und bis zur nächsten Amnestie warten. Überlegt auch einmal, ob es nicht sinnvoller ist, lieber etwas zu mieten, um Investitionskapital zu behalten. Denkt auch daran, daß Salvador anders als Sao Paulo bzw. Rio ist und man da schon andere Geschäftsfelder angehen muß. Bevor ihr allerdings an eine Auswanderung denkt, müßt ihr euch mindestens portugiesisch unterhalten können. Sonst seid ihr jetzt schon verloren und ihr werdet nach 1-2 Jahren mit viel Reue und ohne Geld nach Deutschland zurückkehren. Ansonsten kann ich euch sagen, daß, wenn ihr eine vernünftige Geschäftsidee habt, Erfolg in jeden Fall haben werdet. In einem Land, in der die Bevölkerung stetig steigt, kann man nur Erfolg haben.

Viel Glück!
Nicht wissen, aber Wissen vortäuschen, ist eine Untugend. Wissen, aber sich dem Unwissenden gegenüber ebenbürtig verhalten, ist Weisheit.
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Re: selbstständig in brasilien?

Beitragvon Severino » Mi 17. Okt 2007, 08:13

BrasilJaneiro hat geschrieben:...weil eine Auswanderung auch eine Verbesserung bringen soll und man am Ende nicht von Mangos auf den Bäumen und Spinat auf den Boden leben will. ....

Damit hat es BrasilJaneiro auf den Punkt gebracht. Auch wenn eine Auswanderung nicht zwingend eine Verbesserung in materieller Hinsicht bedeuten muss, es bleibt die zentrale Frage: Unter welchen Bedingungen ist man bereit zu leben.
Das brasilianische Durchschnittseinkommen beträgt 1.100 R$ im Monat - pro Haushalt! Das sind dann meist mehrere Familienmitglieder, die das zusammentragen um davon die Miete für ein einfaches unverputztes Haus und die überlebenskosten decken zu können.
Bei zwei bis drei Kindern in einer Metropole mit guter Privatschule und anständiger Krankenversicherung gibt man schnell 3 bis 5.000 R$ im Monat aus. Aber das Geld auszugeben ist in Brasilien gar kein Problem. Es zu verdienen gestaltet sich da schon wesentlich schwieriger.
Würde ich z.B. unser Haus in Anápolis vermieten, bekäme ich dafür etwa 500 R$ im Monat. Unsere monatlichen Ausgaben belaufen sich aber auf etwa 1.500 R$. Das passt also nicht. Und in den Ausgaben ist kein grosser Luxus drin. Am Wochenende mal fischen gehen und auch Mal abends auswärts essen ist so ziemlich alles was unter "Luxus" läuft. Rein materiell gesehen ist das Leben in unserem Fall also definitiv keine Verbesserung. Da ist es in der Schweiz schon viel einfacher. Trotzdem werden wir diese Hin- und Hergeschichte sobald wie möglich beenden. Geld ist nicht alles im Leben. Das Leben in Brasilien ist also nicht besser oder schlechter. Es ist anders. Ganz anders.
paz e amor
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Re: selbstständig in brasilien?

Beitragvon michimaus » Mi 17. Okt 2007, 08:43

Also erstmal danke für die Antworten.
Und wieder ein paar Fragen:
Warum kann ich nicht auf Nachwuchs setzen? Wir wollen eh noch ein Kind und es ist doch so, dass wenn es in BR auf die Welt kommt, dass wir dann eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen, oder bin ich da etwa falsch informiert?
Dann zu den Kosten: Wir leben hier in D von 1500 Euro und davon gehen noch 700 allein für die Miete weg. Wir haben auch 2 Autos, da wir die beruflich brauchen und somit bleibt nicht viel.
5000Real sind aber deutlich mehr als 1500 Euro, das heißt wir bräuchten mehr als in Deutschland um schlechter zu leben???
Ja und wie meinst Du das, dass wir in Salvador eine ganz andere Idee brauchen als z.B. in Rio??
Und wer kann mir sagen, wieviel eine gute Schule kostet???

Wir wollen nicht auf Landwirtschaft gehen, sondern nur für den Eigenbedarf ein bisschen was Anpflanzen.
Verdienen wollen wir unser Geld mit Vermitung und mit Backwaren.
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Re: selbstständig in brasilien?

Beitragvon Severino » Mi 17. Okt 2007, 09:20

michimaus hat geschrieben:Warum kann ich nicht auf Nachwuchs setzen? Wir wollen eh noch ein Kind und es ist doch so, dass wenn es in BR auf die Welt kommt, dass wir dann eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen, oder bin ich da etwa falsch informiert?

Es ist richtig, dass ein Kind, das auf brasilianischem Boden geboren wird Brasilianer ist.
michimaus hat geschrieben:Dann zu den Kosten: Wir leben hier in D von 1500 Euro und davon gehen noch 700 allein für die Miete weg. Wir haben auch 2 Autos, da wir die beruflich brauchen und somit bleibt nicht viel.
5000 Real sind aber deutlich mehr als 1500 Euro, das heißt wir bräuchten mehr als in Deutschland um schlechter zu leben???

Das ist der falsche Ansatz. Du kannst nicht Euro in Real umrechnen. Du musst Real verdienen. Und das ist wesentlich schwieriger, als Euro zu verdienen. Bei uns im interior verdient ein Maurer etwa 40 R$ am Tag. Der Bäcker in unserer Nachbarschaft kommt auf schätzungsweise 1000 R$ im Monat.
michimaus hat geschrieben:Ja und wie meinst Du das, dass wir in Salvador eine ganz andere Idee brauchen als z.B. in Rio??

Brasilien ist grösser als ganz Europa. Zwischen Paris und Milano sind ebensolche Unterchiede, wie zwischen Salvador un Rio.
michimaus hat geschrieben:Und wer kann mir sagen, wieviel eine gute Schule kostet???

Für die mittelmässige Privatschule zahlt der leibliche Vater etwa 150 R$ im Monat. Eine "gute" Privatschule kostet etwa 1.500 R$ im Monat.
michimaus hat geschrieben:Wir wollen nicht auf Landwirtschaft gehen, sondern nur für den Eigenbedarf ein bisschen was Anpflanzen. Verdienen wollen wir unser Geld mit Vermitung und mit Backwaren.

Mit dieser Idee würdet ihr bei uns auf dem flachen Land also etwa 1.500 R$ im Monat verdienen. Das braucht ihr auch schon um zu Überleben. Eine teure Schule oder eine Krankenversicherung liegen da nicht mehr drin.
In Rio oder Salvador kämt ihr vielleicht auf 2.500, aber dort sind auch die Kosten höher.
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Re: selbstständig in brasilien?

Beitragvon Phaninho » Mi 17. Okt 2007, 13:32

michimaus hat geschrieben:Also erstmal danke für die Antworten.
Und wieder ein paar Fragen:
Warum kann ich nicht auf Nachwuchs setzen? Wir wollen eh noch ein Kind und es ist doch so, dass wenn es in BR auf die Welt kommt, dass wir dann eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen, oder bin ich da etwa falsch informiert?


Wenn Dein Kind in Brasilien geboren wird, hat es Anrecht auf die brasilianische Staatsbürgerschaft. Es kann dann mit 18 Jahren die Anträge stellen, Euch zwecks Familienzusammenführung eine temporäre Aufenthaltserlaubnis auszustellen. Wenn Ihr euch dann gut im Heimatland Eures Kindes benehmt, könnt Ihr nach ein paar Jahren eine ständige Aufenthaltserlaubnis beantragen. Und noch ein paar Jahre später die Staatsbürgerschaft.
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Re: selbstständig in brasilien?

Beitragvon michimaus » Mi 17. Okt 2007, 14:11

das heißt, wir müssten warten bis das kind 18 is? davor müssten wir raus aus Brasilien???
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Re: selbstständig in brasilien?

Beitragvon Phaninho » Mi 17. Okt 2007, 16:28

michimaus hat geschrieben:das heißt, wir müssten warten bis das kind 18 is? davor müssten wir raus aus Brasilien???


ja, Ihr müsstet warten, bis das Kind 18 ist. Nein, Ihr dürft Euch 180 Tage im Jahr als Touristen dort aufhalten. Da kann man innerhalb von 18 Jahren viel vorbereiten. :wink:
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Re: selbstständig in brasilien?

Beitragvon Totinho » Mi 17. Okt 2007, 16:54

Nur mal als Hausnummer:

Eltern + 2 Kinder:

Krankenversicherung: 400 Reais
Schule 2 Kinder: 250 (solange sie klein sind)
Schulbus, wenn Ihr nicht alle paar Stunden loslaufen wollt: 80 Reais
Telefon u. Internet: 160 Reais
Srom: 100 Reais
Wasser: 50 Reais
Gas: 20 Reais
Diverse Medikamente: 100 Reais

=Fixkosten minimum 1260 Reais
+ wohnen (Miete oder Eigentum, Nebenkosten)
+Kleidung
+Auto
+Lebensmittel
+Zahnarzt
+Schulbücher, Material, Ausflüge, usw.
+Freizeit: Strand, Essen gehen, Kino, Tanzen
+++++++

5000 im Monat sind da ganz schnell weg. Man sollte die Lebenshaltungskosten in Brasilien nicht unterschätzen, insbesondere wenn man von europäischen Ansprüchen ausgeht.
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Re: selbstständig in brasilien?

Beitragvon cwoern » Mi 17. Okt 2007, 21:00

Severino hat geschrieben:.... Eine gute ev. sogar deutsche Schule in Brasilien kostet schnell Mal 1.000 R$ pro Monat. Die öffentliche Schule ist absolut unbrauchbar. Nach 9 Jahren lernen die Kids dort nur lesen, schreiben und Taschenrechner bedienen.
Und bei drei Kindern mit den Schul- und ev. Studiumskosten sind 2.500 Euro nix....


Ob es in Salvador deutsche Schulen gibt, weiss ich nicht. Zum Schulgeld kommt dann aber noch der Schulbus, Ausfluege, 13. Schulgeld etc. dazu.
Ich zahle je Kind etwa 650 R$ Schule (fuer ein 3jaehriges und ein 1,5jaehiges Kind), plus rund 200 R$ Schulbus. Die 1000er Marke wird dann sicherlich erreicht sein, wenn die groessere 5 sein wird?! Kein billiges Unterfangen.

Gruss Christian
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Re: selbstständig in brasilien?

Beitragvon Lauros » Do 18. Okt 2007, 08:56

Soviel Ich weiss gibt es ein Goethe Institut in Salvador (evtl . mit Schule ?)
It's nice to be important, but it's more important to be nice!
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