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 Betreff des Beitrags: Seminararbeit: Soziales Sicherungssystem in Brasilien
BeitragVerfasst: 12 Apr 2007 06:50 
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Registriert: 12 Apr 2007 06:44
Beiträge: 3
Hallo ihr!

Ich darf eine Semiararbeit zu oben genannten Thema schreiben. Leider ist hierzu die vorhandene Literatur scheinbar etwas dünn.

Vielleicht hab ihr den ein oder anderen Hinweis, in Form einer Literaturangabe (also ihr habt zu Hause ein Buch rumfliegen, dass oben genanntes Thema behandelt).

Vielen Dank im vorraus!

MFG chris


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BeitragVerfasst: 12 Apr 2007 13:14 
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Du wirst wohl kein Buch finden dass Du mal eben zusammenfassen kannst; wirst wohl eigene Arbeit reinstecken müssen.

Da Du wahrscheinlich kein Portugiesisch kannst bist Du auf ausländische Websites und Zeitungsartikel angewiesen. Tipps für die Recherche:

    Websites von Aussenministerien (CH, DE) mit Infos für Auswanderer und Expats; häufig Länderspezifisch.
    Websites von Handelskammern
    Informationen für Investoren (auf English googlen)
    Googlen nach 'Brazil/Brasilien/Brasil' plus Begriffen: 'bolsa familia' (Fürsorge), 'fgts' (Arbeitslosenkasse), 'inss' (Alters- und Invalidenvorsorge). Ev. noch 'fome zero'.


hth,
BB



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BeitragVerfasst: 14 Apr 2007 06:22 
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Registriert: 12 Apr 2007 06:44
Beiträge: 3
Vielen Dank für deine Hilfe!

Lern ich halt noch portugiesisch macht ja nix :lol:

Ne mit nem Sprachtool und ein bißchen wahnsinn komm ich da schon druch.

Aber eine Frage noch: sind die bolsa familia, die fgts und inss die wichtigsten und einzigsten Elemente des morderen Sicherungssystem in Brasilien?

Bzw. Frage an allen: Habt ihr irgentwelche Erfahrungen mit dem Brasilánischen sozialen Sicherungssystem gemacht?

Würde mich sehr freuen, wenn hier jemand was dazu schreiben würde!


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BeitragVerfasst: 14 Apr 2007 14:19 
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Registriert: 24 Apr 2006 17:31
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INSS, FGTS und bolsa família sind m.W. die einzigen in ganz Brasilien vorhandenen Programme, die grundsätzlich allen Bürgern offenstehen. Es gibt dann auch noch lokale Hilfen oder auf Ebene der Bundesstaaten, aber das ist an jedem Ort anders - falls überhaupt vorhanden.

Neben den 3 grossen Programmen gibt es noch Tausende von individuellen Unterstützungsprogrammen für eine bestimmte bedürftige Klientel, zB für die Amazonas-Indianer oder hochverzinsliche Staatspapiere für die Bankiers. Aber da hat keiner so recht den Überblick.

hth,
BB

EDIT:
Nachtrag: das wichtigste soziale Sicherungssystem in Brasilien ist die Familie, da die staatlichen Programme nur das nackte Überleben sichern. Abgesehen von den Beamtenpensionen und den Pensionen für alte Leute auf dem Land (sehr tiefe Lebenshaltungskosten).



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 Betreff des Beitrags: ein weitflächiges Thema
BeitragVerfasst: 07 Mai 2007 01:21 
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Registriert: 07 Mai 2007 00:37
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Wohnort: Palmeira - Parana
Kann man Hier nicht mit ein paar Worten ab tun.

Jedenfalls ist das Sozialsystem Hier besser als in Deutschland. Der Staat kümmert sich. Durch meine Frau bin ich nicht nur gut informiert sondern stehe gewissermassen an der Front.

Und darüber gibt es auch kein Buch oder Bericht. Internet, kaum da so etwas nicht ins Internet gestellt wird. Viele Deutsche die Hier leben wissen wenig über das Systen. Wissen selbst nicht einmal das auch sie sich kostenlos impfen oder behandeln lassen können, sind sie mit einer brasilianischen Frau verheiratet.


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 Betreff des Beitrags: Es gibt
BeitragVerfasst: 07 Mai 2007 06:47 
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Registriert: 22 Aug 2006 14:59
Beiträge: 1162
Wohnort: Ceará
folgendes:

1. Arbeitlosengeld: hochstens R$ 710,xx und höchstens 5 Monate wenn man länger als 2 Jahre gearbeitet hat.

2. Man kann sich unter bestimmten umständen die FGTS (Fundo de Garantia do Tempo de Serviço) auszahlen lassen sind aber geringe Beträge und die niedrigsten Zinsen Brasiliens.

3. Bolsa Familia (bei Pro Kopf Einkommen unter R$ 120,00)

4. SUS (Sistema unica de Saúde) Jeder Brasilianer wird umsonst medizinich behandelt. Wer sichs leisten kann lässt sich privat behandeln oder hat eine private KV weil

a) sehr schlechte Qualität.
b) hohe Wartezeiten.

5. INSS (Rentenversicherung)
Der einzige Punkt der besser sein kann als in Deutschland. Man kann wenn man alles richtig gemacht hat bis zu 100% seiner letzten Bezüge bekommen, was in D, meines Wissens nicht möglich ist. Hat man 30 Jahre eingezahlt kann man in Rente gehen, auch wenn man erst 50 ist. Sonst mindestens 15 Jahre einzahlen und 65. Den Beamten wirdst hinten reingeschoben. Ausserdem werden Pensionen an Witwen und Kinder weiterbezahlt, bin mir nicht sicher ob immer, gewiss aber in vielen Fällen in voller Höhe.
Fest steht das das im privaten Bereich pro Kopf im Durschnitt R$ 500,00 ausbezahlt werden wohingegen der Durchschnitt im öffentlichen Sektor R$ 3.700,00 beträgt. Ein eklatanter Unterschied.

Folgener Link ist ein PDF File auf Port., kanst es ja mal versuchen:


http://www.esaf.fazenda.gov.br/cursos/IV-semana-AOFP-2007/oficina/Of47-Previdncia_no_Brasil.pdf

Hab hier einiges wiederholt und regionale Eigenheiten weggelassen.

Viel vergnügen oder wie man auf port. sagt: divirta-se

Der offizielle Link des Des Ministério da Previdência Social:

http://www.mpas.gov.br/pg_secundarias/beneficios.asp



Com as palavras todo cuidado é pouco, mudam de opinião como as pessoas. (J. Saramago)


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 Betreff des Beitrags: bruzundanga schrieb
BeitragVerfasst: 07 Mai 2007 13:07 
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Registriert: 07 Mai 2007 00:37
Beiträge: 43
Wohnort: Palmeira - Parana
3. Bolsa Familia (bei Pro Kopf Einkommen unter R$ 120,00)

4. SUS (Sistema unica de Saúde) Jeder Brasilianer wird umsonst medizinich behandelt. Wer sichs leisten kann lässt sich privat behandeln oder hat eine private KV weil

a) sehr schlechte Qualität.
b) hohe Wartezeiten.


zu Punkt 4

Nicht nur jeder Brasilianer! Sondern auch du oder ich der Hier lebt!

zu a+b sehr schlechte Qualität - wie in Deutschland! hohe Wartezeiten - minus als in Deutschland! Sollte sich Punkt a + b auf Saúde beziehen.
Oder du hast eben diese Erfahrung gemacht und beziehst es auf ganz Brasilien.
Ein total Informierter (Reisenanbieter im Schwarzwald und langjähriger Brasilienkenner) schrieb in seiner Seite das Ärzte und Hebammen mit Kräutertanten zusammenarbeiten - Riechfilm für Blinde - kommt aber in Deutsch sehr gut an.

kurzes Beispiel / Gegenüberstellung

Deutschland - der Betriebsarzt ist nicht aufzufinden, man sucht ihn und findet ihn in der Kneipe.
Brasilien - Krankenschwester welche die Saúde da Familia leitet lässt die Hilfskrankenschwester ihren Job mache (was verboten und strafbar ist)und tummelt sich am Meer oder bummelt in Curitiba herum.

Sozialarbeiter Service
Deutschland - mit der Stopuhr! Und, bevor man zum Pflegefall wird, wird gecheckt wieviel Service/Pflege dir zusteht - wenn und überhaupt.

Brasilien - der/die Sozialarbeiter stammen aus dem Stadtviertel wo sich jeder kennt. Geht von Haus zu Haus und sehen nicht nur nach alte oder pflegebedürftige Menschen. Bei Unregelmässigkeiten wird die leitende Krankenschwester benachrichtig, welche dann vor Ort geht und wenn nötig wird der Greise in ein Altenheim eingewiesen. (per herbeigezogenen Richter) oder Kleinkinder werden bei mangelnder Fürsorge den Eltern weggenommen und in ein Kinderheim gebracht.

Von dem System Hier kann sich Bastel-Deutschland eine Scheibe von abschneiden.
Soviel mal in Steno dazu!!

Zum Punkt - bei Pro Kopf Einkommen unter R$ 120,00
Das sind diejenigen, welche zu faul oder zu dumm zum arbeiten sind - welche ewig nur auf Zeit - Handlanger bleiben.
Beispiel Putz, verdient sich 20 Real am Tag - steuerfrei.
Handlanger der dir für 20 Real dein Gras mäht.
Beispiel dazu, halbes Kind, geht noch zur Schule, bekommt mit 13 ihr erstes Kind. Feierabend, nischt jelernt ausser öffnen der Beine.
Oder, ER zu faul oder zu dämlich weil nichts gelernt hockt zu Hause herum und seine Frau verdient sich als Putze. So sieht es aus!
Das minimum Einkommen liegt bei mtl. 360/380 Real - mit Arbeitsbuch für eine spätere Rente.


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 Betreff des Beitrags: Was solls
BeitragVerfasst: 07 Mai 2007 17:53 
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Registriert: 22 Aug 2006 14:59
Beiträge: 1162
Wohnort: Ceará
auch ich lebe hier in Br., genauer gesagt na terra dos pão duros e dos humoristas.

Klar ist meine Sicht von der prekären Situation im Nordosten Brasiliens beeinflusst.

Bei der Bolsa Familia funktioniert die Sache folgendermassen (hab mich etwas undeutlich ausgedrückt):

Nehmen wir eine Familie mit 3 Kindern. D.h. Mann (Familienvorstand, trad. Sicht), Frau und 3 Kinder. Jeztzt darf der Mann bis zu 600 Reais (= 5*120) offiziell verdienen um Anspruch auf die Bolsa Familie zu haben, die ihm dann 65 Reais (brasilienweiter Durschnittswert) im Monat als Zuschuss auszahlt.

Bei der SUS beziehe ich mich auf den schlechten Zustand der Krankenhäuser und deren miserable Ausrüstung mit Medikamenten und Geräten, sowie das Fehlen von Ärzten hier im Nordosten. Kann natürlich sein, dass die Sache im Südwesten anders aussieht. Aber von den mehr als 5000 Gemeinden Brasiliens ist die SUS in bestimmt (vorsichtig ausgedrückt) 3000 in schlechtem Zustand.

Zurück zum Thema:

Die Previdência Social hat insgesamt 10 Unterstützungsmöglichkeiten ( 10 Beneficios siehe offiziellen Link), dazu kommt die für die Armen bestimmte Bolsa Familie und wenn man so will die SUS. Der Rest ist regional oder ONG.



Com as palavras todo cuidado é pouco, mudam de opinião como as pessoas. (J. Saramago)


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 07 Mai 2007 18:20 
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Registriert: 08 Jul 2006 10:05
Beiträge: 1068
an INSS (ähnlich: fürsorgegeld) zu kommen ist sehr schwierig und verbunden mit einem grossen, fast unüberschaubaren papierkrieg. ausserdem muss der/diejenige eine feste adresse nachweisen können, was wiederum schwierig ist, wenn der/diejenige obdachlos ist. der/diejenige muss von einen arzt den nachweis erbringen, dass er/sie nicht arbeitsfähig ist. für das alles muss er/sie xmal in die stadt fahren was jedesmal 2 resp. 4rs kostet, hin- und rückfahrt. insgesamt kann man sagen: bis der/diejenige endlich ihr INSS bekommt ist er/sie verhungert.

amarelina



o problema não é tanto encontrar uma pessoa com quem apeteça dormir, mas sim encontrar uma pessoa com quem apeteça accordar.


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 Betreff des Beitrags: mich stört einiges an dem Systen von Saúde da Familia
BeitragVerfasst: 07 Mai 2007 20:18 
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Registriert: 07 Mai 2007 00:37
Beiträge: 43
Wohnort: Palmeira - Parana
Da ist wieder einmal kommunal Wahlen.
Dass der Supermarkt schnell mal ein paar Fresspakete an die Armen verteilt damit seine Partei gewinnt geht ja noch.
Gewinnt also XYZ wird so´n Heini auf den Big Boss Posten des "Sozialclub" gesetzt hat dazu Null Ahnung. Kassiert aber!! Ich erlebe es Hier in meinem Kaff.
Dann kommt einer, den Test der Stadt mit 55,5 Punkte bestanden auf ein Posten der ihn nicht qualifiziert. Big Boss dieser Saúde Stationen. Den Primaner kenne ich persönlich, sollte besser Rinder hüten gehen!

Meine Frau hat Hier anfangs eine Station übernommen als wir her zogen und erst einmal kräftig mit dem Besen gekehrt. Die "Leichen" Mitarbeiter wollten ihr anfangs über den Mund fahren. Hat sich sehr schnell geregelt. Heute jammert man weil sie gegangen ist und die Nachfolgerin Trash ist.
Sie bildet Heute Studenten und Sozialarbeiter für die Uni Ponta Grossa aus. Sie hatte sich Hier mit so´n Club Ärzte angelegt welche ihre ihre eigenen Gesetze schaffen wollten - finanzieller Profit. Alle sind in der Versenkung verschwunden seit meine Frau ihnen zeigte wo es lang geht.

Viele Brasilianer sind einfach naiv und unterentwickelt. Liegt an den Generationen der Familien. Zwei/drei Jahre Schule und ab aufs Feld. Mit dreizig verwelkt und eben ahnungslos. Eltern die ihre Tochter auf die Schnelle los werden wollen und froh sind wenn sie geht. Lebt dann mit ´nem dreizig Jahre Älteren zusammen - Wäsche waschen, Beine breit machen - Ende der Fahnenstange.

Meine Frau sagt mir immer, gehe nach den Nordosten da erlebst du was Armut ist. Naja, manchesmal reizt es mich schon, des Klimas wegen.
Anfangs habe ich ab und zu ´ne Hilfskraft ins Haus geholt. Kann man vergessen. Im Sand buddeln, Gras mähen geht gerade noch. Den Rest macht man besser selbst. Spucke und drei Nägel sind mit zu wenig.

Schlimm ist eben, diese städtische Testverfahren für irgend welche Anstellungen. Der Kandidat braucht 50 Punkte, bei wenig Bewerber hat er schnell eine Anstellung. Und so sichert man sich eben einen Jog, seine Rente. Selbst wenn man zu dämlich ist ´nen Eimer Wasser umzukippen.
Kein Wunder, hat man den "Leierkasten" von den "intelligenten" Portugiesen übernommen und ist zu bequem selbst was auf die Beine zu stellen. Das System wie gesagt ist sehr gut, es fehlen eben an qualifizierte Mitarbeiter auf den bestimmten wichtigen Posten. Zum andren hat man die Uni Jahre für eine Krankenschwester herab gesetzt, von fünf auf drei Jahre. Viele kommen frisch von der Uni ohne jede Erfahrung auf einen Stationsposten ohne jede praktische Erfahrung.

Aber wenn ich sehe wie lange man am Sozialsystem in Deutschland herumbastelt und dass der Patient zu nur als Zahlemann her halten muss.
Zu Schröderleins Zeiten wurde zweimal daran herumgemurkst.

Egal wo, die Politik sollte die Finger vom Sozialsystem lassen, überschlaue Nullen gibt´s auch in der Privatwirtschaft.


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