Sind alle Deutschen in Brasilien so?

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Re: Sind alle Deutschen in Brasilien so?

Beitragvon donesteban » Di 16. Sep 2008, 15:21

Ja, ich glaube es ist viel Neid dabei. Ich habe auch den Eindruck.

Ich glaube, es gibt noch einen anderen Faktor. Den "ich bin der beste" Faktor. Der Deutsche ist immer der Beste. Rechthaberei, Besserwisserei. Das sind deutsche Tugenden. Und die anderen müssen das begreifen, die müssen zustimmen.

Jeder ist anders und manche Neulinge haben in Brasilien schneller und besser Erfolg als manche langjährigen Residents. Manche blicken es und andere eben nicht. Solange ich alleine in Brasilien den Mythos des tollen Auswanderers aufrecht erhalten kann, ist meine Welt - wie beschissen auch immer - in Ordnung. Doch wehe es kommt jemand und sieht mal nach. Vielleicht wird er erfolgreicher? Dagegen muss man natürlich alles in den Kampf werfen, was man so hat. Und was hat man? Na eben nur die teilweise klischeehaften Vorurteile, dass alles so schwer ist und dass man nur als Übermensch in BRA was zustande bringen kann.

Ja, korrekt. Dieses mein Posting ist sehr, sehr tendenziös und oberflächlich.
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Re: Sind alle Deutschen in Brasilien so?

Beitragvon Schwobaseggl » Di 16. Sep 2008, 15:31

Neid und Missgunst sind unter Europäern hier grösser als unter Brasilianern.

Wenn sich jemand hier outet als "nicht arm" macht er sich viele "Freunde"

Aber Brasilien ist ein Land in den Startlöchern zum Industrieriesen.
Hier kann man noch mit relativ wenig relativ viel erreichen.
Dieses Posting darf jeder auslegen wie er denkt.
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Re: Sind alle Deutschen in Brasilien so?

Beitragvon Takeo » Di 16. Sep 2008, 16:57

donesteban hat geschrieben:Jeder ist anders und manche Neulinge haben in Brasilien schneller und besser Erfolg als manche langjährigen Residents. Manche blicken es und andere eben nicht. Solange ich alleine in Brasilien den Mythos des tollen Auswanderers aufrecht erhalten kann...


Wir sprechen hier ja nicht von Wettbewerb, sondern von einer art Lebensgegfühl, welcher ein langjähriger Resident gegenüber einem Neuling haben kann! Überhaupt: unter "Neulingen" scheint sowieso so eine art Wettbewerbsdenken zu herrschen wie: wer kennt Brasilien besser, oder "wer blickt es und wer nicht"... Auswanderermythos aufrechterhalten... Kann man sich denn nicht vorstellen, dass der Auswanderer-status, oder dass man in Brasilien lebt, einfach irgendwann KEINE ROLLE mehr spielt??? Vor diesem Hintergrund wirken manche Statements manchmal irgendwie lächerlich: so nach dem Motto: ich muss so brasilianisch wie möglich werden... Und man merkt es ja immer wieder: Neulinge reagieren immer sehr gereizt, wenn man nur andeutet, dass sie Brasilien vielleicht eben doch nicht so gut kennen wie sie es glauben - und schonmal garnicht, nur weil sie auf einen Plausch und ein cafézinho in die Favela gehen... (was viele dann ja für das 'Non-plus-Ultra' des Insiderwissens halten).

Obwohl ich zugeben muss, dass ich deshalb gerne hier im Forum diskutiere, weil es eine Möglichkeit ist (die Einzige!), Brasilien mal wieder "von aussen", also durch die Brille eines Neulings zu betrachten - und das ist halt nicht uninteressant.

Und was man dann eben auch erwähnen muss ist, dass es eben immer noch ein grosser Unterschied ist, wenn man im deutschen Sozialversicherungskomputer nichts weiter als eine leere "Errormeldung: please insert a Valid Name" ist, und auf das brasilianische System mit all seinen Stärken und Schwächen und ohne Netz, doppeltem Boden und Rückflugticket 180 Tage Polícia federal etc... angewiesen ist.

Nicht Neid und Missgunst - eher Skepsis ob den richtigen Vorstellungen -> das ist das Thema
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Re: Sind alle Deutschen in Brasilien so?

Beitragvon tinto » Di 16. Sep 2008, 17:08

Man kann die Auswanderer grob in fünf Kategorien einteilen:

1. Die Taugenichtse, Billig-Sextouris, Urlaubsrückkehrer, die, manchmal ohne in Europa viel auf die Kette bekommen zu haben, in Brasilien ihr Paradies, ihr Glück suchen. Sie zeichnen sich nicht selten dadurch aus, dass sie glauben, man bekäme in Brasilien alles einfacher und billiger, so als wär das ganze Leben Urlaub. Es zählt nur eins: ihr persönlicher Spass. Sie rechnen nicht mit brasilianischer Bürokratie, lassen sich anfangs recht leicht übers Ohr hauen, sind hin und hergerissen zwischen Prahlerei und Motzerei. Neid ist da ein Thema.

2. Die beruflichen Auswanderer. Die interessieren sich für wirtschaftliche Fragen und Zusammenhänge, neigen zu Positivismus und Pragmatismus. Sie verkehren eher unter ihresgleichen, sehen Brasilien mit ihren eigenen Augen. Dies ist meist geprägt von der beruflichen Stellung und bei Entsandten zumeist auch vom recht guten Einkommen, das nicht sellten bei 3000 € netto aufwärts anfängt. In der sozialen Frage sind sie oft gespalten und engagieren sich entweder stark oder aber auch gar nicht. Alle eint aber ein gewisser Ehrgeiz, es in Brasilien zu etwas zu bringen. Daher arrangieren sie sich mit Bürokratie und sehen sich im Erworbenen durch Kriminelle bedroht. Neidisch sind sie aber kaum.

3. Die Rentner, die beabsichtigen ihren Lebenabend im Paradies zu verbringen, sei es mit Brasilienbezug aus Familiären Gründen, sei es, um die bisher verpasste Freiheit endlich auszuleben. Sie haben nicht mehr viel Zeit zu leben, aber viel Zeit den ganzen Tag und stehen dementsprechend unter eine gewissen Erwartungshaltung. Sie glauben, sie hätten sich das alles jetzt verdient. Sie interessieren sich wenig für die politischen, wirtschaftlichen, sozialen Gegebenheiten und erleben Brasilien zwischen Verbitterung und Verklärung. Neid kommt vor. Manchmal lassen sie sich aber lieber und gern beneiden.

4. Die Verliebten, die ihrem Partner folgen, weil diese Brasilianerin oder Brasilianer es in Deutschland nicht aushält. Sie bemühen sich dann, aus der Situation das Beste zu machen. Sie geben viel auf und versuchen das in Brasilien zu kompensieren. Aber so verliebt wie sie sind, sind sie leidensfähig und nehmen die Situation in Brasilien als Gott gegegeben hin. Neid haben sie nicht.

5. Die Gutmenschen, die Sozialarbeiter, Helfer, ewigen Entwicklungshelfer, die die Situation der Menschen verbessern wollen, die Naturliebhaber. Sie glauben an das gute in den Menschen und geben lieber als sie nehmen. Sie verkennen vieles, vor allem wirtschaftliche Zusammenhänge und neigen dazu, harte Realitäten nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen. Dafür engagieren sie sich unermüdlich in gut gemeinten Projekten. Mitleid ist ihr Thema.
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Schöne Grüße,
tinto
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Re: Sind alle Deutschen in Brasilien so?

Beitragvon Schwobaseggl » Di 16. Sep 2008, 17:20

=D> =D> =D> =D> =D>

Ich zähle mich zu Punkt 2 obwohl ich doch schon einiges in Behindertenprojekte steckte.

Aber dies war eine Angelegenheit des Herzens um wenigstens einigen der Kindern eine Zukunft gewährleisten zu können, in der Sie sich aus eigener Kraft ernähren können und somit sich selbst einen anderen Stellenwert in der Gesellschaft geben.

Als "Gutmensch" sehe ich mich deswegen nicht. Es war nur etwas von meinem Ersparten das ich erübrigen konnte und wo ich sah wo und wie es verwertet wurde.
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Re: Sind alle Deutschen in Brasilien so?

Beitragvon dietmar » Di 16. Sep 2008, 18:08

Ich muss jetzt glaube ich mal etwas klarstellen. Ich begrüsse hier diese Diskussion und sie stört mich nicht im geringsten, also bitte weitermachen. Daher dieser kleine Einwurf.

Die Intention des Threaderöffners ist jedoch folgende: Er scheint verärgert zu sein, dass ich mehr oder minder den privaten Kontakt mit ihm abgebrochen habe. Er scheint nicht zu verstehen, dass es mehr im Leben gibt, als 40 Jahre zu schuften und dann nach Manaus zu ziehen. Es hat mich tatsächlich genervt, tagtäglich von ihm zu hören, wie toll das doch alles ist, dass er ein Haus in Manaus im besten Stadtteil hat und mächtig Knete auf dem Konto. Ich kanns auch wirklich nicht mehr hören, diese Selbstbeweihräucherung. Er interpretiert es nachweislich als Neid meinerseits. Womit er leider völlig falsch liegt. Ich gönne es ihm von Herzen, wenn es sich seinen Traum erfüllt. Was ich jedoch nicht akzeptiere, dass er mir gegenüber, hier im Forum und auch Dritten gegenüber meine Entscheidung, wie ich meine Leben führen möchte, abfällig bewertet. Von mir kommt übrigens auch die Zahl von 400 Euro, die ich heutzutage zum Leben habe (viele hier wissen ja, dass es vor 2 Jahren noch rund 500 R$ waren). Es sei ein "Armutszeugnis", auch, dass ich in einem relativ kleinen Haus lebe.

Dies nur so Nebenbei zur Info. Ich bin ihm keineswegs böse über die Threaderöffnung, hat sie mir doch eines gezeigt: Seit 7 Jahren lebe ich in Südamerika. Mit einem Haus im besten Stadtteil von Manaus und mächtig Knete auf dem Konto kann der Threaderöffner sich trotzdem niemals genau die 20 Jahre Brasilien erkaufen, die ich noch vor mir habe, bevor ich sein Alter erreiche. Und dann frage ich mich, wer eigentlich arm dran ist.

Soviel zum Thema Neid. Denn mit Sicherheit bin ich (und viele andere) nicht neidisch auf den Threaderöffner, sondern der Threaderöffner auf all diejenigen, die eben keine 40 Jahre in Deutschland geschuftet haben, um sich den restrisikolosen Traum vom Auswandern zu erfüllen. Sondern diesen Schritt gewagt haben mit allen Chancen und Risiken und ihr mit Sicherheit nicht immer einfaches Leben in Brasilien meistern - tagtäglich aufs Neue. Dafür fehlt nämlich dem Threaderöffner anscheinend der Mut. Deswegen gibt es von meiner Seite keinen Neid, noch nicht einmal Respekt. Nur Mitleid für die Jahre, die er bereits verloren hat. Für die paar Jährchen, die ihm noch bleiben, wünsche ich natürlich einen wunderschönen, ruhigen und geruhsamen Lebensabend hier in diesem faszinierenden Land.

Aber letztendlich hat er 20 Jahre seines Leben geträumt, ich werde 20 Jahre (so Gott will) meinen Traum leben! Damit will ich meinen kleinen Einwurf beenden.
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Re: Sind alle Deutschen in Brasilien so?

Beitragvon Takeo » Di 16. Sep 2008, 22:09

Ehh Digger - Dein Statement erinnert mich irgendwie an einen Komik von Sigfried Seyfried (aus dem Rotbuch Verlach)!

Aber wenn's so sein sollte wissen wir ja woher der Wind wirklich weht:
Der Threadsteller prahlt 'rum und ist gekränkt wenn man mal nicht neidisch ist!
Boah, was 'ne billige Heuchelei!!!


Tintos Klassifizierung ist ja eher eine Karikatur - aber Karikturen haben ansich, dass sie die Wahrheit herausstreichen.
Ich bin in Punkt 2.) nicht ganz einverstanden mit den Gehältern... aber was weiss ICH schon von Expatgehältern (oder gar Botschaftsgehältern :evil: )... auch bin ich nicht ganz einverstanden mit dieser "Angst vor der Kriminalität"... die hat in São Paulo und Rio irgendwie jeder, und dann doch wieder Keiner... das muss man nicht extra harusstreichen - dazu wird ja genug 'rumgesülzt - ... und bei Punkt 4.) wieso sollen "verliebte Jung's" keinen Neid haben??? Sind die in ihrer blinden Verliebtheit zu edel für solche niederen animalischen Instinkte wie Neid??? Bei ihrer blinden Verliebtheit haben sie doch auch Muse für ihre niederen animalischen Instinkte!!!

tja, und 'last but not least' sind Manche einfach auf den Schlips getreten, wenn man ihnen mal attestiert, Brasilien eben doch nicht sooo zu kennen, wie sie es hinlänglich glauben... dass ein paar Kumpels oder Bräute aus der Favela eben doch noch keinen Insider ausmachen...

Auch Schwobasegel hat recht: WEHE Du hast mal Geld und ein paar Grundstücke und so... das ist eine TOTSÜNDE... nur die Favela, die zählt, nur DANN kann man mitreden, ist Insider, weiss was abgeht... alles andere ist STRENGSTENS VERBOTEN!!!

... das normale Leben ist eben das richtige Leben... auch in Brasilien!

Wo ist eigentlich Draft???
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Re: Sind alle Deutschen in Brasilien so?

Beitragvon Schwobaseggl » Di 16. Sep 2008, 23:02

In Deutschland gibt es Armut, Mittelstand und Reiche.

In Brasilien ist es ebenso.

Ist es dann ein Verbrechen dem Mittelstand anzugehören oder gar den Reichen ?

Funktioniert der real existierende Kommunismus in dem Nichtstuer und Hilfsschüler genau das gleiche verdienen wie studierte oder Unternehmer ? Warum studiert man dann noch ? Wo ist der Anreiz ?

Leistung wird halt bezahlt. Wer viel geleistet hat kann sich auch etwas leisten.
Der Rest muss halt knechten.
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Re: Sind alle Deutschen in Brasilien so?

Beitragvon Takeo » Mi 17. Sep 2008, 03:47

... oder kommt nach Brasilien und legt sich in die Hängematte!

Ich will auch in die Hängematte - ich bin neidisch!

Was muss man tun, um am Türsteher der Favela vorbeigelassen zu werden, um an der Favelaparty mitzumachen???

Ich will PARtY ... iCh WiLL sAmBa... ich wiLL kArNeval...!!!
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Re: Sind alle Deutschen in Brasilien so?

Beitragvon Macumba » Mi 17. Sep 2008, 13:45

Takeo hat geschrieben:(...)
Was muss man tun, um am Türsteher der Favela vorbeigelassen zu werden, um an der Favelaparty mitzumachen???


Einfach dat Büchlein von uns Subbagringo kaufen. :mrgreen:
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