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BeitragVerfasst: 23 Mai 2007 11:01 
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Zitat:
Merke, Severino, es ist immer sinnvoller ETWAS zu tun, als garnichts.
Es ist erst recht kontraproduktiv gutwillige Aktivitäten von Dritten im
Vorhinein tot zu quatschen. Nimm du doch mal 10.000 Euro in die Hand
und übernehme damit meinetwegen eine entsprechende Anzahl
Patenschaften. Wenn du keine 10.000 auf die Beine stellen kannst
(oder willst) liegt das woran wohl?
Falsch lol. In diesem konkreten Fall halte ich es nicht für richtig. Einfach Mal so 10,000 Euro sammeln und den Leuten aus der Favela hinwerfen. Genauso produziert man nämlich Taugenichtse. Insbesondere vor dem Hintergrund der brasilianischen Kultur. Und davon hat diese Schulklasse nix mitbekommen.
Und wenn ich 10.000 Euro übrig hätte, würde ich sehr gerne Patenschaften übernehmen. Da ich aber ein staatlich gerupftes Scheidungskind bin, mittlerweile eine neue Beziehung mit bereits 3 eigenen Kindern meiner Frau habe und zusätzlich noch Jonathan bei uns aufgenommen habe, um zusammenleben zu können nach Brasilien auswandern muss, usw... liegt das leider nicht mehr drin. Oder soll ich auf das Feierabend-Bier nach meinem 3. Nebenjob auch noch verzichten?
Eine gutgemeinte Aktion falsch umgesetzt schadet eben mehr, als sie hilft. Das ist das, was mich an der Aktion dieser Schulklasse stört....mal abgesehen davon dass zunächst für die Reise schon viel mehr verprasst wurde, als nun gesammelt werden soll....



paz e amor
Severino


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BeitragVerfasst: 23 Mai 2007 13:32 
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Die Slumaktion war genauso wertlos, wie eine Reise in ein Palestinensisches Flüchtlingslager gewesen wäre, wo die Gymnasiasten eine Diskussionsrunde gestartet hätten, um die Sinnlosigkeit der Terroraktionen gegen Israel aufzuzeigen... :roll:

Jetzt sammeln sie Geld? Für wen? Für was? Damit den Favelazöglingen eine bessere Zukunft in einer globalisierten korrupten Welt ohne Jobaussichten sichergestellt wird? Oder damit sich die Favelafamilien jetzt endlich Möbel von Tok Stok kaufen können? Oder sammeln sie gar Geld um einen Regierungsumsturz zu finanzieren? Bestimmt aber sammeln sie jetzt fleissig Geld, um ihr gewissen 'irgendwie' zu beruhigen. Die zentrale Frage bleibt stehen: und WAS haben sie gelernt????


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BeitragVerfasst: 23 Mai 2007 13:49 
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[...] von mir selber gelöscht! Birgit


Zuletzt geändert von Birgit am 04 Dez 2007 19:38, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 23 Mai 2007 14:05 
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Zitat:
- das Geld ist lt. Artikel für ein dort ansässiges Projekt (=Suppenküchen in Joinville)
Warum also nicht?

Na, wenn das für Suppe ist.... warum also nicht... und wenn die Suppe alle ist? Obwohl für 30.000 R$ gibt es ja ne ganze Menge Suppe....
Und warum soll ich mir denn Arbeit suchen um mich und meine Familie durchzubringen, wenn es die nächsten Tage immer gratis Suppe gibt.... Versteht doch endlich, wie viele Favela-Bewohner denken. DAS haben eben die Schüler und auch der studierte Lehrer in den drei Wochen im modernen Reisebus nicht begriffen. Aber Brasilien oder eine Favela versteht der "Durchschnitts-Deutsche" auch nicht innerhalb dieser Zeit. Selbst Brasilianer brauchen dafür ja schon Jahre....
Das Schema: ARM - FAVELA - MITLEID - GELDSPENDE ist auch für eine SUPPENKÜCHE nicht wirklich hilfreich. Das passt in Krisengebieten wie Irak oder so. Aber nicht auf Brasilien. Dort ist die Armut hausgemacht. Von der eigenen Wirtschaft und Politik. Nicht wegen Krieg oder Religionsfanatismus. Die Suppenküche bleibt somit reine Symptonbehandlung. Leider.



paz e amor
Severino


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BeitragVerfasst: 23 Mai 2007 14:34 
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Na gut... n' bisschen Suppe kann nicht schaden, und tut der Gewissensbefriedigung deutscher Schüler gut... obwohl ja gerade DAS so kontraproduktiv sein kann: 'Ich tue ja was - ich spende ja Suppe'... und damit ist das Thema erst mal wieder vom Tisch. Andererseits: so 'ne Suppenküche täte den Pennern, die in deutschen Grosstädten Platte machen müssen auch ganz gut, aber ich sach's ja immer: 'deutsche Platte' da fehlt die Exotik, da fehlt der Flair!


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BeitragVerfasst: 23 Mai 2007 14:46 
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Severino hat geschrieben:
Das Schema: ARM - FAVELA - MITLEID - GELDSPENDE ist auch für eine SUPPENKÜCHE nicht wirklich hilfreich. Das passt in Krisengebieten wie Irak oder so.


Nich nur das. Wer das Thema nicht besser kennt, gerät wieder in das immer gleiche bescheuerte einfache Denkschema: ARM -> AUSGEBEUTET -> FAVELA -> GELDSPENDE -> BESSERES LEBEN ERMÖGLICHEN -> HOFFNUNG... Das sind eben die total falschen Schlüsse die immer von Ausländern gezogen werden.

Genauso wie ich mir auch niemals anmassen würde, eine brasilianische Favela, mit einem afrikanischen Slum oder einem Armutsviertel in Bangladesch vergleichen zu wollen. Alles vollkommen verschiedene Situationen, verschieden Hintergründe, verschiedene Kulturelle und politische Situationen.


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BeitragVerfasst: 23 Mai 2007 15:26 
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Zuletzt geändert von Birgit am 04 Dez 2007 19:38, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 23 Mai 2007 15:30 
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[...] von mir selber gelöscht! Birgit


Zuletzt geändert von Birgit am 04 Dez 2007 19:37, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 23 Mai 2007 15:32 
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Takeo hat geschrieben:
Severino hat geschrieben:
Das Schema: ARM - FAVELA - MITLEID - GELDSPENDE ist auch für eine SUPPENKÜCHE nicht wirklich hilfreich. Das passt in Krisengebieten wie Irak oder so.


Nich nur das. Wer das Thema nicht besser kennt, gerät wieder in das immer gleiche bescheuerte einfache Denkschema: ARM -> AUSGEBEUTET -> FAVELA -> GELDSPENDE -> BESSERES LEBEN ERMÖGLICHEN -> HOFFNUNG... Das sind eben die total falschen Schlüsse die immer von Ausländern gezogen werden.

Genauso wie ich mir auch niemals anmassen würde, eine brasilianische Favela, mit einem afrikanischen Slum oder einem Armutsviertel in Bangladesch vergleichen zu wollen. Alles vollkommen verschiedene Situationen, verschieden Hintergründe, verschiedene Kulturelle und politische Situationen.


nur die suppenkuechen---die findest du sogar in basel und in deutschland



o sol nasce pra todos; a sombra pra quem merece.


hispaniolanews


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BeitragVerfasst: 23 Mai 2007 16:18 
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Was bei dieser ganzen Faveladiskussion immer vergessen wird ist auch, dass dort von wo die Leute manchmal hergekommen sind, tatsächlich sooo grosse Armut geherrscht hat, dass es vielen in der Favela garnicht bewusst ist, dass sie im Slum leben.

Ehrlich, manche Familien sind bspw. aus der Caatinga aus Paraiba gekommen, wo es jahrelang nicht geregnet hat, wo ein paar schmächtige Hühner im Staub 'rumkratzen und ein paar amseelige Esel trocknes Holz herumtragen und trockne Grassreste zu verzehren versuchen... dann kommen diese Leute plötzlich in die grossen Städte wie Rio und São Paulo, in die Favela, wo es plötzlich sowas wie Wasser gibt, Brötchen aus der Padaria, Farofa, Reis, Bohnen, ein Pappdach über'm Kopf etc... Sowas empfinden diese Leute plötzlich als relativen Wohlstand. Und dann sehen sie reiche Behausungen, und arbeiten dort vielleicht als Gärtner oder als Empregada, und es können ihnen eventuell die Antennen für 'Wohlstand' fehlen... Viele von denen merkten garnicht, dass es ein Unterschied ist, einen parkähnlichen Garten oder nur eine kleie Horta zu besitzen, viele von denen merkten nicht den Unterschied in einer kleinen Hütte zu leben oder in einem schicken Haus... Ein warmes Bett, 'ne grosse Glotze, ein anständiges Dach, ein Auto, viel Reis, fette Bohnen, Frango und Salat ist für Manche die Grenze der kulturellen Vorstellungskraft. (Und Autos und Riesenglotzen gibt's in der Favela!) Und somit empfinden diese Leute eine Favela - sofern sie was zu essen haben - garnicht mal als besonders schlimm - nur wir Europäer drängen diesen Leuten auf, dass eine Favela was Schlechtes ist.

Natürlich holen auch dort Wohlstandsprobleme die Realität ein: offene Rechnungen, wenig Geld, lange Arbeitszeiten und schlechte Wege, Kriminalität und Streitereien, Kinder ohne Ethik und Kultur etc... aber Letzeres hat eigentlich nicht mehr ausschliesslich mit dem Fenomen 'Favela' zu tun.


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