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Oi Takeo,
"in Lethargie verfallen" ist wohl nicht ganz der richtige Ausdruck. Es ist die Vergangenheit, die Kultur, usw. die die Leute zu dem gemacht hat, was sie heute sind. Wer in dem Land lebt, muss sich eben an die Rahmenbedingungen anpassen. Und die sind in Brasilien so widersprüchlich und auch doppeldeutig, wie in keinem anderen Land, das ich kenne.
Die Militärdiktatur, die (absichtlich) verfehlte Bildungspolitik, das nicht vorhandene Sozialsystem, die Veruntreuung von Staatsgeldern, die ewigen Versprechungen, die dann nicht gehalten werden, usw.
Viele haben deshalb den "Kampf" aufgegeben. Andere, wie z.B. Dein Bekannter, sind nicht mehr in der Lage, was für andere zu tun. Für mich ist es eigentlich ein Wunder, dass es noch keine Revolution gibt. Aber das ist eben wieder deutsche Denke. "Der Brasilianer" macht sowas nicht. Er leidet und hofft. Aber offen Kritik üben, das geht nicht.
Das Land hätte durchaus die Chance etwas zu werden. Jedoch wird das unter den gegebenen Rahmenbedingungen wohl nie zustande kommen. Es geht ja immer irgendwie. Die Sonne scheint und man ist zufrieden, weil man es ja auch nicht anders kennt.
Der Brasilianer ist ein Schlitzohr, das sich irgendwie durchs Leben mogelt. Am Liebsten auf Kosten anderer. Dabei ist er aber stets freundlich und zuvorkommend. Aber wären wir nicht auch so, wenn wir nicht eine andere Kultur, bzw. Gesellschaft hätten. Uns wurden andere Wertvorstellungen anerzogen. (zumindest damals, als wir noch jung waren).
Deshalb kann die Schulklasse nicht verstehen, was diese "Favela" in Joinville (?) bedeutet. Ich gebe ja auch Birgit Recht mit der Aussage "Warum eigentlich nicht". Der Nachteil dabei ist aber, dass "der Brasilianer" aufgrund der Unterstützung noch abhängiger und unselbstständiger wird. Warum noch Eigeninitiative unter diesen extrem schweren Bedingungen zeigen, wenn mir eine deutsche Schulklasse die Kohle vor die Füsse wirft. Es gibt ja noch viele andere reiche Schulklassen. Und in diese setzt man dann alle Hoffnung. Verstehst Du, was ich meine? Sicherlich kennst auch Du solche oder ähnliche Beispiele aus Deiner Familie?
Deshalb sage ich immer: "Niemals die Fische hinwerfen, sondern das Fischen lernen."
P.S.: "Der Brasilianer" existiert natürlich nicht.
paz e amor
Severino
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