So arbeiten Brasilianer

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Re: So arbeiten Brasilianer

Beitragvon Fredi » Di 10. Feb 2009, 12:35

Westig hat geschrieben:Alle haben in diesem Thread wohl Recht, und die Meinung von Cabof ist symphatisch.

Zu antiaging: nicht verallgemeinern. Sooo effizient sind "die deutschen Kassiererinnen" im Supermarkt auch nicht. Und oft muffig und mürrisch allemal. Klar, die werden ja auch oft überwacht rund um die Uhr. In Billig-Märkten.

Ein Beispiel aus einem gar nicht billigen Supermarkt:

Meine brasilianische Frau und ich waren in Berlin eingeladen, vorher ging es in das größte Kaufhaus des Westens in die Feinkostabteilung und in die Weinabteilung. Wir sahen nicht aus wie hergelaufene Clochards oder wie Punker. Meine Frau stellte zwei Flaschen super guten Sonderangebot-Wein aufs Band an der Kasse. Und wurde von der (deutschen) Kassiererin laut und vernehmlich angeschnauzt: "DU ETIKETT GETAUSCHT!! Ausländerinnen...."

Niemand in der Schlange vor der Kasse unternahm was. Alle fanden das offensichtlich ganz normal. Da gibt es unendliche Geschichten über deutsche Kassiererinnen, deutsche Omnibus- und Taxifahrer, deutsche Bankangestellte am Schalter. Wie die oft mit Ausländerinnen und Ausländern umgehen. Da doch in der Regel und trotz allem lieber (Nordost)brasilianische Verhältnisse. Gerade wenn man als - einigermaßen gut angezogener und nicht versiffter (die haben ganz andere Erfahrungen) Ausländer in den Laden oder in die Bank oder in eine Behörde kommt...

antiaging: erleb so was mal als Deutscher mit Deiner schick gekleideten ausländischen Ehefrau in einem schicken Weinladen in Brasilien. Bei einer brasilianischen Verkäuferin. Und dann erzähl uns mal was Du gemacht hättest.

An anderer Stelle wurden hier im Forum Deta Engel (Debaixo da mesma neve ), Ignácio Loyola Brandão (O Verde violentou o muro), João Ubaldo Ribeiro (Ein Brasilianer in Berlin) genannt. Die haben Bücher über derartige und andere und nicht immer gute Erlebnisse in deutschen Supermärkten und anderswo geschrieben....


In den brasilianischen Supermärkten ist es angenehmer einzukaufen als in D/CH.
Das Tempo und Engagement sind eher bescheiden, aber generell sind die VerkäuferInnen sehr freundlich und hilfsbereit, wenn man sie anständig anspricht.
Betreffend Diskriminierung ist es gerade umgekehrt; der Gringo wird eher zuvorkommend behandelt, weil er halt interessant ist.
Wir sind viel insbesondere im Nordosten rumgereist, mit ganz wenigen Ausnahmen hatten wir in den Restaurants und Hotels/Pousadas (ca. 100 Reais) immer sehr guten Service, jedenfalls besser als in Frankreich oder Italien.
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Re: So arbeiten Brasilianer

Beitragvon Severino » Di 10. Feb 2009, 12:57

Fredi hat geschrieben:In den brasilianischen Supermärkten ist es angenehmer einzukaufen als in D/CH.
Das Tempo und Engagement sind eher bescheiden, aber generell sind die VerkäuferInnen sehr freundlich und hilfsbereit, wenn man sie anständig anspricht.......

Das ist wohl überall auf der Welt so.
Und dass das Tempo und das Engagement tiefer sind, liegt vielleicht auch daran, dass das Geld, das mit dieser Arbeit verdient wird gar nicht zum Überleben reicht. Die deutsche Kassiererin hingegen kann sehr wohl alle ihre Lebenshaltungskosten und sogar Krankenkasse und Rentenversicherung von ihrem Lohn bezahlen....
Und das Einpacken oder nach Hause liefern finde ich ist ein Service, der hier in Brasilien noch bezahlbar ist. Stell Dir das Mal bei deutschen Lohnkosten vor. Bezahlen tut es ja eh der Konsument....
Und was mir ausserdem gefällt ist die fehlende Hektik beim Einkauf. In Europa kam es mir immer so vor, als ob es ein Wettrennen wäre. Und die Zeit kann man doch sinnvoll nutzen. Ein kleines Schwätzchen liegt immer drin. Und dazwischen kann man sich ein paar hübsche Frauen anschauen und froh sein ebenfalls ein zuhause zu haben.....

antiaging hat geschrieben:Severino,
Du irrst, wenn Du schreibst, "zuerst musst Du die Universität bezahlen".
Das Studium an den brasilianischen Universitäten ist kostenlos.

Ein Bekannter aus der Nachbarschaft studiert Journalismus hier in Anápolis. Er bezahlt etwa 350 R$ im Monat. Leider ist er gerade arbeiten und deshalb kann ich ihn nicht fragen, an welcher Uni (UEG oder Uni Evangelica) er studiert.

antiaging hat geschrieben:Zurück zu den Klodeckeln und Steckdosen.
Brasilianische Steckdosen werden von Siemens hergestellt, sind Mist und teuerer als in Deutschland.
Klodeckel sind in Brasilien teuerer als in Deutschland und kaum brauchbar.
Also an dem Preis kann es doch nicht liegen.

Meine Steckdosen sind von www.fame.com.br und die haben nix mit Siemens zu tun. Meine Klodeckel sind aus Holz (Sicmol), schwarz lackiert - ausser bei den Kids. Die haben so einen aus Plastik - weil "Machos" ja im Stehen pinkeln...
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Re: So arbeiten Brasilianer

Beitragvon donesteban » Di 10. Feb 2009, 13:36

Severino hat geschrieben:...Meine Klodeckel sind aus Holz (Sicmol), schwarz lackiert - ausser bei den Kids. Die haben so einen aus Plastik - weil "Machos" ja im Stehen pinkeln...
Du nicht mehr, oder was? :bprust: Sorry, bin vom Thema abgekommen ... :lolmen:...ääähhh, ja im brasilianischen Supermarkt ist es echt relaxed, sehe ich auch so :mrgreen:
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Re: So arbeiten Brasilianer

Beitragvon Severino » Di 10. Feb 2009, 13:54

donesteban hat geschrieben:
Severino hat geschrieben:...Meine Klodeckel sind aus Holz (Sicmol), schwarz lackiert - ausser bei den Kids. Die haben so einen aus Plastik - weil "Machos" ja im Stehen pinkeln...
Du nicht mehr, oder was? :bprust: Sorry, bin vom Thema abgekommen ... :lolmen:...

Nee, ich bin schon Macho genug und kann es mir daher erlauben im Sitzen zu Pinkeln... :oops: (Allerdings nur bei mir zuhause, auf den sauberen Schüsseln.... :shock:
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Re: So arbeiten Brasilianer

Beitragvon Antiaging » Di 10. Feb 2009, 16:52

Meine Aussage der kostenlosen Universitäten bezieht sich ausschliesslich auf die staatlichen Universitäten und nicht auf die privaten.
In der Regel habe die staatlichen Universitäten einen höheren Wert als die privaten.
Die Behauptung, dass ein Absolvent einer Universität in Nordosten, z. B. an der UFC Fortaleza noch im Süden nachstudieren müsste entbehrt jede Grundlage. Diese Aussage ist auch sehr diskriminierend.
Leider meinen auch viele Südstaatler, dass in Nordosten nur Affen herumlaufen.
Also Vorurteile sind auch innerhalb von Brasilien sehr häufig. Viele Paulista betrachten Nordosten als eine Kolonie, die unterenwickelt ist, und sind sehr überrascht, wenn die hinreisen, wie es dort aussieht.
Mit den Steckdosen hast Du Glück, bei den Klodeckel bleibe ich bei meinem Klodeckel aus Acryl mit einem Stacheldraht drinnen von LIDL und ALDI, sorry,da lasse ich mich nicht bekehren.
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Re: So arbeiten Brasilianer

Beitragvon Westig » Di 10. Feb 2009, 18:47

Antiaging, Du hattest geschrieben, das Studium an den brasilianischen Universitäten sei kostenlos, und das stimmt nicht.

Und ich bleibe dabei was ich geschrieben hatte: "wer an einer staatlichen Uni im Nordosten studiert, z.B. in Caruaru, Campina Grande, Natal, etc. kommt zum einen sozusagen fast überhaupt nicht oder selten an einen Job im Süden, bei dem er oder sie ordentliches Auskommen hat, da er oder sie sich eine ziemlich kostenintensive Zusatzausbildung leisten muss".

Fakt ist (und, mit Verlaub, auf dem Gebiet kenne ich mich seit vielen Jahren aus, und zwar deutlich besser besser als mit Klodeckeln und mit Steckdosen...): Absolventen von Hochschulen der genannten Städte, und auch aus Fortaleza und Recife, hatten und haben ohne Zusatzausbildung so gut wie keine Chance gegen Absolventen von Universitäten, schon gar nicht privaten, aus São Paulo, Rio, Curitiba, Porto Alegre.

Und die brasilianischen CNPq- und andere Stipendienbewerber für Postgraduiertendiplom und Doktorat in Europa und den USA kommen proportional eben nicht aus Fortaleza von der von Dir genannten Hochschule, auch nicht aus Recife, und schon gar nicht aus Campina Grande, Caruaru und Natal. Was bei dieser Feststellung diskriminierend sein soll?

Und soeben haben die zuständigen Rechtsinstanzen in Brasilia von nordostbrasilianischen Kandidaten (selbst von denen der renommierten - und überhaupt nicht kostenlosen - Kath. Universität in Recife) für Bewerbungen auf Richter- und andere Ämter an Gerichtshöfen in Brasilia, Sao Paulo, Porto Alegre eine Regel-Zusatzausbildung verlangt. Nicht weil die nordostbrasilianischen Studentinnen und Studenten Deiner Meinung nach (von mir) diskriminiert würden, sondern weil das Studienniveau vergleichsweise zu schwach ist.

Gleiches gilt im Übrigen auch für die Attachéeausbildung des Itamaraty. So ist das nun einmal mit Hochschulabsolventen in Brasilien. Ausnahmen sind nicht die Regel.

Und auch in Deutschland gibt es so etwas: im Bundesdurchschnitt haben Absolventinnen und Absolventen der Berliner TH bei der Jobsuche in ihrem Fachbereich deutlich bessere und mehr Chancen als Absolventen aus Münster, Paderborn oder Osnabrück....Diskriminierung?
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Re: So arbeiten Brasilianer

Beitragvon Antiaging » Di 10. Feb 2009, 19:21

O.K. Westig, lassen wir die Klodebatte bei Seite.
Die unterschiedliche Lebensauffassung und auch die verschiedenen Bedingungen in Brasilien je nach Region dürften allen bekannt sein, und bedürfen keine Diskussionen.
Die Qualität der Diplomaten Ausbildung in Brasilia ist mir bekannt, nicht umsonst gelten brasilianische Diplomaten zu den Spitzen.
Aber hier soll vielleicht nicht eine Eliten Einrichtung als Standart genommen werden.
Es soll auch je nach Fakultät beurteilt werden und nicht nur nach Universität.
Ich gebe Dir Recht, dass z.B.die Uni in Sobral nicht den Standard von USP hat. Aber das ist sicherlich kein Spezifikum von Brasilien. So etwas gibt es in Deutschland, USA oder GB auch.
Nun der Einwand, dass die Absolventen einer Uni in Nordosten von Brasilien keine Anstellung in Süden bekommen, lässt sich auch konntern: wollen das die Absolventen überhaupt?
Leider ist heute oft die Uni Ausbildung nicht ausreichend, und dann sind zusätzliche Master-Gänge, usw. für viel Geld erfordelich, leider, so soll es nicht sein. Und das kostet Geld.
Aber grundsätzlich, Du sagst, dass Du in dem Bereich Tätig bist, muss Du mir Recht geben, das das Universtitäts-Studium an den brasilianischen staatlichen Universitäten, unbeachtet irgenwelcher Matriculas,etc. kostenlos ist. Das Thema der unterschiedlichen Qualitäten ist ein anderes Thema.
Als eine kleine Ergänzung zu den Schwierigkeiten der Absolventen von brasilianischen Universitäten aus Nordosten in Süden eine Stelle zu bekommen, möchte ich erwähnen, dass auch umgekehrt eine massive Abwehr gegenüber hervorragenden Absolventen aus dem Süden im Nordosten besteht. Das es für Universitäts Absolventen Europäischer Universitäten kaum Möglichkeiten der Diplomanerkennung in Brasilien besteht, darf ich als bekannt voraussetzen. Wahrscheinlich besteht da doch im Nordosten Angst von besser ausgebildeten Fachkräften, oder sehe ich es falsch?
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Re: So arbeiten Brasilianer

Beitragvon Severino » Mi 11. Feb 2009, 18:50

Antiaging hat geschrieben:.....Dass es für Universitäts Absolventen Europäischer Universitäten kaum Möglichkeiten der Diplomanerkennung in Brasilien besteht, darf ich als bekannt voraussetzen. Wahrscheinlich besteht da doch im Nordosten Angst von besser ausgebildeten Fachkräften, oder sehe ich es falsch?

Man müsste zunächst neben der Diplomurkunde auch die komplette Diplomarbeit von einem tradutor juridical übersetzen lassen. Der verlangt ca. 20 R$ pro Seite! Danach das Ganze von einer Faculdade anerkennen lassen.
Aber vielleicht bemühen sich ja auch Mal die europäischen Politiker um ein Abkommen mit Brasilien - oder haben die Angst, dass dann alle gut ausgebildeten Deutschen ganz schnell das Weite suchen?
Ausnahmen gibt es soweit ich weiss nur für Professoren und Pfarrer...
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Re: So arbeiten Brasilianer

Beitragvon Laurita » Mi 11. Feb 2009, 18:54

Severino hat geschrieben: Aber vielleicht bemühen sich ja auch Mal die europäischen Politiker um ein Abkommen mit Brasilien - oder haben die Angst, dass dann alle gut ausgebildeten Deutschen ganz schnell das Weite suchen? Ausnahmen gibt es soweit ich weiss nur für Professoren und Pfarrer...


Oder umgekhert: alle gut ausgebildete Brasilianer würden ganz schnell die Arbeit von den Deutschen nehmen... :lol:
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Re: So arbeiten Brasilianer

Beitragvon Severino » Mi 11. Feb 2009, 19:00

Laurita hat geschrieben:....Oder umgekhert: alle gut ausgebildete Brasilianer würden ganz schnell die Arbeit von den Deutschen nehmen... :lol:

Nee, glaube ich nicht. Wirklich gut ausgebildete Brasilianer verdienen in Brasilien sehr gut und müssen sich weder mit Deutsch noch mit Schnee und Kälte rumschlagen.... :lol:
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