So arbeiten Brasilianer

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

So arbeiten Brasilianer

Beitragvon Severino » Do 5. Feb 2009, 19:43

Es sind ja immer wieder Fragen zum Arbeiten in Brasilien, wenn es ums Thema Auswandern geht. Deshalb eröffne ich nun Mal diesen Beitrag, in dem ich einige Beispiele aus meinem Bekanntenkreis/Nachbarschaft aufzeichnen möchte. Ist sicherlich interessant, wenn der Eine oder Andere das ergänzt, denn viele Auswanderungswillige haben seltsame Vorstellungen über das Arbeiten, das Lohnniveau, bzw. den brasilianischen Arbeitsalltag allgemein. Die hier aufgeführten Beispiel beziehen sich natürlich auf Anápolis in Goías. In São Paulo sieht das Alles natürlich anders aus.

Fall1: Mauro, Pedreiro/Maurer
Mauro ist verheiratet und hat zwei Kinder. Alle wohnen im Haus der Schwiegermutter und momentan baut er mit seinem cunhado auf der anderen Strassenseite zwei Häuser auf einem Grundstück, das er von seinem Vater bekommen hat.
Wenn er für andere arbeitet, dann bekommt er 40-50 R$ am Tag. Gearbeitet wird Montag bis Freitag von 07:00 bis 17:00 mit einer Stunde Mittagspause, Samstags wird von 07-00 bis 12:00 gearbeitet. Natürlich alles ohne carta assinada und wenn er keine Arbeit hat, dann gibt es eben auch keinen Lohn.

Fall2: Glaucio, Automobilbranche
Glaucio ist ebenfalls verheiratet und hat auch zwei Kinder. Er besitzt zwei benachbarte Grundstücke auf denen er lebt und arbeitet. Er kauft Autos, revidiert diese um sie dann zu verkaufen. Sein Verdienst hängt davon ab, wie schnell er arbeitet und wieviele Autos er pro Monat verkaufen kann. Dürfte im Durchschnitt bei ca. 2.000 R$ liegen.

Fall3: Nilton, Porteiro/Portier
Nilton ist verheiratet, hat zwei Kinder und seine Frau bekommt demnächst das dritte. Er arbeitet als Porteiro in einem Condominio. Einen Tag nachts, den anderen am Tag. Ein Tag pro Woche hat er frei. Verdient ca. 1.200 R$ pro Monat. Seine Frau hat vor ihrer Schwangerschaft auf der prefeitura gearbeitet. Nebenbei verkaufen sie Kleidung, die sie günstig auf dem Markt in Goiânia einkaufen.

Fall4: Flavio, Pit Dog/Imbiss
Flavio besitzt ebenfalls zwei benachbarte Grundstücke, auf denen er mit seiner Frau, den zwei Kindern und seinem pensionierten Vater lebt. Ausserdem haben sie ein Barracão, das für 120 R$ im Monat vermietet ist. Der pensionierte Vater bekommt einen salario vom Staat (415 R$).
Vor 8 Monaten hat er den Pit Dog eröffnet und verkauft nun X-Salada, Bier, Pinga, Zigaretten usw. Früher hat er als Pedreiro gearbeitet.
Nebenbei verkaufen sie noch Schweinefleisch oder Gemüse, dass sie auf ihrer chacara anpflanzen/züchten.
Gesamteinkommen schätzte ich auf ca. 2.000 R$ und die Arbeitszeit ist von 09:00 bis ? (Manchmal 21:00, manchmal Mitternacht). Sein Vater hilft dabei mit.

Fall5: Ana Maria, Advogada/Anwältin
Naja, das ist wie überall auf der Welt. Ob ein Anwalt verliert oder gewinnt: Er verlangt ein Honorar. Ihre beiden Söhne haben studiert: Einer ist Zahnarzt mit seiner eigenen Praxis, der andere hat eine eigene Baufirma und hat contrução civil studiert. Ich glaube dass Ana Maria zwei Empregadas und einen Jardineiro hat muss ich nicht erwähnen, oder?

Fall6: Claudete, Professora/Lehrerin
Claudete arbeitet als Lehrerin an einer Escola Municipal. Da gibt sie nachts von 19 - 22 Uhr Unterricht. Tagsüber betreibt sie ihre eigene Privatschule von 07:15 bis 17:20. Sie hat 6 Lehrerinnen angestellt und in ihrer Schule sind ca. 300 Kinder, die monatlich zwischen 60 und 80 R$ zahlen müssen. Somit verdient sie ca. 4-5.000 R$ pro Monat - arbeitet dafür aber auch 15 Stunden pro Tag.

Fall7: Cleonice, Pit Dog
Cleonice hat einen Pit Dog im Zentrum von Anápolis. Dort verkauft sie salgados, pamonha und auch porções. Zwei Angestellte und die Tochter (12) helfen ihr. In ihrem Haus hilft ihre Mutter bei der Vorbereitung der durchwegs selbstgemachten Speisen. Das "Restaurant" hat 4 kleine Tische und ist nur tagsüber geöffnet. Die Miete beträgt 300 R$ und ihren Verdienst schätze ich auf ca. 1.200 R$, nach Abzug der Steuern.

Fall8: Natan, Antennemontage
Natan ist 17 und arbeitet selbstständig (Ohne carteira de trabalho) mit der Montage von Satellitenschüsseln fürs Fernsehen. Damit verdient er im Schnitt 600 R$ im Monat. Da er noch bei den Eltern wohnt und nachts in die Schule geht ist das ein gutes Taschengeld.

Fall9: Natanael, Garçom/Kellner
Natanael hat als Garçom in einem Kilo-Restaurant angefangen. Arbeitet von 07:00 morgens bis 16:00 nachmittags. Einziger freier Tag ist Montag. Natanael geht auch noch zur Schule und verdient einen salario (415 R$) aber mit carteira de trabalho. Nach ca. einem Jahr, wird er dann so um die 1,5 salarios bekommen.

Fall10: Delmiro, Baumaschinenführer
Delmiro arbeitet für eine Caçamba - also eine Firma die Lastwagenladungen Kies, Sand, Erde, usw verkauft. Er belädt die Lastwagen und verdient damit ca. 1.200 R$ im Monat. Ausser während der Regenzeit. Dann muss er seine Ferien nehmen und bekommt auch nur etwa 850 R$.
Einen Zusatzverdienst von ca. 120 R$ macht er mit der Vermietung eines Barracão auf seinem Grundstück.

Fall11: Zulmo, Sprengmeister
Zulmo arbeitet als Sprengmeister in einer Firma die Natursteine verkauft. Er verdient etwa 2.200 R$ und arbeitet von 06:30 bis 16:00. Allerdings hat er Samstags und Sonntags frei. Er ist seit über 25 Jahren in diesem Betrieb und sein Chef stellt ihm auch ein Haus zum Wohnen zur Verfügung. In den letzten 25 Jahren hat er keinen einzigen Tag Ferien genommen. Diese hat er immer an seine Arbeistkollegen verkauft. Die Firma will ihn nun pensionieren, aber er will nicht. Zulmo ist 53 Jahre alt und lebt mit seiner Frau und zwei Kindern.

Fall12: Aldo, Lastwagenchauffeur
Aldo hat einen eigenen Lastwagen. Der hat ca. 85.000 R$ (ca. 15 Jahre alt) gekostet. Seine Frau organisiert die Frachten und die Routen und sie leben mit zwei Kindern im eigenen Haus, das die Mutter von Aldo ihnen überschrieben hat. Aldo verdient um die 3.000 R$ und muss manchmal schon nachts um 02:00 abfahren.
paz e amor
Severino
Benutzeravatar
Severino
 
Beiträge: 3402
Registriert: Di 7. Feb 2006, 15:02
Wohnort: Anapolis GO
Bedankt: 1 mal
Danke erhalten: 47 mal in 34 Posts

Folgende User haben sich bei Severino bedankt:
Legion1911

Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)

Re: So arbeiten Brasilianer

Beitragvon Takeo » Do 5. Feb 2009, 20:15

Fall 13: Mauro, Verkäufer Agrar (Goiás):
Mauro verdient 2100,- Netto. Er arbeitet von 08:00 morgens bis ca. 18:00 und Samstags bis um 12:00. Da sein Grundgehalt nur auf dem Papier steht, arbeitet er mehrheitlich für seine Provision, und macht Kundenbesuche und Beratung, fährt damit ca. 3.000 km im Monat überland und arbeitet eigentlich bis um 20:00 einschliesslich am Wochenende, weil er damit nicht nur sein Gehalt boostet, sondern seinen Chef erfreut, der es nicht zulässt, dass Mauro nur im Büro sässe und sein Grundgehalt einkassierte. Somit kennt Mauro Jeden und Alles, ist technisch total versiert, nur es nervt ihn auch, dass er ständig auf Trainingskursen und in Konferenzen sitzen muss, und was ihn am meisten nervt ist, dass er ständig seine Zahlen kommentieren muss, weil sein Chef ihn nie zur Ruhe kommen lässt. Trotzdem ist er relativ zufrieden, denn er bringt es dank seiner Provisionen auf 100.000 R$ im Jahr, seine Ferien benutzt er für Angeltouren mit Kunden.

Fall 14: Pedro, Marketingassistent (São Paulo)
Pedro verdient 17.000,- R$ brutto. In seinem Arbeitsvertrag steht, dass er 40 Stunden in der Woche arbeitet, aber das stimmt natürlich nicht: er arbeitet IMMER: von Montagsmorgens bis Sonntags nachts. Leider steht er ständig unter Stress, denn die Firma für die er arbeitet verlangt einfach nur Top-Qualität und "just in time", und sein Workload ist einfach nur überladen, dazu kommen ständige Reisen, überlappende Termine, Geschäftsessen, Konferenzen etc. Pedro versucht seinen Englishkursus zu beenden, den er aber wegen seiner knappen Zeit schleifen lässt und einfach nicht zum Abschluss kommt. Manchmal trifft Pedro auf Mauro, und Mauro macht ihn den Sack voll weil Mauro mit Pedros Preisen nicht einverstanden ist, und Pedro macht Mauro den Sack voll, weil Mauro nicht begreifen will, dass Pedros Strategie eine andere ist als wie es Mauro sich vorstellt. Pedro nimmt manchmal einen Teil seinen Jahresurlaubs, aber nur einige Tage, weil er für die vollen 20 Tage nie wiklich Zeit hätte.
Benutzeravatar
Takeo
 
Beiträge: 3956
Registriert: Mo 27. Jun 2005, 23:00
Bedankt: 236 mal
Danke erhalten: 578 mal in 361 Posts

Re: So arbeiten Brasilianer

Beitragvon dietmar » Do 5. Feb 2009, 21:49

Fall15: Zilda (32) arbeitet in der Industrieproduktion am Fliessband (mit Carteira logischerweise). Sie verdient etwa 500 R$ netto. Sie lebt mit ihrer 13-jährigen Tochter in einem kleinen Häuschen, für das sie 250 R$ Miete zahlt. Dazu kommen Strom und Wasser, Kleidung, Lebensmittel sowie die Ausgaben für einen Teenager, so dass es fast immer am Monatsende knapp wird. Dann und wann zahlt der Vater mal ein paar Reais, dann sieht es mal einen Monat etwas besser aus. Sie arbeitet Montag bis Freitag von 5 Uhr morgens bis 15 Uhr nachmittags. Ihren Urlaub nimmt sie wie gewohnt auf einen Schlag, sprich sie ist 1 Monat daheim. Entweder sie sitzt dann im Vorgarten oder vor der Glotze - Geld für "Ferien" ist natürlich keines da, da von dem zusätzlichem Geld andere wichtige Anschaffungen getätigt werden (z.B. Möbel, etc.)

Fall16: Maria (54) arbeitet halbtags als Empregada domestica bei einer Privatfamilie (ebenfalls mit Carteira). Zudem putzt sie in einem lokalen Gewerkschaftsbüro. Samstag und Sonntag hat sie frei. Sie verdient etwa 450 R$ netto im Monat und lebt mit ihrem 16-jährigen Sohn in einem Casa Popular, welches sie letztes Jahr von der Prefeitura nach Losziehung bekommen hat. Dort zahlt sie derzeit ca. 70 R$ "Miete", nach ein paar Jahren hören die Zahlungen dann auf und das Häuschen (35qm) ist dann ihr. Früher hat sie oft noch ein paar Reais dazuverdient, indem sie Wäsche für andere Leute bei sich zu hause gewaschen hat, doch dies kann sie jetzt nicht mehr, da sie keine Mauern mehr hat udn das Grundstück nach allen Seiten offen ist. Damals musste sie allerdings auch 190 R$ Miete zahlen. Der Vater unterstützt sie so gut wie gar nicht. Sie hat vor 3 Jahren lesen und schreiben gelernt. Urlaub kennt sie nicht, max. Tage, wo sie nicht arbeiten muss und sich um andere Dinge kümmern muss. Sie kauft derzeit ratenweise Steine, Sand, Zement, Fliesen, etc. um ihr Häusschen aussenrum schöner zu gestalten. Monatlich gehen dafür gut 50 R$ drauf, irgendwann wird sie dann vielleicht anfangen, die Arbeiten durchführen zu lassen. Wenn nichts dazwischenkommt. Sie ernährt sich von Umengen an Reis und Bohnen, Fleisch ist sie, auch wenn es in Hülle auf dem Tisch liegt, aus jahrzehnterlanger Gewohnheit so gut wie gar nicht (gabs damals halt nur 1x im Monat)
Benutzeravatar
dietmar
 
Beiträge: 3379
Registriert: Sa 8. Okt 2005, 14:46
Wohnort: Toledo-PR
Bedankt: 19 mal
Danke erhalten: 105 mal in 81 Posts

Folgende User haben sich bei dietmar bedankt:
Legion1911

Re: So arbeiten Brasilianer

Beitragvon Männlein » Fr 6. Feb 2009, 03:50

Admin hat geschrieben:Fall15: Zilda (32) arbeitet in der Industrieproduktion am Fliessband (mit Carteira logischerweise). Sie verdient etwa 500 R$ netto. Sie lebt mit ihrer 13-jährigen Tochter in einem kleinen Häuschen, für das sie 250 R$ Miete zahlt. Dazu kommen Strom und Wasser, Kleidung, Lebensmittel sowie die Ausgaben für einen Teenager, so dass es fast immer am Monatsende knapp wird. Dann und wann zahlt der Vater mal ein paar Reais, dann sieht es mal einen Monat etwas besser aus. Sie arbeitet Montag bis Freitag von 5 Uhr morgens bis 15 Uhr nachmittags. Ihren Urlaub nimmt sie wie gewohnt auf einen Schlag, sprich sie ist 1 Monat daheim. Entweder sie sitzt dann im Vorgarten oder vor der Glotze - Geld für "Ferien" ist natürlich keines da, da von dem zusätzlichem Geld andere wichtige Anschaffungen getätigt werden (z.B. Möbel, etc.)

Fall16: Maria (54) arbeitet halbtags als Empregada domestica bei einer Privatfamilie (ebenfalls mit Carteira). Zudem putzt sie in einem lokalen Gewerkschaftsbüro. Samstag und Sonntag hat sie frei. Sie verdient etwa 450 R$ netto im Monat und lebt mit ihrem 16-jährigen Sohn in einem Casa Popular, welches sie letztes Jahr von der Prefeitura nach Losziehung bekommen hat. Dort zahlt sie derzeit ca. 70 R$ "Miete", nach ein paar Jahren hören die Zahlungen dann auf und das Häuschen (35qm) ist dann ihr. Früher hat sie oft noch ein paar Reais dazuverdient, indem sie Wäsche für andere Leute bei sich zu hause gewaschen hat, doch dies kann sie jetzt nicht mehr, da sie keine Mauern mehr hat udn das Grundstück nach allen Seiten offen ist. Damals musste sie allerdings auch 190 R$ Miete zahlen. Der Vater unterstützt sie so gut wie gar nicht. Sie hat vor 3 Jahren lesen und schreiben gelernt. Urlaub kennt sie nicht, max. Tage, wo sie nicht arbeiten muss und sich um andere Dinge kümmern muss. Sie kauft derzeit ratenweise Steine, Sand, Zement, Fliesen, etc. um ihr Häusschen aussenrum schöner zu gestalten. Monatlich gehen dafür gut 50 R$ drauf, irgendwann wird sie dann vielleicht anfangen, die Arbeiten durchführen zu lassen. Wenn nichts dazwischenkommt. Sie ernährt sich von Umengen an Reis und Bohnen, Fleisch ist sie, auch wenn es in Hülle auf dem Tisch liegt, aus jahrzehnterlanger Gewohnheit so gut wie gar nicht (gabs damals halt nur 1x im Monat)


Hallo

Ja das Ganze unterscheidet sich zu Deutschland oder anderswo in der Welt sofern es die Arbeit angeht garnicht . Überall muß für das bischen Schotter was man verdient das man zum Leben braucht gearbeitet werden .Wenn du auf die Lebensumstände und die Entlohnung abzielst ja da gibt es Unterschiede . Die aber doch nicht von den betroffenen Menschen verantwortet werden müssen . Da ist doch dieses System hier in erster Lineschuld daran . Keine richtige Schulausbildung . Keine arbeitsgerechte Entlohnung . Von Leben in einem Haus mit 35 qm und zwei Personen kann wohl nicht die Rede sein .Wenn das System es zuläßt das der Erzeuger des / der Kinder sich aus dem Staube macht und vom " Winde verweht spielt " auch ein Problem des Systems . Das ist halt die vom Präsidenten so gepiesene Weltmacht Brasilien die solches zuläßt . Man könnte das Ganze noch erweitern um die Probleme wenn es mal um die Gesundheit dieser Menschen geht . Und man sollte auch die Probleme der Sicherheit Schutz dieser Menschen durch die Polizei und Justiz nicht vergessen .
Ja man kann schon alle Perspektiven verlieren wenn man zu solch einem Leben gezwungen wird .

Bis denne und neulich
Männlein
.
Männlein
 
Beiträge: 1062
Registriert: Do 16. Feb 2006, 16:10
Wohnort: JP Paraiba
Bedankt: 42 mal
Danke erhalten: 86 mal in 68 Posts

Re: So arbeiten Brasilianer

Beitragvon Fredi » Fr 6. Feb 2009, 10:07

Meine Schwägerin (48) arbeitet bei der Justicia federal, sie verdient rund 6'000 reais monatlich und arbeitet 35 Stunden von Montag bis Freitag. Ihr Mann (49) arbeitet bei der Polizei (Kontrolle der Taxi) er arbeitet 30 Stunden unregelmässig und verdient 1'200.
Während den Ferien wohnen wir bei ihnen in Salvador. Es ist mir aufgefallen, dass die beiden nicht negativ von der Arbeit sprechen, in einem gewissen Sinne gehen sie gerne zur Arbeit, so gesehen ist es für sie auch kein Thema um in der Freizeit darüber zu sprechen. Die Schwägerin zieht sich immer schön an, freut sich auf die Kaffeepause mit feinem Kuchen, ist von allen sehr respektiert und geschätzt, ab und zu gehen sie an gemeinsame Feste. Der Schwager geht während der Arbeitszeit Fussball spielen, bei einem Familienfest kommt er für eine Stunde mit dem Polizeiauto vorbei, sein Kollege bleibt dann im Wagen und lässt sich dort verpflegen.
Irgendwie scheint mir die Work-life-balance bei ihnen besser als bei uns. Klar haben sie auch Probleme mit den Kindern, Krankheit der Eltern etc., aber sie nehmen alles leichter und sehen (sprechen) nicht nur das Negative (Problemen), sondern sind lebensbejahende Menschen.
Leider habe insbesondere ich keine annehmbaren beruflichen Optionen in B. Ich finde es schon wichtig, dass die Work-life-balance im Gleichgewicht ist, so gesehen, hoffe ich, dass wir in einigen Jahren den Lebensabend dort verbringen können.
Benutzeravatar
Fredi
 
Beiträge: 101
Registriert: Fr 31. Aug 2007, 07:34
Wohnort: Basel
Bedankt: 0 mal
Danke erhalten: 1 mal in 1 Post

Re: So arbeiten Brasilianer

Beitragvon brasifan » Fr 6. Feb 2009, 13:43

also nochmal klar für alle, bis auf wenige Ausnahmen, musst du in Brasilien viel mehr für dein Geld arbeiten als hier in Deutschland. Alle die mit dem Gedanken spielen auszuwandern, sollten versuchen mit etwas Kapital sich selbständig zu machen
Benutzeravatar
brasifan
 
Beiträge: 289
Registriert: Di 26. Sep 2006, 11:46
Bedankt: 1 mal
Danke erhalten: 17 mal in 16 Posts

Re: So arbeiten Brasilianer

Beitragvon BrasilJaneiro » Fr 6. Feb 2009, 14:39

brasifan hat geschrieben:also nochmal klar für alle, bis auf wenige Ausnahmen, musst du in Brasilien viel mehr für dein Geld arbeiten als hier in Deutschland. Alle die mit dem Gedanken spielen auszuwandern, sollten versuchen mit etwas Kapital sich selbständig zu machen



Egal wie Brasilianer arbeiten. Die sind besser drauf als alle Europaer. Wer nach Brasilien will und glaubt dies mit Geld zu schaffen, der irrt gewaltig.
1. Jede Gelegenheit nutzen um vorher Portugiesisch zu lernen (Mann kann auch Urlaub in Portugal machen, falls billiger)
2. Wenn man als Auslaender Geld braucht dann behalten, ansonsten wegschmeissen.
3. Die Sprache oeffnet alle Arbeitsbereiche. Das Geld nicht. Und als gut ausgebildeter Facharbeiter verdient man immer gut (nicht mit Europa vergleichen!), weil man nicht die Kosten wie in Europa hat z.B. Kleidung, Heizung, Essen, Strom, Wasser. Ausserdem hat man nicht den ganzen Sondermuell in der Wohnung wie in Deutschland,sondern nur das was man braucht.
4.Selbststaendigkeit nur, wenn man eine gute Idee hat und auch was davon versteht. Sonst haben die guten Freunde das Geld schnell unter sich aufgeteilt.
5. Wenn hier einMechaniker 2500 R$ verdient, Miete 500 R$ zahlt und 500 R$ fuer sonstige Kosten, dann hat er immer noch 1500 R$ fuer Lebensmittel. Was will er mehr. In Deutschland ist er doch auch froh, dass die Bank am 20sten ein Auge zudrueckt bis zumMonatsende. Ausserdem kann er viele Dinge auf Abzahlung kaufen. Auswandern bedeutet doch nicht im Lotto gewonnen zu haben, sondern sich woanders wohler fuehlen.
Nicht wissen, aber Wissen vortäuschen, ist eine Untugend. Wissen, aber sich dem Unwissenden gegenüber ebenbürtig verhalten, ist Weisheit.
Benutzeravatar
BrasilJaneiro
 
Beiträge: 4586
Registriert: So 20. Mai 2007, 14:31
Wohnort: Morumbi - Real Parque - perto de Cícero Pompeu de Toledo
Bedankt: 48 mal
Danke erhalten: 684 mal in 541 Posts

Re: So arbeiten Brasilianer

Beitragvon Takeo » Fr 6. Feb 2009, 16:02

Fredi, Deine Schwägerin ist "funcionaria pública' und damit wie die überwiegende Mehrheit der 'funcionários públicos' ziemlich überbezahlt... kein Wunder, dass sie gerne über ihre Arbeit spricht! Männlein hat das schon richtig gesehen: auch in Brasilien muss man für seine Kohle arbeiten, und zwar mehr, viel mehr als in Europa. Ich würde bei meinem Job in Europa das dreifache verdienen. Ausserdem hören wir immer wieder von Kollegen aus dem Ausland (Deutschland/Schweiz): wir in Brasilien arbeiten mehr, länger und vorallendingen mit HÖHERER Qualität - zumindest in unserem persönlichen Falle!!! Wichtig für Fredi ist aber, dass er AUF GAR KEINEN FALL, die Arbeitsbedingungen von 'funcionários públicos' als den brasilianischen Standard ansehen soll!!!
Benutzeravatar
Takeo
 
Beiträge: 3956
Registriert: Mo 27. Jun 2005, 23:00
Bedankt: 236 mal
Danke erhalten: 578 mal in 361 Posts

Re: So arbeiten Brasilianer

Beitragvon Boris » Fr 6. Feb 2009, 16:39

Takeo hat geschrieben:Fredi, Deine Schwägerin ist "funcionaria pública' und damit wie die überwiegende Mehrheit der 'funcionários públicos' ziemlich überbezahlt... kein Wunder, dass sie gerne über ihre Arbeit spricht! Männlein hat das schon richtig gesehen: auch in Brasilien muss man für seine Kohle arbeiten, und zwar mehr, viel mehr als in Europa. Ich würde bei meinem Job in Europa das dreifache verdienen. Ausserdem hören wir immer wieder von Kollegen aus dem Ausland (Deutschland/Schweiz): wir in Brasilien arbeiten mehr, länger und vorallendingen mit HÖHERER Qualität - zumindest in unserem persönlichen Falle!!! Wichtig für Fredi ist aber, dass er AUF GAR KEINEN FALL, die Arbeitsbedingungen von 'funcionários públicos' als den brasilianischen Standard ansehen soll!!!


Ich kenne Leute, die bei der Petrobras arbeiten und einige Selbständige.
Es ist schon nicht so, dass die Brasis mehr als die CH/D arbeiten; insbesondere ist das Arbeitsklima relaxtert. Die funcionários públicos sind bestimmt eine eigene Species.
Auch muss man bei der Qualität ab und zu doch gewisse Abstriche machen; dies ist ja gerade unser Vorteil, dass wir neben der Produktivität qualitativ besser arbeiten.
Benutzeravatar
Boris
 
Beiträge: 65
Registriert: Fr 31. Aug 2007, 09:25
Wohnort: Köln / Rio
Bedankt: 0 mal
Danke erhalten: 1 mal in 1 Post

Re: So arbeiten Brasilianer

Beitragvon Männlein » Fr 6. Feb 2009, 17:10

Fredi hat geschrieben:Meine Schwägerin (48) arbeitet bei der Justicia federal, sie verdient rund 6'000 reais monatlich und arbeitet 35 Stunden von Montag bis Freitag. Ihr Mann (49) arbeitet bei der Polizei (Kontrolle der Taxi) er arbeitet 30 Stunden unregelmässig und verdient 1'200.
Während den Ferien wohnen wir bei ihnen in Salvador. Es ist mir aufgefallen, dass die beiden nicht negativ von der Arbeit sprechen, in einem gewissen Sinne gehen sie gerne zur Arbeit, so gesehen ist es für sie auch kein Thema um in der Freizeit darüber zu sprechen. Die Schwägerin zieht sich immer schön an, freut sich auf die Kaffeepause mit feinem Kuchen, ist von allen sehr respektiert und geschätzt, ab und zu gehen sie an gemeinsame Feste. Der Schwager geht während der Arbeitszeit Fussball spielen, bei einem Familienfest kommt er für eine Stunde mit dem Polizeiauto vorbei, sein Kollege bleibt dann im Wagen und lässt sich dort verpflegen.
Irgendwie scheint mir die Work-life-balance bei ihnen besser als bei uns. Klar haben sie auch Probleme mit den Kindern, Krankheit der Eltern etc., aber sie nehmen alles leichter und sehen (sprechen) nicht nur das Negative (Problemen), sondern sind lebensbejahende Menschen.
Leider habe insbesondere ich keine annehmbaren beruflichen Optionen in B. Ich finde es schon wichtig, dass die Work-life-balance im Gleichgewicht ist, so gesehen, hoffe ich, dass wir in einigen Jahren den Lebensabend dort verbringen können.


Oh du mein Lieber mein Gutster

Ich behaupte mal locker leicht die Beiden sind für das was sie tun total überbezahlt . Der Schwager fürs Fußball spielen während der Arbeitszeit bekommt 1200 Mäuse im Monat .Und ich vermute mal es ist aber reine Vermutung .da läuft auch noch was neben bei . Mann Junge Kontrolle der Taxis :D :D
Aber mal nachgerechnet das wären heute nach Tageskurs 405 Euro . Viel Geld für 30 Stunden pro Woche . Da macht ein Maurer bei harter Arbeit die doppelte Anzahl von Stunden pro Woche . Und spielt kein Fußball während der Arbeitszeit und besucht keine Geburtstagsfeiern .
Ja und die Schwägerin 6000 Mäuse im Monat bei einert 35 Stundenwoche . Alle Sozialisten dieser Welt applaudiern . Das ist ja echt ein Paradies hier .Mal überlegt 6000 Real ( ich denke mal Netto ) bei Tageskurs sind das 2027 Euro . Das verdient in Deutschland nicht jeder Elektriker und die arbeiten alle wieder 42 Stunden härter und mehr für ihr Geld.
Wenn das mich betreffen würde ich würde bezüglich der Höhe meines Gehaltes auf Tauchstation gehen . Aber die sind wie ich das so sehe auch noch stolz darauf .

Bis denne und neulich
Männlein
.
Männlein
 
Beiträge: 1062
Registriert: Do 16. Feb 2006, 16:10
Wohnort: JP Paraiba
Bedankt: 42 mal
Danke erhalten: 86 mal in 68 Posts

Nächste

Zurück zu Auswandern

 



Berechtigungen in diesem Forum

Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

Persönlicher Bereich

Anmelden

Empfehlung

Wortübersetzer

Deutsch/Portugiesisch - Übersetzer in Kooperation mit Transdept

Neu im IAP PortalNetwork

Please enable / Bitte aktiviere JavaScript!
Veuillez activer / Por favor activa el Javascript![ ? ]