donesteban hat geschrieben:
Danke Thomas, interessant. Und eine guter Artikel für alle Vertreter der "Brasilien-ist-Dritte-Welt" Theorie. Das lese ich hier immer mal wieder. Dennoch muss man wünschen, dass die verbesserte wirtschaftliche Stellung nun verstärkt zur Verbesserung der Bildungssituation und zur Korruptionsbekämpfung genutzt wird.
Man braucht aber nicht standard & poors, und auch nicht den Handelsblatt-Artikel, um zu sehen, was in Brasilien geht. Brasilien hat schon seit der Einführung des Reals aus meiner Sicht erstaunliche Fortschritte gemacht. In der jüngeren Geschichte empfand ich die Epoche um Collor 1988-1992 für extrem lehrreich, da die Brasilianer hier Demokratie erlernt haben und gelernt haben mit Skandalen umzugehen, aber die Inflation wurde durch die turbolente Zeit begünstigt, da konnte man kaum was investieren. Das war auch unter dem Interimspräsidenten nicht anders.
Ich habe unter Cardoso das Vertrauen in Währung und Wirtschaft gefasst. Seither ging es immer kontiunierlich aufwärts. Und ich finde auch, dass der jetztige Präsident nicht völlig falsch ist für das Land, bei aller berechtigten Kritik.
Mit offenen Augen sieht man ne Menge Erfolge: Bei Embraer wurden sie auch 1993 gelegt, als man die neuen Regionjets aus der Taufe hob, die Emb 145 und eine Flugzeugfamilie daraus machte. Petrobras hat sich mit Repsol u.a. die richtigen Partner gesucht, Schuhhersteller drängten auf europäische Märkte, ebenso brasilianisches Rindfleisch und Früchte. In Sachen Stahl umwerben die Firmen Brasilien. Bei Ethanol sind sie lange führend. Ebenso bei plastischer Chirogie, Geschlechtsumwandlungen etc..
Was ich aber bemängele, ist,
1. dass man nicht das optimale draus gemacht hat und die Durchlässigkeit von unten nach oben nur gering ist. Wer sich das Schulgeld nicht leisten kann, hat kaum eine Chance, am Aufschwung ebenso beteiligt zu werden, wie die es können. Die Herkunft und die Bildung entscheiden, wer zur Elite gehört. Und hier hat Brasilien eben nur ein Dritte Welt-Niveau für viele.
2. dass Brasilien die Kriminalität nicht in den Griff kriegt,
3. dass Brasilien aus dem Tourismus nie optimalen Nutzen gezogen hat, das fängt schon bei den Airlines an, VASP, Transbrasil, Varig gingen pleite, es gibt bis heute keinen echten Ferienflieger, BRA hat sich hier vergeblich versucht, Infraero mit Dienst nach Vorschrift und der lahme Abfertigung, ein Land fast ohne Züge, kein Transrapid, kaum Autobahnen, also, da fehlt schon die funktionierende Infrastruktur und das geht bei Hotels (kaum große Ketten, Ressorts, AI-Angebote, wenige perfekte Restaurants, , historische Attraktionen, chaotische Stadtplanung und weiter das wenig kundenorientierte Bankenwesen, wo Brasilien überall eben leider nicht TOP ist.
4. Die Bodenspekulation, die mit vile Brachfläche und abenteuerlichen Projekten weite Bevölkerungskreise vom Grundbesitz und der Bewirtschaftung ausschließt.