Hallo H-J,
natürlich sind meine Eindrücke subjektiv. Von der Schule in Deutschland halte ich aber nicht besonders viel, da sich das Leistungsniveau am den Schwächsten orientiert. Ergänzt wird das ganze um die Unsitte, den Lehrern für alles die Schuld zu geben: Hat das Kind schlechte Noten, dann rennen die Eltern in die Schule und beschweren sich über den Lehrer. Als Kind/Jugendlicher merkt man das natürlich irgendwann und fängt an, nach dem Minimumprinzip zu arbeiten (so auch ich, bis 2 Jahre vor dem Abitur, denn da zählen ja die Noten

). Zum Abitur: Welche intellektuellen Fähigkeiten hat ein Abiturient? Das kommt ganz darauf an. Es gibt z.B. die Spezies des singenden, religiösen Kunst-Turners (wobei dem in den meisten Bundesländern mittlerweile der Riegel vorgeschoben ist), also Abiturienten, die mit der Fächerkombination Musik, Religion, Kunst und Sport ihr Abitur bestanden haben. Interessanterweise sind das die Fächer mit den besten Noten, und nur das zählt für den NC und damit fürs Studium (außer in Bayern???). Da man vor dem Abitur die Fächer auswählen kann, hängt es von einem selbst ab, was die Schule bringt, und auch auf welchem Niveau man sich nach dem Abitur bewegt. Für ein ingenieurwissenschaftlich-naturwissenschaftliches
Studium wird man von der Schule gut vorbereitet, wenn man Fächer wie Mathe, Physik, Chemie, Deutsch belegt und auch ernst nimmt. Allerdings hat man hier den Nachtteil der schlechteren Noten. Auf ein geisteswissenschaftliches Studium kann man auch sehr gut vorbereitet werden, wenn die entsprechenden Fächerkombinationen gewählt werden. Das entscheidende ist aber, dass schon vor der Fächerwahl klar ist, was man denn später studieren möchte. Wer eben nicht Mathematik und Co. wählt, und sich dann für ein Ingenieurstudium entscheidet, hat schlechte Karten. Wesentlich ist hierbei aber auch die Frage der Notenoptimierung: Nehme ich Sport und bekomme 13 Punkte oder tue ich mir den Mathe-LK an und bekomme nur 11 Punkte (und damit u.U. nicht meinen Wunsch-Studienplatz)?
Die Ergebnisse der PISA-Studie wundern mich jedenfalls nicht wirklich, wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke.
Auf jeden Fall lernt man in der Schule, auch bei absoluter Unwissendheit selbstsicher und überzeugend aufzutreten; darauf scheint es heute ja auch (leider) anzukommen.
Viele Grüße
Moranguinho